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Full text of "Alemannia: Zeitschrift für Sprache, Litteratur und Volkskunde des Elsasses und Oberrheins"

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Drafk der HoffiUAnn^chen Bnch<lrtiok6r«i in Stutti^ari. 



Inhalt. 



I'ruf. |)). August Meitxen, <.i<>h. Itci.'iiiiiit'iinit, liorliu : lieber 
die Uhren -Industrie des Sdiwarxwalds (mit 2 HiKleni) 

Dr. Peter P. Albert. .Anliiviir, Froihnif! i. ^i.- Ungedruckte 
Aktenstücke zur Geschichte der Ftelagerung FreiDurgs im 
Jihre 1713 

liirsiilie: Zur Geschichte des Freiburger Buchhandels im I S.Jahr- 
hundert - 

I >r. Fritlrich Pfaff, llit'liutlK'kiii', Freil>nrKi. IL: BruchstGcke einer 
altdeutschen Uebersetzung von Einharts Vita Karoll MiumI 

l'n.f. Pr. Karl Bohnenberger . Bil>IiMliekaL-. Tül.injjeii: Die 
Grenze vom anlautenden k gegen anlautendes ch {mh KhtW' 

Iteraolbe: Die Mundart von Schwenningen und Umgebung . . 

Frivatdox. Dr. Robert Petsch, Wiii Kl>iiru : Was ist der Schatz? 

I.iz. Dr. Otto Giemen, Ztviikuu: Eine „schreckliche Historie", 
geidiehen zu Ficgenstall bei Weissenburv am Sand . . . 

Amtflrirliter u 1). Paul Beck, Kavpii-l'iii;;; Merk ward ige Schul- 
feier in Ulm im Jahre 1790 bei der Kaiserwahl Leopolds II. 

PerBelbe; Sm'htriii; :(ti 'ieiii Aufsatz : „Der Orden der verrlickten 
Hofrate" 

Forst meist er Hr. Carl von Fischbach, siaiiLariiiKi-ii ; „Wicder- 
sftnniges Holr' 

Derselbe : „Die schwarze Welt" ,.....,..., 

Dr. Fridrich Pfaff, Hii>liutlR-kur. FreiburK i. B., Kari Heinrich, 
Freiherr von Fahnenberg, der Vater der bji'lisrlieii V.ilkn- 



LirU- 



: BJl.l) 



Ur. Peter P. Alberl, Archivar, FrdburK L B,: Zur Gesdiidite 
des deutschen Buchhandels im 15. Jahrhundert . . . . 

hr. Hermann Mayer. l'i'irrHiii>r, Kn-iburH i. B. : Von der fran- 
zösischen Universität Freiburg i. B. 1688 

I'n.f. Dr. Karl Bohnenberger, Biblii.tliekMr, Tilliiii^'ii: Die 
Grenze vom anlautenden k gegen anlautendes ch. II . 

Dr. J. Karteis, l>.il.iir- i B, Beitrag zur Freibui^er Theater- 
cbronik 

,\mtHrii;hter a- D, Paul Beck, Huviiiöbiirii;: Die Vorlagen fflr 
Sdilller; „Gang nach dem Eisenhammer" 

I>r- Mary Elizabeth Marriage, London r Alte Liederdrucke im 
britischen Museum 

N. W. Tliomas, London: Fragebogen über Tierabcrglauben 

l>r. I. Miedel, GviiiiiusinllehriT, Mt-mnihinfn : Schalzverse . . 

Friedrich von der Wengen, Frojbiir^ I. ti. : Eterichtigung . . 



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260-262 
268-204 
264 - 2t>.'i 



Anzeigen und Nachrichten. 

L. M lil liT, Bttdisclif LantltugHgeafhk-hte l, Bi-Bpr. vii K. Wsr- "'' 

loriUR, Mannheim 173— 

O. V. Elirenberg, iJie Ortsnanjeii auf ■iiiK*?n in Si-hwubeii 

nnd O. Hei li K, Die Ortannmen di-s Kaiserstuhl». Bcapr. von 

Gvmtitisialklirer Dr. J. Miedcl, Mt^mi Hingen 183—1^8, IS8-I9S j 
J. Wille, Brochsftl.a. .^uflHfro. Bw-iir. vonProf. Dr. J. Mavcr, 

Freilmrg i. B 1«:^ 

K. Reiser. Sogen, Gebrftncbc uud Sprich wörU^r den ABgäu» I. 

nnd Lunghuftyr. Die Orts- and Fliirnatnen de» kgl. 

AintBgerichtabezirkH Lindau. Bonpr. viin (ivumaaiitllehri'r 

Dr. J. Miede 1, Memmingeu ....'.. 3ö6— 2W, aiW-a70 
G. Trocitenlirudt. Asoheberger Hprüi-h" nadi A. Hiigel- 

atanxe, Silddeiitecheii BiAuemlebon im Mittelalter. 

Beepr. von Ovianaeiallehrer Dr. L. Frllnkel, Aechafffn- 

burg 271— 27S, 272-^7« 

L. M It 1 ] e r, Badistbe l^^uiltagsgeBchichte II. Beapr, \ou 

E. San oriuB, Mannheim ^7«— 281 

J. A. Zehnter, Geschichte dos Urtea Meioelhaiisen und 

IiiventuredesGr. Bad. Geiieral-LandeBarchivs I. Beapr. 

V"i\ Ih. P. P. Albert, ArdiiTar, Freibnrjj i. B. . - . 381-28i 
Nenjahreblatter iler Bad. Hiet. Kommission. N. F. 4. 

BtBpr. von Dr. .1. Karteis, Freiburg i. B 2B5-iW8 

Zeitschrift für bothdeuts. Iie Mundarten I. Ilespr. 

von Dr, 1'. Pfatf. Hihliothelcar. Freilmr« i- R . . . 2n.-^ 



Ueber die Uhren-Industrie des Schwarzwalds. 

Von August Meitzen, 



Vorbemerkung. 

Nicht dui'cli Füratengimat gepflanzt und gehegt, wie so 

"▼iele Industriell des 18. Jahrhunderts, sondern ganz aus dem 

Volke hervorgegangen ist die Sehwarzwälder ührenindustrie. 

Es ist daher auoh erklärlich, daas wir für die erste Zeit 

ihrer Entwicklung, etwa von 1720— I80(J keine Akten be- 

' sitzen. Die Nachrichten über diese Periode sind uns jedoch 

I in zwei kleinen Schriften aufbewahrt, die den Abt Stei/rer^) 

Torn Kloster St. Peter und den Pfarrer JircA*) von Triberg 

zn Verfassern haben. Voll Bewunderung berichten sie uns 

darin über das technische Können und Fortschreiten der 

Schwarzwälder Bauem-Fabrikanten. Alle neueren Arbeiten 

■ über diese erste Phase der Scbwarzwälder Uhrmaoherei, 

J.anch die vorzügliche von Gothehi'')-, gründen sich auf diese 

ft'lteiden Büchlein, 



■> Slejfttr, F. Geschichte der Si^hivarzw. UhrmaoherkunBt, nehst 
tönern Äohnope von dem Uhrenliandel dirselhcn. Eine Beilaj;^ zur Ge- 
Isthichle des Schwarzwaldes. Fruibur); iT9ti. 

^ Jäek, Trjht;r\f oder VerBUch einer Darstellung der ludustrle und 
l4ee Verkehrs auf dem Schwarzwald. 1Ö08 in Fahneuhur^fs Mag&zio Tar 
vS^tidlung und 1821) io Buchlurm verüfTenUicIit. 

•) Gvtfuin, K, Wirth8cliaftBgeacb,il..Si>liwarzwaldes, Straashui'g 1892, 



. I., S 



I 



2 August Meitzen 

Vom Anfang dieses Jahrhunderts an besitzen wir die 
Regierungsakten im Generallandesarchiv zu Karlsruhe. Diese 
sind von Loth ^) sehr gut und ausführlich bearbeitet worden, 
besonders was den Niedergang der Industrie anbelangt, also 
den Zeitraum von 1810 — 1850. In diese Zeit fallen dann 
weiter zwei Arbeiten, die von Poppet) und die vorliegende 
von Äugtest Meitzen ^ die als Inauguraldissertation 1848 in 
Breslau gedruckt wurde. Während die erstere eine genaue 
und vollendete Darstellung der Technik der Industrie gibt, 
müssen wir die letztere als ein Meisterstück in der Cha- 
rakterisirung der Arbeit, des Lebens und des Treibens des 
Schwarzwälder Uhrmachers jener Zeit bezeichnen. 

In den wenigen Monaten, in denen der junge Gelehrte 
sich im Schwarzwälder Uhrenlande aufhielt, hat er sich Land 
und Leute und deren Verhältnisse gründlich besehen. Da er 
dann zum Vergleich auch die damaligen Zustände der Schweizer 
Taschenuhrfabrikation an Ort und Stelle studirte und weiter 
seine gesammelten Materialien einem Vergleich mit den Akten 
der Regierung in Karlsruhe unterwarf, so ist seine Arbeit 
eine gründliche und ganz vortreffliche geworden. Xiclit nur 
für die Uhrenindustrie allein ist die kleine Schrift eine Fund- 
grube, sondern auch für die Wirtschaftsgeschichte und die 
Volkskunde des hohen Schwarzwalds überhaupt. 

Dem Kenner fällt vor allem die ungemein scharfe Be- 
obachtungsgabe des Verfassers auf. Diese zeigt sich auch in 
nebensächlichen Dingen, so z. B. wenn er uns sagt, dass der 
Schwarzwälder fast immer seinen Regenschirm mitführt, oder 
wenn er sich über die Menge gut betretener Fußwege über 
die Bergeshöhen wimdert, oder wenn er uns erzählt, dass bei 
dem Mittagessen eines Uhrmachers der Speck von Teller zu 
Teller wandert und jeder Tischgenosse sein Stück abschneidet. 



*) Lothf Herrn, Die Uhrenindustrie im bad. Schwarzwald. In deu 
Schriften des Vereins für Sozialpolitik, 84. Bd., Leipzig 1899 erschienen. 

-) Poppe, A, Die Schwarzwälder Uhrenindustrie nach ihrem Stand 
im .lahre 18(J8 technisch und statistisch dargestellt. In Dinglors Journal 
1840 erschienen. 



Ueber die Uhreu-riiJuati'ie des Schwarzwilds 



Das sind ja nur kleine ^Uge, aber sie zeigen uns, dasa der 
Verfasser wirklich in das Schwarzwalder Volksleben eiuge- 
drnngen ist und daas er auch die Ideinen Aeußemngen des- 
selben festzuhalten wusate. Aus seiner kleinen Schrift kommt 
uns ein Erdgemch entgegen wie bei gutem Wein. Und wol 
veistanden: Meitzen ist nicht etwa SchwarzwUlder, sondern 
Kord deutsch er. 

Eine sehr gute Darstellung der Uhrenindustrie filr die 
nenert; Zeit besitzen wir von K. Nc/ioH'), einem Sehwarz- 
wälder. Weiter möge noch die Schrift von Hubhucb *) er- 
wähnt werden. Was uns aber bis heute mangelt, ist eine 
zusammenfassende Darstellung der Schwarzwillder Uhren- 
macherei. Zwar haben TrenUe') und fAitli*) eine solche zu 
geben versucht. Was wir aber an Meitzen bewundern, die 
Ibbendige Schilderung des Uhrcnlauds und seiner Bewohner 
und die gute Daratellimg der Technik fehlt diesen beiden 
Werken. Und doch sind Technik und Volkskunde uner- 
Itisslich, da die Uhrenindusti'ie als das eigenartigste Erzeugnis 
des Schwarzwalda und seiner Bewohner atifziifasaen ist. 
Möge daher SIeitzen für jeden, der die Geschichte dieser 
Industrie schreibt, ein Vorbild sein. 

Der Verfasser, der heute ein berühmter Gelehrter und 
mit Würden und Ehren überhäuft ist, hat sich auf eine An- 
regung der Alemannia hin soi'urt bereit gezeigt, einen 
Neudruck seiner Jugendschi'it't zu gestatten. Seine Disser- 
tation ist in dem stürmischen Jahre 1848 erschienen 
anter dem lateinischen Titel: De artiflcibus iisdemque agri- 
colia. Dissertatio oeconomico-politica quam pro summia in 
philo&ophia honoribus rite obtinendis auctoritate amplissimi 

') Schott, Karl. Die Schwarzwalder Uhmiaclierei. Weltausstellung 
Wien 1878. 

') Hubbuch, Anton. Die Uhreuinduslrie des Suhwaj-zwnldea. In 
(leD Schriften de« Vereins fdr Soiialpolitik, Band 41, Leipzig 1889 er- 
subieuen. 

•) Trentle, J. B. Geschiclile der Schwarzwolder Industrie von 
ibror friiheel.oB Zoit bis auf unsere Tnge. Karlsruhe 1ST4, 

') Loth, Ilfm. Die Uiirenindiisliie a. a. 0. 



4 August Meit/.en 

philoBophonim ordinis in alnia litteraruni universitate Via- 
drina die XI. Februarii a. MDCCCXLIII publice defendet i 
auctor Auguatus Meitzen Vratislaviensis. Yratislaviae, typis 
C. H. Stoi'chii et comp. Sie war die erste deutsche Disser- 
tation, die von der Universitilt Breslau als zulässig erachtet 
wurde, allerdings nur unter dem angegebenen lateinischen ( 
Titel und mit einem Bogen lateinischer Einleitung, die dei 




Beiben entspricht, die aber etwa in Uebersetzung abzudrucken 
keinen Zweck hätte. Diese erste Ausgabe ist beute eine 
Seltenheit ersten Rangs im Buchhandel und ich kenne 
Bibliotheken und Professoren, die jahrelang auf ein Exemplar 
fahndeten, ohne es zu bekommen. Aus diesem Grunde diirfte 
schon ein Xendruck gerechtfertigt sein. Dieser wird aber 
dem Forsoher um so willkommener sein, als zum ersten Male 



Ueber die Uliren- Industrie des ScliwnrzwftWa 



auch die Beilageu mit abgedruckt werden, die in der alten 
Ausgabe wol angezeigt waren, aber nicht erschienen sind. 
Meitzens Persoü und wissenschaftliche Leistungen recht- 
fertigen es wol, wenn wir hier sein Bild bringen und mit 
einigen Worten näher anf ihn eingehen. Friedrich Emat 
August Meitzen wurde am IG. Dezember IB22 zu Breslau 
geboren, atudirte seit 1843 an den Universitäten in Breslau, 
Heidelberg und Tübingen anfangs Naturwissenschaften, später 
Rechts- nnd Staats Wissenschaften, hereiste in dieser Zeit auch 
viele Industiiegegenden Deutschlands, Oesterreichs, der Schweiz 
und Italiens und proniuvirte am 11. Februar 1848 mit der 
vorliegenden Abhandlung an der Universität seiner Vater- 
stadt. Inzwischen war er im Jahr 184IJ in den Justizdienst 
eingetreten, arbeitete 184i^ als Volontär im Finanzministerium 
zu Berlin, 1849 am Landratsamte zu Tecklenhurg, war noch 
in demselben Jahre zu Munster, 1850 zu Breslau als Re- 
gie rungsref er e ad är tätig, hier ein Jahr lang mit der Leitung 
der Deichregulirungsgeschäfte für Schlesien beauftragt. Im 
Jahre 1853 erwählte ihn die Stadt Hirscbberg zum Bürger- 
laeiater, 185(5 trat er als Regierungsassesaor in den Staats- 
dienst zurück und wurde Spezialkommisaär zu Breslau, 1861 
GrandsteuerregulirungskonnnissSr. Gleichzeitig widmete er 
sich unter Wattenbachs Leitung archivaliachen Studien zur 
Agrargeschichte Schlesiens, als deren Fnicht er 1863 den 
IV. Band des Codex diploraaticua Silesiae (Urkunden schle- 
sischer Dörfer zur Geschichte der ländlichen Verhältnisse und 
der Flureinteihmg insbesondere) licrausgab, 1865 wurde 
Meitzen zur Bearbeitung des Werks „Ueber den Boden und 
die laiidwirthscbaftlichen Verhältnisse des preussischen Staates" 
nach Berlin berufen, erhielt 18G8 als Regierungsrat die Stelle 
eines Mitglieds des preussischen statistischen Bureaus, wurde 
1872 Geheimer Regierungsrat und erstes Mitglied des kaiser- 
lichen statistischen Amtes des deutschen Reichs, auch 1875 
im Nebenamt auUerordentlicher Professor der Staatswissen- 
schaften an der Universität zu Berlin. Am 16. Dezember 
1892 wurde er daselbst zum ordentlichen Honorarprofessor 
ernannt. Seit 1882 ist er wegen schwankender Gesundheit 



vom statistischen Amte verabschiedet, blieb aber mit der' 
Führung wesentlicher Arbeiten betraut. Inzwischen hat er, 
zum Teil amtlich, alle Staaten Deutschlands, Oeaterreich- 
Ungarn, Russland und die Ostaeeprovinzen , Schweden und 
Norwegen, England, Frankreich, die Schweiz und Italien für 
agrarische Studienaweoke bereist und hauptaäcblieh in dieser 
Kicbtung eine große Zahl von Aufsätzen und sethständigen 
Werken veröffentlicht. 

Die Krone derselben bildet sein 1895 erschienenes groß 
angelegtes Werk: „Siedelung und Agrarwesen der 
Weatgermanen und Ostgerraanen, der Kelten, Römer, 
Finnen und Slaven", worin er seine bahnbrechenden Unter- 
suchungen über das Agrarwesen Europas niederlegte, von 
denen man sagen darf, dass sie die Agrargeschichte der 
europäischen Völker auf eine neiie, reale Grundlage stellten, 
die dauernd unersetzlich bleiben wird. 

In das engere Forschungsgebiet der „Alemannia" gehört 
seine 1S82 veröffentlichte Schrift: „Das deutsche Haus 
in seinen volkstümlichen Formen'' und ganz be- 
sonders seine hier zum Wiederabdruck gelangende Erstüngs- 
arbeit. 

Dem verehrten Verfasser sei an dieser Stelle unser 
herzlichster Dank für sein liebenswürdiges Entgegenkommen 
abgestattet. 



Jjie Torliegende äc}irU't enthült rlie Resultate eines mehrmouat- 
licheu Äntenihalta im Muhwarzwulde. 

Ich bezweckte mit demselheu nufiluglich nur einen allgemeinen 
Blick in die Fabrikation der bekannten Schwiirzwälder-Uiiren, über- 
zeugte mich jedoch bald, dass diese Industrie iu ihrem Entwickelunga- 
gange und in Ibreu Arbeiterzustunden versuhiedene , eigentümliche 
und interesEiutte Gesichtspunkte darbietet, die zu genauer Betrachtung 
BUiTordei-n. 

Ich machte daher das Kreisstädtchen Triberg zum Mittelpunkte 
ziiklreicher Äuafiüge, auf denen ich mit wenigen Ausnahmen alle 
Indastriegemeinden zu verschieden en Haien berührte und die maunig- 
faltigMten Bekanntecliaften unter allen Klassen der BeTölkeroug an- 
knüpfte. Ich wurde von den Beamten, denen ich meine Absicht 
mitteilte, auf das Bereitivilligste unterstützt, und erhielt besonders 
von Triberg aus eine große Zahl höchst wichtiger Ratschlage und 
Empfehlungen. Indem ich keine Gelegenheit unbentitzt lieli, in daa 
Volksleben zu dringen, den Einen durch Freundlichkeit und luterease 
an der Sache, den Anderen durch Ratschlü^e, Zeichnungen u, dergl. 
gewann, sah ich mich imstande, ein Urteil über die Zustände zu 
fällen, und ging, nachdem ich im Kanton Neuchatel V ergleich ungs- 
jinnkte gesucht hatte, nach Karlsruhe, 

Hier erwarben mir gütige Empfehlungen hochverehrter Liebrer 
in den einfluss reichsten Staatsbeamten so unerwartet zuvorkommende 
Förderer, doss ich Eiusicht in alle vorhandenen Aklenstiioke und 
Hilfamittel erhielt, und mich durch eine nochmalige Revision raeiner 
Materialien an Ort und Stelle zu nachfolgender Darstellung vorbereitet 
tinden konnte. 

Die vorhandene Literatur der Schwarzwalder Industrie, die ich 
inzwischen kennen lernte, besteht in einem .Aufsatz de»; Domkapitubrs 
nndPfairers zu Triberg, Jäck. der 180« geschrieben, in Fahnt 




Äu^uat Meiteen 



bergs Magazin für Handel und Hundelsgesetzgebnog abgedruckt, 
und apSter 182(1 zu Konstaüz unter dem Titel «Trj-berg- abge- 
sondert lierauBgegebeii worden ist ; und in einer Dsretellung von 
dem Lehrer Foppe im Dioglerschen polytechnischen Jonmal, Jahr- 
gang 1840. 

J ä ü k gibt eine genügend zuverlässige Erzählung des Ent^ 
Stehens und Fortschritts der Industrie. Poppes Verdienst besteht 
in einer vortrefflichen und genauen Darstellung der Technik. Die 
Zustände der Wälder sieht er, wie oiir scheint, in einem etwas tm 
günstigeu Lithle, und dn ich iiiclit weifl, auf welchem Wege er im 
Einzelnen zu seinen Erfahrungen gelangt Ist, habe ich sie mit den 
meinigen nicht verwobn-n , und Anführungen aus ihm ausdrücklich 
bezeichnet. 

Ich gebe zuerst die Entwicklungsgeschichte der Industrie, wie 
ich sie teils aus diesen Schriften, teils, und für die neuere Zeit haupt- 
süchlich, aus dem Munde der Fflbrikanteu selbst entnehmen konnte, 
und will dann die heutigen Zustände zu schildern versuchen, und 
zwar einerseits die technischen , andererBeits tlie Lebe na Verhältnisse. 



Der Teil des Schwarawslds, auf dem sich die ührenindustrie 
in einein Umfange von etwa Vi O Meilen ausgebreitet hat, ist das 
eigentliche Zentrum des Gebii-gea, dessen Zweige von da nach Korden, 
nach Südwesten und Südosten dem Klieintale zulaufen. An den so- 
genannten Hochberg, der die Wasserscheide des Itheins und der 
Donau ist, lehnen sich sternförmig hohe und weite Täler an, die 
verschieden gekrümmt in ihrem Veiiaufe den Ciiiirokter steiler Ab- 
grunde annehmen, die die gebirgige Hochebene scharf durchschneiden. 
Die Täler sind durchschnittlich 2000, die Gipfel bis 3500 Fuß hoch 
und trotz der südlichen Lage einem außerordentlich rauhen Klima 
ausgesetzt Der Winter dauert 8 Monat, der Sommer bringt viel 
Hegen, und oft plötzlich eine Frostnacht ; Hafer kommt selten, anderes 
Getreide fast nie zur Reife. Dabei ist sehr wenig fruchtbarer Boden 
vorhanden, denn die Gipfel sind rauh und steinig, die Sohle der 
Täler aber in ihrer ganzen Länge von fiefem Sumpf und Moor ein- 
genommen , so dasB für den Ackerbau nur ein schmaler Streifen an 
den Berglehnen bleibt, der niit b- bis lOjäbrigem Dreesch mühsam 
bebaut und zumeist zu KartoH'eln verwendet wird. 

Die Bevölkerung, die gewissermaBen die Katar schon auf 



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l'eber die Uhren-Industrie des Sohwarzwalds 9 

dnen industriellen Erwerb hinweist , besteht aus fränkiEchea und 
alemuinischen Stümmeii, die sich heut noch durch die Körperbildimg 
der Fraueu untei-scheideu Ussen. Ihre Haupt charftkterzUge sind 
Derbheit, Mutterwitz, entachiedenea mecliftnisches, ja kiinatleriaches 
Talent, Fleiß und grolie Liebe zur alten Sitte und Gewohnheit. 

Auf dieBem Boden wurde zu Anfang des IHten Jahrhunderts 
durch eine eurällige Yeranlaasung der Keim zu der heut blühenden 
Industrie gelegt. 

Der Abt von 8t. Peter hatte im Dorfe Neukirch am Fuße des 
Hachbergs eine Glashütte anlegen lassen, und Hausirer vertriel>en 
von da das Glas, Kin solcher Glashgndler brachte wahrscheinlich 
aus Böhmen eine hölzerne Stundenuhr mit und hing sie in der Glas- 
hatte auf. 

Die Uhr war in hohem Grade unvollkommen, sie hatte nar 
einen einzigen ^iger, eine Unruhe nach Art der Taschenuhren, weil 
der Perpendikel damals noch nicht bekannt war, und nur drei Räder, 
alles roh aus Holz geschnitzt. Indesa machte dies grade die Nach- 
ahmung möglich, und die neugierigen Nachbarn ruhten nicht eher, 
bis sie mit Messer , Feile und Bohrer einige ähnliche "Werke zu- 
stande gebracht hatten. Man legte auf diese Kunststücke großen 
'Wert , und bald beschäftigten sich einzelne Männer ausschheßUch 
damit und gründeten eigentliche Werkstätten. Sie gaben den 
Hausirern, die mit dem Glase ins -^.usland gingen, die Uhren mit 
und erhielten bei der Neuheit des Artikels bald einen ausgedehnten 

Jäok zählt ftir das Jahr 1740 31 solcher ursprünglicher 
', die sich in die verschiedensten Ortschaften verteilten, 
nnd jeder eine Art von Musterwerkstatt bildeten, in der sie 8chüler 



3 müssen äußerst denkende Kopfe unter ihnen gewesen sein, 
3 bildeten hinnen wenigen Jahren die Uhren zu der noch 
heute gehräuchüclien Konstruktion aus, und fertigten sehr kompllBiert« 
Planeten- und Figureuuhren, ja sogar Taschenuhren von Holz. Die 
"Werkzeuge dazu erfanden sie größtenteils selbst, und einige der- 
Belbeu, wie der Spindelbohrer, die Teilscheibe, das Zahngeschirr, 
legen sehr vorteilhafte Zeugnisse Tür sie ab. In diesen Bemühungen 
zeichnete sich besonders Friedrieh D i lg e r aus , der deshalb mit 
Uhren nach Paris ging, um dort die Werkzeuge der Uhrmacher 
kennen zu lernen, und der Professor Hinderte zu Freiburg, der 
die meisten Werkzeuge wesentlich verbesserte. 




10 August SteitzeD 

Damnla hatte der Schwarzwald noc!» gsDZ daa mittelalterliche 
GeprHge. Der Grund und Boden gehörte den Klöstern, und war in 
sehr großen Pai-zellen an Banem zu Erb- oder ErbziiiBjiatht aua- 
getan, die damuf hauptsächlich Viehzucht trieben und ihre Produkte 
gegen Brodi'rüehte in der benachbarten Bor absetzten. Bei dem 
Futt erreich tum konnten sie sehr zahlreiche Herden halten, ihre 
Wohnungen, ihre Kost, ihre Sitten waren auf diese Beaohäftigung 
bezogen, und sie lebten nach ihrer Art gemächlich und wurden reich. 
Die neue Industrie wnr daher für sie niebr Lieblingssache und 
Nebenbeuchäftigung als Bedürfnis, und bewirkte in ilirer Lebens- 
weise keine Yersaderun^. 

Von größerer Wichtigkeit für die Gestaltung der Verhiiltniase 
war, dass die unbeerliten Söhne, die nach dem Landes-reh rauch von 
ihren bevorzugten Brüdern meist unter demaelben Dach behalten und 
mit etwa zwei Morgen Acker, auf denen sie eine Kuh halten konnten, 
als Losung Ausgestattet wurden, die Industrie vorzugsweise ergriffen. 
Sie sahen in ihr eine Gelegenheit von ihren reichen Brüdern unab- 
hängig zu werden, ja es ihnen in manchen Stücken gleichtun za 
können, verliefen deshalb die Dienstbarkeit , übergaben ihre kleine 
Oekoiioniie an Weib und Kind, und arbeiteten bei den Meistern als 
Gehilfen, um bald eigne Werkstätten zu gründen. 

Da sie ihre Wünsche nicht hoch spannten, sondern ihr Ideal 
immer die übliche Inndliehe Lebensweise blieb, so konnten sie die 
Preise ihrer Arbeit sehr niedrig ansetzen. Für eine fertige tJIir 
forderten sie nur 50 kr., und beförderten dadurch den Absatz so 
sehr, dass die Nachfrage neue Arbeiter schuf, und schnell eine 
selbständige Handwerkerklasse entstand, die sich gleichmäßig auf 
den Besitz eines sogenannten Kuhteils stützte und ihre übrigen Be- 
dürfnisse ans der Industrie befriedigte. 

Die größere Regelmäßigkeit und Sicherheit, die dieser ener- 
gische Aufschwung in die Fabrikation brachte, veranlasste die Fa- 
brikanten in sehr kurzer Zeit sich in die Arbeit zu teilen, so dass 
bald niemand mehr eine ganze Uhr, sondern jeder nui* einzelne Teile 
verfertigte. 

Diese Ver^derung scheint die Technik sehr rasch gehoben zu 
haben, da man sich nun über die zweckmäßige Anordnung »er- 
^täudigen musate und jeder Arbeiter gröltere AuAnerksamkeit auf 
seinen Zweig verwenden konnte; andrerseits machte aber daa In- 
einandergreifen auch Abänderungen sehr schwierig, daa Genie des 
Einzelnen niusste sich auf kleinere Kreise beschränken, und 



Ueln?r die niren-Iniiuiitrie des Seliwarzwolds 



11 



■'scheinen nnch die Uhren bald eim 
I barkeit erbalteu zu httbeu, der hiore 
' man sagen, dass der Fortschritt der 
I 1740 in gar keinem Verhältnisse 



I 

I 

I 

l 



n gewissen Grad von Brauch' 
(!hend erschien ; wenigHtens muEe 
luduBtrie von ihrem Ursprünge 
folgenden 100 Jahre 
.m.ligen 



bis heut steht und die Fabrikation gegenwärtig übe 
Standpunkt nur äußerst wenig hinauBgekommeu ist. 

In eine desto glänzendere Periode trat um 1T40 der Handel. 

Die Hansirer, die jetzt meist seibat Uhrmacher waren, hatten 
Usher immer nur den Sommer im Auslande zugebracht, den Winter 
aber zu Hau^e nuf Vorrat gearbeitet. Dadurch waren sie gehindert, 
die entfernteren Länder zu erreichen, und man kam deshalb auf die 
Idee, in Eiaenach einen Stapelplatz zu errichten, von dem nua ihnen 
TJlireu nochgesendet werden konnten. Die Geachäfte häuften sich 
hier bald so, dass die Krämer, die die KohsloiTe uud Werkzeuge 
Bua dem Auslände bezogeu , die Zusendung der Uhren in die ver- 
schiedenen Landesteile, in denen sie Geschäftaverbindungen hatten, 
fibeinabmen. 

Dadurch erhielt jeder Hausirer gewissermaßen einen Geschäfts- 
führer in der Heimat , der seine besonderen Wunsche im Einzelnen 
berücksichtigen und bei seiner groften Bekanntschaft unter den 
Arbeitern auf das Sorgaamste ausführen lassen konnte. 

Zufolge dieses vorteilhaften Systems finden sich die Haurärer 
schon 1T70 nicht allein in Frankreich, Spanien und England, sondern 
itogar in Russland , der Türkei und Amerika , und der Absatz 
i-Stieg flo bedeutend, dass Jäck die Zahl der um 1800 ausgeführten 
lUhten auf jahrlich UOOOO Stück schätzt und fUr das Jahr 1808 
SS2 Hausiier Kälilt. 

Sein Schriftchen macht überhaupt einen tieferen Blick in den 
Zustand der Industrie am Ende des It^ten Jahrhunderts möglich. 

Die Fabrikation hatte damals den handwerksmäßigen Cha- 
rakter Bchon völlig ausgebildet. 

Der Arbeiter trat als Lehrling bei einem selbständigen Fabri- 
kanten seine Laufliahn an, wurde nach 2 bis 4 Jahren Geselle, und 
verließ dann das Haus seines Lehrherrn, um sich bei verschiedenen 
Ueiatem so zu vervollkommnen, doss er seine eigne Werkstatt er- 
richten konnte. 

Bis zu dieser Zeit war er Hans- und Familiengenosse des 
U^flters, der selten mehr als einen Lehrling und einen Gesellen be- 
fchäftigte, und ihnen für ihre Arbeit Wohnung, Kost und ein ge- 
riiiges Lohn verabreichte. 




1! 



August MeitzeD 



Die Trennung der einxe\a«D Arbeitszweige war längst bestimmt 
ausgesprochen, so dass nie ein Meister von einer BeschäftigangBart 
zur anderen überging. Die einzelnen Zweige waren aclioD ziemlich 
dieselben wie heut. 

Es gab Leute, die die hölzernen Geatdle, in welche das eigent* 1 
liebe ^^'e^k erst später eingefügt wird , von Budienbrettchen zn-f 
aammen setzten ; andere, die fiebtene Holztafeln verfertigten, welche 1 
die Orundlage des Zifferblattes bilden; endlicb solche, die nur dio 
eigeiitüinliclien Werkzeuge arbeiteten , die man niclit yom Äustanda | 
beziehen konnte. 

Diese Zweige fasst Jäck unter dem Namen Vorarbeiter i 
aammen, und gibt nn, dam ihre Zahl im Jahre 1808 im ganzM 
Bereich der Industrie Tu gewesen sei. 

Neben ihnen fuhrt er 127 Nebenarbeiter an. Dies sind dU J 
Zifierblattmaler, die Zeiger- und Perpen dik ei ver fertiger und di»| 
Gießer, die seit etwa 1760 eine sehr wichtige Rolle spielen, als i 
angefangen hatte, die hölzernen ßäder mit messingneu zu vertauschen^^ 
und das QieiSen der Rader und Glouken auf dem Walde allgemein wurdet I 

Der eigentliche Kern der Arbeiter waren wie heut die Uhr- | 
inacher, welchen die Ausarbeitung und Zusammensetzung des Werkee 
überlassen bleibt. Ihr Geschäft erfordert so überwiegende Zeit usd.] 
Mühe, dass ihre Zahl hei weitem die der andern Arbeiter übersteigt«« 
Jack gibt sie lUr den damaligen Stand auf {i88 nn. 

Die Industrie zahlte demnach in 21 Gemeinden auf 17 62t 
Seelen 8!)0 Arbeiter und äB'i Hausirer, ausser den Bpeditören odtt 
Packern, deren Zahl er nicht genauer beatimint. 

Eine Uhr, die Stunden Sflilug und einen Tag lang ging, ■ 
damals durchschnittlich mit 3 fl. dem Meister bezahlt, wovon etiAI 
2 ä. als Arbeitslohn zu rechueu sind. Da ein Uhrmacher in 6 Tagen 1 
4 Stück vollendete, so verdiente er wöchentlich 8 fl.. und Neben- 
luid Vorarbeiter mögen bei der viel größeren Stückzahl ihrer Pro- ] 
duktion einen etwa gleichen Verdienst erlangt haben. 

Die Hausirer, denen das KaufgeJd kreditirt wurde, bis sJt ] 
die Uhren abgesetzt hatten, erhielten im Auslände den drei- md I 
vierfachen Preis , so dass sie trotz der Reisekoslen immei 
deutende Summen erübrigten. 

Auf diese Weise strömten dem Walde ziemHch große Kapitalien 
zu, die. richtig angewendet, der Industrie die Kraft zu durchgreifenden 
Verhesserongen und hauptsächlich zu einer technischen und kanf- 
1 Bildung ihrer Arbeiter verleihen konnten. 



ITeber die ITiren- Industrie ilee Si'hwarzwalds 



18 



I 



AUeiii diese Wendung der Verhältnisse lag ganz ausser dem 
GedankeakreibB und den Wünscheu dei- Schwarzwälder. Verbease- 
rungea hielten sie für unnötig, JK unmöglich, denn ihre Uhren hatten 
ednen vortreflf liehen Markt und brachten Geld, nnd damit sctiien die 
Probe ihrer Zweckmässigkeit und Brauchbarkeit vollständig geliefert. 
Ausser einigen sehr geringen Veriinderungen im technisehen Betriebe 
«hmten sie nur die Sluater ihrer großen Meister Stift für Stift und 
Zabn fär Zahn nach. 

Abel" auch einer Verfeinerung ihres Lehens oder irgend einer 
geistigen Kultur wnren sie gänzlich abgeneigt. Sie fühlten sich bei 
ihrer Milchkost, in ihren ungeheuren hölzernen Häusern, die der 
Kaucli in allen Bäumen durchzog, ganz wol. Selbst die weitgereisten 
Hausirer waren froh, ihre heimatlichen Gewohnheiten wieder an- 
nehmen zu können, und so war ihnen das Geld überflüBsig und wurde 
verschwendet und verprasst. 

Ein paar Tage in der Woche wurde gearbeitet und höchst 
frugal dabei gekht, dann aber der Wagen angespannt und mit Weib 
und Kind von einer Hochzeit zur anderen gefahren; zu jedem Taufen, 
Kircbweih oder anderer Festliclikeit lud sich das ganze Dorf und 
die Kaebbarge mein den selbst ein , und jeder ass auf seine Kosten so 
viel er kannte, von früh bis in die Nacht. Die Männer spielten um 
Goldstücke Karten und Kegel, und die Weiber trugen silberne Ketten 
mehreren hundert Gulden Wert. Von dieser Herrlichkeit wissen 
■Ite Leute noch viel zu erzählen, und in den heutigen Gebräuchen 
finden sich noch manche ihrer Spuren, doch untergrub sie sich leider 
Belbst, und raubte der Fabrikation die Kraft, dem ersten ernsteu 

e KU widerstehen, der sie traf. 

Diesen verursachte die französische Revolntion. 

Frühere Kriege des IBten Jahrhunderts hatten die üandler 

»war such von einzelnen Land erstrecken verdrängt, allein der Absatz 

Kit darunter nicht, der Hausirer wanderte weiter und fand neue 

itschädigle] 



1. Durch die Kevolutionakriege 

gleichzeitig zerrüttet und erschöpft, 

ie Uhren , eine bedeutende UandeU' 

eser Ausfall wurde noch durch Ein- 

id Lasten und durch den Verlust fast 



wurden aber alle Absatzlnndi 

dass ein Luxusprodukt, wie d 
I ttockung erfahren mu!<ete. Di 
t i]uftrtieraDgen, Kriegsstenern ui 

nller ausstebeuden Forderungen vennehrl , so dass die vorhandenen 

KApitalien verzehrt wurden und die Vei-mogensverhSltnisse des Walde« 

iich sehr zum Nachteil änderten. 

Wie natürlich warf man eich nun trotz des Abeatzmangels um 




14 



Äugiiät Mui 



so lieftiger in die Fiibrikatjon, uGd bald iiiadite die große Konkurrenz 
die Uhi-eii um ein Dritteil fallen, während die KontineutalspeiTe die 
Materialien um ein Bedeutende» v^rtbeueHe. 

Dieser Zustand besaerle sitb auch dann nicht, als nach einigen 
Jahren der Absatz wieder stieg, denn es breitete sich in dleeer Xeit 
die Industrie selir rasch über eine große Zahl von Nachbargemeinden, 
nach Norden und Osten zu, aus, von denen sie ebenfalls nur die 
arme unbeschäftigle Bevölkerung erhielt, weil diese Gegeoden echou 
einen eintriiglichen Ackerbau treiben. 

Bis in die neuere Zeit stieg die Zahl der Gemeinden von 22 
auf einige und 70 , und der Zuwachs an Arbeitern mag etwa das 
C fache betragen. 

Diese mittellose Maese drängte in größter Hast der Produktion 
zu, und die Konkurrenz wurde noch dadurch gesteigert, dass der 
Verkauf der Uhren ais Bedürfnisses iles niederen Volks sehr von 
guten Ernten , von dem vorteilhaften Gange anderer Faljrikationeii 
und von den aufgebitufteu Vorräten abhängig ist, so dass gewisse 
wiederkehrende Scliwaukuugen unvermeidlich sind. 

In solchen Zeiten plötzlich übermäßig steigender Konkurreaz 
wissen auch in anderen Industrien Fahrikherren und Kaufteule 
keinen Kat, viel weniger diese Bauern, die nicht den geringaten 
Ueberblick über ihr Geschäft hatten. Ihnen war die alte Zeit das 
Ideal; Verbesserungen lagen nicht nahe und waren kostspiehg; sie 
sahen also keinen andern Ausweg, als de^tu emsiger zu arbeiten und 
immer mehr zu produwren, 

Sie erfanden einige Werkzeuge, die die Arbeit erleichterten, 
hielten hartnackig eine 12- bis 14 stündige Arbeitszeit inne, und 
fertigten eine Uhr jetzt in einem Tage, zu der sie früher wenigstens 
einen und einen halben hraucliten. 

Unt«r andern Verhältnissen fülirt ein solcher Zustand zur 
Ueberproduktion und endlich zum gänzlichen Buiu. Glücklicherweise 
scheint aber der Absatz, wenn auch nicht völlig, doch wenigstene 
ausreichend mit dleeer gesteigerten Produktion Schritt gehalten 
zu haben. 

Es liegt mir der Volzscbe Gsweriiekalender Jahrgang 1834 
vor, der fiir die Jahre \S2ü, 30 und 31 die L'hrenausfuhr aus Baden 
durchschnittlich auf 7Ü0Ü Ztnr.. also etwa 194 000 Stück, nnchweist; 
femer ein Bericlit des französiBcheu FicanzminiSters, der die Schwarz- 
Wälder Uhreneinfuhr in Frankreich allein für 1821 auf 100156 
Stück, und den Konsum auf 37 48S; für |)?3ii und 183!' die Einfuhr 



lieber die Uhren-Industrie dea Suhwur 



valdB 



15 



«nr 195058 und 157 89G, den Koueum suf T8,59B nnd 79,5i;3 Htück 
«ngibt. 

Poppe berechnet für das Jtibr 1840 die GeBaratprodiiktion 
ftDf 540000 Stück, und ioh glaube sie aus Grriinden, die ich später 
jm^hren werde, fUr 1845—1846 anf ßOOOOO Stück nnschlagen zn 
müssen. 

Da man nun ohne großen Irrtum annehmen kanu, dass Deutacli- 
Isud eher mehr ah weniger, England aber wenigstens doppelt so viel 
kIb Frankreich konsumirt, nnd der Verbrautdi der übrigen Länder 
ebenfalls dem von Frankreich gleich ist, 80 Inaat sich 
der französische Konsum als ein Fünfteil der Gesamtproduktion be- 
rechnen, und es entsteht Itir das Steigen des Absatzes aus den obigen 
Angaben folgende UeberEicht : 

160S — 110 000 Stück 
1821 — 187 500 „ 
und 31 — 194 000 . 
1886 — 393 000 \ 

1839 — 398000 . 

1840 — 540 000 . 
1845— 4(i — 600 000 . 

hier die Genauigkeit der einzelnen Zidilen »elir 
iterliegt. so ergibt sich doch im allgemeinen eine 
etwa öfftche öteigemng, die sich dui'ch das Aufblühen der englischen, 
französischen und deutschen Industrie, durch das vermehrte Be- 
dürfnis genauerer Zeiteinteilung, und die gröltere Zahl von Hauairern, 
die mühsam ihr Olück suchten, erklären läast. 

Ea waren also die Arbeiter faat immer hinreichend beschäftigt, 
■o dass ein eigenllicber Notstand nie eintrat, doch machte sich ein 
allgemeiner Druck geltend, den sie in früheren Zeiten nicht gefühlt 
liatten. Trotz grolter Anstrengung gelangten sie zu keiner Wol- 
babenheit, und wie Armut immer die Bildung verhindert, so blieben 
'aie BO »iel wie möglich die alten, wurden dem ausgedehnteren Ver- 
'kehre immer fremder, und waren zufrieden, wenn aie ihr ländliches 
Fknüliemleben ohne wesentliche Entbehrungen fortfiihi-en konnten. 

Dieser Passivität gegenüber wuchs sehr schnell der Einfluas 
der sogenannten Packer oder Speditöre und grifi' wesentlich in die 
Verhältnisse ein. 

Ich habe schon erwähnt, dass die Speditöre Wirte und Krämei' 
wnren, an die die Haosirer vom Auslande her ihre Aufträge machten. 
|8ü ftbernahmen die Bestell nng der Uhren bei den geeigneten 



zusammen etwa i 
der französische 
rechnen, und es 

»Angaben folgend 
1829, ; 
Wenn auc 
vielen Zweifeln t 



16 



Aue^Bt Mcilze 



Fabrikanten, uahmeu die fertige Ware ab und sendeten sie ^em 
Hausirer zu; hatte dieser die Uhren verkauft, so schickte er das 
Geld dem Speditör ein, und dieser zahlte es den) Fabrikanten aus. 

So lange diese Geschäfte sich nur auf Einzelne beschränkten, 
war es ohne wesentlichen Einflus», dass der Speditör ganz fruie Hand 
hatte, die Bestellungen auszuteilen, an wen er WüUte, und damit 
natiiriich nur seine guten Bekannten und Freunde bedachte. 

Mit der iieit machten aber die größeren Entfernungen das 
eigne Hausiren der Fabrikanten immer seltener, es wurde häufiger, 
dasa Hausirer lange Jahre im Auslände verweilten und dadurch 
mit den einzelnen Werketütten und ihrer Arbeit unbekannt wurden ; 
dazu kam , dasa bei den erwähnten Verhältnissen das zeitraubende 
Hin- und Hei'sch reiben, die verwi ekelt eren kaufmännischen Geschäfte, 
der Wecliaelbezug und die Frachtbriefe die Fabrikanten immer mehr 
von der eignen Teilnahme am Handelsverkehr abschreckte; kurz es 
vereinigte sich im Verlauf der Jahre hei weitem der größte Teil 
der Geschäfte in den Händen der Speditöre. 

Nun waren die Fabrikanten genötigt, bei ihnen um Arbeit 
md mussten sich dazu verstehen, ihnen irgend welche 



nachzusuchi 
Vorteile 

Diese Konku 
auf die sogenannt« 
Uhren abnahmen, c 






um ihre Gunst zu erlangen, 
iz blieb eigentümlicherweise ohne allen Einfluss 
Marktpreise , nach denen die ypeditöi-e die 
1 nach denselben Sätzen berechneten sie sie auch 
wenn diese bei ihren Besuchen zu Hause in 
Erfahrung gebracht hätten, dass die Preise bedeutend niedriger 
ständen , würden sie ebenfalls eine Herabsetzung gefordert haben. 
Es lag dohev viel mehr im Vorteile der Öpeditöre, die Uhren auf 
einer geeigneten Höhe zu halten, und sie suchten nur von dem Nutzen, 
den sie den Fobrikanten zuwendeten, eine Alt Ruckgewähr, einen 
Abzug zu erlangen. 

Daraus erklärt sich denn, dasa diese Marktpreise »eit den ersten 
Jahrzehnten des Jahrhunderts nur sehr unbedeutend gewechselt haben 
und jetzt fast genau so hoch als 1B08 stehen. 

Diese Jlückgewähr wurde zum Teil in barem Gelde gegeben. 
Ea führte sich nämlich die Sitte ein, dasa, wenn der Fabrikant vom 
Speditör die Bezahlung obgehoH hatte, die Tochter oder Frau 
desselben nu der Tür das sogenannte ZurUckschenken , etwa 3 kr, 
vom baren Gulden, einforderte. 

Der Hauptsache nach aber bestand sie darin, dasa der Spe- 
ditör von jedem Fabrikanten, dem er Arbeit gab, fleißigen Besuch 



^H Ueber die Uhren -Industrie ctes SdiwarewftldB 17 

■einer Bierstube und der Feste, die bei um gefeiert wurden, forderte, 
und zugleich erwartete, dasa er seine Ijebensbedürfnisse, bo viel wie 
möglich, au8 seinem Kramladen beziehe. 

Durch diese Kundschaft gewann er natürlich sehr bedeutend, 
und durfte sich nicht scheuen, seine Preise sehr hüch zu spanneD und 
manchen überflüssigen Aufwand zu fordern. 

Diese an sich schon nachteilige Lage der Fabiikanten ver< 
Hchlimmerte sich besonders durch die vielen Schnldverhältniese , in 
die sie teils Unglück sfrille, Krankheiten, Arbeitsstockungen, haupt- 
sachlich aber der jahrelange Kredit, den sie den Hausireni geben 
muasten, stürzten. 

Die einzige Bürgschaft, die sie fBr ein Dorlehn bieten konnten, 
waren üire Forderungen an die Uausirer, über die aber selten 
schriftliche Kecbnnng geführt wurde, und die nur der Speilitör, der 
sie vermittelt hatte, kannte und ihrem Werte nach zu beurteilen 
vermochte. Er, der zugleich das Geld zuerst in die Hunde bekam, 
war daiier der einzige, an den sie sich wenden kounten. Ihm kam 
aber auch ein solcher Antrag ganz gelegen, denn er durfte die Bitt- 
steller nur anweisen, so viel sie bedürften, aus seinem Laden zu 
entnehmen, und ihnen den Betrag von ihrer Forderung abziehen, so 
hatte er später nicht nötig, das bare Geld, das der Hausirer schickte, 
auBzuzalüeo, konnte leicht hohe Zinsen nehmen, und war des Absatzes 
seiner Waren gewiss. 

Durch diese Geschäfte warf nun die Spedition nicht bloß so 
hohe Erträge ab, dass eich ihr alle vorhandenen Kapitalien zuwandten 
und den Fabrikanten immer melir die Mittel entzogen wurden, sich 
aus ihrer Abhängigkeit zu befreien, sondern es lag auch eine viel 
weitergreifende Umgestaltung nahe, die eich, ohne dass eine der 
Parteien es ahnte, mehr und mehr geltend zu machen anfing. 

Viele Speditöre forderten niim!ic!h, namentlich in neuerer Zeit, 
ausdrückhch von jedem Fabrikanten, bei dem ^ie Bestellungen machten, 
daes er seine Bedürfnisse vorschussweise von ihnen entnehmen müsse, 
mid führten etwa folgenden Geschäftsgang ein: 

Sobald der Auftrag des Hausirers eingelaufen ist, bestellen 
sie alle einzelneu Teile bei den von ihnen bevorzugten Fabrikanten ; 
sie schielJen dabei jedem das notwendige Material vor, und eröfinen 
ihm zugleich ein Konto für die Erhebung seiner anderweitigen Be- 
dürfnisse. Es braucht also der Uhrmacher weder dem Gestellmacher, 
von dem er die Gestelle erlialten hat, noch dem Gieiier oder dem 
Rettenmacher Tür das Gusawerk und die Kettenräder Zahlung zQ 




ig August Meitisen 

leisten, Bondern nlle diese haben ihre Bestellung direkt vom Speditöi- 

erhslten und fordern aurb nur bd diesen. 

Mit den Yerfertigern solcher TJhrenteile, die erat im Aiislaude 
vom Httusirer an die Uhr angepasat werden , z. B. Zifferblätter, 
Perpendikel, Glocken, werden auf ganz dieselbe "WeiBe abgesonderte 
Geschäfte abgeBcIilossen. 

Liiuft nun das Geld ein, so werden die gemachten Yorschüsee 
von der Rate jedes Fabrikanten abgezogen und nur der Kest bar 
auabesahlt. Sollte ein Konto zu groß geworden sein, so kann durch 
eine neue Bestellung an den guten Kunden leicht die nötige Garantie 
für die Deckung erlangt werden. 

Da die Barzahlungen immer sehr gering sind, so zahll der 
Speditür auf diese Weise eigentlich dem Fabrikanten eeine Arbeit 
im voraus und kreditirt seinerseits dem Kausirer; dabei besorgt 
er olle kaufmännischen Geschäfte, so dass der Verkehr sieb ganz 
und gar auf sein Kapital und seiae Intelligenz stützt, und er als 
der eigentliche Unternehmer erscheint. 

Der Fabrikant ist unvermerkt zum Arbeiter geworden ; er 
erhält zwar scheinbar einen sehr annehmbaren Stücklohn berechnet, 
wird aber durch die Auszahlung in Waren, gegen deren Freissätze 
er nie Widerspruch erheben kann, um seiir bedeutende und ungewiase 
Prozente verkürzt, die den Kapitaizins und Unternehmungsgewinn 
des Speditöra ausmachen. 

Der Hausirer endlich ist der Kommissionär des Spedilörs. 
Er hat demselben einen bestimmten Satz, den Marktpreis, abzuführen, 
und dafllr bleibt ihm das Plus überlassen, welches er vom Konsu- 
menten durch vorteil bafteren Verkauf erlangen kann. 

Wie man sieht, ist dies eine völlige Veränderung des früheren 
Systems der Industrie und eine natürliche Folge davon, dasa der 
Fabrikant aus Mangel au Intelligenz und Kapital nicht selbständig 
mit dem Hausirer oder Kaufmann verkehrte. 

Sie ist übrigens selten in ihrer ganzen Konsequenz durch- 
geführt; viele Fabrikanten stehen noch in direktem Verkehr, besonders 
mit ihren hausirenden Verwandten; andere machen mit mehreren 
Speditören Geschäfte; manche Speditöre scheuen auch bo bedeu- 
tende Vorschüsse ; am wenigsten wird sie aber irgend einer der 
Parteien klar. 

Der Speditur betrachtet sich im Gegenteil immer noch ftia 
Oeacbäftsriihrer des Fabrikanten, und die Idee, sich offen zum Fabrik- 
herm zu machen, liegt ihm besonders deshalb ganz fern, weil er 



Uelier die Uhren- In dual rie des Scbwsrzwalda 



19 



nicht gesonnen ist, irgend eine Yertretung zu übemehnieQ, wenn der 
Hausirer seinen Schuld Verbindlichkeiten gegen den Fabrikanten nicht 
Dachkommen sollt«. 

Her Fabrikant gibt andrerseits von eeiner scheinbaren Selb- 
ständigkeit nichts nach, hält die Handlungsweise des Speditörs 
für habsüchtige Unredlichkeit und spricht aeben Hass überoll aus, 
wo er es ohne Furcht, brotlos zu werden, tun zu können glaubt. 

Dieser Zuataud bat schon seit einer Reihe von Jahren bittere 
Klagen hervorgerufen, die besonders seit 1840, trotz großem "Wider- 
streben von verschiedenen Seiten , in Eingaben und Vorschlägen au 
die Stantsregirung gelangt sind. 

Auf diese Schriftstücke werde ich im letzten Teile meines Auf- 
satzes eingehen. 

Neben dieser, bis jetzt weder für die Fabrikanten, noch für 
die Fabrikation vorteilhaften Ent wickelang ist der Hausir bandet 
in Jen lelzten Jahrzehulen in eine ziemlich bedenkliche Lage geraten. 

Die Hauairer sind gröütenteils aiine Fabrik antensöhne, die 
A'w Uhren unmöglich im voraus zahlen können; eines regelmäßigen 
^echselbezuga sind sie auch nicht f^hig, weil sie gar keine Garantien 
bieten , sie müssen also selien , von irgend einem Speditor oder Fa- 
brikauteu, der das Bisiko überuimmt, die Waren auf Kredit zu be- 
kommen; der Gläubiger schreibt ihnen dann aber auch den Preis 
vor, und wie ich schon zeigte, sind diese sogeuannten Marktpreise 
seit li^08 fast unverändert geblieben. 

Nun hat zwar die Schwariwälder-Uhrenfabrikation nie eine 
«mstliche Konkurrenz iu demselben Artikel erlitten, denn die Uhren, 
die in Württemberg auf dem östlich angrenzenden Teile des Schwarz- 
walds gefertigt werden , werden mit den badischen saigleich von 
denselbeu Speditöreu und zu denselben Preisen ven<eadet, so dasR 
sie keinen nachteiligen Einfluss üben ; und die sächsische Fabrikation, 

tzu Ivarlsfeld und Hiuterherrasdorf bei Sebnitz, etwa 40 I 
cbäftigt, verschwindet gänzlich. 
Allein die übrige Uhrenfabrikation bat sich in der neueren Zeit 
sehr gehoben, und die Uhren sind allerwärts so billig geworden, 
dnsB der Hausirer für sein ungeschicktes , geschmackloses Holzwerk 
unmöglich hohe Forderungen stellen kann. 

In Morey , in der Fraoche Comte, werden fabrikmäßig Wand- 
uhren, in Grdße und Form wie die Schwarzwälder , aber ganz von 
Eisen und mit dem Vorzüge größtei- Solidität, gefertigt, die schon 
fttr 5*/i bis 8 fl. auf den südlichen Märkten erschei 





Eiti PreiakurRDt der Fabrik J. Q. Fätzold 
BchoD im Jahre 1843: 

Uhren ohne Kästen: 
EBlbatüudiger Schlag, alle Arten Zifferblätter und Keifen, 5 Zoll 

Durchmeeser, das Stück 5 bis li fl, C. M, 

dito mit 6 Zoll Durchmesser ft'/j , 1 „ , 

Viertebtündiger Schlag 10 , 12 , „ -^H 

UäDgeulireD, S Taggehwerke 2 . S „ , ^^M 

dilo mit Schlagwerk i'/j „ &Vs- ■ "^^B 

Wie billig Taecheauhren geworden sind iet ailgemetn bekannt. 

So BJad denn die Uhren, die vor ISao in England und Frank- 
reich mit 24 bia 30 fl, abgesetzt wurden, auf 11 bis 12 fl. gesunken, 
und in Deutschlund gelten sie nirgends mehr über T tl. 

Dies verkürat nicht nur den Verdienst des Hausirers, sondern 
soll auoh wirklich seine Existenz bedrohen, 

Die gewöhnliche 24 Btündige Uhr kostet ihn, ohne Tranaport 
und Steuern, 2 fl. 40 kr.'). 

Der Transport kommt etwa 10 kr.; Zölle und Steuern 10 kr. 
bis 1 fl., auoh 1 fl. 20 kr. für dns Stück'). Er hat alao 4 fl. 10 kr. 
Selbstkosten, ao dass ihm noch 3 H. bis 7 &. Ertrag bteibea. 

Obgleich nun manche Speditöre widersprechen , so behaupten 
doch die Hausirer, dnas sie mit diesem Einkommen die Kosten ihrea 
steten Keiaens, selbst wenn sie einen grolien Teil ihres Unterhalts 
durch Repnraturen alter Uhren beschaffen, nur noch mit der größten 
Mühe bestreiten können, nnd ich habe selbst Briefe gesehen, in 
denen sie den Markt nur noch mit der billigsten Ware für haltbar 
erkUren. 

In neuester Zeit machen amerikanische Uhren, die ganz in 
Schwarzwälder Art gefertigt, in England grollen Absatz finden sollen, 
noch größere Besorgnisse rege. 

Bestimmte Wirkungen haben sich bis jetzt nur darin gezeigt, 
dass die Zahlungen der Hausirer sehr unsicher geworden sind und 

■) Werk 1 tl. 24 kr. 

Zifferblatt — „ 24 „ 

Glocke — „ II „ 

Ketten und Stheüre — „ 80 „ 

Oewiohtsröhren und Perpendikel — „ 11 „ 

3 fl. 40 kr^ 

*) Im Anhange sind bei jedem Lande die äteuem und Ziille, die 
den Hansirer treffen, bemerkt. 



d 



Ueber die Ulireu-InduBtrie (iea Sehwarzwalds 



21 



K. 

BD 



schon viele Speditöre und FabriknDten bedenteude Verluste an den 
'kreditirten Uhren gemacht hnheu. 

Die Hausirer verbrauchen das Qeld für ihr Leben , und er- 
Idaren dann, es liefe nicht ein, sie seien betrogen worden, sie könnten 
der schlimmen Umstände wegen nicht itnhleii u. dgl. Im Auslände 
irt aber jede gerichtliche oder aüderneite Verfolgung eo erschwert, 
dftsa die einzige Hoffnung, dai; Geld zu erlangen, in neuen Vor- 
schüsBea liegt, durch die der Haueirer Gelegenheit bat, sich wieder 
tm heben, und mit dem neuen Gewinn auch die alten Schulden zu 
'decken. Dies bewirkt denn leicht neue Yerluate und neue Be- 
die ia der letalen Zeit so weit getrieben worden sind, 
imter anderem ein Hatiairer duri'li mehrere Jahre ganze Uhren- 
idungen an einen frnnzösischen Kaufmann um den halben Preis 
■kaufte, die er den Fabriknuteti durch Versprechungen und Vor- 
•piegeluDgen entlockte. Der Betrug wurde ei-st entdeckt, als der 
Kaufmann selbst nach Furtwangen kam und die Uhren hier ebenso 
billig kaufen wollte. 

Solche Verhaltnisse vermehren natürlich die gedrückte SttnimuDg, 
and haben zu den Klagen der Fabrikiinten noch die der Hauairer 
nnd Speditöre gesellt, von denen jede Partei sich gegenseitig be- 
schuldigt und anklagt. 

Die Staats regirung hat sich auf diese Aufforderungen auch 
gleich bereit erklärt, Hilfe zu leisten. 

Sie en'ichtete zwei Gewerbeschulen zu Triberg und Keu- 
• tadt, und ernannte eine Kommission sehr ausgezeichneter Be- 
iteten, die die Lage der Industrie untersuchen sollte, weil aus den 
lisohriften keine genügende Kinsicht in die Verhältnisse zu ge- 
winnen war. 

Merkwürdigerweise hatte sie in diesen Erhebungen mit höchst 
bedeutenden und ganz unerwarteten Schwierigkeiten zu kämpfen. 
Kommission lieferte eine sehr wertvolle Uebersicbt der 
[eister uud ihrer Beaubäftiguiig, die ich benutzt und ab Tabelle I 
'io den Anhang gestellt habe; aber überall, wo nicht polizeiliche 
Sechweisungen eine sichere Grundlage bieten konnten, traten die 
imTerBtäudigsten Ideen der InduBtriellen hemmend und fast unüber- 
vindlicb in den Weg. 

Man meinte, die Regirung werde die Aermsten unterstützen, 
oder ne werde eine Einkommenssteuer erheben, und gab deshalb den 
Verdienst und die Produktion so niedrig als möglich an; andere 
glaubten , die Regirung werde eine Zuuftverf aasung einführen , iti 



n 



Auguat MeitEe 



der die liedeutendBten Meister den meisten Spielraum hätten, oder 
sie folgteu auch nur üirer Eit«lkeit und prahlten mit viel zu be- 
deutenden Geschäften; die Verständigeren hielten es weiiigafens für 
vorteilhaft, sich so wenig wie möglich zu entdecken : und so wurde 
jeder Blick in die Größe und Kräfte der Produktion , des Ver- 
dienstes, des umlaufenden Kapitals höchst unzuverlässig. Dazu kommt, 
dass, schon so lange die jetzige Art die Gewerbesteuer zu veran- 
lagen besteht, jeder Meister gewöhnt ist, die Zahl seiner Gehilfen 
zu verheimlichen UDd geringer anzugel)en, was oft mit der gröBteo 
Verschlagenheit durchgeführt wird: so dass ea in der Tat für die 
Behörden «ine äußerst schwierige und undankbare Aufgabe ist, dieses 
Gewebe von Einsichtsloaigkeit, Miastrauen und Hnrtnäckigkeit zu 
durchbrechen, uad ihre eiMgen Bemühungen bis jetst noch zu keinem 
Abaclilusee gelangen konnten. 

n. 

Nach dieser eigentümlichen historischen Entwickelong liegt fOr 
eine Darstelluiig der heutigen VerhältniaHe das Hauptiuteresse in der 
Stufe, welche der technische Betrieb erreicht hat, und in dem phy- 
siEchen und moraliachen Zustande der Arbeiter. 

Ueher beides bin ich imstande wesentlich ans eigener An- 
schauung EU heriahten. 

Die Fabrikation lässt sich nicht füglich unter einen Geaichta- 
punkt bringen, ea haben aich in ihr einzelne Kreise gebildet, die in 
Produkt und Bearbeitung sehr verschieden sind. 

Bei weitem der wichtigste unter diesen ist die sogenannte 
Großuhrmacherei ; sie umfasst etwa 90 "/o der ganzen Produktion 
und ist der ursprüDgliche Stamm und Kern der ganzen Industrie, 

Die Großuhren sind die bekonnten hölzernen Pendeluhren, 
die man in ganz Europa in jeder Bauernstube antrifft. Sie chorak- 
teriairen sich durch ein weiß lackirtes Zifferblatt von beinahe einem 
Fuß Durcbmeaaer, das verschiedentlich bunt bemalt ist, und der 
Porm nach ein großes Quadrat darstellt, auf dem oben ein kleinerer 
Halbkreis aufsteht. 

Ihre anerkannte Brauchbarkeit und Dauerhaftigkeit haben 
ihnen , trotz des geschmacklosen Aeußeren , ihren außerordentlich 
ausgebreiteten IMarkt gesichert. 

Qroßuhren heißen sie im Gegensatz zu den Kleinuhren; ihre 
Werke sind 5 bis 7 Zoll hoch, während die KJeinuhren nur 8 Zoll 
Höhe hnhen. 



Teller die Uhren-lDiiustrie dea Schwarzwalds 



zwsr völlig gleich , 
ninfaogr eiche re Räder, 

STag-TThren hal>ei 



An/ sie findet aliea Abs Annend-uag, was ich yoii der anfiiDg- 
I Koben Gestaltung der Fahrikatiou, Ton der Teilung der Arbeits- 
zweige, und der strengeD Regel mäÜigkeit des Betriebs schoD i'rüher 
«T»ähnt habe. In der Großuhrmaoberei gibt es oicht allein eigne 
Arbdter fiir die Gestelle, für die Zifferblätter, die Glocken und 
Räder, für die Ketten und Perpendikel, und was sonst zur soge- 
nannten Zutat gehört : aondem auch die Fabrikanten der Werke 
selbst scheiden sich wieder in strenggeHonderte Klassen. 

Es werden 4 Sorten GroBuhren unterschieden: 12 stündige, 
24stündige und BTag-Ubren, nach der Zeit, in der sie wieder auf- 
gezogen werden müsaea, und Schottenuhren, welche gewöhnlich zu 
den 34 stündigen gehören , aber ein etwas kleineres Werk haben. 
Diese 4 Sorten sind in ihrer Konstruktion und In ilu'er Ausstattung 
bewirkt aber die längere Gangzeit durch 
daher stufen sie sich nach der Größe ab. 
. weuigsteDE 7 Zoll Höhe, die 24stündigeD 

rfi Zoll, und die l'2stündigeii liegen zwischen diesen und den Schotten- 
nliren in der Mitte. Jede dieser Arten hat ihre besonderen Ar- 
beiter, die nie zu einer anderen übersehen, und fordert eigene Ge- 
stelle, Räder, Zifferblätter und sonatige Zutat in ganz genau be- 
stimmten und immer gleichbleibenden Grölienverhältniaaen, die jeder 
Fabrikant kennt und so sicher einhält, dasa aus den entferntesten 
I" Ortaohftften die Uhreuleile in jede Ubr derselben Art hineinpassen. 
Die Verfertigung einer Großuhr hat im allgemeinen etwa 
folgenden Verlauf: 

Ihren eraten (irund legt der Gestellmacher. Er fugt aus 
Bnchenbrettchen, die 7 Zoll lang und schon in der geeigneten Stärke 
□nd Breite aus dem Rheintal auf den Wald gesendet werden , ein 
durobbrochenes Kästchen zusammen, welches, je nachdem die Uhr nur 
AUS einem Gehwerk oder noch aus Schlag- und Weckerwerk bestehen 
soll, ein, zwei oder drei Fächer hat, und sehr dauerhaft verzapft wird, 
i Der Uhrmacher nimmt ein halbes Dutzend solcher Gestelle 

' iQgleich in die Arbeit, reiht sie vor sich auf und findet mit einer 
Schablone oder mit dem Zirkel die Punkte, in welche die Räder- 
zApfen eingelegt werden müssen. Er bohrt hier Löcher in das Gestell 
and setzt sie mit einem Stückchen zusammengebogenem Messingblech 
als Lager aus. 

Die Räder sind, weim er sie vom Gießer erhält, noch un- 
gezähnt, und entweder gana roh im Gusa, oder vom Räderdreher 
oberflScblich abgedreht. 



j)4 



Auguat MeitzeD 



Sie werden auf eiue messingne Teilaobeibe gelegt, auf der die 
Anzahl der Zähne für jedos £,ad beHtimmt. eingezeicljuet iat, and mit 
einer Zirkularfeiie ausgeschnitten. Die Zähne, die nach dieser Ope- 
ration viereckig ersclieinen, werden dann mit einer dreieckigen Hand- 
feile unter unboBtiramten Graden zugeapitat. Darauf wird in das 
Bad eine sehr starke liölzeroe Auhse eingesetiit, welche an beiden 
Seiten zeatrirte Stifte als Zapfen erhält, und ab Getriebe wird die 
nötige Zahl Drahtstifte in die Holzachse eingelnaaen. 

Damit sind die Bader vollendet, und der Uhrmacher hat nor 
noch für die stählerne Spindel, für den Haken oder Auker und für 
die verschiedenen, sehr einfachen Yorrichtnngon des Schlag- oder 
Weckerwei-ka zu EOrgen , setzt dann das Werk zusammen und ist 
zufrieden, wenn sich die Bäder mit der Hand ohne Stockung drehen 

Von der Zutat, welche erst im Aaslande von dem Hausirer 
mit dem Werke verbunden wird, erfordert das Zifferblatt die meiste 
Arbeit. 

Die Grundlage dazu schafft der Schildbrettmacher , indem er 
einen Tannenataram in Bundklötze von etwa l^/a Fuß Länge sagt, 
und aus diesen mit dem Beil '/s Zoll starke Bretter von 1 bis l'/j 
Fuß Breite spaltet. 

Dieae Bretter werden vom Schilddreher auf einer Seite glatt 
gehobelt, auf ein liachclien festgelegt, und so mit der Hand an eine 
senkrechte Säge, die nach Art der Schneidemühlen konstruirt ist, 
angeführt, dasa die bekannte Form der Zifferblätter auageachi litten 
wird. So roh kommen sie auf eine mechanische Drehbank , die 
durch Waaser getrieben wird , und deren Meißel sich auf einer be- 
Bonders auagearbeiteten Vorlage ao fortscluebt, dass er den Band i 
des Schildes glatt dreht, dann einen erhaben gewölbten Kreis stellen ■ 
loBBt, und in der Mitte um das Centrum wieder eine muldensrtigs I 
Vertiefung bildet. I 

Auf diese Weise zugeschnitten , erhalt sie der Scbildmaler, 
der sie zuerst mit einer dicken Lage von Kreide und Leimwasser 
bedeckt, auf einer Dreiischeibe von Stein glattschleift und mit Trippel 
und Bimsstein polii-t. Ist damit der Grund für die Malerei gewonnen, 
Bo streicht er sie mit Bleiweiß an, setzt die Zahlen durcb eine 
Schablone auf, und malt endlich das Schild aus freier Hand und 
nach seiner Idee aus. 

Die Art dieser sehr unvollkommenen Malerei ist durob die 
Märkte bestimmt, auf die die Schilde gesendet werden sollen. Frank- 



Üeber die Uhren-lndnatrie des Schwarzwnlda 



I 



r^ch Terlangt große, grelle Blumen, Deutschland kleinere Bckbild- 
ohea, und-in Engl&nd finden nur ganz weiße Zifferblätter Absatz. 

Ein Lack von Finiies und Terpentinöl gibt ihnen Glanz und 
Dauerhaftigkeit. Der Speditör erhält eie schon ao in F&pier verpackt, 
wie er sie ohne Gefahr des Bereibens und ZerhreohouB b die Kiste 
legen kann. 

Die Glocken und Zeiger gießt derselbe Gießer, der die Bäder 
besorgt, aber nus verschiedeneu MetnlUtampositionen. Die Räder 
werden aus 1 Teil Kupfer und 1 Teü Zink, die Glocken aus 1 Teil 
Kupfer und 1 Teil Zinn gegoRsen. Der Guss geschieht aus Fivssauer 
ßohmelztiegeln in Sandformen. 

Statt der Glocken werden häufig auch sogenannte Tonfedem 
gebraucht, Spiralen aus Stahhlraht^ die ebenfalls auf dem Walde 
gefertigt werden und ihres dampfen singenden Tonn wegen beliebt 
sind, sie werden in einem breiten Kästchen hinter dem Uhrwerk 
l>efeBtigt. 

Die übrige Zutat wird ebenfalls von besonderen Arbeitern, 
firei mit der Haud, ohne bemerkenswerte Vorrichtungen gearbeitet. 

Wie man siebt, ist in diesem Kreise der Fabrikation alles sehr 
einfach, nirgends ist eine schwierige Kombination, es wird außer 
den mechanischen Drehbänken nicht einmal eine Maschine angewendet, 
und die Handarbeit ist so beschafien, dass sie jeder einigermaßen 
geachiekte Arbeiter in kui-zer Zeit erlernen kann. 

Die bis ins AeuHerste getriebene Teilung der Arbeit erspart 
offenbar viel Zeit und Material und hat eine merkwürdige Harmeuie 
«rreicht, indes» kann man andrerseits nicht läugnen, dass sie so ohne 
ränigendes, leitendes Haupt hingestellt, jede Veränderung und Verbesse- 
rung fast unmöglich macht. Es erforderte schon eine weitläufige 
üebereinkunft vieler Arbeiter, wenn man in Form und Größe auch 
nur sehr unbedeutend abweichen wollte, viel weniger ist ein wesent- 
licher Fortschritt in der Konstruktion denkbar. 

Die TJhren sehen einander alle eo ähnlich, als wären sie von 
derselben Maschine gearbeitet , und die Gleichmäßigkeit erstreckt 
sich nicht allein auf das Fabrikat und den Verbrauch an Material, 
sondern man hält auch ziemlich dieselbe Arbeitszeit inne, und produsdrt 
mit gleichen Kräften ganz gleiche Massen. 

Ich machte die Erfahi'ung, daes mir die Frage, wie viel ein 
Meister, ein GegeU und ein Lehrling, die gewöhnlich eine Werkstatt 
bilden, wöchentlich Uhren arbeiteten, überall auf ganz dieselbe Weise 
beantwortet wurde. Sie fertigen nach den einzelnen Arten: 




M and! a^MtOgt, 



81^-ükM. 



ChanktoMÜMA flr «U« dina Vwliiaiii« at dv väüga 
T'l n ' •• V«iim«ii te Aitak. lb> fallt ki bis» XU>r 
kMtaa Mck Mr di» Aaft^* «Mr fiiiiiiy v im Vmtm dal 
yiliiHi» aad Inr ff ütti« »; d» Dkr k> nd UiOt ^ n- 
il idlai d» kd_>a«ito Mnkr bOai 
iillKlIilii r In. n« imm Im 




M M i l * » A » P wt wiii ^ w «Iwhf. nü MMi w*A 



d» All lH » li » r l »lil. d>> j«d.»%i I ii I 
MMU alt Td i« d» JLnM llii TI ». «. 

iJ»H«U»di»>fT«n«iti>i»»> IlT» I 



it IB r I Tfll 



tt iMWIllif awdw 



H.dl»»l» 1 . 

^M BidK t i lml iM Ulli 

~ "- ■ . ■ >■ .. , —- iii l ii I l i 

■■ av» ^«k J«««b ak'r«k >miiiiiiii ««^ 




Uelier die UhreD -Industrie des Schwanwalds 



27 



Wälderwerke häuüg bei QulDcailleriekaufleuten antrill't, sind ebenfalls 
Peudeluhreo, aber nur 3 Zoll hoch und 2 Zoll breit, lie haben ein 
mit Bronze verziertes emsillirtes Zifferblatt , sonet aber stimnit ihre 
Konstruktion mit der der Großuhren durchaus überein. 

liire Kleinheit erfordert genauere und beaaere Werkzeuge. 
Es werden z. B. die Zähne nn ihren Rändern nicht mit der Hand- 
feile , Boadern mit einer besondem Auswalzmoflchine zngeformt, und 
ihre Getriebe mit dem Bogenannten Spindelbohrer eingeteilt und vor- 
gebohrt. Der Hftuptunterfichied ira Betriehe liegt aber darin, das« 
ihre Verfertigung fast ganz und gar in der einen Hand des Uhr- 
machers ruht. Er kauft die rohen Räder und Glocken vom Gießer, 
und die Gewichtsketten vom Kettenmacher, und lügst die Emaille- 
aifferblätter von Genf, die Bronze von Iserlohn kommen: dann ar- 
beitet er aber die ganze Uhr. selbst das Gestell, in »einer Werkstatt, 
stellt alle ihre Teile fertig zusammen, und unterwirft sie, ehe sie in 
den Handel kommt, einer Art Begulirung. Auf diese Weise bleibt 
er Herr seines Geschäfts, und ist imstande wirklich garantirte 
Ware zu liefern, und jede Verbesserung anzubringen, die ihm vorteil- 
haft scheint. Die Kleinuhrm acher arbeiten deshalb gewöhnlich mit 
mehr Gehilfen als die übrigen UKi'macher, 

Ihre bedeutendsten Meister zu Triberg haben mir angegeben, 
dasB ein Meistei-, ein Gesell und ein Lehrling wöchentlich 10 bis 11 
Stuuk vollendeten. 

Die Kleiuuhrenfabrikation ist übrigens in diesem Jahrhnndert 
nicht wesentlicher fortgeschritten, als die Großuhrmacberei ; man 
hat gelernt etwas schneller zu arbeiten, gebraucht einige erleichternde 
"Werkzeuge, besondere Zangen u. dgl., sonst ist aber der Standpunkt 
noch ganz der alte. 

Zu den eigentlichen Uhrmachern wird aoßer den Qroßuhr- 
machem und Kleinuhrmachem noch eine kleine Zahl Fabrikanten 
gerechnet, die sich mit allerhand Künsteleien beschäftigen und dabei 
dnrchaoa selbständig nach ihrer Idee verfahren. Einige von ihnen 
verbinden mit gewöhnlichen Uhren bewegUche Figuren, Gesichter, 
die die Augen drehen , oder Kukuke und Hähne , die die Stunde 
■nsBchreien; andre machen Uhren mit massiv messingnen Gestellen, 
andere endlich wenden statt der Gewichte Federn, wie bei den Stutz- 
uhren, an, nnd fertigen recht brauchbare und ziemlich saubere Werke, 
ZKese Fabrikanten verschwinden freilich gegen die große Masse der 
übrigen, indes sind sie, wenn man will, die einzige Fortschrittspartei, 
and wenn sie selbst keine besonderen Erfolge erreichen sollten, so 



I 



August Meit: 



r und g68cliicltt«r Arbeiter 
1 es not tut, weeentliche 



werden eie immer eines Statnm denkei 
bilden, der der Hauptfabrikation, v 
Dienste leisten kann. 

Endlich bleibt mir noch ein un Verhältnis mäßig höher ent^ 
wickelter Zweig der Fabrikation, die Spiel üb nnscberei, zu betrachten 
übrig, die eigentlich dae Feld der ühnnacherei nur dem Namen uKoh 
berührt. 

Um 1TG8 fertigte nämlich Johann Wehrle aus Neukirch eine 
TJhr, die Melodien auf OlaBglöckcben schlug, und Salomou Scher- 
ringer zu Furtwangen brauchte 1770 statt der Glasglocken Pfeifen. 
Diese rohen Anfänge von Musikwerken wurden von den Mönchen 
EU Ht. Märgen und St. Peter lebhaft anfgefasst und mit musika- 
lischen Kenntnissen unterstützt; Martin Mayer, der lange Zeit in 
England hausirt hatte, brachte Genauigkeit und Sicherheit der 
Konstruktion hinzu, und so entstanden die ei-sten erträglichen Spiel- 
uhren, die eich nach und nsch zu solchem Werte erhoben, dasa sie 
am Ende des vorigen und sogar bis in das dritte Dezennium unseres 
Jahrhunderts ollgemein Mode wareu, und zu den Erforde missen 
einer geschmackvollen Einrichtung gehüi-ten. Ihr Preis stieg von 
100 bis 20 000 fl,, und sie erreichten für die anerkannte Schwierig- 
keit, eine Musik durch Aulomate hervorzubringen, eine bewunde- 
rungswürdige Weichheit, Reinheit und Biegsamkeit des Tone. Heat 
haben sie nur noch in musikarmen Ländern, in Amerika, England, 
Bufisland, Spanien Absatz; die allgemeine Nachfrage hat mit der 
großen Verbreitung musikalischer Fertigkeiten aufgehört. 

Dennoch beschäftigt die Spiel uhrmacberei noch 28 Meiater, 
meist mit mittelgroßen Werken, zu etwa 200 bis 800 fl. Die be- 
deutendsten siod noch immer aus den Familien Siedle und Blessing, 
die das Verdienst haben, dem Gewerbäzweig eine künstlerische und. 
wissensohaftlicbe Wendung gegeben zu haben. 

Ich traf den jüngeren Bleaaing in Kirnach ill>er einem Werke 
von acht Registern arbeiten, in welchem zwei Walzen gleichzeitig 
spielen sollten. Ea hatte die Form eines sehr großen Schreib- 
sekretärs , etwa H Fuß Breit« und (i Fuli Höhe , und war filr einen 
Preis von 25000 ä. nach Russland bestellt. Er war damit schon 
im dritten Jahre beschäftigt, und hatte nur 2 oder 3 junge Leute m 
Gehilfen. 

Es sind von ihm und seinen Brüdern verschiedene sehr aus- 
gezeichnete Spieluhren bei einzelnen Wirten des Waldes aufgestellt, 
die mit der größten Prärision und Energie Sonaten, Vorspiels, 



Ueber die Uhren-Industrie des Sthwarzwalila 



29 



Tsnz' and Opern-Stücke von Mozart, Haydn und anderen Klaielkera 
zam Vergnügea des Fremden ausruhren. 

Man kann denken , dass in einem solcben Werke die höchste 
Sauberkeit der Konstruktion, Politur, Eleganz und geistreiche Kom- 
binAtiouen des Mechanisniua jeden Anforderungen entsprechen, und daea 
hier nicht bloß der mechanische Takt des Praktikers entscheidend ist, 
•ondern durchaus Genialität und Durchbildung Bedingungen sind. 
Dies sind etwa die Gestaltungen , die in der Schwanwälder 
I Industrie vorliegen. 

er in die Technik einzugehen, liegt außer meinem Zweck, 
I ttad ich glaube den Leser, der sieh dafür interessirt, mit Becht 
I mui den in der Einleitung erwähnten Aufsatz von Poppe yerweisen 
^■a müssen, der jede Miinipulation nebst den Werkzeugen auf dos 
1 genaueste und gründlichste darstellt. 

] Streben ging mehr dahin, einen Blick in die Zahl der 

' Arbeiter, die Größe der Produktion, des umlaufenden Kapitals, des 

ilohstofi'heKugs u. dgl. eu gewinnen, ich kann mich aber leider keines 

' großen Erfolge riihmen, und mms bei bloßen Mutmaßungen und 

\ WahrBcheinlichkeiteD stehen bleiben. 

Die Scliwarzwälder selbst sind über alle diese Fragen so völlig 
1 Unklaren, dass sich die meisten aller Beurteilung enthalten, andere 
I.ADg(')^^ii machen, die zu augenscheinlich aus der Jjuft gegriffen sind, 
1 Berücksichtigung zu verdienen. 

Die einzige ganz sichere Gmu dt age ist der erwähnte Kommissions- 
• horioht (Tabelle 1). Er gibt die Zahl der Meister für 1843 — 1844 
auf 141fi an, wobei nur sehr wenige unbedeutende Gemeinden unbe- 
rQcksichtigt geblieben sind , und zeigt außerdem die Verteilung der 
^ Meister in den einzelnen Ortschatlen und die numerische Starke der 
Inen Arbeitszweige, Er zählt unter den 141!) Meistern 
930 eigentliche Uhrmacher, 
185 Schildmaler, 
90 Geste! Iniaeher, 

57 Scbildbrettmacher und Schilddreher, 
20 Gießer. 
51 Kettenmacher, 
87 Räderdreher. 

9 Tonfedermacber, 
15 Werfczeugui acher und 
28 Spiel uhrmach er. 
Die grossen Schwierigkeiten, denen die Bestimmung der 
I nnd Lehrlinge anterliegt, habe ich schon oben bezeichnet. 



ä 



30 Auinisi Meiizeu 

Die TerBchiedenen Meister, mit denen ich darUber epracli, Bcbütztea 
sie gewöbnliuh auf 4000. Sie rechneten, dasa jeder Meister wenigatens 
1 Geselieo und 1 Lehrjungen bescbäftigte, viele aber, wie z, B. die 
Kleinuhrra acher, die (iießer, die Schildbrettmacher , die Tonfeder- 
machar auch 3, 4 ja bis 8, so dass man durchechnittUch auf jeden 
Meiater 3 Neben nrbeiter, also für 1419 etwa 4000 anachlagen müsae. 

Diea würde für die ganze Industrie eine Zahl von gegen 5500 
Arbeitern ergeben. 

Die Zahl der Speditore ist gar nicht zu schätzen, weil sie zu 
weohaelnd ist. Die Zahl der Haualrer wnrde mir auf löOO ange- 
schlagen. Die Angaben in Tabelle II sind ganz unzuverläsaig , und 
nur hingeatellt, um die geographische Verteilung zu verauachaulichen, 
sie geben nur die Hausirer an, die man im elterbchen Hauae er- 
fragen konnte, wobei also die Angesessenen nebst ihren Kindern und 
Kindeakindem außer Ansatz gekommen sind. 

Ebenen unaiuher ist die Schätzung dea Gesamtprodukts. 

Es gab mir eine Versammlung von Uhrmachern und Speditören, die 
zu Triberg zusaramenkBrn, um sich über Gewerbsangelegenheiten zu be- 
raten, an, dtias von allen auf dem Waide gefertigten Uhren nach Prozenten 
etwa &0"/o 24 stündige, 
15 , 128tandige. 
15 „ 8Tag-Uhren, 
10 , Schottenuhren, 
5 , Kleinnhren und 
5 K audere künstlerische Sorten 
anzuschlagen seien, und da dieae Angabe mit den Erhebungen des 
Schwarzwälder Adressknleiiders '), der bei jedem Uhrniaeher die Sorte, s, 

die BT arbeitet, anführt, fast ganz genau Ubereiuetimmt , so glaube ^ 
ich sie festhalten zu können. 

Berechnet man nach diesem Prozentsatz und nach der früher — ^^f 
erwähnten wöchentlichen Produktion eines Meisters mit Gesellen ^^^ 
und Lehrling in den einzelnen Uhrensorten, das Produkt von 4000*—** 
Arbeitern , die unter 5500 mit der Verfertigung der eigentlichenK 
Werke beschäftigt sind, so erhält man ein wöchentliches Quantum toih 
1407fi, oder bei 48 Aj'beitswochen ein jährliches von ßT5648 Werken ^ 

Da die Zutat zu diesen Werken mit ihrer Zahl in einem be "< 
stimmten Verhältnis stehen muss, ao Hnde ich eine Hauptstütze de ^ 
Anschlags darin, daaa die Produktionsherechnung derselben sehr a 
nähernde Resultate ergibt. 



') Von Herrn Lahrer B a 



II Neustadt jährlich herauagegebt 




TTelier die Ubren-Industrie des Sohwarzwalds 31 

Der Schildmnler arbeitet z. B. meist nur mit eiuem (jesellen 
und einem LeLrünge, der aber hauptsächlicb zum Farbenreiben und 
dgl. gel>rBucht wird. Ein Arbeiter fertigt in 2 bia S^/j Tagen ciu 
putzend; 185 Meister malen also in 2S8 Arbeitstagen 31Ü tiSO 
lüde, die Gesellen ebensoviel, und Lehrlinge und Töcbter, die 
oft bescbäftigt sieht, ergänzen die Zahl zu etwa GöO 000 Stück, 
Eb gibt 11 mechanische Schilddrehereien auf dem Walde, die, 
) nauhdein sie mit mehr oder weniger Vorteil arbeiten, 100 bis 300 
t&ck täglich abdrehen, der mittlere Satz erreicht also schou das nötige 
l^nantutn, und die Handdreher decken deu Ausfall. 

Ein Gestellmncher setzt in einer Wofhe 80 Stück Gestelle zu- 
]en, also jahrlich 3840 Stuck, Bämtliehe 90 fertigen daher (Hr 
) Person 345000 Stück, und etwa 90 Gehilfen oder Fsmilienmit- 
ider bringen die Summe leicht bis auf das Doppelte. 

Alle diese Angaben geben freilich nur Wahracheinlichkeits- 
gründe dafiir, dass die vorhandeoen Arbeiter bei gewöhnlicher Tätigkeit 
die berechnete Summe produKiren können ; indes glaube ich dennoch 
mit einem Anschlage von etwa GOOOOO Stück für 1845—1846 nicht 
zu weit au irren, weil ich nicht bloß persönlich nirgends Klage über 
Arbeitsmangel horte, sondern auch Fabrikanten, Speditöre und 
Händler darin allgemein übereinstimmten, dass noch nie so überhänfle 
Beschäftigang gewesen sei, als in diesem Jahre. 

Noch mehr bestäikte mich in dieser Ansicht der Speditör 
Blessing in Urach, der anschlug, es gingen wöchentlich . 

R2 Flacht wagen von Furtwangen und Triberg, 
2 von Neustadt, 
1 von 8t, Georgen und 
1 von Freiburg und den übrigen Speditionaorten 
ab, und jeder führe durchschnittlich 10 Kisten Uhren, jede zu ruNfl 
250 Stück. Dies ei^bt eine Summe von 780000 Stück jährlich. 
Da es zweifellos ist, dass sich in den letzten Jahren die Produktion 
gesteigert hat, so stimmen auch P o p p e s Anschläge mit den meinigen 
nemlich gut überein. Er berechnet für 1840 540000 Stück. 

Legt man <j00000 Stück mit den oben angenommeneu 

Proportionen als richtig zu Grunde, so ist es leicht, eine genaue Be- 

rechnang des fiobslofls und des Arheitslohns anzustellen, die immer. 

^^auch wenn man die Produktion niedriger oder höher aimehmeii 

^■■allte, des Verhältnisses wegen von Wert bliebe, 

^^1 Ich etfille sie in eine Tabelle zusammeii. 

^ ^ ^ 



August Meitzeii 









-os a :&-s°sB 






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^^B üeber die Uhren -Iniiustrie des ScliwarzH-alds 33 

Die in dieser Tabelle angesetzten Marktpreiae sind Durch- 
schnittspreise ; die Matet'ial kosten wurden mir üherall gleichmäßig 
angegeben, und uaterliegen nicht leicht einem Irrtum. 

Nach dieser Uebersicht wäre also der Gesamtwert aller Fa- 
brikate 1 7-27500 fi., Arlieitslohn darin 1 123 500 &., m blieben daher 
für den RohstofT 695000 fl. übrig, aus denen sich noch einige he- 
Btimmtere Posten ausheben ianaen. 

Räder und Glocken brauchen nämlich r 

2G40 Ztur. englisches Kupfer zn &5 fl 145 200 ü. 

2140 „ fichlesisches Zink zu lö'/s ^ 33 670 „ 

250 „ englisches Zinn zu 50 fl 1 250 „ 

Die Schilde brauchen: 

3Ü0 TannenetÄmme zu 44 fl 15 7110 „ 

570000 Gestelle brauchen buchene Ilolzhrettciien für . 42000 „ 

k Summe . . 237 SSO fl. 

Der Rest von 357 720 fl, bleibt also für den Bezug von Messiag- 
Etsendrolit und Blech, für Farben, Blei, Holz, Emaille, Bronze, 
nnmaterial und für Werkzeuge aller Art. 

Der Wert des ßohst^iffs gebt zum bei weitem grolHen Teile 
ins Ausland. Der Slarkt für die rohen Metalle ist Köln; für Messing 
^^ Ulm; für Eiaen Rheinpreußen und Mannheim. 

^^^ Die Triberger Drahtzüge arbeiten zum Mannheimer Markt- 

^^Bfenise, so dass der Konsument den Transport erspart. 
^^^ Der Gusa-Stahl zn Tonfedern, wie die Werkzeuge, kommen 

meist «na Zürich und Schaffhausen ; nur das Holz wird aus dem 
badiEchen Rheintnl und vom Sohwarzwald selbst bezogen. 

Baden zieht also aus der Uhren fahrikation einen Gewinn von 
tmgefahr 1 200 000 fl. rh. 

Das ausgeworfene Arbeitslohn von 1129 500 fl. erpbt bei 
6500 Arbeitern für den Kopf einen jährlichen Durchechnitt von 
205 fl., oder für Hlit Meister jedem 795 fl. 

Weiter auf diesen unaicheren Voraussetzungen zu fußen, würde 
erfolglos sein, und ich verfasse gern die Annahmen und Schätzungen, 
1 den Leser in ein viel realeres G-ebiet, in die Lehenszuatände der 
Arbeiter einzuführen. 

m. 

Der Eindruck, den das Aeußere des Lands auf mich machte, 
r ein durchaus günstiger. 

Ich betrat das Gebiet der Industrie in Triherg, und fand hier 




34 



August Meitzeu 



- 9 

als breite 

n Keihea, 



ein kleiuea freundliehea Landstiidtchen , dos die Chaussi 
HauptEtralie durclischneidetr. Die Häuser sind, in gleic 
zuBanimeuhängeud an ihre Hcite gebaut, und bilden, wo es sich in 
dem engen Tale tun ließ, ebenso regelmäßige Querst i-alien. Die 
Bauart iat fast durchweg massiv und in snlidem bürgcrlicliem Ge- 
Bchmack. Die Straßen sind alle gepflastert oder cfaauBsiit und sehr 
reinlich gehalten. Die Einwohner tragen eich ganz städtisch, und 
das Gasthaus zum Löwen wUrtle jeder großen Stadt Ehre machen. 

Von hier durchreiste ich zu verschiedenen Malen BBmtUche 
Ortschaften zwischen St. Georgen, Yoehreubacb, Kappel und Waldau, 
olso mit Ausnahme sehr weniger und unbedeutender Gemeinden das 
ganze Gebiet der Industrie. 

Sie liegen meist alle sehr weit hingedebnt in den langen 
Tälern, die sich dem Ilochberge zuziehen. Die Häuser leimen zer- 
streut an den Bergabhängen; der "Wald auf den Hohen und die uasseu 
Wiesen auf der Talsohle geben der Landschaft ein frisches, lachendes 
Ansehen. Die Wege fand ich Überall gut imstande, und ea fiel mir 
besonders die Menge selir betretener Fußsteige auf, die sicli fast in 
gerader Linie über die Höhen ziehen, und zwischen Jen verschiedenen 
Ortschaften kreuz und quer die nächsten Verbindunf^eii lieretellen. 
Meist vereinigen sich in der Nahe der Kirchen die Häuser zu einigen 
Straßen oder einem größeren Platze, auf dem sich der Verkehr 
konzentrirt. Eier wird dann die Bauart städtisch, man sieht lange 
Fronfen und mehrere Stockwerke ; Gardinen an den Fenstern, bunte 
Fensterladen, Bänke vor der TUr und weitie Zuune um die kleinen 
Gäi'tchen machen den Eindruck von Wolhabeiiheit und Ordnung. 
Diese Mittelpunkte der Orte haben überall einen großen Ueberfluss 
an Wirtshäusern und Kramläden , und in griilleren Flecken wie 
Furtwaugen, Neustadt, Vöhrenbach sieht mau tagtäglich Frachtwagen 
aufpacken und ankommen, immer herrscht eine gewisse Bewegung. 
Die Leute sind gut und anständig gekleidet; auch erinnere ich 
mich nicht irgendwo einen Bettler oder Herumtreiber gesehen zu 
haben, die sich sonst in so unfruchtbaren Gebirgsgegeuden dem 
ßeisenden nur zu bald bemerkbar zu machen päegen. 

Die entfernteren Häuser haben einen eigentümlichen, mehr 
ländlichen Charakter: für rauhe Winter berechnet, sind sie mit der 
Rückseite an den Berg angelehnt, auf den sich ein grotles Schindel- 
dach bis an die Erde auflegt und nur den vorderen Teil oder eine 
Ecke des Gebäuden freilässt. Dieses Dach dient als Scheuer und hat 
vom Berge her eine Einfahrt. Den hinteren Teil des Hauses nehmen 



L'eber die Uhren-Industrie des .Scliwarzwalds 



Stauungen und VorratBkammem , den vorderen die "WohnuDg der 
Fsmitie ein, die nus einem gi'olJen 'Wolinziminer und mehreren 
darüber liegenden Schlafkammem HcBteiit. Das Wolinnimmer Jieut 
ngleicb als Werksfatt, und ist mit einer fortlaufenden Fensterreihe 
ihiie Pfeiler versehen. 

Viele HftUBer haben nach der Talseite einen maBBiven Ußter- 
ksn, der als Keller oder als Stalluug benutzt wird, andere sind mit 
HJkeruen Oallerien und Scbuitzwerk verziert, und alle haben etwas 
pdir Wohnliches und Helnilicbes. Ihr Bausland schien mir, so oft 
ieh auf ihn aufmerksam war, ganz zufriedenatellend. 

Ich besuchte in jedem Orte mehrere Werkstätten, und lernte 

Ikdarcb aucb die hüuslichea Einrichtungen genauer kennen. 

Die Mehrzahl fand ich ganz übereinstimmend. 

Die Familie lebt und arbeitet in der Werkstatt, die nidtt gar 

loch aber geräumig und sehr h^ll iat. An die Fenster sind die 

fferktische angerückt, über denen das Werkzeug der Itelbe nach an 

9«rÜGttn hängt, ao dass e» auf den ersten GriH' aar Hand ist. An 

lor hinteren Wand des Zimmers steht ein grosser Kachelofen, der 

Bit dem Herde in Veibindung ist, und das gsnzt; Haus heizt. TJm 

fau lieruni stt^hen die uüligen Wirtschaftsgeräte, weil den grnßteii 

^eil des Jahra in der (Stube gekocht wird. Die Wände sind nach 

Hohweizerart gelüfelt, und rings um das Zimmer taufen Mitsbänke 

hiu. In einer Ecke steht meist ein schwerer weißgescheuerter Fa- 

ntilientisch, über dem ein grosses geschnitztes Kreuz und verschiedene 

tHeiligeDbilder angebraclit sind. 

In diesen Bäumen arbeitet der Meister mit seinen OeacUen, 

. die Frau Meisterin führt darin ihre Wirtscbaft, nSht und be- 

lliäftigt die Kinder, dennoch war icb oft von der Ordnung und 

ketUgkeit nagenehm überrascht, die bei 

tntrilt darin lierrscbte. 

Gewöhnlich fuhrt aus diesem Haupti 
e selbst oder in einer doppelten Wni 
reppe EU dem ESchliifgeniaclie des Mel&ter^ und der Meisterin, üan, 
en, ab eine Art Putzetube bebaudelt wird. Hier habe 
ich überall sauber getäfelte Wände, an den Fensteni weitie Vor- 
hänge mit messingnen Haltern, über den holieu Betten verschiedene 
I Kupferstiche, und fjist durcbgohemls ein poÜrtes Glassohränk- 
i getroffen, in dem unten dieWäsche und üben Porzellsu, Gläser, 
ind verschiedene Kleinigkeiten aufbewahrt werden und 
r Schau ausgestellt sind. Auch in den äuhlafkammern der Arbeiter 



I 



ganz unerwartete! 



nt weder in der 
kleine hölzerne 




Au^st Mejtzeu 



fand ich stete gute, sehr scbvere Federbetten zum T«1 1 
Pei'sonen Lestimmt, 

Wo iu den Murktflecken die Häuser mehr atädtiacli gebaut 




sind, uimmt auch die EiniiolituQg mein- lieäen Charakter an; die 
Möbel und diis Hausgerät werden börgerlicher, es bleibt aber dieselbe 
Ordnung und Reinlichkeit und eine gewisse einTnche Behaglichkeit. 




Uebtr die Uhreu-InduEtrie des Sehwsrzwalda 37 

In Betroff der Kleidung richten sich die Männer dnrchgSngig 
nach der Bchlichten Ideinst ädtischen Art, die Weiber tragen dagegen 
soch die Volkstraclit. 

I Diese ist in den reracliiedenen Ortschaften etwas abweichend, 

MeBteht aber der HauptRsche Dach aua einem groben dnulilen Barchent- 
«der Merinorock, der bis über die "Waden reicht, und einen Rand 
Ton schwarzen und roten Tnchlajipchen hat. Darüber ein Leihchen, 
das vom mit Heften von Me^ising oder Nensilber zusammengehaiteu 
ist, um den geatickten oder mit bunten Wirkereien versehenen Ver- 
steck er aufzuni-hmen. um den Hals (ragen sie einen eng an- 
schließenden viereckigen llulskrogen von Samnit, der bis an den 
Kehlkopf reicht und nur die Schultern freiliisst, Kopf und Ohren 
iBchließt eine glatte , hinten breite Kappe , die ebenso wie die 
Ecken des HalakraigenB mit seidenen oder goldenen Blumen 
;iokt ist. Dai-über wird ein gelber oder orange angestrichener 
'ohfaut mit Bchmaler Krempe ganz in der Form eines Mannshuts 
b, au dem »ehr breite schwarzseidene Btudebiinder angenäht 
die frei über den Rücken herabhängen. Die Strumpfe sind 
Ton krapproter Wolle. 

Beinahe jeder Schwarzwälder besitzt einen Regenschirm, den 
er immer mit »ich führt. 

Die Koat ist äußerst einfach und frngal. Ich kann mich hier 
auf einen Bericht des Herrn Amtsphy.sikua Winterhalter zu Neo- 
Gtadt bezieben, der sich durch seine medizin isc h -st atis tischen Be- 
obachtungen bei seiner vorgesetzten Behörde einen Namen erworben 
hat. Er sagt: 

„Der Schwarzwälder isst täglich 5 Mahlzeiten: früh Waaser- 
auppe, gesottene Erdäpfel und süße Milch; um 9 Uhr Butter, KSse. 
Milch und Brot; zu Mittag Wassersuppe oder Speoksuppe, gebratne 
Knöpfle , Schupfuudeln oder Erd.^pfel mit Sauerkraut , Salat oder 
Mangold; um 3 Uhr Käse, Milch und Brot. In der Ernte wird auch 
wohl saurer Wein, oder Bier mit Küchle gereicht. Abends kommt 
ililchsuppe, gesottene Erdapfel und abgerahmte Milch auf den Tisch, 
und Frau trinken täglich Kaffee ; Kinder, Geaelien, Dienst- 
Sonnlags, der Frau bleibt wol auch für Nachmittag 
le Tasse übrig. In Wirtshäusern wird mehr Bier als Wein ge- 
iken ; Branntwein nehmen nur die Fuhrleute, Zimmerleute, Maurer 
dg]., nur Leute, die die schwerste Arbeit verrichten." 

Das Zeugnis eines solchen Mannes überwiegt jede vorüber- 
ihende Beobachtung ; ich kann nur hinzuiugen , dass ich außer in 



fcr- 



iniDgs- 

tnftng- 
k auf- 

er Wj^H 
■ie ge- 
lt nür^H 



38 Auj^ist Meitzeu 

OasthäuHeni kein Fleisch eesen sah, und dass icb den Gebraodi 
des Katfeea ziemlich beschraukt faod , dagegen Behi- häufig einge' 
dickte aaure Milch mit Erdäpfelo in grollen Massen als Nahmogs- 
mitte] antraf. 

Ich hielt mich einmal eisen Tag bei einer gewohulickeo 1 
raacberfurailie aaf, da wurde, um mich ala Gast zu ehren, 
Speckbrübe mit eingeschnit feuern Brot, und darauf eine sehr umfang- 
reiche BchÜBsel Salat und ein großes Stück geräucherter Speck auf- 
getragen, Diesen Speck legte immer ein Tischnacbhar dem anderen 
auf deu Teller, und jeder schnitt aich ein Stück ab, so ging er t 
lange im Kreise herum, bis nichts mehr übrig war. 

Um mich genauer von den Wirtschaftszuslüodeii zu überzeug 
und ein gewisBes Mali fiir die Bedürfnisse zu gewinnen, die die ge- 
wöhnlichen Fabrikanten für notwendig zum belinglichen Leben lialten, 
suchte ich von einigen Hausvätern, die mir zuverlnisBig genug eehienen, 
detaillirte Uebersichten ihrer Ausgaben zu erlangen; und es ist nürV 
möglich, dem Leser in den Anhängen III, IV und V drei i 
selben vorzulegen, die vollständig und übersichtlich sind. 

Die erste ist von Franz Boehler, einem Uhrmacher in Neu-" 
»tadt, der dort unter die geschicktesten Meister gehört, und unter 
nnderem auch Maaaivuhren fertigt; er hat dadurch ein gutes Ein- 
kommen, so das« seine Haushaltung schon unter die wolbabenderen 
gerechnet werden muss. 

Die zweite gah mir der Uhrmacher Siffle in Furtwangen an, 
der sich auch in ganz erträglicher Lage befindet, aber in seinem 
Einkommen schau mehr bet^ehränkt ist. 

Die dritte endlich diktirte mir ein bedeutender Speditör und 
Ivrämer Schultiieisa zu St. Georgen in die Feder, der längere Zeit 
Urtevorstand war, sicli auch bei den Eingaben an die Regij-mig 
lebhaft beteiligte, und vermöge seiner ausgedehnten Geschäfte mit 
den YerhSltnissBU der Fabrikanten ganz genau bekannt ist. Er b*tte 
dabei die Absicht mir zu zeigen, wie viel in einem Haushalte der 
beschränktesten Art jährlich gebraucht würde. 

Die einzelnen Posten bleiben dem Urteile des Lesers über- 
lassen, auch sind solche Rechnungen natürlicii immer melir Ueber- 
si'.hläge, als tatsädiliche Walirheiten. Im allgemeinen ist aber 
daraus zu ersehen, dass in der Hauptmasse der imr auf ihre Arbeit 
angewiesenen Fabrikanten, denen alle die angeiiihrteu angehören, die 
Ausgaben fUr die Kos! zwischen )>0 und ^0 fl. jährlich auf den 
Kopf, oder zwischeu 10 und 15 kr. täglich schwanken; duhei iiiud 




Uelier die lihren-Iudualrie dea Schwar/walda 



■klier die Kioder mitgezablt; Tür einen TThrmaobergesdUen wurde 
sie mir von verBohiedeoen Seiten aaf 15, 18, auch 30 kr. täglich 
berechnet. 

Die Kleidung ist für den !Mnnn zwiachen ii und 31) fl., für 
die Frau zwischen IT und 20 fl. Jührlich acgegebeu. 

Die Übrigen Wirtschaftaauagaben sind a!le ganz bescheiden, 
doch sind dabei Feate, Uochzeita- und Patengeschenke, Strhulbucher, 
FabrniaverBiclierung, Ausbeaserungen und dergleiciien Verwendungen 
aufgeführt, die einen geordneten Hausetand bezeiclinea. 

Man wird zugeben, dasa dieser Zustand ganz beruhigend ist, 
und mir ist kaum ein Beit4)iiel vor Augen gekommen, daas ein Haus- 



stand die niedrigsten Ansntzi 

Ich machte in der Umgegend vo 
die achlechteBten Preise und geringe Wa 
Ausflug mit dem Bruder des erwähnti 
etadirt hat und so bereitwUhg auf m 
keinen Urund habe , eine absichtlicbi 
X)ie9en bat ich, mich in eii 
Gegend kenne , zu führen 



St. Georgen, wo man über 
1 klagt, einen mehratiindigen 
Speditörs SchultheisB, der 
ne Pläne einging, dass ich 
Tüuacbuug ■vorauszusetzen, 
ärmüchsten Hütten, die er in der 
io gelangten wir durch den Stook- 



i kleineu hölzernen Häuscben, welches von der ublicbeu 
Form ziemlich abwich und mit Stroh gedeckt war; auf der einen 
j^eite hatte es einen Kuhatali, auf der anderen eine Stube, und wurde 
von einem alten Ehepaare bewohnt, das ein 8 jähriges Mädchen bei 
sich hatte. Die Stube war kaum 7 Fuß hocb und nur etwa 5 
Schritt im Quadrat, Die Frau kochte im Stubenofen. Der Mann 
«rhielt sich von Gestellmachen und arbeitete in schlechter Kleidung 
an einem Fenstertische. Er schien allerdings nicht in gUustigen 
7erbältnisBen zu sein , doch war in der gaiuen Wohnung Ordnung, 
und eine doppelte Bettlade, die den größten Teil der Stube ein- 
nahm, enthielt Kissen und Bettdecken von buntem, baumwollenem 
2eug, und war mit eben solchen Vorhängen versehen. Daa Mädchen 
schlief unter dem Dache. Der JMann verdiente sich 5 bis 7 fl. die 
"Woche. 

Dürftigere Verhältnisse habe ich nirgends kennen gelernt. 
Andrerseits habe ich aber auch nirgends eine besondere luxuriöse 
Einrichtung gesehen ; selbst bei den beiden Koryphäen der Kleinuhr- 
macherei, Pfaff und Schwer zu Triberg , fand ich nur eine ganz ge- 
■wöhnliche, sogar untergeordnete Möblirung, einfach geweißte Wände 
und ganz schlichte Kleidung, obwol diese Männer ein Einkommen 
fpn wenigitens 2000 fl. haben. 




40 



Anglist Meitzcn 



AuB dieseo Bemerkungeu wird man ei-measen können, eine wie 
große Gleichmäßigkeit die VerhältDieee des Subvarzwaldes cbai'ak' 
teriKirt, und wie suhwer es ist, ein Urteil über die verschiedenen 
VertnögeiiHZustände der Einzelnen zu gewinueu. 

Genauere Bekanntschaft belehrte micii Kunachst ulier den Ein- 
fluas dea Grundbesitees, der überwiegend die Leben« rerhältniaae der 
Bevölkerung gestaltet , und otFenbar den wichtigsten theoretischen 
Geaichtapunkt in der Schwarzwälder Industrie darbietet. 

Der Leaer wii-d aich erinnern, dasB schon die ursprünglichste 
Tendenz derselben dahin ging, die spärlichen Ertrage dea Ackerbaus 
zu ergänzen, und dasa die Fabrikanten sich nicht von ihrer länd- 
lichen Lebensweise entfernten, aondern auf wenigen Jlorgen eine 
kleine Landwirtschaft fortführten. 

Dies Verhältnis besteht auch beut noch ganz in der alten 
Weise. 

Schon die geschilderte Bauart der Häuser zeigt ihren länd- 
lichen Zweck , doch auch wo in den ^farktßecken mehr städtische 
Gebäude bestehen , sieht man überall »ehr sorgfältig geschichtete 
Düngerhaufen an ihrer Seite, und im unteren Geschoss Stallungen 
für das Vieh und Vorratakammem fiir die Ackergeratachaftcn. 

In der Nahe der Ortschaften gibt es kaum ein größeres 
Ackerstück ; alles tragbare Land ist in kleine Parzellen geteilt, und 
nur in abgelegenen Tälern und auf den enffemten Gemarkungen 
der Ortschaften halten sich noch einzelne grosse Bouerhöfe, zu 
denen fast alle "Waldungen auf den Höben gehören, und die meist 
ein Areal von mehr als 1000 Morgen umfasBen. Mittlere Güter 
fehlen fast ganz. 

Um mich genauer zu überzeugen, wie gleichmäßig und in 
welcher Größe das Land unter den Industriellen verteilt sei, erfragte 
ich auf Grund des Adresäkalenders in 5 Gemeinden: Neustadt, Nea- 
kirch, Waldau, ScboUach und Urach, von Männern, die genaue 
Kenntnis hatten, die Zahl der Eühe, die jeder einzelne Fabrikant 
hielt. Diese IHast einen ziemlich richtigen Scbluss auf die GröUe 
der Parzellen zu, weil man ohne großen Irrtum auf je eine Kuh 
2 — 3 Morgen rechnen kann. 

Das Ergebnis war, dass 306 Fabrikanten 3*JG Kühe besassen. 
Unter diesen hatten 03 nur eine Kuh, <i5— 2, 23—3. Nur 4—4 
und nur 2—5; 2— G; 1 — 7; 2-8; 1 — 15 und 1— l'i, 

40 beeoBsen gar keine Kuh ; unter diesen war der größte Teil 



Uelier die UbreL-Industrie des Soliwarzwalda 



41 



noch unverheiratet, ein anderer im Leibgeding, so doBa kaum '/^ 
als solche übrig bleiben, die zum Besitz zu arm waren '). 

Die Zahl derer, die I, 2 oder 3 Külie besasaen, war demnach 
unter 206; dehnt man dies Verhältnia auf die übrige Meister- 
auB, die, wie erwähnt, 1419 beträgt, so ergiebt sich für das 
i Gebiet der Uhrenindustrie eine Summe von 104Ü kleineu fabri- 
zirenden Gruadbesitzem, deren Besitztum eine Größe von 2 — G 
Morgen bat. 

Ein grosser Teil dieser Farzelb 
Fabrikanten, sondern nur von Bauer 
'attungen abgepachtet ; indes dauern 
lange, und Kapital und Pachtzins stel: 
ntersdiied zwischen Pächtem und Eigenti 
Zwei ^lorgen und Wohnung werden 



ist nicht im Eigentum der 
Gastwirten oder JCirchen- 
a die Fachten gewöhnlich 
Bo gleich, dass wonig 
TD besteht, 
allen Ortschaften mit 
-ÖO fl. gepachtet, in den Dörfern gibt aber der Verpächter noch 
ras Holz nnd die nötigen Ächerfufaren unentgeltlich, was in den 



') Die näheren Erhebungen für die einzelnen Gemeinden eind 



6 Fabrikanten mit 
6!J Kühen. 



30 Fabrikanten mit 


58 Fabrikanten mi 


116 Kähen. 


93 Kiihen. 


on diesen 




13 Fabr. Kühe. 


13 Fnlir. Kühe 


29 . 1 Knh. 


20 „ 1 Kuh. 


38 „ a Kühe. 


13 „ & Kühe 



nit 43 Kühen. 



1 Fabr. Kühe. 
l „ 1 Kuh. 
j ., 2 Kühe. 



■, Kiihe. 

1 Kuh. 

2 Kühe, 



Sohollacb 
17 Fabrikanten mit 45 Kühen. 

4 Fuhr. Kiihe. 

5 ., 1 Kuh. 
4 p S Kühe. 







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Ueber dk- Uhren-Industrie des Schwarzwalds 43 

Dazu muaa man ober noch eioe große Masse kleioer Wirt- 
schaftabedUrfoisBe anschlagen, die liaum beachtet werden, aber wenn 
sie gekauft werden sollen, nicht unbedeutende Kosten veniraachen. 
Etwae Kraut, Salat, Schnittlauch, Zwiebelu, eia Stück Geflügel, Eier, 
Hühner, Tauben kann jeder Hauswirt ohne Kosten eraielen, und 
omgeht dabei die Schwierigkeit, diese Dinge in den kleinen Orten 
anzukaufen oder aus groiteu Entfernungen herzuholen. 

Es ist schwer, diese Erträge in Geld anzuschlagen, man wird 
sie aber vielleicht am besten aus den 3 WirtachaftsberechnungeD 
beurteilen können, wo jedeamal genau nebeneinander gestellt iat, wie 
viel der Haushalt ohne Kuhteil koateu würde, und wie viel mit 
Kuh teil. 

Der Geldvorteil stellt sich für Boehler, der 2 Morgen 
16 DEuten Wiese und Acker besitzt, auf 57 fl. 39 kr., für 
Sifäe in Furtwangen, der 5—6 Morgen besitzt, auf lÜS fl, 48 kr., 
und für 8t. Georgen bei der Annahme von 2 Morgen auf 111 fl. 
40 kr. 

Der Nutzen ist hauptsächlich durch die Art bedingt , wie 
sich die Kost dem Ertrage anbequemt. Dies geschieht in den 
meisten Wirtschaften soviel wie irgend möglich , und daraus er- 
klärt sich am besten, warum der Schwarzwälder auch in ganz 
walhabenden Yerhältnisaen die äußerst frugale ländliche Kost , die 
eigentlich zu seiner sitzenden Lebensweise gar nicht paast, allgemein 
beibehält. 

Offenbar hängt damit auch zuBammen, dass auf dem Sohwarz- 
walde, auf dem der Hafer selten zur fieife kommt, und die Be- 
Tötkerung gegen 3500 Seelen auf die D Meile beträgt, dennoch die Ge- 
treidepreise niedriger stehen, als auf den umliegenden Ebenen. 

Es liegt mir eine aus polizeilichen Erbebungen zusammen' 
gestellte Tabelle von Durchschnitten der (Jetreidepreise vom Jahre 
1BI8 bis 1832 vor. die sich auf 44 Märkte in Baden und dea nächsten 
Orenzläodem erstreckt. Nach diesen haben sich die beiden Märkte 
von Villingen und Löffingen, von denen aus die Uhrmachergemeinden 
hauptsächlich versorgt werden, nicht über den iMittelpreis sämtlicher 
>lärkt« erhoben, und ihr DurchBchnittspreis steht bei weitem niedriger, 
als der der Märkte von Lahr, Freiburg, Lörrach auf der einen, und 
Wolfach und Schaffhausen auf der andern Seite, wogegen sich gegen 
Engen und IMeeskirch eine Tür die Fiiichtbarkeit dieser Gegenden 
igerung zeigt. 



I 

I 




Anglist Meitzen 
Die betreifendeu Zalileu sind: 



Markt 


Kernen 


H. kr. 


Gerate 

B. kr. 


Srelz 


Hafer 


ViUiBgen . . . 


9 


3''ln 


5 1 48' , 


4 


30'k 


3 


86-1, 


3 


6V, 


Löffingen 






9 


59 


5 


5Ü'|, 


ö 


3 


s 


35 


3 


1*1. 


Lahr . 






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40 


t> 


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5 


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— 


3 


aet, 


Freibnrg 






10 


en, 


7 


35\ 


6 


4'1 


— 


— 


3 


52*1, 


Lörrai'h 






tl 


ss\ 


6 


5a'l, 


5 


55 


4 


a'i. 


3 


20'|, 


Wolfach 






10 


21'L 


7 


44=:, 


6 


31',, 


3 


5 


3 


2'l. 


Engen . 






8 


8'!, 


5 


'k 


4 


23*1, 


2 


59'|, 


2 


33*1, 


Mesakirch 






8 


24 


5 


19 


4 


öS'!, 


3 


15'!. 


2 


42<|. 


Schaffhauaen 
Mitte! aar 




9 


52\ 


bJ 60 


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2 


56.U^ 


44 






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30 


5 


3 


3 


38 


8 


irf 



lieber audere LebeDsbedürfaiBBe sind Bolche Erhebungen xa 
schwierig, sie stehen aber gewöhnlich in einem gewiasen Verhältnia 
zu den Qetreidepreisen ; sonach ergäbe «ich für den kleinen (Tinnd- 
besitz der Vorzug, dasa er die Preise der Lebenemittel weseotlich 
herabdrückt, und so die Erhaltung der InduBtriebevölkemng am 
vieles erleichtert. 

Den wichtigsten Einfluaa äußert er aber ohne Zweifel in der 
Oeetaltung der bürgerlichen und aittlicheo Yerbsltnisse der Be- 
völkerung. Durch ihn erhält der Meister das Gefühl der Selb- 
ständigkeit und bürgerlichen Geltung, das er als Lohnarbeiter bei 
den bestehenden Verhältniaaen längst verloren hätte. Die Familien 
bekommen in ihm einen Mittelpunkt, ein Ziel ihrer Bestrebungen, 
und ihre Kräfte, die sie sonst ruhen lassen oder verdingen müssten, 
werden für den eigenen Herd tätig verweitet. 

Der Hausvater hat durch ihn eine gewisse patriarchalische 
'Würde, und während er seine Arbeiter anleitet und seine Familie 
beaufsichtigt, erhält er halb uabewusst und auf dem natürlichsten 
Wege sein Haua in der hergebrachten Zucht und äitte. 

So lange die Familie ihr Haus und ihren Grund und Boden 
behaupten kann , ist sie nicht bedürftig , selbst wenn einmal die 
Arbeit stockt und lange kein Geld eingeht. Sie beschränkt sich 
dann auf das Notwendigste, bezielit die Koat fast ganz aua dem 
Grundstück, vermeidet jede Anaohnffung, und braucht sich nicht in 
Schulden zu stürzen; wenn dann wieder Arbeit kommt, kann eie 




^^H Ueber die ühreD-Indastrie Üea äi:hwnrzwaldB 45 

ginz dazu verwendet werden , den Hnuastand möglichst schnell auf 
die frühere Höhe zurückzuliringen. 

Wer Gelegenheit gehabt hat, die Zerstörung zu beohschten, 

wo größere ArlieitBBtockungen in andre Fsbrikbevölkerungen tragen, 

wird die Größe dieeee Vorzugs zu würdigen wissen. 

^^ Dieselben Umstände rancbten mir aber auch klar, daas es für 

^L Ol« Beurteilung der Schwarzwäld»r >^uatände durchnus nicht von 

^■.dtrselben Wichtigkeit, wie für die anderer Fabrikbevölkerungen ist, 

^1 die Höbe des Verdienstes im einzelnen genau zu bestimmen, ja ich 

nachte die Erfahrung, dass diese sogar den Fahrikanteu selbst für 

ihre eigne Person durchaus nicht mit Sicherheit bekannt war, 

Die Grundlage des Haushalts bildet stets das Grundstück, 

^L äe Gewinne aus der Industrie kommen teils in Waren, teils in 

^HlNu'em Gelde, teils sogar in Handleistungen hinzu, und reichen immer 

^f gerade hin, um das Lebeu weiter fortzuführen, das eich etwas ein- 

' Khränkt, wenn wenig, und ausbreitet, wenn viel Vorrat vorhanden ist. 

Dieses Verhällnis ist der innere Grand jener Gleichmäftigkeit 

•iler Zustände, und macht ps sehr schwierig, aus der Haltung der 

Familie auf ihren Einkommen stand ein dauernd gültiges Urteil zu fällen. 

Ob eine Familie 400 oder <!00 fl. aus der Industrie bezieht, 

macht wenig Unterschied. Sie isst etwiis besser, zieht ihre Kinder 

etwas besser an , .'«chafl't einiges Hausgerät hinzu , besucht einige 

Vergnügungen mehr, das ist alles. JedenfallB würde der sehr irren, 

der glaubte, dass nach den verschiedenen Ei nkommenn« ätzen , die er 

hier und da ermitteln könnte, sich die "Wirtschafts- und Bildungs- 

zustäude erkennbar abstuften. 

Um eine einigennaöen sichere Grundlage für die Erraitte- 
long der Verdienste aus der Industrie zu gewinuen, habe ich in 
Anhang VII eine Zusammeusteilnng gemacbt, wie viel bei gewöhn- 
licher und üblicher Tätigkeit die Fabrikanten der verschiedenen Uhren- 
gattungen verdieuen können, wenn sie mit einem Gesellen und einem 
Lehrling arbeiten, und die Marktpreise vollständig ausgezahlt werden. 
Diese Berechnung ist ganz einfach. Es erfordert z. B. ein 
|.'Dntzend 24 stündige Uhren bei gewöhnlicher Qualität folgende 
«lagen: 

ein Dutzend Gestelle 2 fl. — kr. 

, für Räder 3 „ 12 , 

' 8. Draht, Messing, Pajüer, Leim, Eisenfarbe ... 1 , 30 „ 

I i. Feilen und Abgang vom Geschirr — , 30 . 

zusammen 7 Ö. 12 kr. 




46 



Äug'ust Meitzen 



Daa Stück wird dem Uhrmacher bei guter Ai'beit vom 9p«- 
ditör ntit 1 ä. 24 kr., also daa Dutzend mit IG B. 48 kr. ange- 
rechnet. Der SjiBditör zieht sich aber die Materialkoeten teils für 
sich, teils für den Gestelhuacher und den Gietter ab, daher bleibt 
dem I'hrmacher uotli eine Forderung vou 9 fl. 36 kr. Arbeitslohn. 
Da nun ein Uhrmacher mit (ieeell and Lehrling in der Wouhe 14 
Stück solcher Uhren arbeiten kann, so erwerben diese drei Personen 
wöchentlich 11 &, 12 kr,, »der, das Jahr zu 48 Axbeitawocheu ge- 
rechnet, jährlich 486 fi. kr. Auf ähnliche Weise sind alle übrigen 
Berechnungen angelegt. Der Uebersicht wegen habe ich für jede 
Uhrensorte die höchsten und die niedrigsten Preise angesetzt, die 
ftich teils nach der Güte der Arbeit, teils aucii nach einem gewissen Her- 
I einzelner Ortschaften bestimmen, welches die FabrikBnt«n 
: Schwerfälligkeit und Mangel an Zeit nicht durch Veraendung 



• War 






Im allgemeinen werden in Neukirch, Bisenbach, Gütetibach die 
höchsten, in Schönwald, Nussbach, St. Georgen und überhaupt nach 
Norden und Osten zu, wahrscheinlich infolge des besBeren Acker- 
baus, die niedrigsten Pi'eise gezahlt. 

Das Ergebnis (1er Berechnung ist für die gewöhnlichsten Uhren- 
Borten 35Ü— 700 fl., für höhere 700—1000 fl. jährlich. 

Die vollen Marktpreise können aber nur die wenigen Fabri- 
kanten erhalten, die bestimmte Kunden an Kaufleuten oder Privat- 
personen haben. Die meisten hängen so sehr von den Speditören 
ab, dass die Abzüge, die sie auf den verschiedensten Wegen erleiden, 
sehr bedeutend anzuschlagen äiuJ. 

Uhrmacher, die icii um allgemeine Schätzungen befrug, rech- 
neten bei Waren, deren Verkehr bestimmt ist, 25"/(, Verlust. 

Kiner gab mir an, die Speditöre schrieben Schmalz nnd Speok 
statt 10 hia 24 kr. mit 2» bis ä2 kr., Draht statt 40 kr. mit 54 kr., 
Weingeist statt 38 kr. mit iS kr., Salz statt 3 kr. mit 4 und & kr. 
au; Zucker nnd KaS'ee stiegen oft bis zum doppelten Satz, und bei 
Ellenwaren, wo eine Einsicht uumiiglich ist, kämen auch noch höhere 
Prozente vor. 

Eine kleine Gesellschaft äußerte, sie wollten gern '/i der 
Marktpreise verlieren, wenn sie gleich bares Geld erhielten, und dos 
Verkehre mit dem Speditör enthoben wären. 

Manche Fabrikanten werden jedoch wegen Verwandtschaft oder 
wegeu besonderer Freundschaft mehr geschont, und müssen sieh nur 
dem schon gedachten Zurück sehe uhen rügen. Diese gewisse Ab- 



Ueber die Uliren-Iuduntrie ties Sclmarzwalds 



47 



1 Gelde, welche» die Tochter oder Frau des Speditörs, 
e Fabrikanten gezahlt hat, beim ÄbBchiede an der 
■ einzieht, beträgt etwa 3 kr. vom Quldea. 

Ändere wissen sich nuch duich eigene Spedition, indem aie dem 
itor nur das Frachtgeld beznhlen, allen diesen Missbilden zu 
tziehen. Es sind dies alter nur solche, deren nahe Verwandte iu 
niger entfernten Ländern hauslreu , und die eich mit Wechseln 
I Geldbezügen Rat wissen. 

MuDuhen Kleistern gewährt dagegen die Vermebrnng der Ge- 
1 eine Vergrösseriing des Verdienstes, Dn aber ein Gehilfe 120 
ISO fl. jährlichen Unterhalt und Lohn kostet, so können nnr 
SiejeuigeD zu diesem Mittel schreiten, denen es einen hinreichenden 
Ueberscbusa gewährt; und es bleiben somit die Fabrikanten der 
niederen Ulirensorten davon auaf,'eflclilofisen, die eher zu der Auskunft 
greifen statt der Geeellen mehrere Lehrlinge auzuuehmen, die ihnen 
keinen Lohn kosten, im <i'egenteil, je nach der Länge der Lehrzeit 
mehr oder weniger Lehrgeld zahlen. 

Bei dieser Mannigfaltigkeit der Verhältnisse würden genauere 
ßestimmungen ganz willkürlich sein ; höchstens kann man sagen, dass 
für Fabrikant enfumilien der niedrigsten Gewerbe das Einkommen 
nuf 300 bis 500 fl., für höhei-e auf 50U bis l.WO fl, anzusohlogen 



Gießer 



machen 



o bedeutet 



und Schildbrettmacber 

I Speditören gleich zu 

Kapitalien, daes, wenn 

gut verwerteten, sie sie lieber in 

Uebrigens spediren die meisten 

jode GieQhätte als eine Art Leih- 



iat. und das Gewerbi 
^ßere Rohstoffbezüge 
itellen sind, denn sie brauchen t 
sie eie nicht im Gewerbe ebt-m 
der Spedition anlegen würden, 
nebenbei, man sieht wenigstenä 

^lehr läsat sich kaum mit Sicherheit sogen, doch dürfte ea 
auch für ein Bild der Vei-mögensTerbältuiase ungefähr genügen. 
A'ergleicht man damit die besproclienen Wirtschaftsberochnungen, so 
^wird man dch überzeugen, dass auch der niedrigste 8atz von 300 tl. 
«lem Seil warzwBl der noch ein ganz erträgliches und geordnetes Leben 
löchert. 

Es kommt also mehr darauf an zu untei-Buchen , ob vielleicht 
dar«h ArbeitsauBfall , durch Verschwendung, Krankheiten oder TJn- 
glüuksfnlle eine grosse Zahl von Familien noch hinter diesem niedrigsten 
£inkoinmens»atz zurückbleibt und wirklich Not leidet, 

Darüber konnte ich nur erfahren, dass allerdings öfters Ge- 
sche früh selbständig zu sein, ohne Mittel heiraten, 




A 



48 



Augtist Mei 






pachien und aicli Meister nenoen, ohne durcb ihre Arbeit den H&ushalt 
und die Kosten ihrer Einriclitung decken zu können. Sie geraten 
immer tiefer in Schuldverhältnisse , und es sollen namentlich daher 
die wachsenden Ganten rühren, die in den letzten 10 Jahren im 
Bezirk Trlberg auf jälirlich 4 bis fJ gestiegen sind. 

Uehrigens können aber diese VerhSltnisae unmöglich von großer 
Ausbreitung und Einfluss sein, denn ich habe schon erwähnt, dasg 
ich nirgends einen Bettler antraf, und man sich überall über den 
Ueberfluss an Arbeit freudig aulterte; Husaerdein spricht aber auch 
alles dagegen, was ich von dem Stande des Ärmenwesens und der 
Tag- und Arbeitslöhne ermitteln konnte. 

In Triberg wurden wahrend meiner Anwesenheit anf 1218 
Seelen nur 22 Arme erhalten und einige Familien mit Jliete 
stützt. Es befindet sich daselbst ein Kreishospital für Gebrechlii 
mit 50 Betten, in das jeder Bedüi'ftige aufgenommen wii-d, der täglidT 
G kr. zahlt. Es standen jedoch noch mehrere Betten leer, und die 
Hospitaliten verdienten sich zum Teil M kr. den Tag durch Lohn- 

Die Gemeinde St. Georgen von 1400 Seelen braucht jährlich 
«twaa über 200 fl. Armenkosten meist für uneheliche Kinder und 
alte Frauen. Uhrmacher werden mit Werkzeug und Wohnung unter- 
stützt, die sie später wieder zurückzahlen müssen. 

In anderen Orten wusste man noch weniger von Armenpflege 
zu sagen ; die Kosten werden durch die gewöhnliche Gemeindesteuer 
gedeckt. 

Jedenfalls giebt der unTerhältaismäßig hohe Tagelohn den 
besten Beweis, dass wenig Konkurrenten zu den niedrigeren Arbeiten 
da sind. Er steht, wie die Uebersicht in Anhang VI ausführlich 
zeigt, in allen Orten für den Mann auf wenigstens 40 kr., für die 
Frau auf 24 kr. täglich, steigt aber auch auf 1 ü. und höher. Auch 
die Lohnsatze für Dienstboten sind sehr bedeutend. 

Nach dem Vorliegenden bedarf es wol kaum des Beispiels 
anderer Fnbrikbevöikerungen, deren industrielle und agrarische Ver- 
hältnisse einigermaßen ähnlich sind, z. B. der schlesischen Weber, 
der Hächsischen Spitze nklöppler, um den Vei-mögenazustand der Schwarz - 
wälder trotz der nachteiligen historischen Einäiisse als unerwartet 
günstig anzuerkennen. 

Was ihre sonstige Lage betrifft, so verläuft das tägliche Leben 
sehr regelmäßig. Früh um b oder II Uhr, je nach der Jahreszeit, 
beginnt in allen Werkstätten die Arbeit, bei der der Jleister du 



I 



Ueber die Uhren -Industrie des Scbwarzwalds 



49 



Einrichtang nnd die schwierigst en Partien (ibernimitit, und dauert 
liia um 7 oder 8 abends. Sie wird nur von den erwähnten 5 Mnhl- 
xeH«a unterbrochen. Der Abend geht durch einen kurzen Spazirgang 
auf der Lnndstraße, oder im Wirtahause hin, und um 9 Uhr iat 
schon last jeder zu Bett. 

Fleili und Emsigkeit ist für die SchwarEwälder Arbeiter chs- 
rakterietiBch. Sprechen bei der Arbeit ist nicht Sitte, und man sieht 
«n Werktagen die ganze Familie, selbst Töchter und Kinder, wenn 
tue nioht auf dem Felde gebraucht werden, unausgesetzt fntig. 

In dem Meister selbst trifft der Fremde einen schlichten Mann, 
der ihm sehr höflich, aber «loch mit Tollkommuem Selbstbewusstseiti 
gegenübertritt, zuerst etwas zurückhaltend ist, sobald er aber von 
dem Interesse und der Uneigennützigkeit seines Gasts überzeugt 
vird. äußerst zuvorkommend, ja mit Stolz die Handgriffe uud den 
Zusammenhang seiner Arbeit zeigt und erklärt. Sein Weseu, seine 
Sprache, seine Eracbeinung sind bürgerlich, und man sieht ihm ge- 
wöhnlich Kränklichkeit und angestrengte Arbeit an, indes scheint 
«r mit seinen Verhältnissen ziemlich zufrieden zu sein, und ein ge- 
viaaes Behagen in seinem Hause zu empfinden. 

Will man den Scbwarzwälder naher kennen lernen , so muss 
maD ihn bei den Festen aufsuchen, mit denen besonders die Sonntage 
zugebracht werden. Zu diesen Festen lasst er eich zwar zum Teil 
durch sein Verhältnis zu den Speditören bewegen , indes sind sie 
sugteich »ein H supt vergnügen ; sie beruhen auf der Sitte der Väter, 
md ist einmal der Fuss ins Wirtshaus gesetzt, so denkt er nicht 
mehr an die Härte des Zwangs und gibt sich ganz dem Vergnügen 
hin. Die Festlichkeiten selbst zeigen immer denselben Charakter, 
mag eine Hochzeit, eine Kirmess, ein Markt, oder sonst ein Ereignis 
die Veranlassung sein. Die ganze Gemeinde und sogar die Nachbarn 
kommen mit ihren Frauen einige hundert Kopfe stark in einem 
Wirtshauae zusammen. Dabei sind alle im höchsten Glänze , die 
in sehr feine Stoffe gekleidet, und mit Uhrketten, Bueen- 
leln u. dgl. geputzt. Die Weiber tragen dabei große, bnutseidene, 
'-sogenannte Mailänder Halstücher, die sie im Nacken zusammenknüpfen, 
to dasa der breite Zipfel vorü auf der Brust liegt; auch bemerkt man 
■ehr feine Strolihüte, die 1 Louisdor kosten, und hie tmd da als 
Erbstück aus der guten alten Zeit eine lange silberne Kette, die sie 
als Gürtel mehrmals um die Taille winden. 

Das Vergnügen der Aelteren besteht hauptsäohliuh in einer 
gesetzten und anstandigen Oeaelligkeit. Die Gfiste sitzen Kopf an 



^—Wir 
Küät 

^Etod. 




50 



Äuguat ileitxea 



Kopf HD laitgeD Tafeln in bunter Reihe, und wechBeln kaum Momm] den 
Plats, obgleich die Mahbeit von früh um 11 Uhr bis zum späUo 
Abend dauert. Während des tragt der geschäftige Wirt mit zahl- 
reicher Dienerschaft in immer erneuter Folge Braten, Fische und 
verächiedene Mehlspeiaen auf, und setzt, ohne viel eu fragen, reichlich 
Bier und Wein dazu. 

Die Jüngeren spielen entweder um Geld Karten und 
Kegel, odei' sie drängen sich in eiuen großen, niedrigen Saal zu- 
sammen, wo getanzt wird. Hier bewegt sich die ganze Gesellschaft 
ununterbrochen nach der Musik gehend oder walzend, und immer 
erst nach drei oder fünf Tänzen wird eine Pauae gemacht; doch hat 
nlles einen gewiesen Ernst, die gewöhnliche Laune der Volkstänze 
fehlt fast ganz, auch hört man nur Polka, Galopp, Ländler u. dgl. 
moderne Namen. 

Einen sonderbaren Eindruck machen dabei die Hauairer, dii' 
kürzlich aus dem Auslände zurückgekehrt sind. Hir Talent für 
fremde Sprache und Sitte ist sn groU, dass sich der VolkscharaideT, 
mit dem sie zu tun hatten, sprechend auf ihr ganzes Äeußere (iber- 
trügt. Es ist höchst apasshaft, wenn unter den jungen Leuten ein 
unverkennbarer Engländer mit all seiner steifen Unbeweglicbfceit, 
aeiuem roten spleenigen Gesicht und langer hagerer Gestalt herum- 
walzt, und beinah vergeasen zu haben scheint, wie man in der Heimat 
die Mädchen aufasst. Dann hört man wol auf der andern Seite 
im französischen Provinsialjargon leichtsinnige BoimiotB, mit denen 
die sogenannten Franzosen prahlen, und über ihre ehrlichen Lands- 
leute grade wie über den Pseudo- John- Bull witzeln. 

UehrigeuB kommen diese Leute oft recht gebildet von ihren 
Beisen, und iuh babe ihnen manche Belehrung zu danken, wie ich 
mich denn überhaupt an diesen Festtagen immer sehr gut unter- 
halten habe. 

Der ruhige Anstand derselben zeigt schon, dass der Schwarz- 
wälder einen nicht unbedeutenden Grad von Bildung hat, und in 
der Tat wird seiner angehornen Neigung zum Nachdenken durch 
die genaue Arbeit, den gefährlichen Verkehr mit den Speditören 
und Händlern, und die öftere Gesellschaft mit gereisten Leuten 
Nahrung genug gegeben, sein Blick geschärft, und sein Benehmen 
abgeschliffen; dagegen habe ich schon gezeigt, daas die Scliul- 
bildung seine schwache Seite ist, er verachtet sie aus Herkommen 
und aus Vorurteil. 

Die Volkasohule ist zwar gut besucht : in den Industrie-Ge^ 



J 



Ueber die Uhren- Industrie dea Scbwarzwaltls 



61 



P. 



meinden dea Bezirks Neustadt kamen 1845 auf 14 217 Seelen oder 
2724 Familien 200R Schulkinder, also «ehez« auf jede Familie eitis; 
aber desto mehr werden die beiden Gewerbeschulen TetUBchlnasigt, 
die die Regirung zum Besten der Industrie in Neustadt und Triberg 
errichtet hat. 

Ihre Einrichtung sciieint sehr angemessen, und die Lehrer haben 
einen vorteilhaften Ruf, indes wird der Besuch immer scbwäcber, 
und besonders die Ulirraacheriehrlinge , flir die sie am meisten be- 
rechnet sind, sind am aebweraten zur Teilnahme zu bewegen. 

Der Plan dieser Schulen ist etwa folgender: 

Die Schüler werden mit Lesen und Schreiben aufgenommen, 
und gehen drei Klassen durch, die vom Leichteren zum Schwereren 
fortschreite D. Die Hauptuut errieb tsgegenstände sind : Rechnen bi» 
zu den Gleichungen und Dezimal bril chen ; Wirtsohaftslebre , worin 
beeonders vom Verhältnis der Gesellen und Meister, vom Geld, Geld- 
sorten und Sendungen, vom Materialieubeeug u. dgl. gehandelt wird ; 
Aufsatze aus der praktischen Gescbnftsfühmng ; Geometrie und Linenr- 
zeichneu und Vermessungen, endlich Uhrenbau nach dem Werke von 
Merou, Der tfnterricht wird obne Bezahlung im Sommer von 5 
bis 7 Uhr früh, im Wiuter von 7 bis it Uhr abends erteilt; Zeichen- 
■utterricht ist alle Tage von I bis 3 Uhr. Das Zeichnen sowie die 
IcaofmÄnnische Buchführung und englische und französische Sprache 
sind nicht in den eigentlichen Unterrichtsplan aufgenommen, es ist 
den Schülern freigestellt, daran teilzunehmen odei- nicht; gewöhnlich 
kommt aber der Unterricht darin gar nicht zustande, man sträubt 
sieb allgemein dagegen, besonders gegen das Zeichnen, welches man 
für ganz unnütze Spielerei halt. Die Lehrlinge weigern 



nehmen , 



I nicht 2 



B Eigennutz 
weil sie da- 



r Zeit sogar in Neustadt Stelle i 
Unterricht herbeigezogen zu werden. 

Die Schuld tragen offenbar die Meister, die teib a 
die Lehrlinge und Gesellen vom Scbulbesucb abhalten, 
durch von der Arbeitszeit einbüßen, teils ihnen ihre eignen Vorur- 
t«ile so bald einimpfen, dass alle Bemühungen und Versteifungen der 
X<ehrer fruchtlos bleiben. 

In Triberg ist die Schule besonders dadurch gehindert, dass 
die meiaten Uhrmacherlebrlinge , die sie besuchen, so unvorbereitet 
hinkommen, dass man ihnen erst Elementnruntraricht geben muss. 
Hier werden Mechanik und Uhrenbau gar nicht besucht, am besten 
gebt es nach der Aussage der Lehrer in den gewöhnlichen Schul- 
■eenschaften und in der praktischen Geometrie, die mit Linear- 



I 




^ August MeitzeD 

zeichnen verbunden ist. FreiliaiicUeicImen wird mit Widerwillen ge- 
trieben. Die bestea Schüler Bollen Schusttr, (Jerber, Metzger und 
Schneider sein, die aublecbteateu aber immer die tJhrniBcher, die 
sdilechterdingB nichts weiter bIb Spindel d und Zahnen lernen 
wollen. 

Die Triberger Meister treiben es sogar go weit, dass sie den 
Iiehrling im ersten Jahre schon zum Gesellen sprechen, und ihn dann 
die übrige Zeit nacharbeiten lassen, um ihn nur nicht in die Schale 
schicken zu müssen. 

Wie deutlich und nachteilig sich die Folgen in der Fabrikation 
äußern , habe ich schon hiolängUcb gezeigt ; eine Aenderung hat bis 
Jettit, trotz angestrengtester Sorge der Behörden und Lehrer, nicht 
bewirkt werden können, weil selbHt die Schul vorstände nicht frei 
von den gerügten Vorurteilen sind. 

Für die Sittlichkeit der Bevölkerung muss natürlich das ganze 
Geschäft der SpeditÖre ein wahrer Krebsschaden sein. Mögen sie 
mit mehr oder weniger Recht ihre Prozente ziehen , so ist die Art, 
wie sie dazu gelangen, jedenfalls in hohem Grade gehässig. Es liegt 
eine empörende Härte in dem Zwange zum Essen und Trinken , 7m 
ganz unnützen Laufereien, zu überfiüasigem Luxua, zu BierBpieteii 
und dergleichen unfreiwilligen Ausgaben. Manche Packer sollen auch 
den Fabrikanten vorspiegeln , der Hausirer könne nicht zahlen, und 
ihnen so die Forderungen für wenige Prozente abdiingen; andre 
sollen dumpfigen Kaffee und abgelegte Stücke Tuch an Zahlungsstatt 
geben, oder nach jahrelangem Zögern den Napoleon zu 10 fl. rechnen. 
Mehrere sollen betrüglich ihre Zahlungen eingestellt haben. Endlich 
erfuhr ich, dasa allein in Furtwangen auf 2484 Seeleu neben 10 
koDzesaionii'ten Wirten TO sogenannte Stimpl es wirtschaften bestehen 
Bollen, die eigens errichtet wären, um die Fabrikanten durch Spiel 
und Trunk auszusaugen. 

Mägen dies zum Teil Uebertreibungen oder Einzelheiten sdii, 
BD muBH schon die Unmöglichkeit, sich dagegen aufzulehnen, Kasa, 
Bitterkeit' und viele Üehel in ilirem Gefolge aussäen. 

Münner, die durch jahrelangen Umgang ein Urteil haben können, 
klagen deshalb vielleicht nicht ganz mit Unrecht, dass Hartherzigkeit, 
Misstrauen und Verschlagenheit mehr und mehr an diu Stelle der 
alten berühmten Biederkeit zu treten schienen. 

Im übrigen hat die ländliche Zurückgezogenheit die Moralität 
des Völkchens ziemlich rein bewahrt. Selbst die Hausirer, die im 
Auslände manche Lüderlichkeit lernen, sollen bald wieder die gute 



wor 



Uelier die Uhren-Industrie (iea Schwarzwalds 53 

Famitienzncht der Heimat Rnnebmen. Am ersten klagt man noch 
über Spielsueht unii Verschwendung. 

Unehelicliti Kinder geben die jährlichen Listen über die Ge- 
borenen und l.ieBlorlieuen für die 11 Jahre von 1Ö34 bis 1844 einsuhl. 
im Bezirke Triberg auf 4!t26 Kinder lUii, also immer Ton je 4,3 
eins, iin Bezirk Neustadt von 7032 Kindern 1170, bJso erat von je 
6 eins, an. 

Herr ÄmtaphysikuB Winterhalter sagt in dem erwähnten Be- 
richt, daBB von den Frauen, die die Hsusirer häufig mehrere Jahre 
lang zu Hause lassen, während sie ins Ausland gehen, so viel be- 
kannt, seit 12 Jahren nur einmal eine außerehelich schwanger ge- 
worden sei, und lobt überhaupt die Ehrbarkeit und gute Sitte seiner 
.mtseineaseeD. 

X)er Gesundheitszustand der Wälder ist angenscheinUoh von 
Indnatrie bis zu einem gewissen Urade angegrifTen. Das Aus- 
sehen eines grolku Teils der Bevülkerunf; bt auffallend kränklich ; 
die Frauen haben häufiger noch eine gewisse Ueppigkeit, obgleich 
sie immer weit hinter der der Ebenen zurückbleibt, aber besonders 
die Männer sind meist lang und schmal, etwas gekrümmt mit un- 
sicherem Gang, blass mit tiefen Äugen, und nur zu oft hektisch. 
Die Schwindsucht scheint zum Teil durch das Gewerbe bedingt 
SD sein ; besonders betrifft sie Uhrmacher und Schildmaler. In den 
Totenschau berichten , die für Schwindsucht noch am zuverlässigsten 
sind, fanden sich aus den letzten 4 Jahren von 102 Todesfällen, die 
iter diesen Arbeitern vorgekommen waren, 51 als durch Schwind- 
t veruTBBoht. während in den ouderen Geworben auf 3Ü3 Ge- 
ne nur 81 Schwindsüchtige kamen, also über die Hälfte weniger. 
Auf jeden Fall kann die allgemeine Kränklichkeit hei einem 
Arbeiter nicht Wunder nehmen, der das ganxe Jahr ohne besondere 
Üewegung in heitler, stickender Stubenluft zubringt, Farben- und 
Istanb einatmet, ütets vorwärts gekrümmt oder sitzend arbeitet, 
n fortwährender Tran sapiration bleibt; alle Wochen oder Monat 
einmal genötigt ist, sich dem rauhen Klima bei Hegen oder 
■e auszusetzen, um dem Speditör, vielleicht mehrere Stunden 
it ülicr die Berge, die gefertigte Ware zu bringen. Diesen Weg 
er möglichst eilend zurück, ohne dass seine Kleidung besonders 
gat berechnet wäre, und zieht sich Erkältungen und Entzündungen 
ao, die ihm durch Vernachläasigung sehr gefährlich werden ; dabei wirkt 
die verschleimende Kost und die Feiertagsunmäßigkeit , so doss die 
iwächlicbe Konstitution der Bevölkerung nicht Wunder nehmen kann. 



F 




54 AagUBt Meitzea 

Die Rckrutirungeregieter haben erat in neuerer Zeit die MEngel 
ilor oinz«1n«n Kiirücligestellt«n aufzuzeichnen begonnen; im allgemeineD 
aber «ind in deu Dezirkea Neuatndt and Triburg in 15 Jahren von 
'inn ilekruUsD nur 121 zum Dienat tauglich befunden worden, die 
Jungen Lnute werden jedoch nur im 20ateu Lebensjahre zur Kon- 
•kriptiorwIoHung zugezogen. 

liitereHuaut iat, dasa dieser nachteilige Zustand bei Arbeitern 
niiitroten koaute, die ihrer ländlichen Lehenswetse wegen der Theorie 
nanh nndnntu Fabrikarbeitern an Gesundheit weit überlegen sein 

Viele älteren Leute wollen behaupten, dsse diese Eränküohkeil 
«nt in uuaerem Jahrhunderte eingedrungen sei, und en»hlen Ton 
oinuiu ripsigen (lehchl echte, dease» Korpt<r jeder Art von Beachwerde 
g«trotat Imbu. Flir diese Behauptung spricht besonders Aas frühere 
linbi'n der Haiitiirer, und es beweist daher nicht« gegen die Schwäch- 
liohkeit de« jüngeren (.ieBohlechta , wenn auch aus dem früherer 
noch Tieje Leute mit sehr hohem Alter heratnmmen. Doch sind 
dii Notiien, die ich aus den Totenschauregistem des Bezirks Neustiiii 
in Iteiug auf die Lebensdauer erheben konnte, allerdings aufTallend. 

Von HüU Geatarbenen, über die mir Berichte vorlagen, hatten 
11, bIki «twaa ülier ti" ^ ein Alter von &0 Jahren erreicht; vordem 
ontten Jahre waren 4KT gestorben, und durchschuittlicfa war jeder 
ilti'/i -'"'ir alt geworden. 

Dia 8ohwanwälder heiraten nicht besonders zeitig, die meiBt«n 
Klien ward«» gWiolimilUg für Mätmer and Frauen zwischen 35 und 
Uü Jahrtfn ftMfhIoHiiAn, Eine eigentümliche Erscheinung ist die un- 
vvrhJLIIniinnlllliRTi /lald von Franea, die älter als ihre Mlmner sind. 
In dun KiroliaubaoharD fanden sich unter 540 Ehen 157 in dieser 
WiÜM guckloasto; m aoll dias OMh Aiusi^e der Pfarrer zam großen 
'I'mI Ton dar nooh nonlioli illiiiiwniiiiin Erbfolge de« jüngsten Sohnes 
in da* Erbteil dw Yaten berkoauB«ii, der, wenn er die Wirtschaft 
Itliemimrat, oine «rlakraie HaRsfran wünscht: sind keine Söhne vor- 
hftndf n, m erbt di« JÜteotr Tochlv. und wähh einen joagen, »rbeits- 
l'Khi|[*ii Matin. 

Di« Uanor dar ESmb a\ »ber trotaden bedentend. Von äi'iO 
ilunA dm IW gtix^tattn Eben, die id da- B«ihe nach an» den 
U«giftMn v«B Fwiti^igi mmi SAammAmek umog, hatten 85 über 
.10 Jalir« und < MfW tUr M g«aMert: naUr 10 Jahren waren 
aW nur IM a te h l gvUMw, m» ^m dnrdhMltBtttUeh auf jede Ehe 
»V, Jakr htm. 




tielier diu Ühren-Tnduslrie des Schwarzwalds 



55 



Dftbei iat die Fruchtbarkeit ziemlich groß, dieselbea 300 Ehen 
hatten 747 Kinder erzeugt, also jede 3,7, 

Die Einwohnerzahl ist totolgedessen inaerhnlb 9 Jahren in den 
Amtsbezirken Triberg und Neustadt um 968 Familien oder 2410 
Seelen gewachsen, also ziemlich genau um 10";'^ Einwanderung und 
Auswanderung hob sich ganz auf. Inwieweit dieser Zuwachs in 
den einzelneu Ort^uiiaften stiittfand, ist, soweit es sich tun UeB, im 
Anhang I mit angegeben. 

Die Dichtigkeit der Bevölkerung betrug 1843 im Amtsbezirk 
Neustadt 2301, im Bezirk Triberg 3!l2f< Einwohner auf der Quadrat- 
meile, und damit iat in Anhang VIIT das urbare Land, die Wiesen, 
der Viehatand und die Zahl dei' Famiheu, sowie der Meister, nach 
den einzelnen Ortschaften zusammengestellt worden. 



Anhänge. 

r und Meisterzahl alter Uhrraachergemeindea ii 



Jahre 



Llie 



I 

^^L I. Einwohnt 
^K 1843/44. 

^^I II. Verteilung der Händler in den verschiedenen Staaten 
^m Zölle und .Steuern, die sie treffen. 

^^Lm. Wirtschaftsrechnung des UhmiacherB Boehler zu Neustadt. 
^^E-XV. WirtHchaftsrechnuQg des Uhrmauhers SifQe zu Furtwangen. 
^H V. Wirtschaftsrechnung des Speditöra Scbultheisa zu St. Cieorgen. 
^^ VL Die Terschiedenen Lohnsätze auf dem Schwarzwalde 1845. 
Vn. Jährliche Production, Kosten und Einnahmen der einzelnen 
Ührmacherzweige. 
Jfill. Acker- Wiesen- und Viehstand der veraciiiedenen Uhrmacher- 




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Ueber 


die L'hreu-lDdustrie des Schw 

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1 1 



Ueber die Ühren-Indmlrie des Schwarzwalda 



n. VsrtröDDg der Händler in den verschiede 


neu Staaten, uud die Zolle und Steuern. 






die He treffen. 




Zahl der Hausirer 




Nub doio 


pur d.D B» 




Länder 


B«kbte dar 


•Udl nnd 


Zölle, Steuern nnd Beaolu'äukuofen 




im Jihr» 


Oft. Dieb 












%lMd 


285 


32 


England fordert 15 V™ '^o^'™ Wart' 


Irlind 


10 


12 


Schottland .... 


1 


1« 


Hausirer kostet 10 £. ^ 


London . . . . 


— 


129 

~209~ 


Irland und Schottland erheben 20»|, 






Großbrit, Summe . . 


297 


vom Werte, 










PrtiiBea 


47 


15 


Der Hausirer muss 30 Jahre alt sein, 




und jährlich 60 rt. Patenlsteuer 








zahlen. Erwirbt er das Borgerrenht, 








welches er leicht erhält, ao zahU er 








jährlich 18 rt., und tra^'t alte Lasten 








der Staatabürper. 




33 


b 


DasHauairen iat verboten, dieMarkte 





aber frei, ohne alle Abgaben. Bhein- 








bayem geatattet das Hanmren. 


Mea 


25 
21 


1 


Keine. 


Swben 


Nur Bürger dürfen Uhren verkaufen, 








und dai liiirgerrecbt wird oft ver- 








weigert; wer es erlangt, hat die Er- 








laubnis die Märkte zu beziehen, ein 








oS'uer Laden bedarf noch einer be- 
















aus den eignen Fabriken zu Karlsfeld 








und Hermedort dürfen hausiren. 


OMerreich .... 


8 




Zoll von 13 kr. auf jeden üuhlen. 


Ifrol . . . 




6 
6 


e 

2 


Wie Oeat erreich. 


Humnyer . . 




Riaale von Schönwald und Weiiaer 








NuMu . . . 




3 
2 


- 




Meüenburg . 




_ 


IVSrttemberg 




l 


13 


— 






1 












3 








— 


1 


Nur die Märkte frei. 




1 


DerHändlermuai erat Erlaubnis nach- 


Hesaen-Darm^t '. '.} 


auchen, die er nicht inim er bekommt. 


Sät-hsigche Herzog- 














Keine Abgabe, aber obrigkeitüclte 








Erlaubnis einzuholen. 


Anhalt 


z 


z 


5 rt. Patentsteuer. 


Braur,«5hweig . . . 
Oldeoburg 


\ Obrigkeitliche Erlaubnis einauholen. 


Dentecüwid Sun 




168 


81 





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i:;:s- 



g Ffir jeie TJbr ohne UBU«««*J«d nut 
l ZnM>ör l fl. 4 kr. ZcO. f^ ^t^ 
D täi£gea Zohdiör du Pfd. 1 a. 24 kr. 
I nnd für j«iM SchM 3 kr. Hwarer 
'k FUant lösen. 



G^m höhn Kon Unaen gewöliB- 
, £Ae Cbra eögefibtt «a<d«n; mn 



I 




_ Wertond 

B.^« n ^ 

nd «iM wt dm O^^Ut •tdgcdU 




Dur üWMcUr Bo«Uv m SimHiH «aifet «k, m»b Frw 
w Pn^ !■ ir»iliiwiilii1. 








Ueber die Uhren-Iiidostrie des Schwarzwalds gl ^M 




Feld 


znr Hfitnng ge- ^H 


pachtet. 




■ 


Er hält 1 Kuh, 1 Ziege, 1 Schwein und 4 Hühner. ^| 


Sei» Grundstück, das sogenannte Kuht«il 


gibt ihm einen ^1 


Ertrag: 




^H 


a. von 40—50 Garben Frucht 




^H 


& 30 kr. und einer gewissen 




^1 


Qnantität Bortenstroh zum 




^1 


Strohflechten, von dem aus 




^H 


2 Garben 1 Bund zu 28 kr. 




^1 


gewonnen werden kann . 30 fl. — kr. 




^1 


b. ein Kaib 5 fl. - kr. 




^^^^^B 


Ausserdem versorgt es ihn 




^^^^^H 


mit der Bämtlichen Milch, indem 




:^^H 


die Kuh durch Butter in der 




^^^H 


Neumelkezeit den AusfnU vor 




^^H 


dem Kalben ersetzt. Ton der 






KuhmUch kann die Hälfte der 




^H 


Bötigen Butter erzielt werden, 






weil ein Teil des Milchhedorfs 






durch die Ziege gedeckt wird. 




^^^^^1 


Die Sau gibt fdr den größten 




j^^^^^H 


Teil des Jahrs Speck und Rauch- 




^^^^^^H 


fleisch, die Hühner für diis halbe 




,^^H 


Jahr Eier und das Feld 100 




^^^B 


Kfipfe Kraut zu 2 fl. 42 kr. Die 






GärtchenSalatundetwaaGemüse 35 fl. — kr. 




^^1 


^m Zusammen Ertrag 70 fl. — kr. 




^^^^^^m 


^H Dagegen fordert der Unter- 




^j^^^^^^ 


^Blolt der Knh außer den Er- 




^^^^^^H 


^B'trägen des Kuhteils noch: 




'^^^^^H 


^M 40Se»terKartofl'e!nzu 12 kr. 8 fl. — kr. 




^^^^^1 


H den Sommer Über 5 Sester 




f^^^H 


■ Mebl zu 34 kr 2 fl. 50 kr. 




■ ^^^H 


^K uad wöchentlich 3 Pd. Salz 




^H 


^1 za 3 kr 5fl, 12kr. 




^H 


^H Der Unterhalt der Ziege für 




^H 










^Mr^Ceo Hea 11 fl. — kr. 






^K 2 




m 



ti2 Aogust Meitzen 


m 


■« 


ITebertrag der Koäteu 






27 fl. 


.^. ^« 


Der Einkauf der Sau . . 


i<; fl. 


— kr. 






Dsa Motten der Sau, 2 








^^^^H 


Monate lang wöchentlich 1 Serter 








^^^^^^ 


Mehl zu 34 kr 


4fl. 


32 kr. 




^^^^^^k 


und 1 Pfd. Salz dgl. . . . 


— fl. 


24 kr. 




^^^^^H 









47 fl. 58 kr. ^^^^B 


Die Bewirtfichftftmig dea Euhteils bedarf also 


einer ^H 


baren Aualage von 12 fl. 58 kr. 








■ 


I. 'Wirtsohaftsrechunng eianch 


. dea 


Kuh 


.... ■ 


A. WirtecbaftBaasgaben. 










I. Zinsen 








^^^^^1 


Pacht des Gnmdstücka 80 fl. 








'^^1 


Die Hütung 12 fl. . . . 


92 fl. 


-kr. 




^^H 


-2. Stenem 










HauBsteuer von 1950 fl. 








^^^^^H 


■ Kapital 31/, fl. 








^^^^H 


Gewerbsteuer von 750 fl. 3fl. 








^^^^^H 


Oemeindeateuer 10 Mille 








^^^^^^1 


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8fl. 


-kr. 




^^^^^H 


3. Versichei-ungen zu München 








^^^^^H 


und Aachen 5 fl. . . . 


5fl 


— kr. 




i^^^^^l 


4. Feuerung 








^^^^^1 


i Klafter fiolz frei auB den 








^^^^^H 


Gemeindewald., Schlagen 








^^^1 


und Transportkosten 4 fl. 








. ^^^^1 


3 Klafter Holz gekauft 7 fl. 


Hfl. 


— kr. 














i^^^^^l 


üel. G Wintennonate je 2';j 








^^^^^^1 


Maß , im Sonuner 4 Mali 








,^^^^^1 


zu 1 fl. Ö kr 


20 fl 


54 kr 




J^^^^H 


6. Bereinigung 








^^^^^1 


6 Pfd. Seif« aUe 2 Monat 








^^^^^1 


= 36 Pfd. >> 18 kr. = 








,^^^^^1 


10 fl. 48 kr. 








•^^^^^1 


Wische und Fett wöchent- 








^^^^^1 


lich 8 kr. = 2 fl. 3G kr. 


13 fl 

■ 


24 kr 

■ 


150 fl. 


IS kr. ^^^^1 



Ueber die Uhren-InduBtrie des Schwarzwalds 63 

Uebertrag LA... 150 fl. 18 kr. 

7. Hausrat 

Abgang an Geschirr, Bett- 
zeug etc. 10 fl lOfl.— kr. 

8. HausausbesseruDg 

Nur kleine Reparaturen be- 
zahlt der Pächter. Oefen, 
Fenster^ Kaminkehren 5 fl. 5 g^ \^^ 

9. Bewirtschaftung des Kuhteils 

Sieh oben 12 fl. 58 kr. 12 fl. 58 kr. 

27 fl. 58 kr. 

B. Kost. 178fl. 16kr. 

TägUch 2 Pfd. Mehl zu je 7 biß 

8 kr., die Woche 1 fl. 48 kr. 
2 Laib Brot zu je 12 kr. 

wöchentlich 2 fl. 48 kr. 
V2 Pfd. Butter täglich zu 9 kr., 

wöchentlich 1 fl. 3 kr. 
Wöchentlich 3 Pfd. Salz zu 

3 kr. = 9 kr. 
VjPfd.Kaflfeezu 36kr.=18kr. 
1 Pfd. Zucker = 25 kr. 
Cichorie = G kr. 
Zusammen wöchentlich 6 fl. 

37 kr., jährUch . . . .344fl.04kr. 

Dazu im Sommer 2 Monate 
lang 1 Maß Essig die Woche 
zu 12 kr lfl.36kr. 

•/4 Schoppen Salatöl zu 12 kr. 1 fl. 36 kr. 
^4 Jahr wöchentlich 4 Pfd. 

Fleisch zu je 12 kr. . . 10 fl. 24 kr. 
Das halbe Jahr wöchentlich 

7 Eier zu je 1 kr. . . . 3 fl. — kr. 
Für den Winter für 6 fl. 

Kraut mit 3 Pfd. Salz zu 

je 3 kr 6fl. 09kr. 

Daher Kost das ganze Jahr . . . 366 fl. 49 kr. 

545 fl. 5 kr. 



1 64 A\,gaet Meitzen 


^1 


Uebertrag I. A. B. 




545 fl. 5kA 


C. Kleidung. 




J 


1. Mann. 




fl 


1 Kock sUe 3 Jahr 20—22 B 


7 fl. — kr. 


M 


1 Tuchhosen I Jahr 8 fl. 


8 fl. - kr. 


^^^^1 


1 Weste 1 Jahr 2 fl. . 


2 fl. - kr. 


^^^^H 


1 Paar Stiefel, Vorschub u 




^^^^^1 


Sohlen ü fl., 3 fl., 1 fl. 


9 fl. — kr. 


^^^^^M 


2 Paar Sockeu ku 54 ki 




^^^M 


Saum wolle .... 
1 Paar wollene 3 Jahr 1 fl 


— fl. '20 kr. 


^^H 


1 Halstuch 2 Jahr 1 fl. 


— fl. 30 kr. 


«^^^^H 


8 Hemde, 1 BaumwoUe. 1 fl 




''^^^^1 


45 kr., 2 leinene zu 3 fl 




^^^^H 


42 kr 


6 fl. 09 kr. 


'4^^^^H 


1 Hut 4 fl., 4 Jahr . . 


1 fl. — kr. 


''^^^^H 


1 Mütze 1 fl 


1 fl. - kr. 


'^^^^H 


3 Sacktücher zu 24 kr. . 


1 fl. 12 kr. 


^^^1 






59 kr. ^^^^H 






^^^B 


2. Frau 20 fl 




20fl. — kr. 1 


3. Alte Mutter 12 fl. . . 




12fl. — kr. ^ J 


4. Kindermädchen gekleid-, aber 




^^rifl 


keinen I.ohii, 14 Jahr al 




ijl^^^l 


1 2 Rocke von Kattun zu 4 fl 


8 fl. — kl-. 


^^^^H 


1 Schürze 1 fl, ... 


1 fl. — kr. 


''^^^^H 


2 Hemde zu 1 fl. 30 kr. 


3 fl. - kr. 


' ^^^^H 


2 Paar Strümpfe zu 30 kr 


1 fl, — kr. 


"^^^^H 


2 Paar Schuhe zu 2 fl. mi 




^^^^H 


Sohlen 


5 fl. — kr. 


^^^^H 


1 Unterrock 3 fl. auf ß Jah 










1 Mütze jährUch 1 fl. 30 kr 


1 fl. 30 kr. 


■«^^^^l 


2 Sacktücher 2(] kr. . . 


— fl. 40 kr. 


^^^^H 


1 Halstuch I fl. . . . 


1 fl. - kr. 


21 fl, 40 kr. 


^^K 




^^^K 00 fl 


■ 




C135fl.44kfc. 


^1^^^ 


^ 


1 



Ueber die Oiren-Industrie des Schwariwalda 

Tlebertrag I. A. IJ. C. 
1 HalHkrageD und Bi-uetlatz, 

i Volkstracht 1 fl. 30 kr. . 1 fl. 30 kr. 
1 Jwko jährUch 2 ä. . ■ 2fl. — kr. 
3 fl. 30 kr. 
Drei Kinder, 2 Zwillinge 3 
Jahr alt, eins l'/a Jahr 
f 6 Paar Schuhe eu 48 kr. . 4fl. _kr. 

15 Paar Strümpfe zu 24 kr., 
zum Teil wollen . . . 2fl. — kr. 
6 baumwollene Hemde, Elle 



10—12 kr. KU 36 kr. . 


3fl 


36 kr. 




1 


3RöckeauaHalbwollezu2fl. 


6ß 


— kr. 




1 


3 Mützen zu 30 kr. . . . 


1 fl. 30 kr. 




1 


3 Hnlatücher zu 24 kr. . . 


Ifl 


12 kr. 






Dos übrige aus alten Resten. 






18fi. 18kr. 










21 a. 48 kl'. 


D. Familienausgabeu. 








1. Doktor und Apotheker . 

2. Kindererziehung 

Tauf- und Entbindusgs- 
kostea 1 fl. aufs Jahr . 






Gfl.-kr. 

I fl. — kl-. 


J 


3. 5 Märkte zu 2 fl. = 10 fl. 




1 






1 


4 Ablieferungen zu 30 kr. 








1 


= 2 fl. 










Klausentag, Weihoachten, 

Patengeacheuke 5 fl. . . 

4. Vergnügungen, Sonntag 

an 20kr. = 18fl. . . . 






17fl.-kr. 




Hochzeiten 2 fl. 30 kr. . 






20 fl. 30 kr. 








44 fl. 30 kr. 






702 fl. 02 kr. 



«r Oeeelle erhält 1 fl. 24 kr. 

■^die Woche, im Jahr . . . 72fl.48kr. 



66 August 

TIebertrag I. A. B. C. D. 

roDdeD72fl.'18kr.muBeaberda3 

Lehf^ld abgezogen werden, 

irelcbea der Lehrling mit 100 fl. 

fOrS Jshrzmblt.alBO jäfartich . 



Summe der Anagabea 741 fl. 30 



n. Boehler berechnet seine Haushaltung ohne Kuhteil, e 
r jedes BedlirfiiiB kaufen musste, folgendennaßen ; 

A, 1. Wohnungemiete 40 fl. 40fl. — kr. 



2. Steuern 4'/; fl. 

3„ 8. u. 9. fallen weg. 

4-, 5., G., 7. bleiben mit 

55 fl. 18 kr. . . . 



B. Koat 
treten hinzu zu den berechneten : ; 

3 Maß Milch täglich au i kr. 

das Jahr 73 fl 73 fl. — kr. 

ViFfd.Buttertäglichzul8kr. 

das Jahr 54 fl. 36 kr. . B4fl.3fikr. 
'/^ Jahr Fleisch und Speck 

die Woche i Pfd. zu 12 

kr. = 31 fl. 12 kr. . . 31fl.l2kr. 
'/v Jahr wöchentlich 7 Eier 

zu l kr. = 3 fl. . . ■ 3fl. — kr. 
100 Köpfe Kraut 2 fl. 42 kr. 2 fl. 42 kr. 



1 

- Sil fl. 48 kr. 

i 



C. Kleidung . . . 

D. Familienausgaben 

E. Lohn .... 



-508fl.34fcr. 
112 fl. 27 kr. 
44 fl. 30 kr. 
39 fl. 28 kr. 



Das Kuhteil bringt ihm e 



Summe 704fl. 59kr. 

) einen Mehrertrag von 741 fl. 30 kr. 

weniger 704 fl. 49 kr , 



Ueber die Uhren-Iaduatrie des Schwc 



ErlV, WlrtschaftBrechanng des Uhrmachers S 



] Fnrtwangen. 



Uhrmacher SifFle zu FurtwftDgen ist Witwer mit 3 Kindern; aein 
alter Vater lebt bei ihm und seine Schwester führt ihm die Wirtschaft. 

Er besitzt ein Haus, 3 bis 4 Morgen Acker und 3 Morgen 
Wiese, zusammen im Wert vöh 2800 fl., die er mit 1750 fl. zu 
^Va^/o verzinst. Er IiÜlt 2 Kühe und 1 oder 2 Säue, die ihn mit 
der nötigen Milch, Butter, Speck und Schmalz versorgen. Der Äcker 
trägt 100 Bester Kartoffeln and im Sommer das nötige Oemüse, das 
Getreide wird nur zum Futter für die Schweine gebraucht. Die 2 
Morgen Wiese können nur l'/^mal geschnitten werden, und tragen 
etwa 100 Ztr. Heu, welches die Kühe verbrauchen. 





I. Berechnung einschl. des Kuhtella: 






1. 


Ana 62 fl ÖSfl. — ki-. 


2. 


Steuern 15 fl 15fl. — kr. 


3 


Versicherung gegen Feuer 3 fl. . , . 3 fl, — kr. 


4. 


Feuerung 30 fl. Hok ....... 30fl. — kr. 


5. 


Beleuchtung 20 fl. Oel 20fl. — kr. 


6. 


Bereinigung 5 fl. Seife 5fl. — kr. 


7. 


Hausrat 7 fl. Abgang an Wäsche u. Gerät 7 fl. — kr. 


8. 




S. 


Bewirtschaftung des KuhteUs * 




a. Pflügen und Düngerfahren R fl. . 8 fl. — kr. 




b. 2 Schweine 15 fl 15fl. — kr. 







175 a 



-kr. 



B. Koat. 
Täglich l'/j Laib Brot zu 20 kr. = 120 fl. 120fl. — kr. jihwmdou» 
Täglich IV2 Pfd. Salz, worunter Viehsalz 

mit begriffen ist, jährlich 27 fl, ... 27fl. — kr. 
■Wöoheotlich 6 Pfd. Kunstmehl zu 9 kr. das 

Pfd. = 4G fl. 48 kr. 4'!fl.48kr. 

las ß. 48 kr. 

j C. Kleidung. 

' Maua 30fl. wodurch der Vater mit bekleidet ist 30 fl. — kr. 

Schwester 20 fl 20fl. — kr. 

ttnder zusammen 10 Ü 40fl. — kr. 




i 



gg Augun Meitzea 


1 


1 


i 


Uebertnig I. A. B. C. 


- -i 


Iff 


Sr^ 










J, Doktor und Apotheker 6 3. .... 


6fl. — kr. 






2, Kinderer^ehiuig 








«. Schulgeld -2 fl. 










4fl. — kr. 






3. Ablieferungen und Feste bei den Spedi- 








törea kosten ihm oicbta, weil er mit seinen 








Brüdern im Auslände Geschäfte macht. 








4. SoimtagsvergDÜgeii u. Hochüeiten usw. . 


löfl. — kr. 


25 fl. 


-kr. 


£. Lohn. 








Der älteste Sohn bekommt nur was er in 








den Freistunden verdient. 








Summe der 


Ausgaben 
hteil: 


483 fl. 


48 kr. 




Siffle gibt an, dass ohne Acker und Wiese 








ihm die Kost folgende K-osten machen würde : 








täglich 20 kr. Brot = 12afl. . . . 


120 fl. -kr. 






i/a Sester Kartoffeln 4 kr. = 24 1 


24fl. — kr. 






\i, Pfd. Schmalz, Pfd. zn 22 kr. 








^^^^L 


661 — kr. 






^^^^H* 3 Maß MUch zu 6 kr. = 108 fl. 


lOSfl. — kr. 






^^1^ 1>/, Pfd. Salz = 27 fl. . . . 


27fl, — kr. 






wöchentUch 3 Pfd. Speck zu 13 kr. = 33 fl. 








48 kr 


83 fl. 48 kr. 






S Pfd. Kunstmehl = 4ti 1 48 kr. 


46 fl. 46 kr. 










425 6. 


,36 kr. 


Also gegen die Kost ueben dem Kuhteil von 




193fl. 


,48 kr. 


ein SIehrbetrag ven 




2310. 


48k.. 


Zieht man davon 32 ü. Zinsen, 








3 fl. Steuern, 






j 


10 fl. f. Hausauflbesserung 






' 


23 fl. BewirtHohaftuDgsk. 








ab,' die ausfallen . . 




68 fl. 


-kr. 


eo ergibt aich für den Acker ein Ertrag von 


^ 


lG3fl. 

■ 


2 



Ueber die U!iren-Indualrie des Scliwarzwalda 



Die einzelnea Ausgaben zu C. Kleidung siud : 



1 Tuchrock 16 ä., 4 Jahr . 
1 Sommerrock 4 fi., 2 Jahr 



I 



1 Weste 2 fl 


2 fl. - hr. 


1 Tuchbeinkleider 7 fl., 3 Jahr . . . 


2 fl. 20 kr. 


I Sommerbeinkleider 2 fl 


2 fl. - kr. 


1 Paar Stiefel 4 fl. 30 kr.. Sohle 45 kr. 


5 fl. 15 kr. 


1 Paar Schuhe 2 fl., Sohle 45 kr. . . 


2 fl. 45 kr. 


1 Haktuch 1 fl 


1 fl. — kr. 


2 Hemde zu 1 fl. 45 kr. 


3 fl. .10 kr. 


1 Hut 2 fl. 30 kr., 3 Jahr . . . . 


— fl. 50 kr. 


1 Mütze 2 fl 


2 fl. — kr. 


1 Paar wolleue Strümpfe 1 fl. . . . 


1 fi. — kr. 


1 Sacktuch 20 kr. 


— fl. 20 kr. 



3 fl. 30 kr. 
1 fl. 36 kr. 



I. 45 kr. 
I. 36 kr. 



29 fl. - 

Der alte Vater wird mit alten Soeheu 
bekleidet. Macherlohn 2 fl. ... 
Schwester. 
2 Hemde zu 1 fl. 45 kr 

1 ßock IG fl. 10 Jahr 

2 Unterröcke 10 Jahr zu 7 n. zu 3 fl, 

1 Halakragen 1 fl 

1 Paar Schuhe u. Sohlen 

lPa«rStiefelnmitSohIen2Jfthr5fl.l2kr. 

1 Halatuch, 2 Sscktücher 1 fl. — kr. 

2 Paar rotwollene StriimpfezD 1 fl. 10 kr. 2 fl. 20 kr. 

1 Hut 6 Jahr 2 fl. 42 kr — fl. 27 kr. 

1 Untersatzmütze, gestickt, 2 fl. 42 kr., 

6 Jahr — fl. 27 kr. 

1 Jacke 2 Jahr, 4 fl. 2 fl. — kr. 

1 Schürze, 4 Ellen, zu 18 kr. . . . 1 fl. 12 kr. 
19 fl. 53 kr. 
1 
Ein II jähriger Knabe, 

1 Paar Hosen 4 fl, . 4 fl. — kr. 

2 Hemde ä 45 kr 1 fl. 30 kr. 




A 



TJeb ertrag , 
1 Pur Stiefel 3 fl. nebst 1 B. Sohle 
1 Paar Schuhe I fl. 24 kr. . 
1 Paar wollene Strümpfe 45 kr. 
1 Weste 48 kr. ... 
1 ■Wollene Jacke 5 fl. . 
1 Mütze I fl. für Wint«r 
1 Halstuch 30 kr. . . . 
1 Sacktuch 12 kr, . . . 
1 Paar Handschuh 3 Jahr, 18 kr. 



b. Zwei kleinere Kinder etwa 20 f 



1 fl. 24 kr. 

- fl. 45 kr. 

- fl. 48 kr. 



- fl. 30 kr. 

- fl, 12 kr. 

- fl. 09 kr. 



S fl. 4Hkr. 
D fl. 49 kr. 



Summe C 90 fl. — kr. 



T. Wirtschaflsrechiiuii^ det« Speditörs Schaltbelüs tob St. Georfei. 
Familie: Mann, Frau, 1 großer Sohn, 2 kleine Kinder 
I. Ohne Kuhteil, wenn sie alles kaufen müssen. 
Ä, Wirtschaftsausgaben. 
1. WohnungBiniet« 1 Stube, einige Kammern 



3 fl. — kr. 
3 fl, — kr. 



2. Steuern. 
Gewerberteuer von 750 fl. Kapital = 3 fl 
Gemeindesteuer do, ^ 3 fl. ... 

3. Versicherungen. FahmisTersicherung ^ 

1 fl. 20 kr I fl, 20 kr. 

4. F«uerung. Hob: = 30 fl 30 fl. — kr. 

5. Beleuchtung. Oel = 12 fl. für 15 Maß 12 fl. — kr. 

6. Bereinigung. Seife = 3 fl. 28 kr. . . 3 fl. 28 kr. 

7. Hausrat. Von 100 fl. KapiUl S% Knaen 

und 3% Abgang = 8 fl 8 fl. — kr. 



E. Kost. 
Tielich 1 Laib Brot zu 4 Pfd. 14 
'/i Sealer Kartofi'eln 




1 Ueber die Uhren- Industrie de» SuhwHrzwnlds 


1 


'■ Tlebertrag I. A, , 




90fl.48kr. 1 


Ha Woche daher 5 ä. 11 '/s kr. Dazu 


I 


Sonntags für 30 kr. Speck, das Jahr somit 


1 


etwa 300 fl. für B 




SOOfl. — kr. 1 


C. Kleidung. 




1 


. MaDD. 




■ 


1 Hock 2 Lnisdor 5 Jahr .... 


4 fl. 30 kr. 


H 


1 Weste 1 fl. 48 kr., 2 Jahr . . . 


- fl. 54 kr. 


^^^^B 


* 2 Paar Hoäen zn 4 fl 


8 fl. — kr. 


^^^^M 


1 Paar Stiefel mit Sohlen 5 fl. (zu Haua 




^^^^^1 


Latschen) 


5 fl. — kr. 


^^^^^1 


2 Paar Strümpfe zu 24 kr. . , . 


— fl. 48 kr. 


^^^H 


1 Halstuch 2 Jahr, 48 kr. . . . . 


— ß. 24 kr. 


1 


2 Hemde ä 1 fl. 45 kr 


3 fl. 30 kr. 


M 


1 Sacktuch 15 kr 


- fl. 15 kr. 


^^^^H 


1 Hut 4 Jahr, 2 fl. 30 kr. ... 


- fl. 38 kr. 


^^^^1 


1 MiJtze 2 Jahr, 1 fl. 30 kr. , . . 


— fl. 45 kr. 


'"^" 




24 fl. 44 kr. 


• 




24 fl. 44 kr. 


JVan, 

2 Hemde zu 1 fl. 45 kr 






8 fl. 30 kr. 




1 Rock 8 fl., 4 Jahr 


2 fl. - kr. 




1 Halakragen 1 fl 


1 fl. — kr. 




1 Mütze 2 fl 


2fl.-kr. 




1 Unterrock 2 fl., 3 Jahr .... 


— fl. 40 kr. 




2 Paar Strümpfe zu 45 kr 


1 fl. 30 kr. 




2 Paar Schuhe zu 2 fl. 30 kr. . . 


5 fl. - kr. 




2 Sacktücher «u 15 kr 


— fl. 30 kr. 




I Halstuch 1 fl. 45 kr 


1 fl. 45 kr. 


17 fl; 55 kr. 


' Der Sohn bekleidet sich selbst von seinem 




Lohn. 






12 jahriges Kind. 






1 Oberrook Zeug 2 fl., Macherlohn 48 kr 


2 fl. 48 kr. 




Zwülichbosen Zeug 1 fl. 20 kr., Macher 






lohn 48 kr. 


2 fl. 08 kr. 


4fl. BÖkr. 


^ 


4380.23 kr. 1 



I 



Üeber die Uhrcu-Iaduxtrie des SchwarzwAlds 

Uebertrag I. A. B. C. . . i 

Alle 3 Kinder jährlich 1 fl. 45 kr. und 

da sie 8 Jahr die Schule besuchen 

äämtliche Ansgaben für Kindererziehnag 
betragen Bomib 74 fl, 54 kr, auf 
30 Jahre ausgeschlagen daher jahr- 

licli 3 fl. 30 kr 3 fl. 30 kr. 

Märkte. Ablieferuagen. Feste 10 fl. . 10 fl. — kr, 
Yergullgungen des BniratagB . _ . . 10 fl. — kr. 



Summe D. 25 fl, 30 kr. 



E. Löhn, 
er mitarbeitende Sohn erhält wöchentlich 
30 kr., wie wirklich ausgezahlt werden 



26fl.- 



Sumuie aller Ausgaben ohne Kuhteil 503fl. 18kr. 



H. Mit EuhteO, Hau* und Grundstück 
A, 'VrirtflchaftsauBgaben. 

ZinB für das Grundstück und Baus 56 fl. 

Steuern. 

Gewerbesteuer 3 fl. 

Gemeindesteuer 3 fl. 

HauBsteuer 3 fl 

Versicherungen, 

Brandversichening 1 fl. 20 kr. 

Fahrnisversicherung 1 fl. 20 kr. 
. Feuerung. Holz 30 fl. . , . 
. Beleuchtung. 15 Maß Oel = 1'. 
, Bereinigung, Seife 3 fl. 28 kr, 
. Hausrat. Zinsen und Abgang 8 
, BauaausbesseruDg 15 fl. , 
. Bewirtschaftung des Knhteils. 

B, Pflügen und Düugerfahren 10 






30fl. — kp. 


fl. 


l-«.-kr. 




3«. 28 kr. 


fl. . 


8fl. — kr. 




158. -kr. 


fl. 


10«. -kr. 




U6fl. Oakr. 




146 fl. 08 kr. 




146 fl. 08 kr. 



1 



Uebertng H. A. . . 

üt ne iMxii 30 fl. wert aad mam 
«rieder verksiift werden, jährlidi 
•Im 2 L Terlmt imd 3 & 30 lo-. 
Tii<<»iiiii Dieser Bstrvg bebt sieb 
gegen den Preis des Kklbee ron 4 
bü 8 fl. 
e. Ankaaf einer Sau 10 fl. . . . . 



B. Koat. 
DUM wird zmn groBeu Teil durch den 
Ertrag des Knhteils bestrittea, so dass 
nur noch als Best bleiben : 
FOr »t J»hr Brot den Tag U ki. = 

63 fl ■ 63fl.- 

lJahr^eblznKnöpfle,Tsg6kr. =36fl. 36 fl.- 
Salz täglich »,, Pfd. = 6 ö 6fl. - 

C. Kleidung 60 fl 

D. Familienausgaben 35 fl. 30 kr. . . . 

E. Lohn 26 fl . ■ 

Das Eobteil verschafll Biso einen 

Vorteil von bOi fl. 18 kr. 

weniger .;i7'2fl. 38kr. 

12afl. 40kr. 
als Ertrag des Euhteila sind auszuwerfen: 

Vt Jahr Brodfmcbt = r. 30 fl. 

Kartoffeln für dos ganze Jahr etwa lÖO 
Seater oder 40 fl. 

10 Maas MUch die Woche 4 40 kr., r. 36 fl. 

ca. 180 Pfd. Butter und Schmalz, 30 fl. 

Speck und Schweinefleisch ca. 35 fl. 



- lOfl, — kt 

4 



25 fl. 30 kr. 

26 fl. — kr. 



Ueber die Uhren-Iuduatrie de» Schwarzwalds 



75 



1 

I 

] 

I 



Tl. Znsanune liste Unn^ der Ter§chieiieneiL Lobnaätze auf dem Schnarz- 
walde 1845. 

■ührmachergeaellen. 

Großuhrmacbergesellen erbalteii süsser Wohnung und Kost, die 
von 14 — 24 kr. täglich angeschlagen wird, wöchentlich 48 kr. 
bis 1 fl. bis 1 H. 6 kr. bis 1 fl. 12 kr. Wasche müssen sie 
sich selbst besorgen. 
Kleinuhi-maohergoBellen erhalten. Wohnung, Kost und 1 fl. ß kr., 
1 fl. 1 2 kr., l fl. 20 kr, bis 2 fl. wocbentlich. 
Bndwerksgesellen 
erhalten durchgehenda je nach dem Handwerk 1 fl. 12 kr., 1 fl. 
20 kr. bis 2 fl. und die Kost, die sich der Meister auf äl bis 
24 kr. täglich berechnet. Ohne Kost erhalten sie dafür täglich 
48 kr.. 54 kr. bis 1 fl. 
'Holzhauer 

erhalten um Triberg und Furtwangen 48 kr., 1 fi. bis 1 fl. 12 kr. 

Torfarbeiter auf Stückarbeit 1 fl. 40 kr. bia 2 fl. 

Köhler 1 fl. 48 kr. täglich. 
Steinklopfer 

auf allen Straßen je nach der Arbeit 40 kr. bia 1 fl. täglich. 
Taglöhner. 

In Triberg 48 kr. ohne Koat für den Mann; 40 bis 42 kr. mit 

I halber Kost (ohne Mittagessen), 30 kr. mit ganzer Kost (5 

Mahlzeiten). 
Alte gehreohliche Leute, HospitaUten, bekommen 36 kr. und halbe 
Koat tägUch, wenn sie sich verdingen. 
In Fortwangen erhält ein Mann ohne Eost 1 fl. den Tag. 
In den meisten anderen Ort«n 36 bis 42 kr. ohne Kost. 
Frauen erhalten meist 12 bis 15 kr. mit Koat. 
necbte und Mägde. 
In St. Qeorgen und Furtwangen ziemlich gleich. MSdchm und 
Jungen 15 bis 25 fl., Wohnung und Kost jährlich, Mägde 35 
bis 40 fl. jährlich und einige Kleidungsstücke. Knechte 60 
bis 80 fl. und Kleiduugastücke. 
In Neustadt steht der Lohn etwas niedriger, 
Fabrikarbeiter. 

Triberg. Im Drahtzug ein Arbeiter 6 fl. die Woche. 
Neustadt. In der Wollspinnerei und Weberei des Herrn Merz: 




(J August Meitzeu 

Änknüpfer 17 kr. 

Kinder zum Kehren 9 bis 10 kr, den Tag. 
Vortegeriunen , 

Weberinnen 20 bis 24 kr. den Tag. 

Stepperinnen ' 

Spinnerinnen 2 fl, 20 kr, die TV'ocbe, 
Sie rechnen die Kost auf 12 kr, den Tag. 
HaEamereieeubacb, Eisen werk. 

Scbmiedemetster 7-1 fl. den Monat. 
Gehilfe 53 fl. 
Bubenbacb in der Glashütt«, 
Glaser 7 fl. , 

ScbUrer 5 fl. die "Wocbe. 

Holaufiüirer 5 fl. ' 
Eintragbuben 18 bis S5 fl, \ 
Jongen 20 bU 25 fl, | ' 

Die Glaser reebnen die Kost für < 
Jungen 20 kr. taglich. 
Himmeli'eicb, Blechbammer. 

Grosaschmied 1 fl. 12 kr, bis 1 fl, 30 kr. , 
Grobscbqiied 1 fl. 6 kr. bis 1 fl. 24 kr. J tÄglicb 
Bub« 28 bis 34 kr. ) 

Der Mann bekommt f^ 12 fl., der Bnbe für 6 fl. moiiallic!i 
im Werke aelbEt Kost. 
Hornberg, Steingnt^brik, 

Brenner 1 fl. 30 kr. 1 
Gehilfe 1 fl. [-11 

Farbenmisoher I fl, [ ^ 
Franen 94 bis 36 kr. | 
Dreher 12 bis 14 fl. in 14 Tagen, 
Kost kommt 8 fl, die Woche. 
Kost, Wohnung und Wäsche 24 kr. den Tag, 
Schramberg, Stwngutfiibrik. 

Brenner 2 fl. Üblich. 

Dreher 6 &. \ ^ ,. , 

T < u qn i_. . wochontbdi. 

Junge 1 fl. 30 kr, | 

Müdehen «um Tragen 2 fl. die Woche, 1 Paar Schabe jihrlidi 

und die Trinkgelder von de» Fuhrleuten, 



TJeber die Uhreu -Indus tri e dea Scliwarzwalde 

00 oi o 1-1 «3 « Ol in <o lO lO tjj -w a 3 üJS J 

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3 



II lliiäSilp 



78 August Meitzen, 


Ueber die Utren-Indust 


-ie dta Sehwarzwolds 


Till, icker-, Wiesen- nnd 


"lehstaiid der Terschledenen UhrmachersM 


Bezirke 


Ortachaften 


1 

:= 

1 


i 

2 

s 


1-, 


hl 


II 




'^ 

s 






1843 


1843 


184S 


1845 


1845 


II 


1845 1 


Neustadt 


Altglaihüttcn 


~G4 


nö 


86 


216 


95 


8 


~i4 ' 




BaareutBl . . 


30 


2 


188 


489 


115 


6 


73 




Brecenliacli . . 


34 


1 


125 


848 


191 


12 


76 






85 




738 


? 


520 


14 


173 




EiBenbach. . . 


151 


49 


175 


275 


176 


20 


127 




Falkau , . . . 


41 


6 


147 


? 


95 


10 


120 




Fiachbach . , . 
Friedeuweiler . 


46 

43 


6 
12 


252 

36 


517 
400 


305 
100 


U 


133 


12 


60 


GÖBchweiler . . 


83 


1 


1320 


EOO 


440 


10 


180 




Kappel . . . . 


86 


1-2 


437 


■i 


434 


20 


206 




Langenbach . . 


B8 


14 


13«J 




162 


13 


138 






43 


B 


294 




395 


10 


127 




Linach , . , , 


50 


12 


107 


? 


159 


'f 


103 




Löffingen . . , 


271 


2 


1010 


? 


498 


50 


339 






18 


4 


89 


207 


78 


8 


48 




Neosladl . . . 


312 


97 


672 


as-o 


465 


21 


307 




Oberlenzkiroh . 


134 


18 


29Ö 




361 


19 


911 






48 


16 


308 


ö'ai 


261 


9 


13Ü 




Roethcobsch . . 


159 


25 


820 




475 


10 


27a 




Rodenberg . . 


59 


20 


233 


591 


123 


90 


97 




8«ig. . . . . 


77 


8 


404 


793 


340 


11 


186 




Schoenenbach 


105 


31 


2 046 


? 


396 


36 


löO 




SchoUach . . . 




17 


UO 


2000 


400 




173 




Schw«eweDbat;h . 


6i 


2Ü 


ao5 


? 


510 


10 


199 




tTnterlenzkirdi . 


&4 


7 


250 


? 


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Vierlaeler . . 


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Schoonwald . . 


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15 


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54 


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282 


291 


53 


15 


112 






207 


94 


492 


2 831 


298 


18 


281 




Triborg. . . . 


228 


38 
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906 


227 
4827 


73 
650 


18 . 
15 


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FurtwangöD . . 


524 


300 




N«akirch . . . 


166 


81 


494 


3 227 


344 15 


254 




Nii»b.üh . . , 


198 


45 


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2 472 


145 18 


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2 393 


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Ungedruckte Aktenstücke zur Geschichte der Belagerung 
Freiburgs im Jahre 1713. 

VoQ Peter P. Albert. 

Von acht Belag;erungen, welche die Stadt Freiburg im 
Lauf der Jahrhunderte zu bestehen hatte, war die des Jahres 
1713 die härteste. Am 26. September begann die Ein- 
schließung des mit kaum 10000 Mann Besatzung versehenen 
Platzes durch die Franzosen unter dem Mai-scball von Villars 
mit lijOttOÜ Mann und endete am 1. November mit der lieber- 
gäbe der Stadt und am 16. desselben Monats mit derjenigen 
der beiden Festungswerke auf dem Schlossberg, Die Ver- 
teidigungstruppen, die am 20. November freien Abzug er- 
hielten, hatten etwas über 3000, der Feind, der erst am 
1. Dezember von der Stadt aufbrach, um über den Rhein in 
die Winterquartiere zu gehen, naoh seiner eigenen Angabe 
15000 Tote und Verwundete verloren. 

Der Verlauf der von dem Feldmarachall-Leutnant Franz 
A. Freiherrn von Harrseh geleiteten Verteidigung, in der die 
bekannte mutige Tat des Stadtschreibers Franz Ferdinand 
Hayer vom 1. November eine besondere Rolle spielt, ist durch 
eine Reilie von Darstellungen und durch die vor zwei Jahren 
von Fr. von der Wengen besorgte Veröffentlichung des Tage- 
buchs des Kommandanten') bis ins einzelne quellenmäßig 

') Die Belagerung von Freiburg i. Br. 1713. Tagebuch des 
MtcrreicIiiEcbeit Kommamlautcn Feldraarschall-Leutiiaata Freiheiro von 
HarTBcli. Ini Auftrage der Gesellachaft für Gesohichtaltunde benirb. von 



m^Uort.- u. Volkakui 



Mit 2 Tafeln. (Zeitechr. d. GeBellsch. f. Geacb.-, 
Volkakuude von Freibuig oew. 14. Bd.) Preiburg i. Br. 1898. 



i 



I 



beleuchtet. Von der Wengen hat für seine Arbeit das ^- 

sarate Quellenmaterial herangezogen; nur einzelne kleinere un- 
gedruckte Stücke') Bind ihm entgangen oder absichtlich von 
ihm außer Betracht gelassen worden, da sie für seinen Zweck 
nur von nebensächlicher Bedeutung waren. 

Anders verhält es sich damit vom Staudpunkt der lokalen 
Geschichtsforschung aus, für den nach einem Ausspruche 
Karls von Hotteck nichts so gering und unbedeutend ist, 
dasB es nicht für die Aufhellung der Vergangenheit der Heimat 
irgendwie von Belang wäre; „das heimatliebe Interesse, welches 
zunächst der Empfindung angehört," sa^t er mit Recht, „verleiht 
auch dem Unscheinbaren seinen Wert.'- indessen bieten die hier 
erstmals zum Abdruck gelangenden Aktenstücke in mannig- 
facher Hinsicht auch für den weiteren Forscher so mancherlei 
Neues, sei es durch Abweichungen von den bereits bekannten 
Darstellungen, sei es durch veränderte Beleuchtung oder um- 
ständlichere Beschreibung dieses oder jenes Vorgangs oder 
Tatbestands, dass ihre Veröffentlichung wol gerechtfertigt 
ist, zumal in einer Zeitschrift, die mit in erster Linie zur 
Pflege der vaterländischen Geschichte sich berufen und ver- 
pflichtet fühlt. 

1. 

Gleich das erste Stück beansprucht doppelte Beachtung, 
da es eine ihrer Zeit im Druck vervielftlltigte , aber sofort 
bei ihrem Erscheinen behördlicherseits unterdrückte Schrift, 
also auch typographisch die grüßte Seltenheit darstellt. Ob 
allein die unterlassene Einholung der vorgeschriebenen Druck- 
erlaubnis oder etwa auch ihr — zur Zeit ihrer Abfassung 
wenigstens nicht für alle gleich unverfänglicher — Inhalt 
Anlaas zu ihrer Einziehung und Vernichtung gegeben hat, 
ist auch aus einer darauf bezüglichen Notiz im Ratshuche 

') Bei der Aufzählung der gedruckten Quellen bätt« — vom iokal- 
geschiclitlicheii Standpunkt aus — im Anschlusa an die (2. Auflage der) 
„Mämoires da marÄckal duc de Richeliea" (Parifl 1793) eiue im „Prey- 
burger Wochenblatt historisch- moraliBch-polittscIien Inhalts" 1, 17B8, 
S. 136 — 48 erachienene Skizze der Belngcruni? Erwähnung veriiieut. 



i 



Aktenstücke z 



feilte der Belngerung Frfilju; 



s 1713 Hl 



nicht klar ersichtlich, wenn auch dem mit den A'"erhältnissen 
näher Vertrauten unschwer erklärlich. Die in Rede stehende, 
zum 14. März 1714 ins Protokollbuoh des Rates eingetragene 
Bemerkung besagt: „Allermassen von des Herrn Barth Schult- 
heiss wohlweisen angoaeigt, znmalen von der Canzlei klaglich 
für tind angebracht worden, weichergestalten eine ungleiche 
Composition und Relation von der Statt und Vöatung 
Freyburg, wie nemblichen selbige durch die kö- 
niglich französiaohe Arm^e anno 1713 den 19. Sep- 
tembris infeatiert, belagert und folgends einge- 
uomben worden, in Truck und Vorschein dem Publico 
gekommen, ohne denn das ein sulche zuvor, wie bisher er- 
fordert und gebräuchlich, der Canzlei ad censuram gegeben 
und die obrigkeitliche Aprobation und Licenz der Truckerei 
und Componisten eingeholt und verwilliget worden. Damit 
aber man anseiten vorgesetzter Obrigkeit sich disfals purgative 
gegen mäniglicli legitimiere, umb kein Anteile daran zu haben, 
manifest mache, demnegst so freebes Beginnen zu künftigem 
Exempel tmd Emendieren esprimiere, hat ein wohlweiser 
Magistrat gleich einen der Herren Zunftmeister neben dem 
Ktattbedienten abgeordnet, sieb in die Trukerei zu verfiegen 
und alle daseibat dergleichen befindlichen Exemplarien zur 

|.{Iand zu nemmen und selbige per modum conf is catio nis 
ler Canzlei zu deponieren, vermittelst aber den Buchtrucker 
M>. Händler bis auf weitere Verordnung in den Bürgertum 
verwahren, anbei der angegebene Componist und Cumplex 
herüber constituiert und von loblichem Turnambt einem ehr- 
tamen Rat geziemend und umbständlich solle referiert werden." 
Ueber das weitere Schicksal Handlers verlautet nichts. 
Pie Beschlagnahme muss eine gründliche gewesen sein, denn 

pwcht einmal das für jene Zeit und Ereignisse so reichhaltige 
Stadtarchiv enthält ein Exemplar der „ungleichen Composition 
und Relation". Die nachfolgende, diplomatisch getreue Ab- 
|chrift entstammt dem Archiv der k. k. Landesregirung zu 
Izborg, wohin sie mit andern hier abgedruckten Kriegs- 
tea durch das Regiment „Salzburg" gekommen und von 
uns durch die Güte des k. Rats Fr. Pirckmayer, 




I 



Hi 



P. Albert 



k. k. lU'Kirun^aroliivars und Konservators, zngäogliob gft- 
itiui.-lit wiinltiu ist. 

y.nr Sai-lie selbst ist wie bei den meisten aacbfolgends 
iibucd ruckten SchriftHtlU-ken weiter nichts zu bemerken; durch 
iliri- KiiiriiiUuug ((ehiirigen Orts werden die einzelnen Summern 
liinllknKlii'b erhlutcrt. 



Relation 

Von der SttH und VGatung 

FrAyburg im Srejrssgau, wte nemlich 

diaselb« von der KBnigl. Franti. Armee 

Ao. 1713. 



<an 19. Septbr. infestlert. Belagert vnd 

nlgends den I. Navembr. darauf! 

n* diMtn Ktnlgl. Truppen einfeaoRiMen «erdea sejre. 

vnit j<r<ll>^>h ttvti Kuhnurvliii l'«nihiii«i kr^oDte. und an ntefaU wenigen 
r(>ila<'ht(\ alli .Ul> «ikilvU ')»»•.'•. -Uh.' di»«<:B Uauptstut uod Vgstiuig 
>'W\tLiiv K"!«».'.-.! nr.-fi.-i.-. .,.Mr; ~-. .-.;r.li.. »»Ui .ien 19. SepÜ». d«ß 
ITl». .'»V.T1 IT \,r^-K-Ti- ^■■-»tir. Ul^. i-.i: K.^nic. Frmozteiwb« DeUcheOieot 

^ Ihw« \wi>ahr Tua «MOD Umw laMpiihi wrfehaa Cotp> Mfijeid 
Ai»»Vfcw*»dt*»Kf*.S«fc»a.— tJ— «a^So|*<waMi. batönae» 
WiJ «.»A mA kw«»r OiwrB««kr aribta^ B^famÄU bUws SOOllMn 
«>'«lt vMh r<tepw; >va Ka^Tseri. Snab* irt i^m- ^hb letataa en Obrift- 



I 




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Aktenstücke zur Geschichte der Belagerung Freiburgs 1713 83 

Statt Frejburg vnd theilli nacher Rheinfeldea, so stuenden an heiint 
scliöne Gebaii von Garthen und Lusthaüsaem, ao vmb die Statt waren, 
vollen Flammen. Neun Mühlen sambt der schönen Wüerisühen PfaiT- 
Kircheo, and neu auferbauten Spittal, aucli sogar der Wesser-Canal, so in 
ilie Statt das Wasser in Abundan;! leyt«te, wie auah die ionst aller Orthen 
vobekannte Cbrystall vnd Fallt er- Mühlen, wurden theilß von denen in der 
Statt selbst angezündtet, undergerissen oder verbrannt. 

Den 33. dito bezochen die Franzosen das Ebneter Thal, e^iteudirten 
ihr Lager über obgeoanntem Capler Borg gegen Günteretal, McrzhauBen, 
St. Gergen vnd Kuniukh hioaufT über Leben in alle vtnbli^nde DortT- 
'teu gegeu dem Mooß vad wider naeh Langen -DinzI Ingen also daß 
Ein- vnd Ausgang aufs schärfliste verwahrt wurdte. 

Den 24. dito nahmen die Franzosen der Statt das Wasser und 
BrünoeD, /welche aber lange Zeiten nur mit dem halbeu Tbeil abgegraben 
verbliben./ Mann Sache allenthalben die grose Zufnehreo vnd Fraepara- 
lorien der Franzosen, welches nit geringen Sobnickhen üi dtr Statt ver- 
ubrsachte, mit welchem sie biß auf den 30. Septbr. continuirten. 

Den 1, Ott obr. Nachts »wischen 12 vnd 1 Uhr wurdte mann ifewahr, 
dass die Franzosen nicht über 100 Schritt von der Claßäe in des so gejiannten 
Herrn Bai-then Garten vor dem Prediger Thor Fosto fasten. Eben in 
diser Nacht wurdte das obere Schloss allarmirt, weilen die Franzosen mit 
groser Furia vermeiuten, so gleich die Loch-lledoulten zu bestürmen und 
«ch derselben zu bemächtigea, sie wurdten aber in ihrem Vorhaben vn- 
glÜkhlich, dann sie fanden einen weit grÖ»eni Widerstaodt, alB sie geglauiit 
haben, vnd hierdnrch genöthiget waren, in forma ob der Hammer-.Schmidten 
XU approchieren. So sache mann in gleichem, bey anbrechendem Tag, 
daß die Trancheeti in obbenaontem Garten vor di;m Prediger Thor er- 
üfFbel, indeme die Franzosen schon eine Linien von mehr dann 50 ClafiW 
in der Ferfection vor sich hatten. Nach-Mittag umb 3 Uhr geschähe ein 
Aaßfahl auf die Approohien mit 3 . ä . 400 Grauedieren vnd 60 Reathern, 
welcher ein grausames Maßacre verursacht, worinen der Franzosen sehr 
vil gebliben vnd dioApprochen gleich aamb au&gelehrt wurdte. Die Fran- 
zosen seynd aber so gleich mit einem sturckhen Detrachetnent secnndiert 
worden, dass, nachdomc sich die Kayserl. zuruckh gezogen, dieselbe mit 
lliegeiiden Falmen ihre Approchen widerumb bezogen haben. Bey discr 
Action hüben Teutsi.'her Seithen 9 Granadierer und 3 Dragoner. Inmittelst 
WQi'dtfl vnaufhörlich von der Fortezza deß Cavaliera vor dem Prediger 
Thor vnd Lämmer Thor mit Loßbreunung des groben üeschÜKen mit 
Bomben vnd Steiu-Wertfen diser Tag und folgende Naoht zugebracht. 
Heünt wurdte in der Statt der anfan^ gemacht, daß lüglich 74 Saum 
■n vor die Soldstesoa ausgezapffet werden. 

Den 9. Octobr. sache mann die französische Approchen nicht über 
Schritt vor dem Prediger-Thor gegen der Claßee- Die Altai^ue gegen 
Liouh-Redoutlen vnd zugleich gegen dem obem Schlos» wurdte, wie 



I 




84 



P. Alliei 



geiueltet, von lier Bergs-Tieffe bey der HBmmerschniilte tiDgefan^fen, IH* 
von dem Rofla-KopIT approchierl«!! hürunt«r gegen dom Hiiralierie vnil 
laborirten ao einer Batteri. Vmb 10 Uhr Üiaten die vom obem Schloß 
mit 200 Mann einen Außf&hl vnd vonihrBBcfaten groten Schaden. Die 
Botnbcn auf dem obern Schlos vrurden auf eine liMige Inrention in der 
Franzosen Approcben auf Brettern vnd Schlingen geleitet, die FranEosen 
matblen Kwar grose Gruben, vmb selbe auffzufangen, aber aie vermöehten 
den immer wehrendea Schaden allda nii'ht zu verwöhrea. Indessen liesse 
H. Commendaut der Statt, H. General-Feld-Marchall-Lieul. von Harrscb elc, 
das Christoffelfr-Thor abdeokhen, vmb vor ihne zur Wohnung zubereitijii, 
allwo er sich die Belagerung durchaas aufgehalten. Das FreyburgiMihe 
Fraweuzimmer, so von hohem Adel in quantitatc vorhanden wäre, vnd 
boiuen Paß sich aus der Statt retirireii zu können, crhalteii kundti^, ver- 
bärge sich gleichaamb in alle tdeffe Winckhel vml Caßamatteti, in welchen 
Eie biß zur Uebergab verhüben. 

Den 4. dito aaehe mann schon die französische Batterien, eine in 
obbenaunten Herrn Barlhen Oartben, item eine auf dem so genannten 
Tärckbenatikber vor dem Lämmer-Thor vnd desselben neuen Lunetta. Die 
Circumvallations-Linien extcndirten raoh über die Spittalsg^tther vnd bis 
in den alten Statt graben. 

Ea wäre demnach alles im Standt, daß sie den 5. Octbr. anfangtou 
so wohl vor dem Prediger- und Lämmer-Thor, alß denen auff dem obern 
Schloß vnd desselben Uedoutten gertchte Batterien Feuer zugeben, welches 
nach 6 Uhren in der Frühe von allen Seithen den Anfang genommen. 
Die erste Stuckh-Enget, so über das obere Schloss in die Stadt geflogen, 
nahm ihren Dnrchmorch durch das Freysische Hauß auf dem Rampar und 
folgendfi in die Saptenz, auf dessen Biblioteckh selbige ligen geblibcn, die 
andere fnehre in defl H. Wilden Behausung ia der Salz-Gassen, Von 
heünt an vermehrte sich das Canonieren fast tägllc^h, also doB ganze Salven 
aus den Stückhen erkiiallt«n, ilaß der gleichen entsetzliches Schieasen, so 
die gan;e Zeith vnaufhörlich wehrte , bey keiner Belagernng gehört 
wordteu. hl welchem eontinuierte bei Tag alfl Nacht das enlsetzliohi> 
Bombeji- vnd St^in-Werffen vnd difl verüb rsaohtj:, daß bis auf den 8. Ootbr. 
schon alle Zimmer vnd Bewoimnugcn im obem Schloß über einen Hauffen 
lagen, und nun nichts mehr übrig war alß die Oasamaten. Die Frair 
Abbtissin anß Giuteratall vnd H. Grutf von Sohawburg erhielten heünt 
alleinig einen Paßport von dem Marquis de Villare, daß sie mit wenigem 
Gofolg aus der Statt eich retiriren möchten. Gleich wie man in der be- 
trangten Statt nach nichts anders mehri^rs seiUftete atß nach einem 
erwünschten Sucura, so wurdte doch praeter omnem apem solch eigen 
gemacht« Consolation gänzlichen zu Wasser, weilen mann kein einziges 
Movement in dem franzSaisuhen Lager wahrnehmen köimle. Eine Bombe 
fällte beunt mitten in die Statt in des jungen H. Bartheu Behausung ge- 
nannt vnd thäte grossen Schaden, auch eine zersprengte ein neue BehaiuoBg ■ 




i uenaiuoBg ^_ 



Iwnß 



Aktenstüuke zur Geschichte der Belagerung Freiljurgs 1713 85 

auf {lem Rampar vud war gänzlich ruiniert. Biß an bcüot seind schon aa 
vil itießirte vnrkommen, dnQ damit alle Cii»ter vnd Scbuelen voU atigefiUlt 
wurdten, Obschon von diser horrenteu Belagerung ein mehrars von seitben 
der Statt apecifice vor/abringen wäre, wird dtidk solches unterlasaeii, in- 
deme sowohl die Belagerte alü Belagerer höldenmütigat attaquirt vnd 
defendirt. Aüeinig eeindt doch zu Zeiten remarquahle Begebenheiten vor- 
kommen, welche zu annotieren Anlaß gegeben. Älß da eben majin den 
Tag vnd das Fest S. Maximiliani ceiebrirte, wurde die Statua deß Erz- 
herzogen von Oeaterreicbs Msxirailiaiii durch ein Stitckh-Schuß am EauEF- 
hanß zertrimmert; item ein Soldaten vom Haaraoliisoben Regfiment wnrdte 
lodt EU Grab getragen. Da er aber wiirokblicfa beerdiget werden «ölte, 
ir seinem Grab annocli über ein Stundt, empfinge die H. H. 
.menten, uach wekhem er erat begraben wordten. So ist auch sehr 
remarqi'^bBl, daß eine Bomben in die Kirchen der Societet Jesu durch 
nideres Fenster hey dem Altar des hl. Ignalii eingefahren, zerspränge 
nd thäte gar geringen Schaden. So fiele auch sonrtea 4 andere Bomben 
iU[ du« einfacItL' GeivÖlb der Kirchen, keine «chlaKtc durch, ruinirt«n also 
ethwaa an dem Tachwerkb. Diß Collegium Soc. Jesu «tundte alß ein 
intespicium so wohl gegen dem obern Schloß, alß gegen der Attac[ue 
dem Lämmer- vnd Prediger-Thor, vnd jedoch wordte es nicht vil be- 
.diget, da indessen die Jesuiter-, Egel- vnd Fredigergasae vnd deren 
u- fast gänzbch ruiniert waren; ja auch das praeciose Müoater-Gcbäw 
viles erleyden vnd manchen aufgebawten Kunst-Stein fallen lassen ; 
dum au dieem wurdten nicht nur allein die auaweudtige Zieraden theilß 
herunter geschossen, sondern junweadig wurdte das gcwolb beyni Chor- 
Altar vnd bey der grosen Kirch-Thüren durchgeschlagen; item, ein kunst- 
reicher steinerner Schwib-Bogen bey der grosen Orgel daselbst wurilte vun 
denen Stuckli-Ku^jeln entzwey gebrochen, sogar eine grosi; Saüle bey der 
Kirch-Thüren tnuste durch Gewalt der Stückchen den Boden küssen. Die 
Appotheckheu vnd Conferenz- oder Ritterhauß auf dem Miinster-Flaz, item 
die Dominicaner-Kirch vnd Vrauliuer (.'loater wurdten von denen Stuckb- 
Kugelu recht durchleichtig gemacht; die Bomben thäten entsetzliolien 
Schaden an denen HaüsBern, ao näebst am Kampar gelegen, theilß wurdten 
(iotlich zertrümmert, andere grausamlich ruiairL Eine fäele in dem 
Scliioß in des H. Obristeu vnd Uommendanteu von Duminique 
vnd machte tiä Saum Wein zu nichten. Eben der gleiche Effect 
in dem Baron S ch o na wischen Hau fl verspühret; es ist zu glauben, 
die Franzosen vermeint haben, einige Bomben von der Attaque vor 
Prediger Thor in das vntere Schloß zubringen, aber iis hat ihnen 
l gelungen, dann eine zeraprangu ob dem Münsterisohtin Gottsackher, 
vor der Capuciner-Kirch vnd die 3tf an dem Schlos-Berg. Diaee 
i die erste und leiste Bomben , welche so weithin die Statt vnd 
iber hinführten. Diaea vnaufbörliche Bomben- vnd SteinwerfTen ver- 
lebte die Blellureu an denen Soldaten. Die meisten wurdlen im 




P. Albert 

] Fleisch dergeataiten bleBsirt, daß msnn tag'Iich vilen die Bein »li- 
Bebmen vnd ealclie entgegen ^t alle in ^oser Marter ilir Leben eblendig 
enden müsteu. 

Durch die Bomben fleind wehrender Belagerung fiiuff Feiiera-Brunsten 
a der Statt cntsLandtfiu, welche 4 Scheuem vnd dag Zienastiache Hauß 
boy dem Rampar in diu Aschen gelegt. Hey solcher Feüerß-Notli wurdl« 
a ZunlTtmaister der Kopti' hin weggeacho äsen. So wurdte auch dise 
Tag dem von allerband BÜunien stok prangenden Rampar, welcher im 
Sommer vor ein Instige Waldung anxuiehen wäre, seine Zierdte genommen, 
daß Eo gar alle dise Baum liifi auf den letateu vmbgehauen wordten. 

Die zwey Cavalier vud Pasteyen vor dem Lämmer- vnd Prediger- 
Thor wurdten also zugeriubt, daß mann fast täglich neue Scbies-Löcher 
einschneiden müste; in iSumma, so grausamhlich das Canonieren beym Tag, 
^o entsezlich erknallten die Bomben bey der Nacht. Auf fleissiges 
Annotieren bat mann letztlich befunden, daß auf die Statt aUeinig ethwas 
über 40000 Canons gelöst vnd XI 324 Bomben auf die Basteyen, Rampar 
vnd Statt ohne der SohlÖBscr. losgebr^nnet irordten eeyn. 

Es wnrdten aus der Statt secbs Ausfahl tantirt; vnt«r andern wäre 
den n, Octbr., daß die Kayserl. denen Franzosen 4ä Schanz-Körb vor 
ihrer Approch vnd Batterien hinwegnahmen. Die hereinbringende Soldaten 
würdten von denen H. Obriaten mit einem Franokheii regiert. 

Der letzte Anefahl, so den 14. Octbr. vmb 4 Uhr Nach-Mittag ge- 
schechen, wäre also beschaffen. Die schon auf dem Wahl gestandene 
Mannschafft wiinlte nicht abgelöst, sondern die neue Ablösung mokhte zu 
selbiger hinauH'. Vnder werendem diaem wurdte von beeden Scblösseru 
berichtet, daß sie bey den Franeosen alJe Anstallten sacbou die Oontra- 
Scarpe zu bestürmen, jnmassen sie mit aufgesteckhten Bajonetten parat 
stnndten. Das Avisiren wäre aber zu spath, indeme bereiths 3000 Slnnti 
auf dieselbe ausgeruckhet , dise entgegen in prouectii ebenfahlß bereit 
gewesen seind anzulauffen. Das Gefeoht dauerte also bey 3 Stnnd, vnd 
beeder Seitba blihen sehr vil. ludeme aber die französiache Macht vaA 
Nachdruckh zn gros, retirirten sich die Kayaerl. gegen der Statt, sie be- 
funden aber, daß die Franzosen die neue Lunatta erobert, vnd die Contra- 
acarpe ebenfahlß verlohren wäre, vnd seindt demnach iu solcher Retimda 
die maislfl gebliben, ohngeacht dennahlen in dem Statt- GraVien noch kein 
Waasor wäre. Die Kayserl, recolligirten sich jedoch de novo, chargirten 
die Franzosen zuruckh vnd nahmen ihnen ethwafl Ten'ain von der Contre- 
BCarpe widorumb ab, müsten jedoch endlich diesellie völlig verlassen md 
sich in den halben Mond vnd weiters retiriren. Bey disem Anafahl wnrdle 
H, Oaneral Wachtmeister von Weithersbeimb. Herr Obrist Dilior mit noch 
zwen andern Offiziere gefangen vnd in das Villariache Lager geführt. Anf 
diaen Vcrlurst wurdten abendß auf dem Miinsteftlmni sechs Hageten in 
die Höoho gelaasen, welches auch nach dem verlobmeu halben Mond anf 
diesem Thum vnd obem Schloss gescliechen. 



I 



i 



\ 



Aktenetüfke zur Geschichte der Belageniog Freiburga 1713 87 

Nach disem coatinnirte aichtg alß daa täglich eoteezlicbe Canonim 
/Kelches vou vilen Alten niehmalea «o graueambhch gehört wordten/ yad 
das mächtige Bomhen- vud SteiDwerD'en , welcheB bederseithä nicht ge- 
spabrt wiirdte, bis endlich 

Den 81. Octhr. abendß zwiaeheu 8 vnd 7 Vhr der im "WaBser ge- 
standene halbe Mond von den Fronxoeea oocapiert wnrdte. Die darjon 
gelegenen 250 Manu, eo vnl.er wehrendem Stumt die Chamade geschlagen, 
wurdten theilß maßacrirt theillJ sprangen in deu Graben, au voll Wasser 
■wäre. Der Best wurdte in 110 Mann vor Kriegsgefangene angenommen, 
Su bald diser halb Mond verlohren gaogeo, resolvirte sich »ogleich H. 
General vnd Fei dt- Marsch all Lieut. vnd Commeudaot v. Haarach, die 
Defeuaiou der Statt auf^tugelien vnd mit der übrigen gesundten Soldatcsca 
eich inß vndcre Schloß zn retiriren, ao auch wUrckhlich deH andern tags 
/nachdeme er vorhero befohlen, alle Stuckb vnd MorthierQ zu vernaglen/ 
gegen 8 Uhr geechechen, ausaer 500 Mann, welche annocb in dem Ravelin 
waren, vnd chargierten. Indeme aber in dem franzöa Ischen Lager alles 
parat atundt«, anf den vorhabenden Sturm ein wachtaames Aug zu haben, 
80 nickhteo sie auch i-mb halber 9 Vhr würckhboh ao. So bald die im 
Ravelin gestandlene Teütsche Mannschafft /welche bis anliero ritterlicli 
gefochten/ der andern Retirade inB vndere Schloß wahr genommen vnd 
vU UansBer zu blindem /unter dem Fraetext Brod zu suchen/ angefangen 
vnd weilen sie sich in solchen ExreOen zu lang aufgehalten, seind von di^eu 
wenig inß vndere Schi obs kommen: indeme selbe von denen erst herein- 
kommenden 6 franzöaiachen GranadierB-Kompaguien meist aufgezogen 
vnd zu Kriegagefanirne gemacht wordten. 

VnlieBohr eiblich wäre die Oonfusion. Die Franzosen stunden auf 
der Breche, Niemand thate kein Resiatcnt vnd Niemand wäre da, von deu 
Militariachen, der zu acoordirea verlangte, welches dann ein grausames 
GcBchreii vnd Tumult von ao vilen Bürgern, Frawenzimmer vud andren 
vemlirsachte. Denn jedermann aache die Gefahr deB SturmR. nach welchem 
alles maßacriert woi'dtcn were, wann nicht zu allem Glückh annocb zur 
rechten Zeiih in Nahmen der LÖbl. Statt dero H. Statt-Schreiber Franziscus 
FerdinanduB Mayer .Juris utr. Doctor etc. mit dem weisen AceordB-Zeichen 
/welches von einem Bürger Nahmens Lucbb Norbert Wiest getragen' vnd 
vnder wehrendem Scharsuhieren deß so wohl groben alß kleinen Goschüzea 
auf die Breche eyleiids angelangt wäre. Auf solches Erbliekhen haben die 
FnuizoBen gleich ihren femera March eingesteilet vnd gefragt: was das 
bedeute, daß keine Ofüziers noch Commaudant zum Accordieren vorhanden, 
worautf obbumelter H. Statt-Schreiber alles dises knyeliegend referiert, 
was in der Statt vorgegangen, niid benebens vor die Burgerschaft aller- 
uuterthanigst gebetten, daß dieselbe von der bevorstehenden Plinderung 
möchte befreuet werdten, vnd diaea wnrdte von Marquis de Villars ver- 
iprochen. Vader wehrendem disem Ergehen ist kein Schus aus dem 
radern Schloss geschehen, es wiiixite auch gleich Stillstandt der ^\'aJ)eu 





SR P. Albert 

auf fi Tog (Tctroffpii, vnter welcher Zeith H. Stackh-Haatitiniuin Heyni ' 
Yon Ihrer Durchl. dem Prinzen BugeDto Bericht eiuboilen sollen, was 
weiters mit den Sclilönaern vorzunehmcu BcIn mochte; weilen er aber 
nicht mit genagsamer tnatruclion /uruckbkommen, so wurde dauach 
iiAcher Stillstand zum S'^d mahl prolougirt, rnil be^be sich Tnder desaea 
H. Oeneral von Wachcnthumb vnd H. Haublmann Baron Kleinix eben- 
fahtß zu Ihrer Durchl. dem Prinzen Eug^nio. 

Vnter dieser Zeit laborierten vnd verfiiegten die Fronzosen in vnd 
vmb die Statt 8 Batterien, welche alle anf das vcdere Schloß agieren solllea. 
Die im Schloß riisteten sich in gleichem auf eine tapffere GegeD-DeTension. 
Denen Blessierten, derer gegen 3000 in der Statt sich befunden, wurdle 
vmb keiu Kreuzen Brod luyelassen vnd genossen sie anders nichts alß 
w«ß ihnen von den Schlössern nug-eschickht wurdte, vad diies, weilen fie 
der Marqnii de VillnrR auf solche Weise nicht annehmen wollen. Mästen 
vil -vor Huuger eine» elenden Todts Bterbea. 

Die Franzosen hielteu vnder dem Lammer Thuru sine Wacht tod 
15 Mann, deren OfSciers scherzten mit verschiedenen Brand-Röhren, deru 
vd allda gelegen, indome selbe solche brinnend in die Hoohe vnd tutct- 
Sehens in den Thum gewor£fen wordten, eut/indeten sie die danne gelegene 
Bomben und Granaden, der Thnm fiele znm Steinbauä'en vnd bedeckbte 
die ganze Wacht und tödtete nebst diesen einen Bauern vnd 2 Einder. 

Indessen logierte sich der französische Generalißimus Marquis de 
Villars in den Basler Hoff, Herr General \ud neue Commendant der Statt 
Freiburg von Dassfeld in dem Gsch wendischen Hoff. Mr. duc de Bonrboa 
in des H. Doctor Mayers etc. Behausung, die andere OfBciere da: nid 
dortben, wo jeder ohne Piletten einkommen mögen. DiB war ein vner- 
trägliches Elend der sonst hetrangten Einwohner , indeme selbe schon 
vorhero der^stalteii ruiniert vnd ausgesogt wordten, daß ein melirers za 
ihun vor vnmöglich erachtet wurde. Gleichwohlen wurdteu alle {.'orpora 
der ganzen Statt auf 600000 Franckhen ongefehr nebst 18000 vor die 
Glovkhen mil Metall, wo doch schon vorhero von allen Einwohnern nicht 
nur allein Wün, Fleisch, Geniieß vnd bis 500 Centr. Zibn hergegeben hal 
werdten müssen. Dann vom ersten Octbr. bis IT. wurdt«u täglich 72, 
item vom 17. bis den letzten Octbr. täglich 154, in allen über 9443 Saum 
Wein vor die Guamisou ohne beeder Schlösser ausgezapffet. Alles geflehete 
vnd aigenth umbuche Rind-Vieh wurdte consuinirt viid wäre nichts melir 
vmb das Gelt zu bekommen. In Summa alles hÜtte misenbler nicbl 
vorkommen mögen, vnd dis auÖ Vrsacfa, weilen H. Commendant von 
fiaarsch so gar alle Corpora verlassen vnd ohne Capitulatioa ror die Stau 
vnd seine Sotdathen sich ins Schloß retiriert. Endlich avisiert den 
15. Novbr. widerumb U. General von Wauhtenthamb vnd d«n 16. Nachta 
erst vmb 1 Vhr wnrdte gemacht, daß die Gnamison vom obem Schloii 
vnd vntem Schloß den 18. mit allen Ivrieg»-Ebreo ausoiarcfaiereD sollen, 
•o aber aus Mangel der Wägen erst den 19. Novbr.' vmb 9 Vhr d«i 



Vndte 



Äkteii3tüi:ke zur Geschichte der Belagemag Freibui^e 1713 S9 

Anfang genommen. Sowohl von dem obeni alß vadern ScHIoas wnrde 
der March mit fliegenden Fahnen vnd klingeudem Spiehl mit Oher- Tnd 
Vndtergewöhr angetretten. 

Den Bea<;hlusjs maditca die 3 H. Commandanten, alil General von 
larsch, Commandant der Statt, H. Obrist von Diuninique, Cummandant 
I, vnd H. Obriat von Haustein des vnderu Schloß CommanJaut etc. 
■'io aliem bey 5368 Mann. 

In der Statt seind Eraackhe vnd Blessierte verhüben 1032 Mann. 

Die ganze Guarnison ist bestandten in 8G59 EöpfT. Seind also in allem 

vmbkommen von Devent. fl. Obrist Wachtmeister Tarmaug vnd H. Obrist- 

wachtmeister von Salzburg-Regiment, item der GromMlier-Haubtmann 

Mißa von Baadischeti, H. Haubtmanii Weis von Erladuachen Regt., item 

1 Lieut, von Gutenetein, 3 Licut. von Salzburg, H. Lieut, Gralf Senekh vnd 

H. Lieut. Klee von Hddeßheirab, H. Lient. Weis von Erlachischem 

Scbweiaer Regt, nebst H, Feuderiuh Kueht, ein Fendprich von Salzburg, 

so vnerkaatlioh vnder den Todt«n gefundten worden, in wehrender Be- 

^—iJHgerung todtgebliben. Ist demnach dise so inportant« YÖitung Freyburg 

^Hnd sonderbabrlich das Fort B, Fiare oder obere Schloß, welches «ich 

^^Kabst der Statt bis auf deo letsten Äugenblickh heldenmütbiget defetidirt, 

^Eän die Eönigl. Franzos. Waffen beschribeuer Massen übergangen. Die 

Capitulation vor die Statt Freyburg ist volgender Weis den 18, Novbr. 1713 

beschlossen wordlen, wie volgt. 

Erstens solle die Guemison deu 18. Novbr. mit allen Erieg»-Ehren- 
Zeichen, alß fliegenden Fahnen, klingenden Spihl, Ober- vnd Vndergewöhr, 
mit brinneoden Lundten nebst aller Jhr Bagage frey, sicher, vngchindert 
den Abzog geniessen. Zodeme eoUen alle in der Statt vnd sonst, eo in offt- 
mahUgen Ausfahlen gefangen wordten, Mannschaft darbey incorporiert seyn. 

2. i Stuckh, 4 Feuer-Mörael, 50 Bomben sambt den zugehörigen 
Requisttis sollen nacber Vüliugen nebst obigen mit genügsamer Convoy 
versehen werden. 

3. Alle Bagage, so wohl der FI TT , Officlers als Gemeinen, wie sie 
Nahmen haben, solte vngehindert mitpaßierco. 

4. Die Blessierte und Kraackhe, so in den EoBpithalea vnd Schuelcn 
hinderlassen wordten, sollen aaf des Königs in Franckhreich Vncösten biß 
ED jhrer Genesaung auf 3 Monath lang mit allen Medieamentis vnd Vndei^ 
halt in der Statt verpflegt werdten. 

5. Damiten die sonstcn BU9(,ressugte Bürp-erschatit nichts ao ihren 
iL ^Schulden zu verlihren habe, solle R. Ober-KHegs-Commiß. von Alberstorlf 
^H Yen denen Esyserlichen solang zur Geyset in der Statt verbleihen, 

^ 6, Die übrige CoriKira der Statt, alß die Kays. Regierung, Uni- 

versität vnd ganze Nobleß, sollen zur Zeith 3 obigen Monath in der Statt 
verbleiben, bis die Practension der angeforderten 600000 Franckhen con- 
tentiert »eyn werdlen. NB, Im übrigen ist wegen der Statt vnd Bur^r- 
] Privilegien vnd anderen Ausnahm in wenigsten gedacht wordten. 




M 



Nnoliateliender Rnpjiort bildet eine willkomraene Er- 
HHniunit RH doiu im Uiin-schischeii Diarium (vgl. von der 
WoiiKPn B. R. O. S, 220) gegehenen kurzen Bericht über die 
Vorßilliigp in dor Nacht vnm '20. auf den 21. Oktoher. 

Au« dorn Aivliiv di>r k. k. Landearegirung zu tialzbn^H 

Raporth ^M 

Wki iii i\#T Naclit tlen SU. pwsirt in dMn «tUiiiiirt«!! hallwD Sha 
«nll*iih«ii Ii»iiin)(>r tikI I^rditrMr Hiarr ist mrüirt wordten, das An FeiD<)i 
tu ili>r (\>iilnu<<K'ar]it> fin lUllone TvrftTt^vA, ^leicb dem tulbeo Mao rbo-, 
Moh I HuHktawiM {JmbhMu) d«dl, nH 25 U«wirt« j-bokmniiKn. 

tn Amr < 



Htnn\ ti«rMiM «u», Am tu» Am (f) vm KmetkopS tattmtj. 

in «hw «iAMvB kalbM Moad m PitJljgtrthon' M iihg i mt« pMHt 
fl Jnwpk HMikui atwin, dw Xarte hmimA, 8 Tt^ie rad V Fkäto 

MtMRM*M n iMhMk 



& (VI Ami»« kVMTt. 4n auf» wt«B r 







AktenBfücke zur Gescliichte der BelageruDg Freiburgs 1713 9L 



Disposition bei vorsehendem General-Sturm. 

1. Die DiapositioQ mit dem liallieo Monfl nnd der TenaQIe darhinter 
bleibt, wie selbe gestera gemacht worden ist, allwo bereite sind 423 Mann, 
nehmblich inn den halben Mond 925, jnn deflen gemanerten Retranchemt 
CO, inn der Tenaillc 150 Mann setud. 

2. Auf jede Breche hinter die zwey Retranchementa ann der Face 
und Flanc 75 Mann, weil die Enge des Terrains nicht mehr leidet, thnt 
160 und für beede Bait. 800 Mann, diese werden mit Knrtige wehren, 
Sturmeent^en, Handgranaten, Pulversäcken undt theils mit Gasqneteu und 
Cuiraßen versehen, wonehen sie ihre gepflautite Bayouet«u haben müssen. 

8. Auf die zwey attaquierte Cavaliers jeden 100 Granatierer und 
Dragoner, eodaim 100 Mann mit Flinten, thut auf beede 400 und je bey 
aOO einen Obereten von diesen ist zu wißen, daß sie, wenn der Feind 
würklicb herrauf stürmt, und wegen seiner und unserer Leüth nähe hey- 
sammen, seine Bomben und Stein niclit mehr brauchen kann, die Unsere 
auf das Brustwehr der Cavaliers hinauf, mit gepflantzten Bayoneten, 
Sturmsenßen, Handgranaten, Pulversäcken, undt kurtzeu Gewehren springen 
miißen, und sowohl alß der Feind sich mit IJoßera Leib wehren, wozu 
jedoch die vorliandene Guiraß und Cas<jueten aus dem Zefighaos gegeben 
worden sollen, 

150 



gnB Erba 
N. Orsr Ert» 



P 



1200 



in halben Mohn vnd Tenaillie ohne andere Wachten 425. 
He vier Traversen von dem General-Retranchemt, zwey und 
eine Linie darzvrischeu hinter jeder Gorge werden besetzt «usammen mit 
500, thut hinter beede Bastion^ 1000 Mann, allwo bede H. Obristeu sein 
miiSeu, die ihre gehörige Staatsoffiziers bey sich haben, 

6. Inn der langen Courtine, hinter der jetzigen der zwey attaquirten 
Bwtions, kommen die noch übrige beide Herrn Obristelieatenaiita, uml 
mit ihnen waß aon Mannschaft übrig, so mann bis dar rechnet über 600 Mann. 
welche die Defenaion der G-orgen rechts und lincka socondiren müssen. 

6. Die fraßen zwischen der newen Casernen am Prediger Thor und 
der Dominicaner Kirch ist etwas zu verboUwerckeu und zu besetzen mit 
60 Mann. 

7. So dann noch 2 Reserven, eine bey dem Prediger Thor, und eine 
inn der gegend von dem Cameral-Magazüj, so viel alB bis dar möglich, 
wie nicht weniger auch etwaB bey denen zwey Batterien auf der alten 



=h, ^ 

^1 




1". ÄlUrt 

Statt-lfftuern, so gleichiam denn SchluBs vou uuserm Oener^ Retnnohe- 
meot Enochen. 

8, Bey dem Preiüger-Thor bleibe für meine Person nlll CominaiidBiit 
mit dem Drag.-Hnubticaiiu löbl. SchÖabom. Begmls. und eüicben Dra- 

1 Pferdt; Lerwei-tB dem Cameral- Magazin Herr General Wacht- 
meister B. V. Wachtendonck mit dem Dragr.-Lieot. und gluiohfalB etlichen 
Dru){ouerii zu Pferd, umb aller Orten ^i'scbwindcr praesent zu sein. 

9, Herr Obriiter v. Haustein hat bey solchem Stunn seine meäste 
MaDnaohaäl uaf die Seiten des Scblotles getreu der Stadt za ziehen, wie 
nach die untere Coutresciirjie mit 20U Mann zue besetzeD. 

10, Solte wider VerhoDen der Sturm unglüeklicb ablaufien, so 
aebnien mmbtl. lobl. Battaillons ihre Retraitte inu das untere Scbloß, ein 
Tbeil gegen dem Breisachcr- der andere gegen dem ChriBtopbel-Tbor auf 
deme Wahl hinumb und ilureh die nächste kleine üaßen daraun. 

Etwas zu vor soll der Haubtmanu auf der Haubtwacht mit den 
LS rueken, und je nach dem es ablauüt, bleiben oder sieb auch 
zu rechter Zeit mit allen Fahnen lübl. liattaills. inn die Conterescarpe des 
tmtem Schloßes ziehen. Item alles waß vonn andern Civil- oder Militar- 
bedienten sich dahin zu begebeu hat, seine Bettraitt p'leichfals nehmen,, da 
n-üi' indeQen daa beßere vou der Allmacht Uottes feutiglicb hoffen. 

Freiburg d. 21"'' S.bria 1713. 

Evor wir attagiret werden. 

Auf der Bresche & Cavalier — l C, 10 Gran. 

im Retranohement dahicdter 1 Haulit., 1 LeiU, 40 Gmeine 

dau Ton Grenadieren — 1 Leit., 20 Gran. 

Auf der Rreache von Bastion — 1 C, 10 Gmeine 

hinter den S ersten Travt'rsen ein iedeii . 1 Haubt., — 60 Gm. 

als in andern widerumlj 1 Haubt., ^ 50 Gm. 

binder den andern 2 Traveraeu in ieden . — 1 Leit., 20 Gm. 

so auch in andern — 1 Leit., 20 Gm, 

an jenen Ortt wo die 8 Stukh stehn . . — 1 Feltwbl,, 20 Gm. 

auf iede Gorsch — 1 Leit., 30 Gm, 

auch auf der andern — 1 Leit., SO Gm. 



bei angeb entern Sturm 
auf dem Cavalier auf der Bresche, 1 Obristwacht., 100 Gran, vnd 100 Muscet., 
die ISstem mieaaen Harnisch, vud Sturmsenzen haben, in Retranchement 
daliinlcr 100 Khöpff, wan die 200 auf der Bresche nit Platz haben, khinen 
die ibri^n auch in das Retranchement gehen, 

Auf dem Bastion, an der Bresche, 
brihnt ersten das Feuer, in. die S Traversen gegen der Bresche in jede 
1 Haubt., 75: zusamen 2 Haubt., IW, in die 2 hindern Traversen, in 
jede 1 Haubt., öO: zusamen S Haubt, 100: bei den Stuokhen alwo kheine 



Aktenstücke zur Geseliiclite der Belagerung Freiburgs 1713 jl3 



Ttiwn H. Obristleit. Graf Ofrlis, mit 300 Kböpff. den Re»t bei mir. vod 
ObrisÜiMt, auf beedea Uorschen. Sa, 650 Gemeiue. 



AuB demsellten Archiv. 

Specification 

SwTeiiigen H. officier ao von denen Battalliang tiihier in Freyburg 

Mit der Berennung biß keüat rutgeitlzteti Dau seint blesirl, gefangen 

vnil todt gesehoesen worden. 



I 





Löbl. Btttt. M^ 


Grenadier 


H. HaubUn. Carl Jlisclika — 




] H. Haubt. Job. Rudolph Tullipou 1 


, 


H. Lieut. Cbriatoph Siemon 1 




H. Lieut. Sigmundt TarBnekb 1 


ErUcli 


H. ObriBt Tillier — 


^ 


H. Haubt. Kneht 1 




H. Lieut Etlmer 1 




H. Lieut. Zwikhj 1 


, 


H. Lieut. Zeheut«r 1 


„ 


H. Fendericb Knecht — 


„ 


H. Lieut. Weiß 1 


, 


H. Fenderich Lutz 1 


. 


H. Fenderich Bambe (BumbeV) 1 


d'Amaud 


H. Obriflt Wachtmeister KreiUl.erg — 




in obem Suhtali. 


^ 


H. Lieut. Franokhenperg — 








Tbeninj 4 


^ 


H. Fenderich von RoU 1 


Harocb 


H. Lieut. Tritzta 1 


Beueni 


H. Haubt. Johau Ludwig Mathey 1 


~ M 


H. Haubt. Georg Reinhart ör. v, Lasaperg 1 


.. 


H. Haubt. E^imhart ChriBtoph Zeitem 1 


^^ 


H. Ober Grenadirer Lieut. Andreas Perirnian — 


, _ 


Sou Lieut. H. Frau« Olivier v. Rottenburg — 




Lieut. H. Georg Ludwig von Jahn 1 


Be^SEn 


a Haubt. Joh. Friderich Gr, v. Lasperg 1 


, 


H. Lieut. Christoph Müler 1 


, ^ 


H. Fenderich Wenz! Reich 1 


Iwibo 


H. Haubt. Geißler — 


■^"r"*' 


H. Ober Lieut. Toll - I 


! 


Sou. Lieut. Pfaffe! 1 



94 


P. Albert 


1 


! 


1 

lodt 




LiJbl. Batt. 


^!rt 






Lsncken 


H. Haubtman Kästner 


I 


— 


— 




H. Haubt. Zeigenbnt 


— 


1 


— 




H. Fendricb Job. Christoph v, Würleith 


1 





_ 


Debent 


H. Obrist Wacbtin. WenzI Gr. v. Bertislau 


1 


_ 


_ 




H. Ober Liout. Haoß Georg Geiger 


1 


— 


— 




H. Lieut. aiöasner 


1 


_ 





Bliscbaa 


H. Haubtm. Graff v. Gleinau 


_ 


1 


_ 




H. Fendericli v. Kezol Vreden 


— 


1 


_ 


„ 


E. Haubt. Job. Georg ScLreydeinz 


1 


— 


_ 




H. Haobt. Kelbel 


1 


— 


_ 




H, Lieut. Arenstet 


1 


— 


_ 




H. Lieut. Rißiier 


1 


_ 


__ 


„ 


H. Fenderioh Vagello 


1 


— 


_ 




H. Hnubt. Deaortua 


1 








„ 


H. Haubt. Krabeu 


1 


_ 


_ 


, 


H. Lieut. Kranbourg 


— 


1 


— 


^ 


H. Lieut, Fischer 


_ 


1 





, 


H. Fendericb Gruletz 


_ 


1 


_ 


, 




_ 


1 


_ 


Bachendunck 


H. Haubt. Job. Heinrich Jambschitz 










den 21. Octobr. 


_ 


_ 


1 


, 


H. Fendrich Leochart EÜamier d. 15. Octbr. 


1 


_ 


_ 


Daun 


H. Haubt. Georg Mathiaa v. Salbach 


_ 


_ 


1 




H. Lieot. Gr. y. Tonnekb 


_ 


_ 


1 


HoUrtein 


H. Fenderiüh Wolf Fridericb von 










Franckhenberg 


_ 


_ 


1 


Baden 


H, Haubt. Doniquers 




_ 


_ 




H. Fenilericb Freyherr Branchen 




_ 


_ 


Salzbarg 


H. Obrist Waohtm. Franz Änt. Baron de 










Rclling 
H. Fenderioh Campi 








„ 


_ 


_ 


1 


^ 


H. Lieut. Fraötr Ant. Guardi 




_ 


_ 


^ 


H. Fenderich Uorneli Crepler 




_ 


_ 


, 


H. Fenderich Max Lebner 


_ 


_ 


I 


„ 


H. Fenderich Adam Fürst 


— 


1 






H, Capitan Lieut. Job. Klein 


_ 


_ 


1 


„ 


H. Lient. Chriatian Franz v. Kettler 




_ 


_ 


^^B 


H. Fenderich ChrisKan Hainrioh Hauß 




_ 


_ 


^^^^■| 


H. Fenderich Franr Polen 


_ 


1 


_ 


M- 


H. Lieul. Job. Adolph Reffler 


_ 


_ 


1 


Latus 


"IT 

1 


1 


1 



Aktenstücke ziir Gescliichte der Belagenmg Freiliurgs 1713 95 



Bittbrief der beim Rückzug aitf die Scblossbergfestung 
i der Stadt zurückgelassenen Gefangenen, Verwundeten und 
tranken an den Kommandanten von Harrsch vom 3, oder 
, November; vgl. von der Wengen a, a. 0. S. 325. 

Ans demselben Archiv. 






Kochwohlgebohrener Frey Herr gnidlig Hochgebielender 
Herr General Feldimarchall Lieutenant. 

Euer Excellence genihea- Ihneu schmerzhafft vortragea zae laesen, 
ä vtüT mit deoeu üiiemokgslaBseneu Armen plesirCen ondt KrEuikheu, 
10 wohl als dereu noch wenie gesuudtpn mannscball't, and armea weibem 
und Xindtem in aoldiem erbHrmlicben Zuestandt gesezet, daß da unß 
uicbtB im dem unare Kraukhe, uadt pleairt«n meist Mueter nackhcndt auB- 
^ezogeu, all) dait Eblcadt Leben übrig- gelassen, weltbeß uinh so vül 
schmerzlicher ist, jemehr unß ein so langaamheO sterbeu die Bittflrkheith 
deß Todtß recht empfüadlich machet, niauu hat naÜ alle zueambeD in denen 
Clöstem so eng eingesperrt uudt dabey höchster straff verbotteu nicht die 
geringste LebenSmittd zueüulasseu, da nunu die allermeisten schon in Trey 
Tagen kein Bissen Brodt geesaen, noch mit eiuem gtaß Wasser Ibreu 
Durst löschen können. Dannenhero. die Krankhe Dod plcßirte liauHenweiß 
hinsterben, die übrigen aber mit deu p'östen Schmei'zen in leisten Zigen 
ligen, so sehen wiir alle dafl Eudte unseres unglückseeligen Leben vor 
miß, doch da tioB unare Feindte über alle die biflhero erwisene Uenerosital 
noch disseß Thiu, daß sie uns erlauben bey Ihro £xcellenz Hil9' undt 
ibenßmütel zuesnchen : So fallen wiir Deroselbeit allerseitß in uuter- 
inigkheith zue Füssen mit Demuetigiater Bitte, die lelben wollen unß 
it verlaaseu, sondern uuß »dt so viU Brodt und waucr versehen, daß 
neß Leben, ao lang eß Gott gefält erholten können. Euer 
Excellenz erwÜgen die Threy, mit welcher wiir undt so vil Frauen /deren 
schwangere Leiber auch die Stalu empfündtiich machen solten/ männer 
Freündte Ihru Kaisl. Mäyat. gedinnt, sie erwögen wie vil mahl sie 
^iponirt nulir durch einen Elu'lichen Todt Ihre Tlireye zuever- 
Nunn aber sollen wir durch einen, undt cmpfündtlichiste quall von 
menii^heu verlassen, uuseru Lohn darvor bekhomen, Euer Bxcell. 
daß weinen der vor Hunger die Zähne bleckhendte Kinder, die 
80 viller schwängern Frauen deren unglüokaeeligiste Frucht, noch 
die weit gesehen die grauaamkbeith äe& Kriegß Erfalircn maeß, 
Mthreyen der plesirten undt Krankhen, die Seußzcr deren in dem 
im Huuger, und Scbmurieu atorbendte seindt cajiabell anch die 
barbaj-u zum mitltidtcn zu bewegen ; EoUen wiir »lerboo, so 
würberaith, mBj)n.iftß,unß njfhr ^SO.Iodt veöqi^eQ,,wir suchen die 



9ij 



F. Albert 



g^fangenschalTt, aber niemRndt will uuü gofangen wüssen, wir Buchen den 
Todt, aber manu ist ao gruusamli auch diaen zue vereageD, unare Frcundi.' 
Bolleu tnordter ahn aul) werdten, undt waß in der weit auch bey Tüi-khen, 
und wildten beetieo Dit gehört, wür sollen uue selhstea fressen, Gott der 
udB wegen unsem aiindten in diseu ungläckhseeligeu äUndt geeetzt. wolle 
nach seiner unendtlicheo Bannberüigkeitb unaro aeelen auß denen eleudien 
Leibern abrordtem. Indessen aber Euer Eseelleui Her« regiereu, dali die 
himel Busteigendte Seaflzer so viller miserablen mensuhen ansehen, uuß 
nmb Christi willen niit nötigen Lebenßmitelln versehen oder aber durch 
einen SchSoinigen tod ein Endt unsereß mübaeeligeu Lebenß machen möchte. 
Der gerechte Gott wird unsere Trähnea ajiseben, und die nachweit wirdt 
imß im Grab auch daß Zeugnuß geben mÜBsen, daß wür böchat unglückblich, 
aber doch getrey gewesaen. Gott regiere Euer EKcellence Hen zue gnadt 
undt gebe unß dann gelegenheitb Euer Exoell, in Bessern Znettandt z 
i wür in Tie&er unterthönigkeith aeind und bleiben 
Euer Excellenz 

VerBchmaohte, doch Ihre Kays!. Mäyst. ' 

iu den dodt getreue Gefangene pleßierte, ' 

undt Krankhe offiuiers undt Gemeine, j 

auch Frauen und arme Kindter. 



Nachstellende Helation ist vermutlich der vom Kegimeni 
„Salzburg" an den Fürstbischof Franz Anton von Harrach 
zu Salzburg als Kontin geutaherm übersandte offizielle Bericht. 

Aus demselben Archiv, 



Nofata 



■ JfYey 
H istS 

■ CavE 
^L Hott 



wass in der Belagerung Freyburg 
Passin und miglichist hat khSnen notirl werden. 

Den 20. Septbr. 1713 bat der Feint unter Commaudo duc d'ViUartS 
eontfi de Bour, und Princa coule etc., unfler Linie an Hoeßkhopf und hey 
No. 13 atlaquirt, gedachte Linea aber ist auß Ordere uußorer hochen 
Generallitet etc. nit manutenirt, aondern nach einer gegöbnen DescharchS 
verlasßeti, und doruor von denen Ka^'Bertioben aldortb stehenden Droppen 
13 BattaJliona: dan 7. Granadiers-Compag : und 100 Tragoner zu den al- 
dorth stehenden BattaUions alß Schweizer, Salzburg: und Eildcsbeimb; in 
Freyburg angenbliekhlioh noch in der Nacht eingeworfen worden, hingögen 
ist Sr. Excellenn Herr Generali von Vuobon mit jbriger hohen Generallitet, 
Cavalerie und Infanterie in selbiger Nacht auf St. Peter, Villingen und 
Rottweil machirt, den 22, dtirauf hat die feindliche Ann^ mit 130000 



I 



I 



P Aktenstöckp zur Ueschiuhte der Belagerung Freiburgs 1713 f|7 

St«t onleatHch lipreuet. Woriber wiir gleich außgefallen und allö aufierc 
Heißer, Kirchen verbreut, garten und alles anders ruiniert, nitweniger die 
rontrescharpcn mter Comando eiuea Obristeo mit 1500 Man, dan die 
Reuolliiis mit inclueive der 1500 besezt, also auch in der Luneten mit 
äOü Granadir und 150 Miisqueür Posto gefast. 

Den 24. hat vnß der Feint das Waßer genommen, Denselbigen Tag 
ist um von dem Coroendanten H. Geoerall v. Harsccn, eine Ordert von 
winer Hochfiirstl. Dorchlaucbt Prinzen Eugenio ete, vorgelnaßen worden. 
die yÖBtung biß auf den leesten Man zu deffendtireu, md 
weder «u ospitulüren uoeh sich alB Kriegsgefangene zu ergöben gedenckiieu, 
sondern lestlichen sich in die Scbläsßor zn reterireu. Den 80. Sept. hat 
der Feint in der Nacht zvriiohen 10 vnd 11 Uhr seine erste Parallel vnd 
f^titäi darauf eine nechere 200 Schrit von dem Riduo bey der Luneten ge- 
logen vnd also seine Äpproschen zwischen den Preisacher vnd Predinger 
Thor eröffnet, dißes aber nit vnuermerkhter, sondern wür alles woll gebort 
haben. Bei EröfToung solcher Approohen ist der Feint mit ganzer Infanterie 
hinterwei'tsseinenArbeitsleiteD, dann auf beydenFliglen dieCavalerieinBereit- 
(cbafft gestauten, warauf dan gleich von all vnßem Bastionen vnd Cavaliers, 
gögen dem Feint das Cunnoniren angefangen, vud selben Tag 4 Ulir abeiida 
vnter Comando des Obnstlieut. Petentorfa mit 500 Man vnd 100 Tragoner, 
ein AuBfahl geschecben vnd den Feint bey den Fredinger Thor auß seinen 
Äpprochon widerumb wäckhgeiagt, worbey die Franzoßen großen Verluest 
gliden, auch einen Generali von der Tranch^c durch einen Oanonschusß 
beeile Füsß wäkhgesohosßBu worden, der Feint aber hat sich mit fliegenden 
FinCD wider zusammengezogen vnd mit der Oavalerj- angeruckht, das 
bemelter Obristlieut. von Petendtirff iedoch mit geringen Verlorst sich 
(ohne Ruinirung der feindlichen Approthen) reteriren hat miessen. 

Den 5. Octbr. hat der Feint das ober Schlosß zu canoniren vnd 
bombardireii angefangen. Den fi*"^ darauf auch die Werckher von der 
Statt gleicbmeÖig in Speciö aber mit Bomben- vnd Steinwerfeu. Zur 
Attaquä der Statt hat der Feint in seinen Approchen 7 Battarien ralt den 
eratem vnd deß hinzue gezogneu Parallel formirt, vnd solle zusammen 
4:6:8: !t:tO: mit 35 : Oonons gamirt, darunter ist ein Suhlauter-Batrij 
gögen der Contra-Sobarpen mit 8 Cononen gewüßen , daryber hin «eint 
wider 3 Battrien, Jede mit )j Conunen an die 2. Precben gesözt worden. 
Eößl U zn 3 vnd 4 Mcrsher, von welchen alle Zeit 3 Thaill Bomben vnd 
ajn Thuill Stain schrökhlich ist geworfen worden. Wehrender Attaque vor 
der Statt seint bey der Nacht aus der Oontra-Searpe menge vnd tegliche 
AoHfahl nur allzeit zu 30 biß 40 Man gescliechfu, wodurch den Feind in 
seiner Arheith vnd aonsten großer Abbruch geschehen, ia so gar das von 
No. 30 an den obristen Posto von dem Feind die gesozte Schanz, vnd 
KÖpf-Korb öflFlerE wekh genommen worden, vud der gleichen Außfohl zu 
4 vud 5 stets in all Nächten auf Ainmall. 

In der Contra-.Scarpcn ist aIIc Nacht vnßer Feuer so erschrekhiich 

7 




9« 



P. Albert 



^'ewesen. daß man lu 30 Hß 40 Centnei' Pulfer vnd Pley aaf oinmahl 
verbraucht bat, vnd haben dns Feuer eoluber gestHlteii eontinairt, oetnblicb 
vuD der ganzen CoDlraBuharpen, wo der Feint seine AttBi[uä geführt, bcy 
allen place d'armen mit ganzen Piatonen, niehrer» alli die Helfte auf die 
Cluasis gegen den Ridiis herauß gerukhet, vud solche Plutnnen 2 ganaer 
Sttiodt in Feuer stets gelegea. Baryber hin mit friEchen Leiten vnd Ge- 
währ aaä der Contra-Scarjipea diBe abgeleat, der Cbeireet von der Man- 
scbaft in obbemeltei* OoDtraaaharpp zu Manntenimng dißer Plutous stets 
iu ReBcrua gelegen, durch dergleichen heraußgerockhten Plutons, hat der 
Feint grositen Schaden in seiner Arbeith vnd gehabten Reservet) geliden, 
solcher gestalten ist in der Luneten die ganze N'acht liindurch das Feuer 
vnaufiiörlich gegangen, nit allein in solcher, simdern auch auß dessen üraben 
vnd vor demselben aberniall l'ormirten Plutonen in den Riduo. In gedachter 
Iiuneten seint teglioh Menge Officirs in specie auch darunter Obrislwacbt- 
meister 6raf Ratialau plesirt vnd andere todt geschosßen worden, solcher- 
geslalten gleichmeBaifrer weisß in der Contra-sehsrpen derer numerus bo 
woH Olwrdfüeir alß Gemaine in einer a parte Specilication bey^deg;! 
werden uürd. Den 6. ist von dem Comendanten im obern Schlosß von Obrist 
Dominic ein AuBfabl geschechen, vnd von selben auß denen Approchen vor 
der Reduto (I,ocb genant) wöckligeiagl, die Approchen eingeworfen, war- 
bey der Feint yber die 1000 todt vod plesirte yherkhonien , wür hin- 
gögen den Obristwochtmeister Cr«uzperger, ain Fenderich vnd gögen 100 
Gemeine, 

Den 14. october ist die Luneta vud Conlra-Scarpe in einer Stundt, 
da wür iust gögen den Feint ein Außfall mit lÜOO Man wurkhlichen gelhan, 
zugleich mit 40 Compag. Granadirs 12 ('ompag, Tragonera 18 Hattalbona 
Infanterie vnd tiOOO in der Rellerua uouh 'lorjberhin ihre Approchen doplet 
biÖKter gestürmet vnd nach Sstiudigen starrkhen Feuer entlieh erobert 
worden, bey welchem Stmm in der Contra-Scarpen an rechten Fbgl Herr 
GenendlwachUneieter Baron voa 'Wachteduiick, an iinggen Fligl ich toman- 
dirt habe. Der Feint hat darbey von denen 40 Granadtrscompag. nur 
einzige 2 Haubtietth mit wenig Granadirem daruon gebracht vnd von 
den Überrest feindlichen Coramandirten 2000 Todte vnd gögen 3 bis 4000 
PIeßirte j-berlchomen, vnßererBeit» ist bey dißen Sturm Herr Generall- 
waehtmeiater Baron von Weiteraheimb, Obrist Dillier gefangen, Obrist- 
WHcbtmeister Baron von Relling, sitmbt anderen ol^ciren, Haubtlcuth vud 
Subaltem, Ruch Gemaine viUe todt, plesirt vnd gefangen worden, in allen 
beyleifig- dißer Verluest auf 6 biß 600 gelangen mechte, nai'h Eroberung 
solcher Contra-Scarppen hat sich der Feint au den Parupet gleich ein- 
geseboiden, vnd seine Prechbutterien an beiden Faßen alß Leopold : vnd 
JoaephibaslioQ zu arl)eiten angefangen. 

Den IQ. darüber hin ist der Haubtgrabeu gleich durch die Er- 
oflnung der Schliesßeu voller Wasßer ongelasaeu worden, welche« den 
Feint grosfle Hintemuß, indem das AValler weuigiatena audcrhalb Piokhen 






Aktenstücke zur GosL'hichte der Belftgerung- FreibiirgB 1713 99 

hooh in den Qraben gcatanteu vnd eo gar den Feint in leine Approohen 
tcbödliob hinein gelofien, seiner arbeitenden Gallarit halljer gemaalit hat. 
Den IT. ist 2 Stundt iang der Stillstant, vmb beitierseit« von den 
Stnrtn der Lunet vnd Contra-Scliarpp die Tndte zu begrabcu eiagewüligt. 
neihigeD Tag- fkber noch nn dem Rampar die Einschneidungen zur Ärbeith 
HDgefasKen worden. Den 22. hat der Feint seine Galtarie in den Graben 
rnit Einnerfung angefillten Faschinen 8tein, VesBer, Samteijck vnd anders 
j:u psncn angefangen, welche ihm nit tllain von denen Conon» auö vnßem 
Flanfkben der Bastionen grauflam schwer gemacht, sonder villmall mit 
Rhollen der Bonii)en, Werffung der Pöobfachinen vnd andern feoerwerkhen, 
ruiuirt vnd verprent worden, entlichen aber bo woII in den attaqnirten 
Reaollin,dau Leopolts- Bastion die GallariS an der Preche vöUigangeschlosfien, 
an der Josephs-Bastion aber zu der Schlicsßung noeh ein kleiner Schritt 
^rett hat. 

Den 31. Ootober den attatiuirteu Reuolliü vtnb 6 Vbr abends gestirmt 
md erobert, hingögeu Hl>er wür viill lu den Rediiit vnd TenailUe die ganse 
Nacht hindurch biß den andern Tag gögen 10 Vhr in stetem Feuer ge- 
halten, entliehen aber auch verlasßen, %-nter deB aber hat der Feint an 
Leoiiolt-BastioD bey geschloQener Galleri^ srhon würkhlichen sich an- 
gehenckhl, warjberhin von vnß auf beiden gelegten Frechen (vmb den 
feinüichen Sturm abzulialten) ia der BreJI« der gelegten Frechä große 
Feuer gebrent worden, vnd hiuter Boli'hen der Überrest von der GnamiBon 
in ihren Einsahn eidungen, vnd Tranchementen iu Heserua gestauten, nach 
dißen aber (weÜeu der Haubt-Sturmb , so in ein par Stundt mit 
80000 Man geachelien wäre, wögen Schwöche der Manschafft vnd Menge 
Pleairten vnmiglich mehr zu erwarten gewößen) haben wür den 1. 9br. 
mit gauKer Gusmisou gögen 9 Vhr fruehe die Statt ohne Capitullution 
verlasßen, vnd vnß von beiden Frechen neben Hinterlasßung auf ieden 
j'beraU aiu Eaubttnan mit 150 lusamen 300 Man von beiden Füglen 
die Scblöaßer reterirt, auch yeue Manechaft, so der H. Comcndant von 
Statt in die SchlÖeBer zu gehen zu vUl sein geglaubt hat, sambt Ober- 
Üntergewöhr, von allen Butallions wöekhgeiagt vnd dardurch mit 
fmen Wöckhgei^en, dann Flesirten vnd Kranckheu in die 3000 den Feint 
m freyer Disposition yberlaaßen wordfn, darauf hin nach dem wür vnß 
sambt denen zurugbgelassenen 300 Man, welche Arieqnardo gehabt, 
reiirirl habou, ist ein Corps von der Noblesse, dan die Burgersoliaift ieder- 
,thaill mit einer weüJen Fahnen auf beide PrechS gcloffen, vnd den Appell 
ihlagen auch mit den dnc de VUlara etc. zu capitulhreu verlangt, 
:ber aber ihnen sülclies erstlich absolute abgeschlagen hat, vermeldend 
diBeB nit ihnen, sondern der Guamison gebihrendt seye, doch aber 
flUfieltig kniefallenter Bitten sye beyde Thaili auf Dischretion an- 
Nachdeme nun der Feind yber die Freche hinein geloffen, 
woU von vnli verlasflenen, EilB von den Feind gelbsten eine Blin- 
ig abgesezt, doch aber durch die feindliche Granadirs g-leich abgestÖlt 




I 



trorden, bev Ankbnnft des duc de VüIktb et« in der Statt, bat 
bititerüuBeiie Plesirle md Knuukhe HÖckh^iagte mit allem bi 
Hemet Boßgeangea, vcd auf kheine weiß vor Krieg^gefsug^ae erkbol 
Hmdern diße xa uuß in die Schlösßer zu bringen expreUe anbefobli 
weÜen ab«r der Comendant Herr GeDPrall v. Harsch umb die E 
aich das gerini^xte mehr angeDuminea, noch vilJ weniger in die Schlot 
eingeiaxBen , hat Monsieur de Vitian et«, gedachte SCMXI Mann i 
auch hiDlerlagseoen OfKeien, vnnd andern Frauen, Kindern ohne Distinction 
etner Qoallitet, welches auch mein aigene Frau nlß »ehvaager vnd mehr 
Danieo von Herrn Ofliciren <?rfabren, in die Kirchen vnd Closter geiagt, 
einapim md vermachten lassen, auch bey henckhen to woU geistlich atii 
weltlich Fenohnen verhotten jenen 300 Man lambt Weib vnd Kindern, 
kbeinen Tropfen WaBer noch Brodt zu liefern, außer es würdt von deueu 
SchlosUern (bo von den Feint entlichen in den .SlilUtant paßirt) ihnen ge- 
linteht, welches auch die arme q Soldaten alda io ihren Meillem das jenige 
Brodt, Trssclien H. Generali Harsch das geringeste vou Mogadn permittirt, 
enpart, vnd teglioh in die Statt geschiokht haben, lu allen dißeu ist von 
dem Feind nodti geschlosBen worden, bey ferner thaurender Belagerung der 
S(iil5i8er, alle OfAcierfrsuen, Weiber vndEinder.filesirt vnd kmuckheOförier. 
auch geMnbtt: hinterlaaeene Soltateu, auf ihre jiemachte Battrieu £u söieu, 
oder aber tu ruBer Contra- Scarpä zu iageo, auf daß sye von vnß aelbsteu 
sotten todt geschosßen werden, yber iliBe vorgenomene Tyraiiisß ist den 
]ieD November mit den Feindt ein Stillstandt Iractirt vnd ein Courier zu 
Sr. Hochförstl. Durchleicht Eugenio, wegen ferner Dötigen Ordere al>- 
geschickht worden, bei Änkliunft des abgeschickhten Courirsauf ein NeuM 
widemmli von den Feiut eia Stillslant begehrt wä eo dan Herr Gouerall- 
Wachtmeister Baron vou Wachtldonck abermall zu bomeltor Sr. Durch- 
leicht etc. mit deme, daß die Schlösßer in allen, in Specie in deu 
Holz ao schlecht sein verßechen, daß ako vnmiglich sich lenger au defeit- 
diren se;e, vnd die ganze Guaroison, so in 16 Battallioiis bestanden, Gheslur 
tagen all^ Kriegsgefangene Eich erhöben mießen, abgeordnet worden, der 
hernach m beiaer Retour von gedachte Sr. Hochfürstl. Durchloucht die 
gnedigste Ürd^re der penuittlrteu Capitulatiou mitgebracht, vnd als den 
10. bemelter H. General Wachtendunck, ich alß Obrister, dan ObrisUieut. 
(iraff v. Erbs, biß 17, in der Fruehe gegen 2 Vhr mit duc de Villar> ett.. 
Conte de Burg vnd Int«ntanton etc. die Capitulation beschloßen haben. 
alß mit 4 Stuckh vnd 2 Merßl, klingeutea Spill, fliegenden Fafatien, ge- 
schulterten Gewöhr auß zu marchiren, welcher Äbmarcli noch 6000 Man 
starckh gewest, vntcr desllen aber ich vnd liemelter Obristlieut. hifl diu 
posten gogen eiuauder einselifert , alß Ueißl l'ey dem duc Villars etc. 
verbleiben haben mießen. Wehrendt vufterm Abmarch hat sich das feinl- 
liebe Corpo, allwo wür paßirt sein, in 2 Linien ranchirt vnd niit praeeenlirten 
Gewöhr sambt gepUanzten B^jonet Parade gemacht, die feniers gemachte 
Accordipuncten werden woll gedrucklitra- khouit^o. Der Feint, weilten i 



Aktenstücke zur Gescliiclito der Belagerung Freiliurge 1713 101 

Officier alle Pl'ert verloliren, bat vuli seine Dragoner-Pferth üii reiten ge- 
göbeu vnnd etwas wenig an Vorspan wagen, die ybrige von unß wenige 
Bagage mit Coroaniiirtea von ieder Battallirm (vnib difle nachzubringen) 
znruckhgebliben, Pleairt« und Eranckhe, bey welchen der Obristwachtm eiste r 
Gniff von Yheraokher und Khnya. Obercomiflarj von Ulberstarf comandirt, 
sein biS zu ihrer Bosfierunfi' gleichnieAig zurughgelaßen vud das Brodt 
moch ander« Nöttige tm reichen von lien Feint versprochen worden. 

Nach all dißem hat sich die Guamhon nach Rottwetll unter Coinando 
Sr, Excellenz v, Vuohon etc. biß auf fernere Ordere Sr. Durchleucht Prini 
Eugenio gezogen. 

»(Auf der Aolienseite: Notata waß in der Bolegerung sich eraignet 
bBtl. 1713.) 
Die nachfolgende Chronik, die schon von Schreiber 
(Gesch. d. Stadt 4, 242 fF.) gebannt und benützt worden zu 
sein scheint, ist erst 1715 niedergeschrieben und zwar, wie 
deutlich iins ihr hervorgeht, mit Hilfe von Augenzeugen der 
Ereignisse im Augustinerkloster. 

Aus einer Handschrift der LeopoId-SophienbibUothek zu 
l'eberlingen. 



Die Belagerung von Freyburg im Breisgau anno 1713 
zusammengeschrieben durch Fr. Pel. Wampe, Ingen. 

Man&th September 

Am aoten Herbst Monath erschien Villars (wHT ehemalB unter 
Iionis (dem) XIV Gonvemeur in Freyburg) der franzöflisehe Heerafiihrer 
mit 160000 Kriegern vor unser Stadt. 

Noch diesen Abend gegen 6 Uhr bestiegen lOOOO Mann unter An- 
(Bbrinig de» Generals Affeid den am Dorfe Herdem gelegenen holien Borg, 
nnd lieetiirmteu dait auf dem Gipfel vor kurzem von H. Lieutenant de Rotli 
angelegte Bollwerk Roßkopf genant. 

Der Feind war in einer Stund im Besitze dieser Verschanzung, Von 
den unerigen blieb ein Hauptmann mit vielen Soldaten. Der Rest suchte 
in einer eylfertigen Flucht Heyl, ein .StücksohuB vom obem Schloß ver- 
kündigte der Stadt diese feindliche Eroberung. 

Den 91t«n. Von dieseni Berg verbreitete sieh der Feind über die 
^^CarUiaui biß an das Dorf Kbuet. 



11)2 P. Albert 

Den 23teD. Heute dehnten die Feind ihre Lioieöt 
tlial. Gegen Abend wurde die vor i Jalir mit großen Eöston errichtete 
Kirche in der Wühre, der dortige Spitall, das gantze Dorf, die Klühleu 
vor der Stadt und alle Garten-Häuser abgebrannt. 

Den Seten. Ware die gautze Vöstung von dem Feinde umsohJoßen 
und «elber alle Auswärtige Gemeinscbaft abgeschnitten. 

Don 28ten Morgens gegen 7 Uhr, schnitt der Feind die zu denen 
Stadt-llrunnen fUhreude Wasserleitungen ah , aus ElaaQ , Sontgau und 
Burgund kameu SO 000 Baaaru zur Erofnung der Laufgrabon an. 

Den 29ten wurde ani Bromberg eine breite Straß eröfnet, welche 
zur Herbe)- führ II ng des Proviant der Stüke und Krigsgei-Sthen dienen solle. 

Oclober. 

Den Iten in der Nacht machten die Feinde mit ErÖfnung der 
Laufgraben vor dem Predigerthor im Weinberge des Kauftnans und Raths- 
berm Uarth den Anfang, Mit Anfang des Tags sut-'hten die Unsrigen 
durch Cunoueufeuer und Bombenwerfeu dem Feinde seine Arheith zg ver- 
wehren oder wenigstens zu erschweren. 

Den 2ten wagten die Unsrigen einen glücklichen Ausfahl, veijsgtm 
die Feinde aus ihren Laufgräben, tödteten viele femdliche Dragoner und 
eroberten drej Fänchen. Hierauf wurde aus der Vöstung bis Mitternacht 
eannonirt. Heute erging von Herrii Generali v. Harsch das Verbi.'tl die 
Gloken zu leuthen. 

Den aten. Die Nacht von 2ten auf den 3ten hatte H. Obrist Ueber- 
aker des Saltzburgischen Kegiments die Wache mit 1300 Mann in den 
Contre-Scarpen, gegen Abend thaten die Uuarigea einen an sehn liehen 
Ausfahl. Ma» wurde handgemein, indeßen daß aus der Vöstung die 
feindliche Aprocheen unausgesetzt mit Bommen und Hageigeschütz be- 
unruhiget wurden. Diu Feinde fingen nun auch au, gegen das obere 
Schloß zu sajiiren, aber die lebhaftesle Gepeuaustalteu dos tapfem Com- 
mendanten Dominio vereitelten die feindliche Vorkehrung und durch einea 
Ausfahl wurden die Franzosen biß an die Hammerschmitten mit beti'ig' 
lieben Verlust zuruk getrieben. 

Den Steu frulie Morgens halb 6 Uhr hatte der Feind hinter den 
obem Schloß eine Baterie von 10 halbe Carthaunen errichtet and apielton 
mit grosser Lebhaftigkeit auf die Üastvyea des obern Schloiaea. Dk die 
Richtung der feindlichen Stuken zu hoch wäre, so bescliädigten die ihr 
Ziel überfliegende Kugeln viele Häuser, insbesondere das Münster und 
dessen Thurm. 

Den Sten frühe Morgens um & Uhr wurde aus B zwisclien d«in 
Prediger- und Lämmerthor errichteten Sattenen ein ununterbroctiBWs 
Feuer auf die Basleyen der Vöstung gemacht. Mit der neUmlidta 
haftigkeit wurde auf das obere Schloß genpielel. Eine Boramo 




Akteosiiicke zur Ueachicite der Belagerung Freiburgs 1713 103 

dem Domioicanerplatz 8 Soldaten. Im Oastbaa« zum Adler nalitn eine 
Stukkagel etnem Uäd^nea den Sclienkel weg, diese Xai'ht wurde von bejden 
Seiten anaufhörliuli Bommel unil Stein geworfen. 

Den Tten fräb nm 5 Ubr wurde das feindliche Feuer aus den 
3 Batterien sowie auch auf den Basleyeo des oberen Scblusses auf das 
lebhafteste fortgesetzt. 

Der Feind wapte es, das neue Lunet zu »türmen , wurde aber 
rakgetrieben, unsere KonstÄbler demo&tirten die Stilke einer gantseu 
feindlichen Batterie. 

Den Sten. Ein starker Nebel bindert« die Feinde ihr Feuer fort- 
■etzen, and den (^anCzen Morgen schwie^'en die feindliche Cauonen. 
e ansgegangene Partye der Unsrigea brachte einen Obristen und SO Ge- 
e tiüt 9i(:b. Abends gegen 9 Ubr schlugen die feiudlithe Bommen 
t Uauser bei dem Lämmerthor zu Boden, auch der Glotentburm der 
liflcaner stürzte ein. Eine Glokc der Dominicaner wurde zertrümmert 
ein Ek ihres Kirchtbnrms abgerißet). 
Den 9ten war von beeden Seiten du lebhafteste Feuer; in dei- 
Schuhmacber-Gsese wurde ein Burger erschlagen, 3 andere todtlich ver- 
wundet. Heute fiel die obere Scbloli-Gemisou aus, .jagten die Franzosen 
ftns der Schnekenachanz (das Loch genannt) , woijey der Feind einen be- 
trächtlichen Verlust erbtte. Aoser der Vostung wagte der Feind eineii 
Angriff auf die Contra-Scarpen, von uuaem Grauadieru aber wurde er in 
aeine Approcheen ;enrukgetriebcu^ 

Heut wurden alle Ordens-Leuth samt den Jesuitten zum Generali 
Harsch berufien, und ihnen der Auftrag gemacht, daß alle Nacht ein 
Oriienuniann sich in die Contre-Scarpen verfugen solle, den Sterbenden 
beyzustehen. Die Einwendung der Ordensgeistlichen war, daß der Soldat 
dem Todt entgegengehe and eich also schon zuvor liereiten könne, Bürgern 
und Blessirten in der Studt Hülfe zu bringen, würde ihr unausgeset-ite 
BeschÜHigung sein. Der hierüber erzürnte General drohete ihnen mit 
dem Finger, am allerhiichsten Orth diese Autwort anzuzeigen und ließ 
sie sogleich in Gegenwarth des Generalien Weitersheim in sein Belagerungs- 
Prothoool eintrage u. 

Den loten. Nächst dem .Tesuiter-Collegio entstund duri'b eine 
Bomme ein Brand, wälirend dem Löschen nahm eine andere Bomnie dem 
Philip Strom Zunftmeister den Kopf weg. Eine Bomme zerschmetterte 
in der Jesuiten-Kirche den Ignatius- Altar, nod dessen Beichtstuhl, die 
BÜldnüß aber bliebe ohnbeschadiget. In das Dominicaner-Closter flogen 
heül 3 Bommen. Diese Nacht bestürmten die Feinde 2mal das neue 
Werk, wurden aber beedeniabl mit Verlust zurück gelrieben. 

Den Uten. Den gantzen Tag war eine unausgesetzte Canonade von 

'on denen an das Urth der Bresche commandirten Soldaten 

B tigltch viele verwundet, und in die Klöster zur Pflege getragen, 

' 2(aoht tielau die Unsrige Smal in die Aprocheen des Feinds. 




104 



F. Alben 



tödtelea viele und ketirten mit eroberten ScbBufeln und ScbmitzkÖrtMÜi 
znrtik, Indeßen flogen becdereeita eine Men^ BommeD. 

Deu IZteo. Unausgesetzte Canouade, die KuL'leti beschädigten viele 
Häuser, besonders die zwischen dem Prediger- anil Lämmerthor gelegen. 

Den ISten October den gsntzen Tag wäre ein immer and&ureadei 
Ca nonen- Feuer. Abends wagten die Unarige einen prlücklicheo Auaüall, 
mit sehr betmthtiicheu Scbadeu des Feindes. In der Rükkehr vom Aus- 
falle ans dem oberii Sc-hlolS sind dem Uijor v. Kreitzberg von einer 
feindliehen Bomme beyde Bein abgeseblagoo worden. Noch vor seinem 
End legte er die Römische Glauben sbekäntnüß ab, und verließ die Pro- 
test au tische Kirche. Diesen Tag sind alle Religiösen auf Befehl des Generali 
HarBcli zu H. Stadtpfarrer Doctor Helbliug beruften worden und der 
Auftrag gemacht, daß alle Nacht ein Ordeusmaun auser dem Christophels- 
thor in dem Wachthaus verbleiben solle, denen in Ausfalle vernnglökten 
geistliche Hülfe xu leisten. 

Den 14teu Abends um halb 6 Uhr thaten 700 Mann der Uuirigen 
unter Befehl des H. Generali v. Weitersheim und Ubrieten Tillier einen 
Ausfahl, zu uemlicher Zeit rukte der Feind an mit 8000 Manu die Oontr4- 
Scarpen xu bestürmen, das beederseitige Feuer war entsetzlich und hielt 
bey einer Stund Imm au, aus der Vöstung werden unaufhorlioü Bommen 
geworfen, und Stüke losgebrand. Beederaeild wäre die Anzahl der Ge- 
tödten beträchtlich; unter den Todten war H. M^or v. Rülling, Saltz- 
burgischen Regiments. General ^Veiterbbeim und Obrist Tillier wurden 
gefangen. Abende um 6 Uhr braute die angefüllte Scheuer der Frau 



. ScbÜD 



t ab. 



I 



Den löten. Ein imaufhörliclies Canoturen von beeden Seiten. 

Den 16ten. Das Cannouireu dauerte von B Uhr bis Mittag, wo 
Stillstand gemacht wurde, die beederseitige Todte zn begraben, H. M^jor 
V. RöUing ward ohne Kleider unter den Todten gefunden und in das 
eher der Augustiner-Kirube mit militärischen Fracht beerdiget. Der 
Stillstand dauerte biU Abend <i Uhr. Die Nacht ward mit Bommen und 
Steinwerfen durchgesetzt. Den Bürgern in der Wolfshühle wnrde angesagt, 
ihre Hausdnciier abzutragen. 

Den ITteu. Das Ganonireu dauert« biß 9 ühr, dann ward Stillstand 
bis 13 Uhr, die noch übrige Todte zu begraben. Nach geeudigtem Still- 
stand wurde das heftigste Canoneu-Feuer biß in die spEte Naeht fort- 
geaeüit. Heut ließ Villard durch eineu Tambour gegen einen ehren- 
haften Accord die .Stailt auffordern ; die Naebt durch war ein ent«etEUcbes 
(!'anoQen-Feuer und Bommenwerfen, dem Hauptmann Eleo wurde bojin 
Mittagmald auf dem Wall das Sohulterbtatt und der halbe Kopf dnrA 
eiu über du Schloß daher geflogene Stuckkugel weggesuhoBeu, er woidtt 
in der Kirche der F. F. Augustiner begraben. 

Den ISten mit Anbruch des Tages fing die C&nouade wieder an, 
indeßen daß semtliche Stünde über du Aufgebotb des Villan aioh ber«i^ 




Aktenstücke zur Gesehichte der Beiafteruiig Freibiugs 1713 lOä 

ftgten. Klöster, Bürger und Inwohner inuateu heut Blej* in das Zeip- 
B liefern. Das Kloster der F. V. Augustineni lietraf 80 Pfund. 

Ben IQteD, Am Tage unausgesetzte CnnoDade. Dee Nachts ein 
dicbes Bommenspiel. 
n 20ten. Den Tag duroli heftige Cannonade, Nachts Bomroenapiel. 
n alten. Wie voriKe Tage, der Magistrat gebot hey Strafe der 
nhang, VierliugsfiisBer einzuliefern. 
Den 22ten. Wie den äOten Cannonade und Bommenapiel. 
Den 23ten. Heut versuchten die Feind mit Schautukörb und Woilen- 
iQ gegen des obere SahloÜ anzulaufüD, um unter Begünstigung dieser 
loUwerke sieb einKUschantzen. Conimendant Dominic lieS HOgleich Pech- 
z auf die Wullen-Säk werfen, 5 angezündet« Bommen stürtztsn zu 
eicher Zeit, zerspi'angen, zerschmetterten die Scbantzkörbe, Feinde und 
■Tollensäcke. Ein unordentlii'lies Oeschrey der Feinde begleitete ihre 
Hrlfertige Flucht. In dieser Nai^ht sah man ein großes Feuer gegen Horben. 
Den 24ten. Wie vorige Tage. 

Den S5tQn. Die feindhche Batterien sind geändert. Die Augustiner- 
Kirtfhe bekam einige Slükschuß, ein vorbeygeheoder Soldat wurde er- 
schlagen. £in vom Fortal der Jesuiten-Kirche herab geschlagenes Stück 
todtete gleichfalls einen Musquetier. 

Den 26tea, Feindliche Bommen haben die Brüke zur Lunette 
ruinirt, 20U Soldaten musten also 'i gantze Tage und Nächte ohne Lebens- 
mittel jenseits verbleiben. In der 3ten Sacht wuriien sie durch Nachen 
^—gtüklich errettet. 

^^L Den 27ten. Den gantzen Tag Cannonade und Bommonspiel. 

^^L Den 2Sten. Wegen eingefallenen Regeuvi/etter hörte man nur eu- 

^Hlrnleo einen Stitckschuß, Nachmittag und die Nacht durch war das 
^^Btouer desto belliger. 

^^L. Den 29ten. Der Feind machte alle zum Sturm nÖthigen Vor- 

^^Behrnngen. 

^^B Den 30ten. Diese Nacht zog die gantze Garnison auf und erwartet 

^^Bb& Sturm, das an der Bresche augelegte Holtz wurde angezündet, um 
^^Ham Sturm Inuhalt zu thun. Dieser unterblieb. Es wurden unaufhörlich 
^■•Bommen geworfen und gewechselt. 

Den allen. Mit Anbruch des Tags erwarteten die TJnsrige den 
Sturra, man begnügt sich aber den Tag und die folgende Nacht durch 
mit einer fürchterlichen Cannonade und SommenspieL Die Innwohner 
diese Nacht mit heftigen Schrökcn erfült, sie flüchteten sich in 
Nacht in die Klöster. 



^^«■ren 



November. 

Generali Graf v. Harsch, der wahrnahm, daB die Bresche zum Sturm 
hinlänglich gelegt, auch alle Sturmanstalten vorgekehret sein, und der 
^eind mit SO 000 Mann zum Sturm anruckte, commandirte 600 Mann aof 




I 



106 P- Albert 

die Brfubä, und tog aiob mit der ganzen Garniton, ohne mit dem Feil 
einen Accord gfemaebt zu habeo, auf das untere Schloß. Diese Krtiiade 
verbreitete allgemeinen Scbröken, allea lief den Kiri'hen uud RlÖBteru 
eylfertigat zu, dia auf der Brescbe zurück ^elaßene 000 Mann, um nicbt 
ein Opfer der feindlicbeo Wuth zu werden, warfen theils die Gewehr wfg, 
theils fliicbteten sie sich mit dem übrigen Volk iu die KlÖBter. Die nncb 
in der Stadt an verschiedenen Stellen postierte Dragoner benutzten nfh 
der Verwirrung und pländerteu verBcLiedene Häuser, die im Stokhaus ge- 
fangen flitzenden Franzosen brachen aus uud plünderten ebenfallg. General 
Harsch wolinte die Zeit der Belagerung durch unter dem Christoph elitboi 
in einem engen, aber wohl verwahrten Gewölbe. In iliesen suhröklichen 
Augenblick fast« H. Ferdinand Mayer J. U. D. und Stadtschreiber den 
Muth, ejlte, von Norbert Wüst Bildhauer begleitet, mit einem wevien 
Fahnen unter äusorsten Getahren an das Orth der Bresche, stekte deu 
Fahnen au« und schrie um Gnade. Zum Gliik commandirte der mensohen- 
freindliche General Dardaniam in den Aprocheen, er commandirte also 
gleich einen Hauptmann auf die Bresche, die Anfrage zu thun: Ob dem 
also, dafi der Generali mit der Mannschaft von der Bresche abgewicboi 
seye. Er ertheilt unter den Seinigen den flchärfesteu Befelil, daß kein 
Offizier oder Soldat durch die Brenche in die Vöstung eintreten solle. In- 
dessen werden die stark verpallisadirte Zugang erüflnet. Ferdinand Hart- 
mann V. Sikingen, Praesidenl des ßitterstandea uud be)iagter Dr. Mayer 
TBrfdgten sich üu Fuß nach Zähriugen zu dem duc de Villard und bathra 
fußfällig der Stadt mit Raub und Mord au verschonen, dieser Bilte wurde 
zugesagt. Bey der ßukkehr des Herrn von Sikingen und Dr. 3[ayer 
wurde nachmittags die ruinirte Briike mit Brettern ausgebeßert über welche 
ein Battailon von Königlichen Leib -Regiment einmarscbirte. Einig» 
Compagnien dieses Battailons marschirten mit gespannten Hannen äir 
Grünerwald egasse gegen das Augustiner-Kloster heran, unsere vor dieser 
Kirchlhür postirte Dragoner stiegen sogleich von ihren Pferden ab, Waflen 
und Montur wurden ihnen ahj^notnmen. Indessen breitete sich die 
übrige einmarsi'hirte Mannschaft durch alle Gassen aus. £inscbiehlige 
Plünderung konnten alles Verbols ohngeachtet nicht verhindert bleiben 
Viele von den Uosrigen in der Stadt lurüok gelaUeue Krieger Riichtetan 
sich gegen die ScblöHer, von denen sie aber ausgeschloßen worden. Si« 
waren von den Franzosen von allen Seiten in die Enge getrieben und 
flohen in die Kirchen und Klöster. Vor allen Thüren des Angnstiner- 
Klusters wnrden sogleich Wachteu ausgestelt und Wacbefeuer angezündet. 
Beede Conventer waren mit 300 Blellirteu angefiillet, das gantie KJoater 
wurde genauiet durchsucht, um aber einige verborgene Bqtiirag« ta er- 
haschen. In der Kirche waren bey 600 Soldaten, die Weiber kochten 
in selber und gehährten. Den Vättem AugTiatinern ward verboten den 
bey ihnen üeeendeu Gefangenen Brod xn reichen, sie sprangen ihnen doch 
bey, nach allem ihrem Vermögen, die Hnngrige xu speisen, obgleich einige 



Aktenstücke nir Geachiohte der Belagerung Freihurgs 1713 107 

derselben Hungers stürben. DieBes YerboU hatte darinnen aeinen Grund, 
um den General Harsch dahin zu bewegen, Proviant fiir die Gefa.ngene 
tau den Sditoßem ku «chickea, noduruh an den Lebenstnittela naf den 
SchlÖBsem einiirer Abtrag geschehen könnte. Der Kranken und Bleltirten 
stürben so viel, daß nur in dem einzigen Augustin er-Eloster mit an- 
brechendem Tage öfters 7 bis B Todtc im Kreitzgang lagen. 

Den ISten brennte aus Fahrläßigkeit der Franzosen dos beim neuen 
Kloster gelegene Zeighans ali. Der Ort gehörte den P. P, Wilbelmiten 
ehemals, welches sie nach der ersten Belagerung verlaBen und nach Ober- 
ried gezogen. 

Weil die Garnison sich in die Schlößer geworfen, so machten die 
PranzoBCD schrökliche Vorkehrung zur BeHtürmung der 8chIÖßei\ Vom 
Christo phelsthor die NußmanßgaOe hinauf, biß gegen die Sapientz, nun- 
mehr aber Arme Spitbal wurden Laufgräben aufgeworfen, eben solche 
vurclen die Ffaffengaße hin aufgezogen. In der Woifthiililo worden Batterien 
errichtet und Stüpke aufgepflanzt. 

ludeßen wurde mit Vorwiesen Duc de Villard der Artillerie Major 
Heintzen zu Frintz Eugen mit Briefen abgeschickt, da aber die Ruk- 
äuserung nicht nach Wunsch ausgefallen, so wurde Generall-Major 
T, Wacht tnthuug, Teutsehordensritter, nachmalen ;tum Frintz Eugen ab- 
geordnet, welcher die in den Schloßem herrschende Noth an Holz etc. 
eiBdringlicIi Torstelte. Diese Vorstellung würkte die Erlaubniß, mit den 
FraDEOsen za capituliren, aus. Die Capitulation ward in der Nacht vom 
J6ten auf den 17ten Sbris geschlossen und die Gefangene wurden sogleich 
aus den Kirchen und Klöstern entlaßen. 

Den ITten zogen die Gefangenen ab, die Kranke und Verwundete 
worden nach Villingen abgeführt. 

Den 20teD zog die auf den Schlößem gelegene Garnison mit allen 
militairischen Ehrenzeichen mit 4 Stiiklein, 2 Mörser etc. nach Villingen 
und Rotweil ab. 

Gestern forderte der Magistrat unter Bxeoution-Bedrohung von dem 
Kloster der P, F. Augustiner 500 Franken au französischer Contribution. 
für Auslösung der Gluken wurde verlangt 150 fr. Von jedem S5 fl. 

Anno 1714 den öten May wurde mit größter Feuerlichkeit dw 
zwischen Carl VI und Louis XIV gesehloßen Frieden kund gemacht. 

Anno 1716, den 18. .Taeoner kam Graf Ferdinand von Harsch. 
ale Kays. Gubemator mit 3 Regimenter v. Stahremberg, Ventli und 
Schweitzer an. Auf der Schwabsbrüke (die Uibergab geschähe auf der 
letzten Falibrücke vor dem Schwabsthor) übergab Goberueur FeyeL dem 
Comtnendanten die Sehlüßel der Stadt. Der gantae Mas.'istrat wohnte 
dieaer Feyerlichkeit bey, und der ntädtiache Syndicus verherrlichte diese 
Handlung mit einer schicklichen Anrede. Gleich nach Uibergab der 
Schlößer verfügte sich Frintz Eugen und Duc de ViUard nach dem 
^^^utadtar Schloße, um Friede naunterhandlungen anzufangen. 



108 F. AJberL Aktenstücke zur BelsfieruDg Freiliurgs 1713. 

Nach den ReicbssatsuDsen sollten die Friedensroraclili^e in dentaobet 
oder lateiiuBcher Sprache eotworfen werden, dtt aber VUUrd keine dicaer 
lieeden Sprachen liioläDglicb besaß, so wurde dieaeBmaJ von dieser Streng« 
liegen Revers de uon prejudicando abeewichen und die Friedeus-Elntwürffe 
in franzÖBiflcher Sprach abgefast. 

Um diesem (teschlosaenen Frieden mehr Feyerbchteit ca geben, 
suhlug der Eayaer 3 Städte der Eydgenolienscball vor, als SchatTliauwn, 
Fraueofeld und Baden, lui welchen der König die leUtere zur feyerlicheD 
Priedens-£undmachutig wöhlte. Unter den Friedena- Artikeln war, daß 
der König dem HauH Oesterreich Breysaeb, Freyburg und Kehl zurückitelle, 



Zur Geschichte des Freiburger Buchhandels im 
15. Jahrhundert. 

Von Peter P. Albert 



lieber die AnlUuge und erste Entwickeliing der Bucli- 
dmckerkunst zu Freiburg üu Breisgaa sind wir im allge- 
meinen hinlänglicli unterrichtet. Heinrich Schreiber, der 
verdienstvolle Geachichtschreiber der Stadt, bat mancherlei 
in dieser Hinaicht erforscht nnd veröffentlicht^), und zuletzt 
hat Fridricb Pf äff in einer „Festschrift zum 40l)jährigen 
Gedächtnis des eraten Freiburger Bucbdrucka 1493" im Jahre 
1893 (Freiburg i. Br., Herdersche Veriagshandlung) zosammen- 
fassend über diesen Gegenstand gehandelt. Durch ihn wissen 
wir, wie trotz des Vorhandenseins einer Universität das 
Drnckergewerbe zu Freiburg erst verhältnismäbig spät seine 
Jünger fand und wol noch im 15. Jahrhundert einen vielver- 
aprecbenden Anlauf nahm, dann aber mit dem 16. Jahrhundert 
aaf lange Zeit zur Pflege dea Kleinkrams herabsinkt, um 
erst im 19. wieder einen bedeutenden Aufschwung zunehmen.*) 

Weniger gut steht es mit unsem Kenntnissen der Ge- 
schichte des im unmittelbaren Gefolge der Druokkunat be- 
findlichen Buchbandeis im Kreise der Stadt Freiburg. Die 
ältesten sicheren Nachrichten über den Freiburger Buchdruck 
gehen bekanntlich auf das Jahr 14',t2 zurück. Am 23. August 
dieses Jahres schlössen nämlich Wolf Lachner, Buchführer 

') Hierher ge}iürt besonders seine Feitrede bei der vierten SÜkular- 
feier der Typographie am 24. .Tum 1840 über die , Leistungen der Uni- 
venitÄt und Stadt Freiburg i. Br. fdr Bücher- und L Findkartendruck''. 

') A. a. o, 8. 21. 




110 P. Aibert 

HU ItitHiO, luni Kiliiiii Fisi'her aus Ingelfingen, Bnehdrndtcr 
xn Freiburg, einen Vertrag, wonach Fiacher dem Lachner 
'JW Htlt'hei', „nßuilioh Roncim Vunturam", d. i. Bonaventura, 
bin nliohatc Fastnacht (19, Februar 1493) zum Preise von 
ISO Ouldcn drucken und nach Basel liefern sollte.') 

Zu diesem, die Geschichte des Buchdrucks wie des Buch- 
hmulcU glcicht^rwcise beleuchtenden Vertrage hat sich nun 
in d<>n BoAUlnden des hiesigea Stadtarchivs') ein doppeltes 
SeitenaHtok gefunden, das aus seiner bisherigen Verborgen- 
heit hervorjreiogen t.\\ werden verdient. Die eine der beiden 
Urkunde», vorn ilO. Oktober 1492 datirt, ist ein Geschäfts- 
\"erlrag awischen dem bisher unbekannten Freiburger Ve^ 
logvr BomhKrd Keicheulmch und Hans Herlin, dem sattsam 
bfkanutv'n IVviburger Buchhändler. 8ie lantet: 

Irh B«rtihart Itjvhvntiacb an änem ond ich Bans Herlin audenn 
inl, b«^) burnwr m Fribur^, bekHUKnd offenlich an düem brief, 
lU* / wir (Hcatfttig gntilfttcÜch*r gtawinsAuA uns Tnreint halien. 
Abo tMonlM bab iA Hau BertiB tob jwUg g u annttm Berakart 
K7«WM.'lMMk VMthaaiWt tiwsokcr gaMä in gold, di« alleia von 
im ^MT^nft, b«B n »ja« luadea ^mftaagtm. Dieaelbeo enmD 
g«MiM Ml «Mt wil Mb ttn WhIm u «b« kamt ct&hr Ukber, 
«•MmtM MMh gttt mmI gtmviiM x bedacht, bMmde« ntd ao6d 
w Hdi gepüit, M 
m*i, wtriba nd girita fliB, aie 
, ^MN biMHir M> 4m gfch mmb «ig» p««b gancht lab, 




Zur Gescliiclite des Freiburger Buchhandele im IB. Jahrh. Hl 



gewerb mit fürung zollen , 
oder suät gnt gewins vor ' 
zerlegt und uDser yedem c 
: houptgut 



gleiten uud usserthalb Fribitrg zerungen 

iftDd sin wird, der aal iu zwen glich teil 

in teil werden. Und ob wir beid oder 

disen gewerb legeu wollten , das mag 



yeder uf die jar rechnung tun und sust nit. Damach eoI \ 
von soUchem Bioem nuw ingelegten houptgut Bovil gewins werden 
als Bich davon nach markzsl gepürt. Ich obgenanter Hiina Herliu 
BOl und wi! ouch eberürt zit genteiter gattung halb niit keinem andern 

Igetn ein Schaft haben, eunder mi;:b Brillwercks und andrer, so bald 
Ich mag, entschahen. Ich sol nnd wil ouch fUrterhin all meBsen 
Bernharten Rychenhach oigeo und zaigea, weruf diser gewerb stand 
tand olle sin geatalt erberlicli und iiugeverlich. l'us beidersit sol 
buch 8uat keinerlei hantierung dann allein diaer gewerb der büoher, 
lovil von obberflrtem und anderm houptgut, so wir verrer in ebe- 
BÜmpter form zesanimen legten darrdrt , binden noch in gemein- 
achaft heften, und aller nutz, der Ton den gemelten houptgut und 
war geschattl wird, sol uns beiden iu obbestimpter gestalt dienen. 
Und nach verschinung gemelte"r vier jiiren oder anderer rechtlicher 
I endong diser geselbchaft, so wir teilung tun wei'deot, solleud vorab 
rnharten Eychenbach oder niineu erben die obberflrten vier- 
indert guldin in gold und sust keiner ftiulern werschaft houptgut 
pnd darzu was ich witer iugelegt liett , volgen und vorab werden. 
iTod ob ich Hana Herlin für mich selbst ouuh Ut inlegt, das solt 
r onch in derselben geatalt in soücher teilung volgen. Und vom 
nberpurs , so noch dannan war , bart^diaft oder schulden , die in 
einem costen ervordert und inhracht werden sollen, vor band sin 
, Bol aber der cost , wie oh lut , abgezogen und das übrig in 
zwen glich teil zerlegt und unser jedem ein teil werden und ge- 
diheu. Wurd aber nach min Hans Herlins gutem und getrüwem 
fliß an gemeltem houptgut oder an den bflchern, darus erkouft oder 
gestochen, oder au schuliUu eiuich schad und vertust zfin, davor gott 
sie, wievil sich dann desselben Schadens trSf, der sol an obbenlrteu 
vierhundert guldin houptgut unser yedem umb zweihundeit guldin 
aeverlust zugestanden Bin. Aber was usBerthalb den gemelten vier- 
hundert guldin yeder ingelegt hett, das sol im verlorn sin nach mark' 
znl. Und ob also der vierhundert guldin halb vor und ee ich Hans 
Herlin davon gewin empfangen hetf, on min schuld Verlust zustflnd, 
so aol derselb verlust allein Bernharten Rychenbach antretfeuj stund 
er aber zii nach empfahung gewins, so solt der halb vertust, wie ob 
lut, mir zÄvallen. Wurden wir oucli in diser gemeiusoliaft einich 



I 
I 



weg apeunig oder irrig', aladtton unseraogenlich ao! nnser jeder emen 
erber m&un bitten und dargeben, Beliehen span gätlicb zUTerhAreii 
und zeentBcheiden. Möchten aber dieselben zwen uns uit vereinigen. 
so eolleu si macht haben eineu obman zeoemeit, und wie dieselben 
drie uns entsubeident, dabi sollent wir beldersit ungewegert und on 
verrer uazug, rechtpot und appellieren bliben und dem nachkomen. 
Diu-uf globend wir beidersit für uns und unser erben dlse gemcin- 
Bchaft, meinung, puncten und artikel dis briefs stät zebalten, zevol- 
füren und gedulden , alles erberlich und ungeverlicli in craft di^ 
briefs, deren zwen in glicli lut gemacht und mit unser beider an- 
hangenden insigeln oll'enlicli versigelt geben sint am nechsten zins- 
tag vor aller heiigen tag nach gottes «naers lieben hen-eii Jesu 
Cbriati gepürt gezalt vierzehenhundert nüniig und zwei jähr'}. 

Die zweite Urkunde, vom ti. .September 1498, zeigt das 
Ende des vorstehenden Vertrags in seiner ursprünglichen 
oder erneuerten Fassung und die näheren Umstände der Auf- 
lösung und Abrechnung. Sie lai^tet: 

Ich Bernhard Vogt, frier Itiinateu meieter, rechtlich gesetzter 
vogt in namen Hanssimons, Bemhartä und MargretUns Rjcbeohacli 
geswistertig, Bernhart Rjchenbacha burger zu Friburg , setigen und 
frow Margreten Spitmennin eelicher kinder eins und icli Hans Herlin 
burger /u Friburg andern teils tunt kunt menglicheni. Als zwüsdien 
uns der / gemeinschaft und gewerbs etlicher bücher halb durch 
egenanten Bemhart Rychenbach seligen als verleget und mich Hansen 
Herlin als handler und gewerbsAber vergangner / jaren nach lut 
unser geeell seh a abriefen augenomeu Kweiung entstanden siiil , aUo 
doa ich Bernhnrt Vogt und der kind früntschaft vermainten , dwil 
die gemainscltafl durch unser abkündung eud hett, das dann Haiu 
Herlin uns unser houptgout . sovil Bemhart Richenbach selig bar« 
und ufgenomens gelts ingele^, ouch dderhar wir dargelUien hetteo. 
bar herusgeben uud dauu mit uns ein verstentlich recbnuug tun 
und wievil sich funde , das der gewerb über allen C09t«n gewin» 
trrtg, uns den nach markzal unsers houptgnta geben und dajnit an 
unseru oosten imd schaden all versessen, gevallen und ergangen zin» 

') l'org, Orig. An Pergnmpiitstreirea die sebr beschädigten Siegel 
dur hoiilon ÄusBttllcr aus grünem Wachs: 1. im Schild ein vou rechl? 
nach links llieQencter Bach; S. im Schild ein rechtaachsuender kampf- 
gsrilitpipr IviJwc, als Ildmiicr ein wachsender Löwe. Auf der Räck- 
MiU (leht: Ein ganciwetwAbrief i~>4'»n<) Hktx Hertin und Hicbntbach. 



Zur Gescliii'htt des Fretl.urgpr Btii'hhftQ'ipls im 15. .Tahrli. 113 

von ufgenomnem gelt entsprungen geuzlich abtragen, die kind und 
ire versetzte pfand davon lidigen und brief herua schaffen solt. 
wider ich Hans HerÜD vermeint nach gestalt der Bach und genieiii- 
schaft recht, dn-il kein borschaft noch houptgut vorband , noch 
in tninem vermögen wi^r, iiien desselben einichs binuszegeben nichl 
• sfillt 



schuldig sin, sondi 

gelegt hett, nachde 

alle bücher und < 

lieb ogen und, wi 

houptgut gebiirte, 

ovch nach ir inarkzal volgen lassen, 

sin. Und nachdem vormalen zwüac 



gelütert werden, was y etlicher teil 
ilt ein yeder gewin und Verlust tragen, Aber 
Bchulden und gegenschulden w61t ich in war- 
äich derselben war und i^chulden nach irm 
die mit beswSrd der schulden danif stonde. 
hoffung, in nit witer schuldig 
uns dieBetben spenn etlicher 



maß durch die filmenieu, ersauien und wisen Jacoben Muruer burger 
«a Straßhurg und Peler Sprüngen bui^er zu Friburg zu gütlichem 
vertrag geweget und aher dannocht etlicher artikel mißhell iind irung 
zwüechen uns bliben aint : bekennen wir offenlich an disem brief, 
das wir beid teil daruf in abweseu Jacob Murners die snch zu den 
hocbgelerteu, fürnemen und eraamen hern Andrea Helmut von Basel, 
keiserlicher rechten doctor, und Peter Sprüngen, burger zu Friburg, 
oligeuant genzliub gesetzt und frimutig, wie ai uns deren gutlich 
entscheiden und was si darus machen, .solichs genKltch on verrer 
weigeru, ziehen , appellieren und widertriben ze halten bi trllwen 
nn eiden statt glopt haben. Und siiit daruf wir beidersit durch 
dieselben Ewen mann aller obbestimpter irrung, zweitracht und 
spenn gütlich und früntlich betragen, also das ich Hanns Herlin den 
obbeatimpteu gewerb mit aller war, schulden und gegenschulden 
geuzlicb zu min banden haben boI und angenomen hab, uud Si'illen 
RychenbachM kinder uüt damit zetun haben weder zu genieÜ noch 
zu engeltni», Utid als ßychenhachs dargelegt und ufgenomen houpt- 
gut unil alle zina bis uf unser lieben frowen hiraelfart tag in disem 
Bchtundnünzigaten jar gevallen, zusamen gerechnet aint und sich in 
einer summ treffend drütuaend nilnhundert und vierzehen guldin, 
sollend davon abgezogen und nachgelassen werden achthundert und 
vierzehen guldin, Nochdann hlibeud übrig drütuKend und hundert 
guldin, die ich Uans Heriin den vorgeuanten tcindern schuldig bin 



und gelten sol. Uud gered für 
dem, irem vogt an ir statt oder iren erben zu 
wie barnach lut, gütlich on verzog, iutrag, wid« 
bezalen , nämlich uf Franckforter herpstmeB i 
jar nechstkUnftig fünfhundert guldin zericbten 



erben denselben kin- 

Trred und geverd zu- 

im uUnundnUnzigsten 

mlich damit die 



ä 



114 



P. Albert 



fiinfliundert gnldin. dar&n Ludwig Keller und Ilkna BHBwergk ■ 
huiidert guldiD zubezalen aich verscbrlben haben , abzericbten i 
Bol yetz dieselb, Keller und Brillwerks, Tei*schribuug herusgebg^j 
werden, und wenn die bezalung eberürter fünfhundert gnldin ala 
Tor lut beachicht, aldann hoI mir Hnuaeu Eerllu min brief d&rüber 
wiseud herus zu iniaeii banden gegeben und abgetoo werden. Und 
darnach alle jar uf yede herpstmeß vierhundert guldiu daran ae- 
gehen. bi.s die obberört summ drütueend und hundert guldin gar 
bezalt werden. Ich sol und wil ouch fiirhin alie zins, die von ob- 
berürteiu hoaptgut , warumb dann verachribungen und underpfand 
sint, ou Rychenbauhs seligen kinder beladung, costen und acbadeo 
jörljch bezalen und abtragen. Und ob icli oder oiin erben zu 
einicbem zU als oben lut au bezalung süinig wurden und deo wuri' 
desselben zils in sechs wachen nach derselben herpstmeß uit bezalt 
betten oder zins nit richten, so mögen RvcbeubachB seligen kinder 
oder ir vogt oder fründ au ir ^tatt oder ir erbeu mich Hansen 
Herlin oder min erben uud alle unser guter ligend und varend. uiit 
usgeuomeo, sampt oder sunder nach yedem uiisenu übertret^u recht- 
lich angrifen, heben, heften, fr/Snen, verganten und verkoufen oder 
an sich ziehen mit tttab und gericht, geistlichem oder wettlichem, wo 
inen fAget. Vor solicbem allem, das obi^tet, sampt und aunder sol 
mich, min erben, nachkomeo und alle unser guter ligende und varende, 
gegenwärtige, künftig gewunuen und uiigewonnen gar kein freiheit, 
goad, gericht noch recht, stettrecht, frirecht, laüdrecbt noch burg- 
recht, geleit, tröstung, gabot, verbot, gesellschaft , pont, vereinung, 
afbebung, Widerrufung vernichten, abstelIeD noch üt anders, damit 
wir uns hiewider Kubehelfeu fürnemen wMten oder möchten, ganz 
nicht schirmen, frien noch ufhalten, dann ich mich des alles sunder, 
ouch des rechten, so gemeiner verzihuag, die nit sündrung hat, wider- 
spricht uud aller andrer rechten widerspricht und aller andrer rechten, 
Statuten, privilegicn und uazüg für mich, alle min erbeu und nacb- 
komeu ganz harin verzigeu und begcbeu bab vemer, so lang, vil und 
oft unz des egeoanten kinderri , iren erben , oder Verwaltern die 
schuld zu demselben zil gevatleu mit nbtrag aller versessener und 
gevallner zinaen sampt iren usgeben unil allem gtlittnem costen uud 
schaden bezalt , geautwoi't uud gewert sint , gauz on iren verlust, 
costen und' schaden. Und als wir obgeuanteu beid teil brief und 
Schriften gegen einander haben, und yeder teil vermeint, im aöUen 
etiicb lirief von dem andern teil herusgehören, ist harin beredt, das 
wir beidersit solicli bricf alle /u gemeinen banden legen sollen uqd 




J 



I 



Zur Geschithte des Freiburger Buchhandels im 15. .Tahrli. 1 If) 

wenn tfich begibt, das eolicljer briefen einer in bezalung abgeloschen 
ist, sol der dem teil, dem er lierusgehnrt , zu haoden volgen ; doch 
Bol Ludwig Kellers uud Brißwergks brief, wie oblut, yetz heruB- 
gebeu werden. Und s^illeud »wei Yaß mit bßcbem , so die kinder 
Müder in haben, yetz zu miu, Hans Herlina banden herua Tolgen und 
das drit vaU hinder deu kiudern hlibeo, h'm die ersten fünfliundert 
galdin, wie obstat, bezalt werden. Und aol die rechtvertigung , ob 
tan teil an den andern des vierden vaÜ halb zesprecheii heft, uns 
Torbebatteu sin, all arglist, geverd und untriiw ganz in allen vor- 
berürten dingen usgeslossen und hindangeselzt. Hnrüber zu warem, 
offen urkünd haben wir Bernhart Vogt für obgenant mine vogt- 
kinder, si und alle ir erben und fründ, und Hnns HerlJu, mich alle 
min erben und nachkommen damit aller vorgesubriben dingen, sovil 
die unser yeden bert^ren, zu übersagende flissig erbeten die obgenanten 
doctor Andres und Peter Sprüngen, das si ire insigel offenlicb haran 
gehenkt haben , und darzu unser beider insigele ouch gehenkt an 
disen brief, deren zwen in glicher lut gemacht siiit und yedem teil 
mner ingeantwort. Und wir doctor Andres Helmut und Peter 
Sprung bekennen uf obgenanter beider teil flissig bitt, uns uud unsem 
erben unscbedlicb disen brief mit unsem insigeln versigelt und das 
beid teil alle obberArten roeinung , puncten und artikel , wie oblut, 
gegen einander angenomen und zehalten glopt haben. Geben an 
dornstag vor unser liebeu frauen geburtlicben tag nach gott«B unaers 
lieben herren .Thesu L'risti ^jebiirt gezalt vieraehenhundert niinzig 
und acht jar. ') 

Zur Kennzeichnung der hier genannten Personen Bei 
bemerkt, dass Bernhard Vogt, UnterBtadtschreiber zu Frei- 
burg, seit 1480, Peter Sprung, der durch seine Beneficiiims- 
Btiftung im Münster') bekannte Ilatsberr und Altobristmeister 
(um 1467 geb.), seit 1400 bürgerlich hier ansässig war. Reichen- 
bachs Ehefrau, Margarete Spilmännin, war eine Tochter 
Ludwig Spilmanns und Verwandte (Schwester?) der mit dem 
jüngeren Konrad Stürzel, dem Sohne des Kanzlers, vermählten 

') Perg. Ori^. An PerpHnentstreifeu vier uuverselirt erhaltene 

I Bieget aus griinem Wai-bs: 1. dea Dr. Audreaa Bellmut mit drei Helmen 

~~ :1); 9, des Peter Sprung, im Schild eine bis zum oberti Scbildesrand 

rieiohende Spitze, beseitet mit drei seoliBstrahligea Sternen |2 : 1); 3. des 

F Bernhard Vofct, im Schild eine Hausmarke ; 4. des Hana Herlin wie vorhin. 

») Vgl. Freiburger Diözesan-Arokiv 22, 1893, 283 ff. 





116 



P. AJberl, 



Afra Spilmännin; sie war in zweiter Ehe mit ( 

Hans Widraann verheiratet. Ludwig Keller erscheint t 

141^0 als Bürger von Freiburg. 

Die drei in der ersten, hier vor allem in Betracht kom- 
menden Urkunde Genannten besassen: Bernhard Reichenbach 
seit 14^4, Hans Herlin {Herly, auch Hörling) ') seit 14>!H und 
Haus Briswerk seit 1489 das Bürgerrecht zu Treiburg; 
ersterer wird als von Konstanz stammend bezeichnet. Hans 
(auch Henman) Briswerk erscheint hier, worüber man bishei 
im Zweifel war"), nicht als Buchdrucker, sondern als Buol 
händler, tritt als solcher schon 1477 urkundlich auf ■ 
liegt mit Herlin mehrfach in Streithändeln '). Dieser seinei 
seits war einer jener größeren, viel wandernden Zwischea^ 
händler, welche den Kleinvertrieb mancher Verleger, di4 
selbst nur einen beschiänkteren Verkehr mit den Buchfubrem 
pflegten, an kleinere Händler sowie an das Publikum ver- 
mittelten *). Er hatte weitverzweigte Geschäftsverbindungea, 
wie mit Matthes Zuncke und Andreas Hiifflich in Leipzig'fi^ 
und ist derjenige, welcher nach den Leipziger Akten 
16. Jahrhundert die Reihe der urkundlich nachweisbai 
messfremden Buchhändler (Koramissionär) eröft'net''j. In älu 



') Auch die Frau dea Malera Hma Baldimg-Ij^ri^n, Margarete, y 
bekanntlich eine geborene Uertin, Schwester des KfuioojlcQB Christniai 
Herlin zum Jung St. Peti;r in Straßhurif. SoUten hier vielleichl i 
wand tauhat tu che Beziehungeu vorliegen? Und iat etwa uuaer Hast Her 
und Mai^arete Herlin -Baidung mit dem Ulmer Maler Friedriuh Her 
(Herlin) von Nördlingen verwandt ? 

=> PfafF a. a. 0. S. 17, — K. Stehliu , Regeateu zur Goachioht« d 
ßuchdrucliB bis i, J. 1500 (ArchiT f. Gesch. d. deutschen Buchhandels 11, 
Leip». 1888), 5—182; 12 (1889), 6— 70^ Nr. 70, 90, Ul, 578. 

■) Stelilin a. b. O. Nr. 1089, 1090, 1093, 1096. 

') St«hliu a. H. O. 12, 91. 

") Archiv 10, 22, 13, 12, Anm. 21. — „Ein Pfoi-dekauf , welchol 
Hona HÜrling 1504 in Leipziif abaohtosa, die Anweisangen auf Leipi 
Suohhäadler, welche er dabei ausstellte, belegen dea weiteren 
dentenden Umfang und eine weite Ausdehnung seines Geschäftabetriabi 
Archiv f. Ge«ch, d. deutschen Buchh. 12, 10« Anm, 16. 

") A, Kirchhoff im Archiv 12, 106 Anm, 16. 




I 



Zur Geschichte des Freiburger Buehliandelfl im 15. Jeihrli. 117 

licheo, „war und pfender" betreflFeiiden Händeln wie mit 
BrUwerk sehen wir ibn auch mit dem Baaler Bürger Hans 
Amelburger und dessen Mitgesellen"). 

Als „stillen Teilhaber" bezw. als Verleger Hans Herlina 
haben wir oben seinen Freiburger Mitbürger Bernhard 
Beichenbach kennen gelernt; ein anderer war sein eigener 
Schwiegervater (Groasvater?) Peter Weißenburg in Basel. 
Von diesem wird Nikolaus Lamparter, einst Herlins Diener, 
am 8. M.trz 1499 vor dem Basler Gericht als Zeuge ange- 
rufen und aagt aus: Als er vor ungefitbr drei oder vier 
Jahren bei Hansen Herlin zu Frihurg im Brißgow gedient, 
babe er auf Geheiß seines Herrn mit anderen Gesellen eiligst 
13 oder 14 Fässer mit Büchern füllen und verschließen 
müssen. Als er seinen Herrn, den Herlin, gefragt habe, 
warum er mit den Büchern solche Eile habe, habe dieser 
ihm geantwortet, er wolle sie nach Baael aeinem Ette 
Peter Wysseniburg zu Pfand schicken; derselbe habe ihm 
bisher geliehen und werde ihm ferner leihen und solle wissen, 
wie es gehe und was aus aeinem Gelde werde*). 

Diese wenigen, hier mitgeteilten Züge geben uns nicht 
bloß Kunde von einigen heute nicht mehr gebräuchlichen 
buchhilndleri sehen Manipulationen, wie dem „Dnrohatechen", 
dem Verpacken der Bücher in Fässer statt wie heute in 
Ballen u. dgl., sondern vor allem auch ein ziemlich deut- 
liches Bild von dem nicht eben sehr Kngatlichen Charakter 
sowie von dem unermüdlichen Geschäftseifer Hans Herlins, 
des ältesten und bedeutendsten Freiburger Buchhändlers. 

') Stehlin a. a. O. IS, 84 Nr. 1&43. 
■) Stehlin a. a. 0. 13, 169 Nr. 1076. 




^ 




Bruchstücke einer altdeutschen Uebersetzung von Ein- 
harts Vita Karoli Magni. . 

Gefimdeu und mitgeteÜt von Fridridl Pfiff. I 



Dem Freunde des Altertums ist das Kleinste nicht zu 
klein. Bibliotheka- und Archivbeamten kommen bei Katalog- 
und Inveuturarbeiten oft auf Einbänden gröllere und kleinere 
Stücke beschriebenen Pergaments unter Augen; da ist es denn 
ihre Pflicht, das Gesehene zu prüfen. Und wenn auch recht 
oft ihre Mühe nicht durch den Wert des Gefundenen gelohnt 
wird, 80 darf sie das doch niemals abschrecken von stets er- 
neuter Forschung, denn immerhin läsat sich da und dort doch 
noch ein Fund von Bedeutung tun. Nicht nur zu ganzen 
Einbänden, zu Rücken und Ecken der Bände sind grausam 
zerschnittene alte Pergamente verwandt worden; auch die 
Innenseiten der Deckel sind zur Versteifung fleißig mit Per- 
garaentblättern beklebt worden und ferner wurden vielfach 
Pergamentstreifen zwischen den Bünden der Bücher, ehe diese 
in die Deckel gebunden wurden, mit Leim quer über die 
Kücken der gehefteten Bogen geklebt, um kräftigeren Zu- 
sarmnenhalt zu bewirken. An all diesen Stellen habe ich auf 
der grölitenteils aus Klöstern zusammengekommenen Prei- 
burger Universitätsbibliothek wertlose und wertvolle Bruch- 
stücke gefunden, von welchen durch andre und mich selbst 
eine Anzahl an verschiedenen Stellen veröflFentlicht und ver- 
wertet ist. Vor einigen Jahren nun nahm ich einen Band 
des sechzehnten Jahrhunderts auseinander, der jetzt die Frei- 
burger Bibliothekanummer D 5 ü 80 trägt. Es war das Buch: 
M. TvUii Ciceronis Officia De Amicitia. De Senec- 



k 




AltdeutSfiie Uebersetzung von Eialiarts Vita Karoli Magiii 119 

tute. Paradoxa. Omnüt denuo vigilantiori cura 
recognita, per Des. Eraemvm Rot, Ä CnaraJum 
trocleniuin .... Additia etiam fcliolija Philippi 
Melancht . . . • Cvdebat Coloniae Joannes Gyin- 
nicvs. M.D.XXS. i^". Das Buch hatte ehedem dem Col- 
legitim Sapientiae zu i'reiburg i. B. gehört, einem Kon- 
rikt, daa der Freiburger Universitätslehrer und spätere Weih- 
bisohof des Augsburger Bischofs Friedrichs III. von ZoUem, der 
Bischof von Adrumetum Johann Kerer noch im fünfzehnten 
Jahrhundert gegründet. Auf den Rücken der Bogen dieses Buchs 
unter dem eigentlichen Einband, der abgelöst werden musste, 
waren in der oben angedeuteten Weise fUnf kleine Pergament- 
stücke mit Leim fest aufgeklebt. Es war nicht leicht, sie 
unversehrt — soweit dies überhaupt mügÜch war — abzu- 
nehmen. Das größte dieser Bruchstucke ist etwa X cm lang 
und 37» cra breit, das kleinste misst nur 2,'A zu 3,2 cm. 

Diese flinf Bruchstücke sind mit schöner, gleichmäßiger 
Schrift des dreizehnten Jahrhimderts beschrieben. Der Text 
ist deutsch, in einer Sprache derselben Zeit, Alle fünf Stücke 
gehörten ehedem zu einem einzigen Blatte, das in der Mitte 
gebrochen und in zwei Spalten beschrieben war. Die Breite 
der einen Hälfte des Blatts betrug IH cm. Alle 5 Bruch- 
stücke bilden zusammen einen einzigen Streifen dieses Blatts. 
Bis auf die kStelleo, wo das Pergament angeleimt war, ist 
die Schrift gut lesbar. Einige kleinere Stellen sind durch 
WurmfraLl zerstört. Zwei rote Initialen, ein grosses K und 
ein S zieren die Schrift. Die Bruchstücke bilden nun die 
Nummer 56U der Handschriften der Freiburger Universitäts- 
bibliothek. 

Ein neuer deutscher Test des dreizehnten Jahrhunderts 
kann schon als Merkwürdigkeit gelten ; wie viel mehr einer der 
Art, als welcher sich der dieser Bruchstücke herausstellte. 
Gerade das kleinste Bruchstück führte mich alsbald auf die 
rechte Fährte. Da war von einem „sinwellen haubet" 
die Rede, von einem schönen und fröhlich gestalten Antlitz. 
Das konnte doch nur auf einen Mann deuten, einen grollen 
f jfann, dem allein diese Eigenschaften durch einen treuen Ge- 




J 






schichtBchreiber nachgerühmt werden : nurKarl der GroÜe 
konnte dieser Mann sein. Und wirklich ist Karl auch in 
den Bruchstücken genannt. Der Test aber war Prosa, und 
so viel ich mich umsah, in keinem deutscheu Pro sali 
ebensowenig wie in einem altdeutschen Gedichte, war so 
schaulich, und bei aller glücklichen, treffenden Frische 
Ausdrucks doch so knapp der große FiankenkBnig abgeschil- 
dert, Nui' ein Schriftsteller hatte das verstanden : sein Frennd 
und Berater £ i n h a r t. Aber dieser hat bekanntlich lateinisch 
geschrieben, und merkwürdig genug bleibt, dass bei der 
großen Beliebtheit von Einharts Werk, von welcher noch 
heute über achtzig Handschriften zeugen, bisher kein älterer 
Verdeutscher bekannt geworden ist und dass auch keiner der 
vielen Dichter, die Karls Leben und Thateu in deutschen 
Versen beschrieben, den trefflichen Einhart erkennbar als 
Quelle bennUt hat. Aber mein Fund, die fünf Bmehstacke 
de« dreizehnten Jahrhunderts, ist nichts anders als der 
Rest einer Uebersetznng von Einbarts Vita 
Karoli Magni. Ich beweise dies unten durch Gegenüber- 
Stellung des dentschen und lateinischen Texts. Der Ueber- 
•etser jedoch war kein Sklave eines Vorbilds. Einesteils kürzte 
er. andemteils machte er Zusätze und endlich übertraf er 
3eia<e Vorlage in poetischer, anschaolicher Sprach«. Wenn 
Einhut schrribt: fuit .... ocniis praegrandibus ac 
Tegetis. so uberstrtzt dies das aweite Bruchstück so viel 
r aiuinu äugen brnaaen allewege'k. Wenn aber 
g«n^ ist: uaso paalulura niedtocritatem 
• XOed«Dtt, au gibt dies der Uebersen«r in einer den T«.t- 
Mehes «aber eQts)u«obetkdei>, aber doch hier allerdings etwas 

T TfL hunm T>rpiai Umotu iUrv>fi 31>gni. XX ,cle fom» 
«I ffartiWrfwi KuaK'': ncaU leosiai («BiilUalei vi carbaacolni 
<Aa«a««.CMeti. rtiß 1880) te PUifiMkiM tfie. de b Sotätti pom 

«V «w a. BaM. Am 4»mm Bmi ihr mg ut P^rfm«!»« aad w^ kü« 




Altdeutsche Ueberaetzuug von EinhartH Vita Karoli Majpii 121 

abschwächenden Weise wieder: sinnaße zam sinem aiit- 

lüze wol. Aber wie kuapp und trefflich ist die Uebersetziing 

des dritten Bruchatiicks : Swenneergebadete.destag-es 

gap er Wirtschaft, daz was her lieh. Im dritten Bmch- 

stück sind abweichend von Einhart vier tägliche Gewandetücke 

Karls erwähnt und dabei wird das seltene Wort spul gen 

gehraucht. Im ersten Bruchstück ist von den drei Töchtern 

Theoderad, Hiltrud und Hruodhaid die letzte ausgelassen. 

Aus Kuothild, der Tochter der Madelgard, ist eine Rved- 

lint geworden. Im letzten Bruchstück ist das Münster 

ze Ache genannt, das an der entsprechenden Stelle, im 

33. Kapitel Einharta nicht erscheint, wol aber im 26. Kapitel 

in anderem Zusammenhang beschrieben wird. Alles in allem 

genommen, muss dem Uebersetzer großes Geschick zugesprochen 

werden, 8ein Werk wäre, wenn vollständig oder doch in 

größerm Umfang erhalten, eine wesentliche Bereicherung des 

, deutschen Schrifttums im dreizehnten Jahrhundert. Leider ist 

preoig Hoffnung vorhanden, dass außer diesen armseligen Bruch - 

iücken mehr zu Tage kommt. Die fünf Bruchstücke ergeben 

Mshs Textah schnitte, deren Zusammenhang durch Angabe der 

rennenden Schnitte zu stören ich für überflüssig hielt. Worte 

per lateinischen Vita, die in der Ueberaetzung unmittelbare 

Intsprecbung haben, sind durch Sperrdruck hervorgehoben. 

1. 

K. 18. Habuit et aliiis tree l'iliae 
Theodetadam, 
et Hiltrudem et Hruod- 

haidom ; 
duos de Fastrada uxore . . .; 
tertiaiiidecoiiculiina<iuBdam.. 
DefunctA Fastrada, L u i t - 

gHrdam . . . duxlt .... 
PoBt eiua mortem quattuor 

habuit coouubiaas: 
Madelgardum scilicet , qiue 

pejierit ei filiani 
nomine Ruothildem 



■Ca gewan er bi zwc 
KCer hiez eiuiv theod 
' Div ander hilttrvd 
Do gew . . er bi bü 
Aeine tohter 
Div hiez rvedliut. 
^■^'C^u^^h Dam er aeii 
^Bävtgart. 



Er hote nein Tinwellez liavbet. K. 22. Corpore fiiit amplo 



Siiiiv av^en brvonen allev 
Sin nl%h tum Tinem antlvze wol. 
Er liote Kein l'ohöne »ntlvtze. 
Vn ftlle Hit rr&licli gefUlt. 

iilfo ^ferialt. 



apice capitis rotundo, 
c u 1 i s praegrandibus ao 

veKfitia, 
Euo paululum mwliucritatem 

excedenti . , . ., 



fa 



! U 



ila 



uude formae 
auctoritas ac ilignitas tarn 

st«nti qaam sedenti 
plurima acquirebator. 



Swmn* er f.-cbndi't«' 

IVf tagof jr"b or wirtfcliaft 

I^H «»r lierlich, 

r band« j^wät 



K. 33. Et Don sotura (Uios ad bal- 
neain verum 
opttmatos et amicos, aliqnando 

etiam satellitnni 
et costodum corporis tarliani 

iiiTit*vit 

K. 23. Vestita pabrio, id est Frau- 

CM» ntcbator .... 

(Die Gwnmdsiadre; Hemd, 

CnieiboMti, Wmkt, Ha$e&, Bein- 

biirf««H äfaifae, Ftettd, HanM 

.) 






. «t gladk) ■emper ■<- 
■ eapalss ac baltsrt 






la fathitatibw rale aam 
texte, mt laliMiiMtii g«B' 
»at» tt fibvla Mn* 



AllJeutache Uebersetzmig \ 



vornde gvt. 



) tail b'dau. 
a vn zwainz . 



I 



Swaz gvetef . aetner cape 
Dsz bien er ganz Ibd. 
Vnz er atvrbe. 
Vü To er verfvere 
Daz man fin i^aebe zea 
An daz mvnster. 



s Vita Kartili Magni 123 



vs . 



K. 33. Hac igitur intentione .... 
omaem subBtautiam atque 
suppeltectitetn suam, 

primo quidem trina di Vi- 
sion e partituB est. 
,1. Deinde, easdem partes eab- 

dividendo, de duabua 

partibuB viginti et uuam 
pftrtem feclt, fertiam 

iiitegrara reserTavit. Et dua- 
rutn quidem partium 

invigiuti et unam partem 
facta divisio tali ratioue 

CODHlGtit 



K. 33. Gapeilam, id est eccle- 

aiaaticum miuiBteriiuD, 
tarn id quod ipae fecit atque 

cougre^^avit quam 
quod ad eum ex patema 

hereditate pervenit, 
ut integrum esset ueque 

nlla divieione scinderetur, 
ordiuavit. 



Die Grenze vom anlautenden k gegen anlautendes eh. 

Von Karl Bohnen berger. 



1. 

Es ist bekannt, dasa heute vom Bodeneee bis zur fran- 
zösischen Sprachgrenze spirantisches ch als Vertreter von 
anlautendem germanischem k in fortlaufender Linie an aspi- 
rirtes k vor Vokalen bez. unaspirirten und weniger starken 
Explosivlaut vor Konsonanten angrenzt. Oestlich des Boden- 
seea scheint sich nach Bachmann (achwäb. Gutturallaute S. 33} 
zum Teil Affricata kch dazwischen zu schieben. Die Grenze 
westlich des Bodenaees hat F. Wrede in seinen Berichten über 
den Sprachatlas nach dem Exempel „Kind" in großen Zügen 
gegeben (Anzeiger f. D. A. 19, 111). Wie gegenüber allen 
Linien des Sprachatlasaea bleibt es Aufgabe der Näherwoh- 
nenden, die Grenzlinie von Ort zu Ort zu bestimmen und 
einen Versuch ihrer Erklärung zu machen. Ich gebe hier 
die genaue Grenzlinie von der französischen Sprachgrenze bia 
zum Budensee, wie ich sie aul' Grund schriftlicher Anfragen ') 
ermitteln konnte. Meist liegen mir Angaben von mehreren 
Seiten vor, Nachprüfung bleibt aber immer noch erwünscht. 
Mein Erklärungsversuch reicht wol in der Mehrheit der 
Falte nicht aus, es fehlt mir vielfach die genügende Kenntnis 
der Ortsgeschichte. Ich wollte aber doch vorbringen, was 
ich zu dieser wichtigen Grenze zu sagen weiß. leb hoffe, 
andere werden meine Aufstellungen ergänzen. Die VerhSlt- 

') Einer Reihe von GeiBtIichen und Lehrern bin ich EU Dank ver- 



pflichtet. 



I 



1 Btilauleii'leu k gEgeii Hulsutendes ali 



125 



ni8se- ÖBtlicli des Bodenaees hoffe ich bald als Forschung geben 
zu können. 

Daa Grenzstück östÜeh dea Schwarzwalda iat im unge- 
fuhren anoh auf Fischera Karte 19 eingezeichnet, dasjenige 
zwisclien Bonndorf und Engen des genauen in llaaga Mund- 
aiten des oberen Neckar- und Donautandes (Progr. 1898) 
dftrgestellt. Für daa Elsaaa hat Martin (Keichsland Elsass- 
Lctthringen S, 95) die Endpunkte beatimmt. 

Die Grenzlinie, wie ich sie in folgendem gebe, soll überall 
für anlautendes k-ch vor V'ukal gelten, in den meisten Fällen 
auch für Explosivlaut gegen Spirans vor Konsonanz, Bei 
einigen wenigen Orten wurde mir angegeben, dass Explosivlaut 
vor Konsonanz weiter südlieh reicht. Ich weiß aber darüber 
EU wenig, als dass es sich empfehlen würde, die einzelnen 
Orte namhaft zu machen. 

Die Grenzlinie läuft im allgemeinen west-östlieli. Die 
Orte mit k- liegen nördlich der Linie. Die Linie beginnt im 
S^eeten etwa in der Mitte zwischen Beifort und Delsberg, 
feht nordöstlich zum Rhein, verlässt diesen auf dem rechten 
■fer beträchtlich weiter nördlich, als sie ihn am linken erreicht 
iptte, geht über den Feldberg und erreicht den Bodensee in 
r äuliersten Ecke des Zeller Sees, Die Grenzorte sind: 
1. Von der französischen Grenze bis zumllhein: 
^etterhausen, Bisel mit eh gegen Sept, Largitzen mit k — 
Eeldbach, Henflingen gegen Rüderbach, Bettendorf — Weiler, 
ranken gegen Hausgauen, Hundsbaeh— Zäaaingen, Ranta- 
iler gegen Wahlbach, Oberniorachweiler— Kötzingen, Gei- 
Htzen, Klein-Landau gegen Landser, Sehlierbach, Dietweiler 
Ubaheini, Homburg. 

Vom Rhein bis auf die Hohe des Sohwarz- 
iralds: mit ch Feldkirch (Bez. Staufen) mit seinen Filialen') 
Hartheim und Hausen a. d. MöhMn gegen Oberrimaingen und 
seüi Filial Grezhausen mit k- — Mengen, Thiengen, Opfingen, 
St. Nikolaus gegen Munzingen, Merdingen, Waltersbofen, — 



') Unter die Filiale sind hier und weiterhin nach die ehemaligen 
Filialorte nufgenommen, die heute selbständig sind. 



U 



12(> Bcibuenliertrer 

Wollenweiler mit Sehallstadt und Leutersbei^ (?) gegen St 
Georgen und Wendungen, — Kirchhufen mit Filial Ehrenatetten 
gegen Sölden, Bolsohweil — Täler des Neumagen (Münster- 
tal) und der Wiese gegen das Tal der Dreisani (Hfillental), 
so dasB der Feldberg scheidet. 

3. Von der Höhe des Schwarzwalds bis zum 
Bodensee: mit eh Hintermenzenschwaiid (Albtal), Schliich- 
see gegen Altglashütte, Lenzkirch mit k — Gilndelwangen 
mit Filialen Holzschlag und Doli gegen Kappel und Löftingeu 
mit Filialen Göachweiier, Reiselfingen, Baehbeim und Neuen- 
burg — Ewatingen, Acbdorf mit Filial Aselfingen, Muudelfingen 
mit. Opferdingen gegen Unadingen, Döggingen, Hausen v. d. 
Wald mit Behia — Riedböhringea, Hondingen gegen 
die Orte nördlich des Fürstenbergs — Aulfingen, Leipfer- 
dingen, Wallerdingen gegen Kirchen, Stetten und Neiihewen, 
Eugen — Weiterdingen, Duchtlingen, Hilzingen, Singen gegen 
Welschingen, Mühlhausen, Schlatt, Hausen a. d. Aach — 
Ueberlingen a. Hied gegen Böhringen, Kadolfzell. 

Auf beiden Seiten gibt es Sprachinseln. Innerhalb 
des k-Gebiets hat Emmingen ob Eck ch, wie schon Haag 
sah (a. a. 0. S. 83). Der Ort Hegt zwischen Tuttlingen und 
Aach, \'2 km nordöstlich der Grenzlinie k-ch. Dann er- 
scheint im elsässischen Mlinsterthal, 4(1 km nordwestlich 
der Grenzlinie, im Anlaut vor Vokalen Affricata kch statt k 
(s. Mankel in Strassburger Studien II, 127). Auf der anderen 
Seite haben 15 km südlich der Grenzlinie Basel mit Klein- 
Hüningen, Hüningen, St. Ludwig anlautendes k. Ebenso 
auf dem rechten Hbeinufer weiter unten Neuenburg W 
Müllheim, 20 km südlich der GrensUnie, aber gegenüber dem 
elsässischen Banzeuheim mit k (so nach Heusler, alem. Kons 
i. d. M.A. von Basel S. 52). 

• Die Grenzlinie wie die Inseln fallen völlig ins Gebiet 
der schwäbisch-alemannischen Mundart. Teilt msn 
diese Mundart wie üblich zunächst in die UntermundartPn 
Schwäbisch mit Diphthongirung von mhd i und tl zu ei 
und ou und Alemannisch ohne diese Diphthongirung, ^ 
1 k-ch ganz in alemannisches Gebiet. He^ 



Die GreuEe vom aulautendeu k gegua aulautcudaH cli 127 

komm lieh erweise teilt man dieses seinerseits nach unserer 
GreiizHoie inhochalemanniseh mitch- und nied erale- 
m an n 18 eil mit k-. Von den Inseln fällt Eminingen mit 
liochalemaoniacliem ch ins schwäbische Gebiet, denn es hat ei 
nud ou statt i und ö. Der Ort liegt aber unmittelbar an 
der Grenze der Diphthongirnng. Die Breite des nieder- 
alemannischen Gebiets wechselt sehr stark. Im Elsass kumnit 
sie bis auf 150 km, z\viscben Donau einerseits und Wutach 
andererseits ist sie am geringsten. Zwischen Tuttlingen und 
Eagen-Singen schrumpft sie auf 15 km ein. 

Der Versuch, Sprachgrenzen zu erklären, erhalt von 
Anfang an sichere Richtpunkte, wenn es gelingt zu bestimmen, 
welche von beiden scheidenden Spraehformen die 
jüngere ist, auf welcher Seite der Grenzlinie demnach die 
Neuerung und auf welcher deren Ablehnung liegt, in wel- 
cher Kichtung die Neuerung in ihren jetzigen Besitz ein- 
gerückt ist, So klar nun bei k- gegen ch- die Altersfrage im 
allgemeinen liegt, so verwickelt ist die Entscheidung darüber, 
ob die heutige Grenze durch ein Vorrücken von k- oder von 
ch- entstanden ist. Wie ch- aus k- entstanden ist, so hat an 
der ursprünglichen Grenze ch die Neuerung dargestellt und 
diese ist im allgemeinen von Südeu gegen k- vorgerückt. Je 
alter aber ein sprachlicher Unterschied ist, desto 
weniger sind wir berechtigt, dessen heutige Grenze mit 
der ursprünglichen gleich zu setzen, wie auch die Frage 
nach dem Alter einer Sprachgrenze immer im Grundsatz von 
der nach dem Alter der betreffenden Spracherscheinung zu 
trennen ist. Wir haben von vom herein mit der Möglichkeit 
zu rechnen, dass die ursprüngliche Grenze nördlicher lag als 
die heutige und dass nachträglich k- wieder gegen ch- vor- 
rückte. Allgemeine sprachgeschichtliche Erwägungen lassen 
noch im besonderen vom spätem Mittelalter an k- als die 
hegünstigtere Aussprache erscheinen, deren Vorrücken er- 
klärlich ist. Bestimmte Hinweise auf ihre Herkunft gibt 
unter Umständen die Grenzlinie selbst. Bei unserer 
Linie fehlen solche, sie gibt kein Merkmal, das entscheiden 
würde, ob die Neuerung 'von der Nord- oder Südseite her- 




126 BohDeuberiäer 

kam. VVol aber geben die Sprachinseln Anhältsponkte. 
E m m i n g e n als ch-Insel, eingeschlossen im beutigen k-Gebiet, 
ist nur erklärlich, wenn früher das zusammenhängende Gebiet 
von cb- bis Emmingen reichte, wenn also k- vorrückte nnd 
dabei den einzelnen Ort umging, weicheroh- festhielt. Die heutige 
Grenze wii'd hier vor nicht femer Zeit erreicht worden sein, 
sonst hätte sich der einzelne ch-Ort nicht gehalten. Der 
eine Punkt entscheidet aber nicht für die ganze Linie. 
Was östlich des Sohwarzwalda gilt, gilt damit noch nicht 
westlich desselben und jenseits des Rheins. Die Sprach- 
inseln am Rhein und in den Vogesen weisen auf einen 
ganz anderen Entwicklungsgang hin und stehen ihrerseits 
gegeneinander. Der Standort der kch-Forroen im Ge- 
birgstal am äuöersten Weatrand des deutschen Sprachgebiets 
lässt diese als zuräckgedrängten Ueberrest eines ehemals 
großem Bestandes erscheinen. Sprachlich bilden sie eine 
Zwischenstufe zwischen den k- und ch-Formen. So liegt die 
Annahme nahe, dass sich einstens am Süd- oder SOdweat- 
rand des k-Gebietes und zwischen diesem und dem ch-Gebiet 
ein solches mit kch- angeschlossen habe, dass dann k- mit Za- 
sanimen drängung und Umgehung dieses Gebiets weiter nach 
Süden gegen ch- vorrückte. Die k-Formen hätten demnach 
früher nicht soweit nach Süden gereicht als heute. Für 
umgekehrte Bewegung sprechen aber die k-Inseln. Von diesen 
könnte Neuenburg sein k- unter Eintiuss des linksrheinischen 
Gebiets erhatten haben. Von der alten Stadt aus führt eine 
Brücke, weithin die einzige, über den Rhein. Die Basler Gruppe 
dagegen kann ihr k- unter den heutigen Grensverhältnissen 
nicht aus der Nachbarschaft erhalten haben. Uebemahme 
aus der Schriftsprache ist für die Gruppe und bei den Spiaoi- 
Verhältnissen der Schweiz durchaus unwahrscheinlich (« 
auch Heusler S. 52). Von geographischen GeBichtspunkten 
aus liegt die Annahme am nächsten, dass k- einmal bis Base' 
reichte. Dies musste der Fall gewesen sein nach ZvaaeÜe- 
drängung von kch- und vor einem späteren erneuten Yordringcu 
von ch-. Letzteres erat hätte die heutigen ' niase gf- 

schaffen. Die ehemalige Ausdehnung voa 




Die i.Jrenze vom anlaatenJen k gegen anlautendes ch 



129 



Üch anf einen raehi' oder weniger schmalen Streiten am Rbein 
hin beachränkt liaben. Eine tierartige Annahme eines mehr- 
kcheu Wechsels ist immer missliob, sie ^iebt aber doch die 
beste Erklärung der geographischen Verhältnisse. 

Den sprachgeachichtlichen Zeugnissen der lite- 
arischen Denkmäler ist nach dem hentigen Stande unseres 
Vissens keine Entscheidung zu entnehmen. Für ursprüngliche 
weitere Zurückdrängung von k- nach Norden lassen sich wol 
üe ahd. ch-Sclireibungen auffuhren, die weit ins fränkische 
febiet hineinreichen. Aber deren Deutung ist umstritten, der 
(ehlnse von diesen geschriebenen Formen anf die gesprochene 
Sprache ist nicht zwingend. Ebensowenig entscheidet die 
fitere Ausdehnung der Schreibung k- weit ins heutige 
lebiet von ch- hinein für ein nochmaliges Vorrücken von k- 
Iber die heutige Grenze hinaus. Ich hoffe diese Frage bald 
I größerem Zusammenhaog ausführlich behandeln au können, 
[eute hat es also für die Auffassung unserer Grenzverhält- 
! bei einem recht bescheidenen Mali von WahrscheinHch- 
eit zu bleiben. Will man doch versuchen, von dieser ver- 
DUteten Entstehung aus die allgemeine Lage und Richtung 
r heutigen Grenze verständlich zu machen, so lässt sich 
i dem Grenzstück östlich des Schwarzwalds annehmen, oh- 
kbe sich gegen das vorrückende k- im Gebirge und an dessen 
Änd besser gehalten als auf der offenen Osthälfte. Solange 
te Umgebung von Emmingen noch ins Gebiet von ch- ge- 
lief die Grenze eher nordöstlich als südöstlich. Jen- 
Rts des Uheins kJinnte sieh die stark nordöstliche Richtung der 
renze daraus erklären, dass sich k- gegen das neuerliche 
«rrücken von ch- auf der Westseite an den Vogesen hin 
ud gedeckt durch die französische Grenze besser gehalten 
ftbe als in der offeneren (Jathälfte. Rechts des Rheins könnte 
die Zusammengehörigkeit eines größeren LänderstUcks unter 
Badea-Durlach die weitere Ausbreitung von ch- begünstigt 
^teben. 

^^^ Alles bleibt so unbestimmt und «ohwiK'h begründet, dass 
^m &r ErklänmgBversuch vom Grenazug im großen und 

I - 



■agen 

m 

licht- 
iiuen. 

hlige 
Be- 
eben 

uid^ 



131) Boii neu berger 

ganzen an die Grenze von Bezirk zu Bezirk 

Ort zu Ort zu wenden hat. Trotz dee geringen iimj 
sicheren ErgehnisBes wollte ich doch die allgemeinen Fragen 
nicht übergehen. Unsere Versuche, Sprachgrenzen zu 
klären, dürfen die größeren Gesichtspunkte nicht aus 
Augen verlieren. 

Welche verkehraufhaltenden natürlichen, welche geschicht- 
lichen Verhältnisse als aprachscheidend in Betracht kommen, 
entnehmen wir heute mehr allgeraeiuen Erwägungen 
genügenden Einzeluntersuchuugen. Es empfiehlt sich dahe| 
vorerst noch nicht die einzelnen Gesichtspunkte gegenei 
ander abzustufen, man bat vielmehr auf möglichst vollzählige 
Berücksichtigung derselben auszugehen. An natürlichen Be- 
dingungen sind, wie ich schon hervorgehoben habe, neben 
Berg, Tal und FIuss auch Wald und Ried und diese uichi| 
nur in ihrem heutigen, soudern auch in ihrem früheren Stande 
zu berücksichtigen. Bei den verschiedenen politischen 
hältuissen des späteren Mittelalters handelt es sich am Lehens- 
herren wie um Lehensinhaber, um Gruudherrschaft wie Ge- 
richtsherrschaft. Eb ist im allgemeinen und im voraus kaum 
zu sagen, welcher Gesichtspunkt da vorherrschte, wo dieselben 
gegeneinander stehen. Da noch die große Zahl von Ort- 
schaften geteilten Besitzes dazu kommt, so wird die Wirkung 
der territorialen Verhältnisse oft recht unsicher. 

Bei unserer Grenze hat die Ungewisshcit über deren 
Entstebungs weise und Entstehungazeit noch besondere Un- 
bestimmtheit in der Beiziehung sprachscheidender politiscbei 
Grenzen zur Folge. Da wir das Alter der uns vorliegenden 
kSprachgrenze in ihren einzelnen Teilen auch nicht auf Jahr- 
hunderte hinaus bestimmen können, so haben wir zu dereiL 
Erklärung im Grundsatz politische Grenzen von den ältester» 
alemannischen Zeiten bis in die letzten Jahrhunderte heraL:^' 
in Betracht zu ziehen. Immerhin dürfen wir zur Hauptsacli^^ 
die heutigen Siedlungsverhältnisae zu Grunde legen. Di-^ 
Lage vor der grosBon Veränderung, welche Arnolds „Ausba.^« 
im ötammlande" mit sich brachte, wird sich kaum irgendw*^ 
;eln. loh halte ea aber für angezeigt, auBdriicklicTA 



Die Grenze vom ^tulautemlcu k "egeii aulaviteudes ch 131 

all diese Präge zu erinnern. Einige der kleinen Holzbauer- 
orte dea inneren Schwarzwalda mögen wol jünger sein als 
_ nasere Sprachgrenze. 

^v In dem Grenzstück links desRbeins treten natürliche 
HiÖTenzen wenig hervor. Die Grenzorte liegen zum Teil ganz 
Unmittelbar und ohne irgend welchen erkennbaren Unterschied 
der natürlichen Bedingungen nebeneinander. So liegen Betten- 
dorf und Henflingen auf I km nebeneinander im llltal, in 
gleich geringer Entfernung Franken und Hundshach am Tal- 
bach. In dem schmalen Streifen zwischen Hartwald und 
Rhein sind die Grenznrte Homburg und Klein-Landau eben- 
falls nur 3 km voneinander entfernt. Schwache natürliche 
Grenzen lassen sich erkennen im Largtal mit den k-Orten 
Ober- und Nieder-Sept in dem breiteren und eingescbnittenereu 
Teil des Tals und den ch-Orten oben in den letzten Ausläufern 
der geteilten Tttler. Deutlicher tritt hier ein politischer 
Unterschied hervor. Die letzten ch-Orte Pfetterhausen, Nieder- 
larg, Bisel, Feldbach, Riespach bilden die Nordgrenze der 
Herrschaft Pfirt gegen die Herrschaften Beifort und 
Altkirch. Von den drei Herrschaften gehören Pfirt und 
vVltkirch von den ältesten Zeiten zusammen, um die Wende 
des 13. Jahrhunderts ist Beifort dazu gekommen, 1324 sind 
alle zusammen an Oesterreich gefallen.') Zuvor führte dort 
die Nordgrenze des Eisgaus vorbei. Zu diesem gehörte 
ueben Pfetterhausen aber auch noch Sept (Schrioker in StraB- 
burger Studien II, 377). Geht die Verkehrs- und Sprach- 
grenze bis auf die Gaugrenze zurück, so hat sie sich nachher 
im Anschluss an die Herrschaftsgrenze verschoben. Das Alter 
der Sprachgrenze ist aus diesen politischen Verhältnissen nicht 
entnelimbar. Weiterhin bis zum Hartwald versagen natürliche 
■wie Herrachaftsgrenzen. Der hügelige Waldstreifen zwischen 
^ässiogen und Geispitzen einerseits, Obersteinbrunn und Diet- 
Vreiler, Schlierbach andererseits hat kaum genügend geschieden. 
^Politisch gehörten die Orte auf beiden Seiten der Sprach- 



■) Dies onil ilas folgende uRch .Die alten 1' 
. Hitt. fib. ElsRE^s-Lothr. 27. 





1 32 JJoliiitDber({i.T 

grenze zur Herrschaft Altkirch, östlicher Ober-Landser, und 
zum Sundgau im engeren Sinn. Dasa die Orte am Khein 
die Greuze beträchtlich weiter uördÜch zeigen ala die nächsten 
westlicheren Orte, erklärt der scheidende Hartwald. Dass d'm 
Grenze aber gerade zwischen Homburg und Klein-Landau 
hindurchgeht, ist sehr auffallend. Zu der geringen Entfernung 
zwischen beiden Orten und dein Fehlen jeder natürlichen 
Grenze kommt hinzu, dass die Orte nicht nur zur selben 
Herrschaft gehörten, sondern auch Klein-Landau bis 17Ö2 
Filial von Homburg war (Liber marcarum vet. epiac. Basil. 
ed. p. Trouillat, p. 97). 

Zwischen Rhein und Feldberg') stoßen die nilrd- 
lichsten eh-Orte an den Tiiniberg und den Mooswald. 
Die dazwischen offene Verbindung zwischen Waltershofeii und 
Opfingen wird durch die Nordgrenae des baden-dur- 
lachischen gegen ritterschaftliches und vorderöaterreichischei 
Land verriegelt. Diese politische Grenze neben der natür- 
lichen trennt auch Gimsingen mit Filial Grezhausen, Mun- 
zingeu, Merdingcn, St. Georgen -Wendlingen von Mengen, 
Thiengen, Schalistadt, Wolfenweiler. Wie weit die politische 
Grenze zurückreicht, weiü ich nicht. Bestand hatte sie als 
solche bis 1805, als konfessionelle Grenze besteht sie heute 
noch. Feldkirch mit Filialen Hausen und Hartheim, ritter- 
schaftlich und damit vereinzelt, steht unter dem Einfluas des 
iistlich anstoUeuden badischen Lands. Die Herrschaft 
Kirchhöfen scheidet mit Ehren stetten gegen das obere Tal 
der Möhlin, dessen Orte Bollschweil und Holden in anderem 
Besitz waren, Beziehungen zu St. Ulrich hatten und über 
Wittnau mit dem D reis am gebiet zusammenhängen. Die Grenze 
im Wald zwischen dem Quellgebiet von Dreisam einer- 
seits und Nenmagen, Wiese andererseits sehe ich in erster 
Linie als natürliche an. Zur Hauptsache trifft sie zugleich 
mit der pulitiscben von St. Trndbert und Hauenstein zusammen. 

Oestlich des Feldbergs geht die Sprachgrenze 



') Das FoUti^ohe nach All). Eriuger, topograph. Wörterbuch d, 
Gh. Baden and J. B. Kolb, hi«t.-stat.-top, Lexikoo v. d. Uh. Baden 1819. 



J 



Die ürenzp voiu aalautcüdiii k gegen anlouteniies cli 



133 



zwiechen Löffingeii iinil Bonndorf mit einer deutlich 
erkennbaren natürlichen und politäscben Grenzscheide zu- 
sammen. Die Wut ach, von ihrer Entstehung aus Gutach 
mid Haslach an, scheidet bis zur Ecke bei Achdorf mit ihrem 
zum Teil völlig unzugänglichen Tal. Die Orte im Tal- 
i.'inschnitt und südlich desselben haben alle ch-, die nördlich 
alle k-, außer Mundelfingen. Politisch gehörten erstere 
zu St. Blasien, zur Hauptsache früher schon zur Grafschaft 
Bonndorf, letztere zu Fürstenberg, Die Wutach scheidet auch 
die großen Pfan'eien Lfiffingen einerseits imd Gündelwangen 
(nach Kolb früher zu dem beträchtlich südlicher gelegenen 
Bettmaringen) , Ewattingen, Achdorf andererseits. Endlich 
trennt die ostwärts fließende Wutacb von alters her den Albgau 
von der Baar. Von der ältesten Zeit bis zu Beginn des 
19- Jahrhunderts bestanden also hier politische Grenzen (s, 
auch Haag, S. 05, 97). Die Talurte des an der Wutach- 
beuge von Norden einmündenden Krottenb ach s haben wie 
die Talorte der Wutach selbst ch-, die Grenze weicht nord- 
wärts zurück bia zu den breiten waldigen Höhen, aus denen 
sich der Fürstenberg erhebt. Mit den Orten im Krottenbach- 
tal, Eschach und Üpferdingen ist auch Mundelfingen zusammen- 
zunehmen. Sie bilden ursprünglich eine PfaiTci, Der ch-Laut 
in Miindelfingen wird weiter dadurch verständlich gemacht, 
dass der Ort auf zwei Seiten im Tal ch-Orte neben sich 
hat und auf der einen Seite durch die tiefein schneid ende 
Gauchach von den nächsten k-Orten getrennt ist. Gegen 
Hansen iind Döggingen im Norden mag einstens der Wald 
einen stärkeren Riegel gebildet haben als heute. Bei all dem 
bleibt die Lage nördlich der Wutach dem k-Laut ausgesetzt 
und es ist nicht zu verwundern, wenn dieser, wie mir an- 
gegeben wird, heute dort eindringt. 

Vom Krottenbach an durchschneidet die Sprachgrenze 
die Baar, nachher den Hegau. Die Gaugrenzen kommen also 
nicht mehr apracbscheidend in Betracht. Anch die späteren 
großen Herrschaften, zunächst Fürstenberg, gfgen den Boden- 
see hin Nellenburg werden mehrfach durchschnitten. Wie 
lannäcfast das waldige Hügelland um den Furstenberg 



I 



^RannäcfaBt d( 




L 



her scheidet, so scheiden jeuseits der Aitrach in südöBtlicliem' 
Zuge auf die Aach bei Singen zu die Bergkegel Hohen- 
heweii, Uuhenkräheu und die verbindenden Htlgel- 
BÜge. Schon der Neuhewen würde scheiden, wenn nicht Stetten, 
dem benachbarten, bachabwärts liegenden Zimmerholz folgend, 
k-Laut hätte. Aufl^It das Verhalten der Orte an der 
Aitraoh, In einer Entfernung von je 2 bia 3 km folgen 
sieh an der Aitrach van der Mündung in die Donaa. 
her aufwärts, Kirchen, Aulöugen und in einer Seitenschlucht 
Leipferdingen. Nach Kirchen heißt das Tal heute nooh 
Kirchtal , Kirchen war nach Kolb früher für Aulfingen, 
Stetten und die nächsten Orte an der Donau der kirchliche 
Mutterort. Zwischen Aultingen und Leipferdingen besteht 
kein Zusammenhang. Dennoch geht die Sprachgrenze zwischen 
Kirchen und Stetten einerseits und Aulfingen andererseits 
durch, Auifingen von den übrigen Orten des Kirchspiels 
trennend und zu Leipferdingen hinüber teilend. Auch aoa 
den Lehens Verhältnissen weiß ich keine befriedigende Ursache 
für das sprachliche Verhalten zu schöpfen. Das nächste 
Grenzstück bis zum Hohenkrähen und der Aach, mit 
physikalischen Grenzen zusammentreffend, lässt sich auch mit] 
den territorialen in Einklang bringen. Von den ch-Orten ge-' 
hörte Wetterdingen zur Herrschaft Blnmenfeld, Weiterdingea 
und Duchtliiigen waren ritt er so haftlich, auf der anderen Seite 
waren Welschingen und Ehingen fiirstenbergisch, Mühlhausen 
und Hausen nellenburgisch, Schlatt ritte rschafti ich. Singen 
mit ch-B^ormen war der Voi-ort einer eigenen vorderöstei^ 
reichischon Herrschaft. Am Ausgang der Grenze, an der 
Einmündung in den Bodensee, machten sich noch einmd 
die natürlichen Verhältnisse allein geltend. Böhringen undi 
Üeberlingen, beide zur Herrschaft Nellenburg gehörig und 
beide bis 1583 oder 1538 (beides bei Kulb) in hodmannischem, 
dann radoifzeller Besitz, sind durch die Sprachgrenze gfr- 
schieden. Die Ursache bildet das dazwischen liegende Bied. 
Aber das ganze letzte Stück der Grenze wird wie oben gesagt 
recht jung sein. 

Von den Spi-a chinscln hat Enimingen Nachbarorte 



I 
I 
I 



Die GreuKP vom aulauteuiieii k gc^gcri uiikutendea 



135 



nur im Osten und Westen. Im Norden liegen Wälder und 
Schluchten, im Süden zieht das tiefeinschnoidende Wasserburger 
Tal hin. Emmingtin selbst gehörte zur ffirstenbergischen 
Herrschaft Hohenhewen, der Nachbarort im Osten, Liptingen, 
zur vorderösterreicliischen Herrechaft Neuenbürg. Unter den 
gleichen politischen Hen^en wie Emmingen standen nur die 
westlichen Nachbarorte, Hattingen und Biesendorf. Gaben 
68 die Verhältnifise, dass in jener Gegend durch Umgehung 
eine Insel entstand, so ist wol verständlich, wie gerade das 
auf drei Seiten durch Grenaen geschützte Emmingen übrig ' 
bleiben konnte. 

Neuenburg am Rhein ist, wie schon gesagt, durch eine 
Brücke mit dem gegenüberliegenden, gl eich sprach igen, elsässi- 
sehen Ufer verbunden. Zeitweilige Reichsstadt, auch weiter- 
hin Stadt von Bedeutung und anderer politischer Zugehörig- 
keit als das benachbarte Miillheim, konnte es wol spraohliohe 
Selbständigkeit wahren. 

L>ie Sprachgruppe um Basel stützt sich auf diese Stadt. 

Die Spraühform des Münstertals verdankt ihre Er- 
haltung dem abgelegenen Vogesentale. 

Der Erklärungsversuch hat es nicht zu der 
wünschenswerten Bestimmtheit gebracht. Er hat dio 
aprachscheidenden Ursachen nicht genau auf ihr Alter be- 
stimmen können, er hat zum Teil verschiedene mögliche Ur- 
sachen nebeneinander nennen inüsaen, er wird in manchem 
noch zu ergänzen und zurechtzurücken sein. Und doch sind 
aoch solche unvollkommene Versuche nicht zu umgehen. Nur 
auf Grund einer größeren Anzahl von Erklärungsversuchen 
können unsere heute noch zumeist auf allgemeinen Erwägungen 
beruhenden Anschauungen über Sprachgrenzen genügende Be- 
stini mtbeit und Begründung gewinnen. 

Gegenüber der naiven Annahme, dasa die Grenzen der 
Sprachformen der Regel nach und direkt auf solche der alten 
Volksstämme und deren Teile zurückgehen , war von der 
Mundarten gen grap hie zunächst an bestimmten Beispielen zu 
zeigen, dass die große Mehrzahl heutiger Sprachgrenzen mit 
diesen Grenzen unvereinbar ist und viele von ihnen nach- 



136 



Bolineiiberger 



weisbar auf Verkehragrenzen aus den letsten Jabrbnnäafl 
zurückgehen. Damit ist aber für Sprachuntei-achiede,! 
über die letzten Jahrhunderte zurückgehen, ein älterer Tl 
lüufderGrenzeverschiedeii von dem heutigen! 
geben. Beide sind grundsätzlich auseinander zu halten. ■ 
dürfen daher eine heutige Sprachgrenze nicht ohne weitJ 
der räumlichen Begrenzung der Heimat eines älteren Spia 
denkmals zu Grunde legen. Dies geschieht aber nocn 
weitem Masse, Andererseits müssen freilich auch die ältd 
Grenzlinien su gut wie die heutigen und die der letzten jj 
hunderte auf Verkehrsgrenzen ihrer Zeit zurückgehen. SoJ 
diese Grenzen nicht natürliclie, sondern politische waa 
spielten unter ihnen die Stammesgrenzen eine große, | 
Gaugrenzen eine nicht unbedeutende Rolle. Ebenso | 
heutigen politischen Grenzen sind also auch den Staiun 
und Gaugrenzen einst Sprachgrenzen gefolgt. Gehen an 
die heutigen Sprachgrenzen nicht auf Stammes- und O 
grenzen zurück, so doch immerhin ein Teil der vona 
zusetzenden früheren. Der Nachweis eines solchen J 
sanimentreffens wird zwar auch dann, wenn die Arbeit J 
heutigen und der mittelalterlichen Mundartengeographie eiiM 
beträchtlich weiter furtgeschritten ist, nur in seltenen Fd 
zu erbringen sein, dasselbe ist aber immer in Rechauag 
nehmen. Für die landschaftliche Bestimmung alter Spifl 
denkraäler kommen diese ältesten politischen Grenzen S 
wieder in Betracht. Auch wird da, wo eine altera politia 
Grenze tiel, die ihr etwa folgende .Sprachgrenze oft gBQU^ 
die nächste weiterbestehende politische Grenze gerückt ■ 
Letztere wird nun wol die Ursache der später geltad 
Sprachgrenze, aber nur in abgeleiteter Weise. Für die k-fl 
Grenze bin ich nur auf die Bestimmung und Erklärung^ 
heutigen Grenze ausgegangen und dies war nach d 
der Dinge zunächst auch allein möglich. Dasa die henfl 
Grenze nicht in allen Stücken den Verlauf der ursprüngliM 
Grenze darstellt, ist nach dem Alter des aprachlio™ 
Unterschiedes von vornherein zu erwarten. Üb anlauta 
oh- aus germanischem k- selbst schon im Verlaufe derz 




erlaufe dei z^g^^^ 




BuUyt-ui^Umamm'Unu Folge Bd.l.(2SJH,fLlt 



Die Grenze vom anlautenden k gegen anlautendes cli 137 

Lautverschiebung entstand, oder erst in gewissem Abstand 
von dieser, jedenfalls reicht anlautendes ch- ins 10. Jahrhundert 
und seine Vorstufe kch- in die Lautverschiebungszeit zurück. 
Die Verhältnisse der Grenzlinie und die Sprach- 
inseln bestätigen die Annahme eines abweichenden 
Verlaufs der Grenze in älteren Zeiten. Wo sich im 
einzelnen sprachscheidende politische Grenzstücke anführen 
lassen, die über den Ausgang des Mittelalters zurückgehen, 
liegen zugleich jüngere politische oder natürliche Grenzen vor. 
Ich habe aber mit Absicht auch diese älteren Grenzen namhaft 
gemacht. Seit die Erkenntnis von dem verhältnismäßig jungen 
Alter der Mehrzahl der Sprachgrenzen durchgedrungen ist, 
hat man umgekehrt sorgfältig auf alle alten Spuren 
hinzuweisen. 



Die Mundart von Schwennirtgen und Umgebung 
nach Karl Haag. 

Villi Karl Bohnenbei^er, Tiiliingen. 

Die Jlundait von Schwenningen a. N. und die benaab- 
barteil Baainmiid arten hat Karl Hajig in einem Progruratn 
der Reutlinger Realanstalt behandelt, derselben Anstalt als 
deren Programme früher Wagners Abhandlungen über die 
Reutlinger Mundart erechienen. Der Titel ist: Die Miinil- 
arten des oberen Neckar- und Donaulandes (schwäbiBch -ale- 
mannisches Grenzgebiet: Baarmundarten) mit Karte, Reut- 
lingen 1«98. 

Es ist eine sehr HeiÜige, sachkundige und gut durch- 
dachte Arbeit, sie fördert unsere Kenntnis mundartlicher Ver- 
hältnisse wie der damit zusammenhiingenden Fragen in erheb- 
lichem Malie. In vier Teilen enthält sie: 1. eine Darstellung 
der Mundart von Schwenningen, 2. eine vergleichende Da^ 
Stellung der Baarmundarten, 3. eine Darlegung der geo- 
graphischen und historischen Beziehungen, 4. Sprachprobeo 
aus dem schwäbisch-alemannischen Grenzgebiet. 

Die Mundart von Seh wenningen ist alemannisch, 
nicht nur nach den vokalischen Kennzeichen des Alemannischen. 
sie nimmt auch im Konsonantismus und der Silbenbildung 
an den cliaraktiiristischen Eigentümlichkeiten des Aleman- 
nischen teil. Es ist von großem Interesse, dass sich in 
der Mundart von Schwenningen ein Vertreter der nÖrdlichBteTi 
Teile des Alemannischen östlich des .Schwarzwalds in den 
grundlegenden Fragen von Konsonantenlänge und Silben- 
) südlich des Rheins übereinstimmend 



Die Humlart vou SchiveDiiingeii iiuil T.'mgeliung 



13U 



erweist. Um so dankeuswerter ist, dass Haag nicht nur den 
Vokalismua sondern auch diese schwierigeren Fragen gründ- 
lich angefasst hat. 

Ich stelle die Ergehnisse von Haags Arbeit zusammen 
nnd suche sie durch Vergleichung mit den Nachbarmundarten 
besonders SchafFhausen und Basel') noch mehr zu beleuchten. 
Gleich in den von Haag vorangestellten Fragen nach 
der Silbe nbildung und Konsonanten Quantität 
zeigt Schwenningen weitgehendes Zusammentreffen mit den 
schweizer Mundarten und starke Abweichungen von den 
nächsten schwäbischen Bezirken. Wie bei erateren treten 
hinter dem Tonsilben vokal eine Reihe von Konsonanten, 
üb für sieb stehend oder in Verbindung mit anderen, als 
Längen auf und enthalten im Wortiulaut die Silben- 
grenze in sich, indem ihr erster Teil zur vorausgehenden, 
der zweite zur nachfolgenden SÜbe gehört. Von den Ge- 
riluschlauten sind es 1. die Exploeivae fortes des Ahd., 
ob für sich oder vor einem anderen Konsonanten oder nach 
einem nicht geteilten Konsonanten auftretend, '2, die stummen 
Spiranten des Ahd., die germanischen Explosivae fortes 
entsprechen (zz, ff, hh), wieder für sich stehend oder vor 
einem andern oder nach einem nicht geteilten Konsonanten, 
3. die germanischen stummen Spiranten, wo sie gemi- 
nirt oder vor Explosiva fortia auftreten. All diese Kon- 
Bonanzen geben positione lange Silben. Kurzer Tonsilben- 
vokal bleibt vor ihnen ungedehnt. Kurz sind und im Wort- 
inaern als An laut der folgenden Silbe werden gesprochen 
1. Explosivae lenes, einfach oder mit anderen Konsonanten 
verbanden, 2. die germanischen stummen Spiranten, 
einfach und für sich allein stehend. Von den sonoren Kon- 
^jpnanten sind kurz und werden zur folgenden Silbe gezogen 
^H|tii tiuch wo es sin Stelle von älterem rr steht, 2. Nasale 
^Hbä 1 vor langem Vokal. Als lange im Inlaut 

') Nntih H. Stickfl berger, Lautlehre der lebenden Uundnrt vud 
SebalThaiueii. Aarau 1881. Disa, und PBiil-Brnune, BeitrNge 14, 381. — 
X. Heualer, Der alemauniache EoDBocantiemus in der M.A. von Basel. 
trniBbQrg leSÖ. 




d 



140 BoliDenberfier 

auf beide Silben verteilte Laute werden Nasale und 1, «h 
für sich allein oder in Verbindung mit einem andern nicht 
geteilten Konsonanten auftretend, nach kurzem stark- 
tonigem Vokal der heutigen Mundart gesprochen. Wo 
heute kurzer Vokal vorliegt uud somit die Dehnung von 
folgendem Nasal oder 1 eintrat, und wo vielmehr langer Vokal 
mit kurzer Konsonanz gesprochen wird, ist beim Vokalisnius 
zu bestimmen. Historisch angesehen ist die Länge der 
„doppelten" Spiranten des Alid. erhalten und zwar nicht nur 
vor kurzem sondern auch vor langem Vokal, und es ist 
mehrfach alter kurzer Konsonant gedehnt, beides im 
Grundsatz übereinstimmend mit den schweizer Mundarten 
und gegen das heutige Schwäbische, das keine langen Kon- 
sonanten kennt. Von der Dehnung beti-offen sind die Explo- 
sivae fortes, die germanischen Spiranten vor Explosiven, die 
Nasale und 1 in bestimmten Fällen. Die Llehnung der 
Explosivae fortes erklärt sich ans der Wechselbeziehung 
von Intensität und Länge im alemannischen Konsonantismus. 
Die Dehnung der sonoren Laute, Nasale und I, hängt 
mit Wintelers Silbengesetz zusammen, sie zeigt aber starke 
Abweichungen auf Grund von Systemzwang. Sollen nach 
Wintelers Gesetz in seiner weiteren von Heusler gegebenen 
Fassung nach kurzem starktouigem Vokal tantosyllabischf 
sonore Konsonanten gedehnt werden, so erklärt sieh damit 
die Dehnung von Nasalen und !, die Schwenningen im 
Wortauelaut und vor anderweitigen Konsonanten aufweist, 
die Dehnung von einzelnen sonoren Konsonanten im Inlaut 
muss aus dem Auslaut Übertragen sein, umgekehrt ist auch 
im Auslaut oder vor folgenden anderweitigen Konsonanten 
nicht überall die Dehnung von Nasal und 1 durchgeführt, 
sondern mehrfach dafür der Vokal gedehnt. Hier muss also 
die von Heusler aufgestellte Verschiebung von Vokalkür» 
mit Konsonanten länge zu Vokallänge mit Konsonantenkürm 
vorliegen, oder es muss die Inlautfoim, in welcher der Vokal 
im Silbeuauslaut stand und in Schwenningen gedehnt werden 
konnte, in den Wortauslaut übertragen sein. Die Dehnung 
der germanischen Spiranten vor Konsonanten ist auf- 



Die Miuidait vuu Sdiwenniugeti und Umgebung' 



141 



fallend, dooli erkennt auch Stickelberger i'ür ■Schatfbfiusen 
(Beitrfige 14, 447), x-st, x-xs nach kurzem Vokal au, Soll 
nach Wintelers Gesetz auch taiitosyllabisehe Spirans nach 
kurzem Tonvokal gedehnt werden, so miisste dies auch die 
wortatisiautenden Spiranten treffen, bez. wUre Verdrängung 
der auslautenden Form durch die inlautende anzunehmen. 

loh habe mit Absicht von Dehnung der Spiranten 
und sonoren Konsonanten gesprochen, die Anwendung 
der Bezeichnung Fortis auf diese Laute aclieint mir wenig 
glücklich. Wohl gehen die von den Schweizern als Fortes 
bezeichneten Spiranten und Konsonanten in ihren Wirkungen 
zum grossen Teile mit den Furtes explosivae zusammen, aber 
ich glaube die Klärung der schwierigen Fragen nach Kon- 
' sonantenquantität , Konsonantenintensitüt und SUbengrenze 
wird durch die Anwendung des schillernden Ausdrucks Fortis 
nur aufgehalten. Bei den Dauerlauten scheint mir immer 
der ijuantitäts unterschied die Hauptsache zu sein, nicht der 
des Drucks. Auch bei den Explosivlauten kann sich mit 
dem Druck unterschied eiu solcher der Quantität verbinden. 
Will man eine gemeinschaftliche Beziehung für das Verhalten 
von Spiranten und Explosivlauten, so ist es in letzterem 
Falle die der Quantität. Von geringerer Bedeutung scheint 
mir die Frage zu sein, ob man die auf Silbenschluss und 
Stlbenanfang verteilten langen Konsonanten alsGeminaten 
zu bezeichnen hat. Missverständnisse und Unklarheiten sind 
hier weniger zu befürchten. Immerhin scheint mir bedenklich, 
wenn Stiokelberger aufstellt (S. 13), Fortis zwischen Vokalen 
eei stets Geminata, Fortis im Auslaut künne unmöglich als 
Geniinata gesprochen werden. Hier hat H. wieder scharf 
beobachtet. Er stellt lange Explosivlaute für Schwenningen 
im Auslaut ebensogut wie im Inlaut fest und bemerkt, dass 
tlamit thatsächlich eine weitere Silbe entstellt: röt-t (S, 29). 
Ursprünglich wird freilich die Delmung nur dem Inlaut zu- 
kommen. 

Da bei den Vei-schlusslauten zu Lenis und Fortis noch 
aspirirte Fortis binzukomnit, so kennt Schwenningen wie eine 
der schweizer Mundarten dreierlei Verschluss- 




142 BoliDenlierfrer 

laute gegen zwei, Lenes und aspirirte Fortes, dn Sohwäbischm. 
Aspirirte Fortis gilt in Scliwenningea auller in Fremd- 
wörtern für germanisch anlautend k vor Vokal wie in Basel 
und wie im Schwäbischen. Im .S\V. der Karte jenseits der Donau 
folgt X-, daher dieses in Schaft'hausen. Dagegen geht Schweu- 
ningen nach H. mit Schaffhausen gegen Basel in Bewahrung 
der unaspirirten Fortis t im Anlaut = ahd. t, germ, d, 
in der Verwendung von t statt d für die Mehrzahl der an- 
lautenden germanischen th und in der Bildung von k- 
und p- aus ge- und be- hei Vokalausstoßung, zugleich in 
allen drei Punkten sowie in der auch für Basel geltenden 
Verwendung von t- für den abgeschlüfenen Artikel sieh vom 
Schwäbischen imterscheidend. Die vou H. aufgeführten Belege 
für Erhaltung von anlautendem d aus gennanisehem th stimmen ' 
zum grossen Teil mit den von Stickelberger gegebenen. 

In der quantitativen Behandlung der Vokale 
hat Schwenningen mit Schatfhausen mehr gemeinschaftlicb 
als mit Basel. Schwenningen kennt oflene kurze Silben iiu 
Wortinlaut. Zu den zwei Hauptfragen der Dehnung 
offener Silben und der Dehnung im Wortaaslaut 
stellt sich Schwenningen so, dass im Auslaut vor ein- 
facher Explosiva lenis und vor ein fächern kurzem 
Dauerlaut im Grundsatz gedehnt wird, der Vokal offener 
inlautender Silben vorExpIosiva lenis, vor kurzer 
Spirans und vor einfachem Kasal kurz bleibt, wäh- 
rend Basel hier gruudsätzlich dehnt. Die Stellung vor 
einfacher Li<)uida im Inlaut und vor Nasal oder 
Liquida mit Konsonant im Inlaut uud Auslaut hat 
ihr besonderes Verhalten. Im letzteren Fall geht heute die 
Inlautstellung meist mit der Auslautstelluog zusammen, dofOr 
ergeben sich aber auch nur in wenigen Fällen durchgreifende 
Regeln. Wie in anderen alemannischen Mundai-ten haben 
Verschiebungen zwischen Vokalkürze vor Nasal- bez. Liquid»- 
länge und Vokallänge vor Xasal- bez. LiquidakUtze statt 
gefunden. Dabei sind von den einzelnen Vokalen wie iii 
Schaffhausen die offenen der Dehnung mehr zugäng- 
lich als die geschlossenen, wie dann umgekehrt andernürta 



^1 Die Mundart von Sdiwenniiigen und Umgebung 14)i 

(Basel, Toggßnburg, Schaffhaiisen| unter den Längen gerade 
letztere am meisten der Kürzung unterliegen. Vor ein- 
facher Liquida und vor h im Inlaut werden e, g, a, o 
gedehnt. Von den Konsonantengi'uppen mit Liquida an 
erster Stelle hat ehemaliges rr stets langen Vokal vor 
sich uuter Kürzung von rr zti r, vor r und sonstigen 
Konsonanten wird nur g, a, o gedehnt (ähnlich Schaff- 
hausen §, a, o, ö, Basel aber alle Vokale!), Unter den 
Gruppen von n rait Konsonant hat nicht nur n mit Spirans 
regelmäßige Vokaldehnung vor sich, sondern meist 
&uch nk, mpf, während sonst überall Kürze vorherrscht. 
Bei folgendem nd zeigen sieh Spuren von Dehnung im alten 
Auslaut gegen Erhaltung der Kürze im ehemaligen Inlaut. 
Vor ral, mr aus -mer, -mel wird so gut wie in Basel und 
im Schwäbischen kurzer Vokal bewahrt sein, wahrscheinlich 
unter Dehnung des Nasals, 

Alte Längen sind nicht selten gekürzt, aber ohne dass 
sieb eine Regel erkennen lässt. In einfachen Wörtern ist die 
Vokalkürzung meist verbunden mit Konsonantendehnung, im 
Auslaut des ersten Teile von zusammengesetzten Wörtern 
herrscht sie auch ohne diese. 

Das Kapitel Vokalqualität zeigt in mehreren Stücken 
Uebergang zum Schwäbischen. Die Entrundung von 
ü und (i reicht noch beträchtlich über Scbwenningen nach 
Süden, die Karte giebt löt nur in einem Ort: Mühlhaiisen 
jenseits Engen. Dagegen bleibt die Diphthongirung 
von 1 und ü zwischen Rottweil und Scbwenningen stecken, 
ebenso die von , nt, &. Für beide Grenzen hat schon 
Fischer Linien gegeben und ich habe die erster e in den 
Württ. Vierteljahrsheften für Landesgeschichte N. F. ii. 
176 ff. behandelt. Fischers bez. meine Ansetzung der Grenz- 
linien zwischen Deisslingen und Dauchingen wird durch H.'b 
Karte bestätigt. Am Westrand reicht in die Karte noch auf 
einige Orte (Bonndorf, Herzoge nweiler, Schenkenzell) ai statt 
qa auB ahd ai herein, Scbwenningen ist noch durch mehrere 
Orte von der Grenzlinie getrennt. Für ^a als Umlaut von 
oa hat H. 5 Plnrale und die Deminutive als Belege, nach 



144 






meinen anderweitigen Beobachtungen kommen auch die Koni- 
piivative dazu. Fiir mhd. e gilt wie im Schwäbischen in 
DehnungasteHung ga, die Länge g tritt westlich von Schweo- 
ningeu auf. Vor Nasalen zeigt Seh wenn ingen Ueberganga- 
stufen. Die achwäbisohen geschlossenen e- und o-Laute reichen 
nicht her, was an e- und o-Lauten naaalirt auftritt, ist 
offen, dagegen ist der Uebergang von i zu e vor Kasal in 
ga aus ie noch vertreten. Mhd. e vor Nasal erscheint regel- 
mäßig als ^, mhd. u als o und als u, mhd. '6 ala /. 

Im Tiefton werden die vorderen Vokale und Di- 
phthonge zu e bez. i, die hinteren zu e. Als vordere Vokale 
gelten i, (i, ü, während e zu den hinteren rechnet. Ala Ver- 
treter der vorderen Vokale erscheint i in geschlossener Silbe 
und vor dem Hoehton. 

Aus H.s Bemerkungen über den Akzent hebe ich her- 
vor, dass in Schwenningen die unechten Diphthonge stets 
zweigipflig sind , und dass sich der musikalische 
Akzent sehr bemerklich macht, besonders am Satzende. Eine 
Einwirkung des abfallenden auslautenden e auf den Akzent 
der vorhergehenden Tonsilbe hat II. nicht beobachtet. 

Die im zweiten Teil gegebene vergleichende Dar- 
stellung der Baarmundarteu beruht auf sehr mühsamen 
Aufeahmen, sie enthält eine Menge sehr lehrreicher Beob- 
achtungen und Darlegungen , zum großen Teil illustrirt 
durch eine Karte. Die Karte stellt einen eigenartigen Ver- 
such einer Sprachkarte dar. Des Verfassers künstlerisches 
Auge hat da mitgewii'kt und das Ganze ist sehr fein ausge- 
dacht. Die Grenzlinien um die Orte her sind entsprechend 
der Zahl der abweichenden Nachbarorte gebrochen. Die 
Breite der Grenzlinien iet der Zahl der ihnen folgenden 
Wijrter entsprechend gewählt. So erhalten wir neben dünnen 
Linien sehr dicke, die viel Raum brauchen. Dass alle 7S 
Sprachlinien samt H Linien politiseher Grenzen auf einem 
und demselben Blatt gegeben sind, wird aus Gründen der 
Sparsamkeit geschehen sein. Dass die Uebersichtlichkeit auch 
bei einem Malistabe von etwa 1 : löÜütK) darunter stark 
leidet, ist selbatverstilndlicb. Ein großer Vorzug ist. dasa 



Die llomlart v 



1 Soll wenn in gen unrl Umgebung 



145 



• Ortsnamen voll gegeben sind und die Ortapunkte beige- 
letzt, Dagegen aoUten die Städte bedeutend mehr hervot- 
kreteu. Fett- und großgedruckte Städtenaraen geben dem 
mchenden Auge den ersten Anhaltspunkt, Dem gleichen 
weeke dienen stark eingetragene Flussläufe, die so zu halten 
lud, dass sie neben den Sprachlinien noch ganz gehörig zur 
Geltung kommen. Der Versuch, auch Berg und Tal anzu- 
deuten, ist, wie der Verfasser selbst bemerkt, nicht gelungen. 
Ich glanbe man wird künftig auf Sprachkarten, diejenigen 
kleinster Ausdehnmig ausgenommen, am besten ganz auf Ein- 
aeichnuug von Berg und Tal verzichten und hiefür auf die 
jedermann zugänglichen Keichs-K arten 1 : lOOOOU verweisen. 
pie Farben sind bei den .Sprachlinien gut gewählt, aber ein 
ßtundmangcl ist, dass aus der Karte nicht zu ersehen ist, 
^uf welcher Seite der Linie die eine und die andere der 
mterscbiedenen Formen liegt. Diesem Uebel haben schon 
Vorgänger abgeholfen durch Beisetzung eines be- 
||[leiteiiden schwarzen Strichs. Die schwarzen Linien der 
»litischen Grenzen verschwinden unter den farbigen Sprach- 
inien völlig. Es scheint mir empfehlenswert , die poli- 
iscben Verhältnisse an den Ortsnamen oder wol noch 
»SB er an den Ortspunkten anzubiijigen. Verschieden- 
ubige Ortspunkte treten deutlich heraus. Es ist dringend 
wünschen, dass künftige Sprachkarten sich die Erfah- 
Finingen ihrer Vorläufer zu Nutze machen und dass man sich 
Wld auf ein möglichst durchsichtiges und möglichst wenig 
aagenschüdigendes Verfahren einigt. 

Den Ausführungen des zweiten Teils und den Angaben 

: Karte gehen als vierter Teil Textproben zur Seite. 

sind aus S'2 Orten genommen von Rottweil bis über 

ingeu hinaus und vom Heuberg bis Kappel bei Neustadt. 

I sind Orte darunter mit einfachem t und mit kurzer Spirans 

B germanischer Explosiva fortis. Anhaltspunkte für das Auf- 

I der betreffenden Grenzlinien sind also gegeben. 

emeine und grundsätzUcbeErörterungen, 
ne sie sich an genau bestimmte Sprachgrenzen anschließen, 
nbt H. in seinem dritten Teile. Ueber die Unterscheidung 




] 46 Bolineubergpr 

von Lautwandel und Wortverdrängung, wie über 
die Auedelinung des Lautwandels trägt er recht ge- 
sunde Anschauungen vor. Man darf sich freuen, diese durch 
eine so sorgfältige Arbeit gefestigt zu sehen. Im einzelnen 
stimme ich ihm ausdrücklich in der Annahme bei, dass auch 
die Wortverdrängung zu gewisser Regelmäßigkeit führen 
kann. Wenig Bedeutung lege ich dem Versuch bei, „aktuellen" 
und älteren Lautwandel grundsätzlich zu scheiden. Ersterer 
sei ungestört, letzterer gestört. Im Gmnde scheidet eben 
der Gesichtspunkt gestört ■ ungestört und nicht das zeit- 
liche Verhalten. Unter den sprachscheidenden Verkehrs- 
hindernissen wiegen in der Schwenninger Gegend die 
historischen Grenzen sehr vor gegen die natür- 
lichen. H. betont dies auch sehr bestimmt, wie mir scheint 
etwas einseitig. Das Gelände bietet schon gar nicht so 
vielAnlass zu natürlichen Grenzen als man auf den ersten 
Blick annehmen könnte. Vom Schwarzwald rückt nur der 
Verhältnis mäli ig flache und wenig durchschnittene Ostraud 
in die Karte herein. Die Alb ist wol mit beträchtlichen 
Steilabfällen und dem hohen und stark abgeschnittenen Heu- 
berg vertreten , aber die wenigen Orte des Heubergs unter- 
liegen der Beeinflussung von beiden Seiten , weil sie kein 
Hinterland haben, an das sie sich anlehnen könnten. Von 
tiefeinschneidenden Flusatälern wirken, wie H. selbst 
sieht, das Wntachtal und das Beeratal sprachscheidend. 
Neckar und Donau werden, wo sie Hefer einschneiden, von 
den Sprachwellen ijuer geti-offen und sind deshalb nicht ge- 
eignet diese aufzuhalten. Hat man sich auf diese Dinge 
etwas eingelesen, so findet man doch noch mehr natürlich 
bedingte Sprachgrenzen heraus, als H. zugeben will, Icli 
halte es nicht für überflüssig, auch hier ausdrücklich zu be- 
tonen, dass neben Berg und Tal auch Wald und Ried 
in Betracht zu ziehen sind. Auch anderwärts treten dl« 
natürlichen Grenzen nicht in großen Zügen hervor, man 
■muss sie von Ort zu Ort heraussuchen. Aber im ganwn 
genommen erweisen sich in der Schwenninger Umgebung (iin 
geschichtlichen Grenzen als die stärkeren, Ein besondprs 



Die Mundfli't 



3 Schwenningen und L'mgebuDjj; 



147 



auffallen des Beispiel ist Aixheim, das durch ein ganzes Bündel 
Von Sprachgrenzen von seinem nattirliclien Nachbarort Aldingen 
' 'getrennt und auf Seiten der Neckarorte jenBeits eines liüg- 
Hgen Waldlands (Aichhofwald) gewiesen ist. 

Ueber das Alter der sprachacbeidenden politischen 
Grenzen um Schwenningen kommt H. zu dem Ergebnis, 
dass sie alle im Laufe der letzten 3(K) Jahre noch 
in Geltung waren, dass keine früher erloschene 
itiscbe Grenze beute noch als Sprachgrenze nach- 
üfirkt. Es wird nicht überflüssig sein, wenn ich ansdrüok- 
Eeh hervorhebe, dass damit nicht gesagt ist, die heu- 
■igen Sprachgrenzen um Schwenningen her stammen 
Jllle aus den letzten 30fl Jahren, sondern nur, alle 
ralteren Sprachgrenzen seien verschoben worden, wenn sie 
innerhalb des bezeichneten Zeitraums mit den politischen 
Grenzen in Widerspruch gerieten. Ich habe das Ergebnis 
H.'s nicht im einzelnen nachprüfen können, dasselbe stimmt 
aber ganz wo! zu unseren heutigen Anschauungen, Doch 
hat man bei Aufstellung allgemeiner Sätze über das Alter 
von Sprachgrenzen wie bei Erklärung des einzelnen Falls 
immer noch sehr vorsichtig abzuwägen, Verallgemeine- 
rung des hier gewonnenen Ergebnisses, Einzwängung eines 
beliebigen, einzelnen Falls in eine auf die Schwenninger 
Verhältnisse gegründete Regel wäre nicht berechtigt. Ab- 
gehende politische Grenzen werden sich länger als Sprach- 
grenzen halten, wenn sie zu den natürlichen Grenzen passen, 
als wenn sie diesen widerstreben. Aber auch ohne Einwirken 
der natürlichen Grenzen ist die sprachachoidende bez. sprach- 
einigende Wirkung der verschiedenen einander ablösenden 
politischen Grenzen verschieden, die eine wirkt daher auch 
-länger nach und widersteht einer jüngeren Linie länger als 
e andere. Auch werden abgehende politische Grenzen länger 
B Sprachgrenzen bestehen bleiben, wenn ein Bündel sprach- 
iier Unterschiede, als wenn nur ein einzelner wenig bemerk- 
ihar unterschied mit ihnen zusammentrifit. 

Die heutige württembergisch-badische Grenze wirkt im 
u» sehr stark sprachscheidend bezw. sprach aus- 




14s Bohnealierger. Die Mundai't vou Schwemiii 

gleichend, stärker als die Grenzeu kleiner Territonen i 
letzten Jahrhundertü. Wenn XeuhauBen ob Eck gegen seine 
geographische Lage und gegen mittelalterliche Grenzen Leute 
mit Tuttlingen geht, so ist fraglich, ob auch die Grenzen 
der letzten Jahrhunderte in gleich kurzer Zeit in demselben 
MaUe sprach verschiebend wirkten. Dass die tiefsten sprach- 
lichen Einschnitte denjenigen unter den während der 
letzten drei Jahrhunderte bestehenden Grenzen folgen, welche 
die ältesten und heute rund 10()0 Jahre alt sind, hebt 
H. selbst hervor. Wo eine Sprachgrenze in längerer Aus- 
dehnung mit einer seit Alters bestehenden politischen Grenze 
geht, ist es immer von Interesse, ilie daneben auftretenden 
Abweichungen nachLagy und Ausdehnung zu untersuchen. 
Mannigfach lässt sich eine Abweichung erklären, ihr Alter be- 
stimmen, und damit die Sprachgrenze für ältere Zeit auf die 
sonst eingehaltenen älteren politischen Grenzen zurückbringen. 
Ebenso ist in all den Fällen, wo die Grenze eines sprach- 
lichen Unterschieds mit einer politischen Grenze geht, die 
jünger ist als jener, diese Tatsache ausdrücklich hervor- 
zuheben und nach einer erloschenen älteren politischen Grenze 
zu suchen, an die sich die sprachliche ehemals angeschlossen 
haben moohte. Oft genug wird der Versuch vergeblich sein, 
ein andermal kommt man aber doch auch zu einem rechl 
wahrsohein liehen Ergebnis. Dabei darf man freilich nicht 
verkennen, dass Sprach unterschiede höheren Alters im Lauft) 
der Jahrhunderte ihre Grenze zum Teil nachweisbar gan» 
gewaltig verschoben haben und dass sich eine zum Stillstande 
gekommene Neuerung zu den verschiedensten Zeiten aul's 
neue ausbreiten kann, dass also möglichem' eise ein seineni 
Ursprünge nach beträchtlich älterer Sprachuuterschied erst 
in jüngerer Zeit in die fragliche Gegend eingerückt ist. In das 
auf der Karte behandelte Gebiet fallen sehr wenig Sprach- 
unterschiede höheren Alters, für die allerwenigsten ist die £i>t' 
stehungszeit bis heute auch nur annähernd bestimmt. GenaoeR 
Untersuchungen haben also hier nur sehr wenig Aussiebt aof 
Erfolg. Eine der ältesten in die Karte eingetragenen GrenWüi 
die TOD anlautendem k gegen ch habe ich oben behanil^lt' 



Was ist der Schatz? 

iii ilie Freunde des deutschen Volkslieds. 
Von R«bert Petach. 



Dem Kenner deutscher Volkspoesie ist es nicht £renid, 
188 der Volkswitz, wie er sich in Lied und Spruch, Eeim 
, Rätsel offenbart, mit Vorliebe die verschiedenen Stände 
Zielscheibe seines Spottu nimmt. Der Schmied lacht 
»er den Schneider, der Maurer über den Schuster, der reiche 
lauer über den Bettler, der „hinterm Stüdele" seine Bettel- 
tochzeit hält, 

,, pfeift ihm Mausle, 
taDEt ein LäuBle, 
's Igele schlägt den Trommen,') 
der lustige Handwerksbursch über die hochnäsigen Land- 
bewohner, diese wieder über den Städter, soweit sie ihn nicht 
beneiden — 

„d' Stadtleut Iisu'b gut, 

I brauche kein Mist ze fuhrsD, 

hranchc kein Wagen »'Bchmieren, 
d' Stadtleut han's ireilich gut, 
d' Stadtleut han's gut." — 
sie alle zusanunen, die Großen und Kleinen im „Volke" 
en von Herzen über den „Studirten", und ihr Witz ist 
Ott beißend und nicht ganz frei von Haß. Freilich geht die 
philosophische Fakultät meist frei aus, an so gelehrte Herren 
denkt der Bauer kaum. Dafür kann er ja seinen Dorfschul- 
leister nach Herzenslust hänseln, und so schlüpfen wol 




'} Andere Fa^suugendiei 
ilimdB, liesonders aus 5^ 



s Versehens a 
iiwaben, sind 



le möglichst vielen Gegenden 
lochwillkonuneii. 



A 



auch die Juristen durch üum Schaden dea Amtmanna und 
der niederen Beamten, wie man denn auf einer tirolischen 
Hauainachrift liest; 



d 



„Dies HauB baut' ich nach meiseni Sinn, 

Da kommt der Ti}d und rafft miuh bin. 

Wenn der Tod so sühmutziK war' 

Wie mancher Beamte, 

So süh' er nicht so mager her, 

Und hätt' eine [rrößere Wampe." 

Dafür werden Pfarrer und „Doktor" mit ihren Gehilfen, dem 
Küster und dem Apotheker, um so stärker mitgenommen 
und mit unbarmherziger Freude verhöhnt. Wenn sich aber so 
die vei-schiedenen Stände zum besten haben, ist die Satire 
doch immer auf einen Angriffspunkt beschränkt. Mehrere 
Stände in parallelen Strophen zu behandeln ist schon schwieriger, 
weil darin der eigene mit vorkommen könnte, und aur Selbet- 
bespöttelung hat der „gemeine" Mann in der Regel so wenig 
Lust, als der „gebildete". Neigt doch selbst der Bett 
zur Verherrlichung seines Standes: 

„Mir Bettelleut aind lualge Leut, 

Der Sorge sind nier quitt. 

'h bricht uns auch kcii Euh a Hörn, 

'b macht anB auch ken Satz ins Kam 

.luohhe, uns ia so leicht." 

Da musB also ein Unparteiischer auftreten, um die Stä 
an sieb vorüberziehen zu lassen und das weibliche GescbiM 
mit dem ihm eigenen Hange zur Satire Übernimmt nur zn 
gern diese Rolle. Nun sind freilich die „Frauensleute" ver- 
schieden; den einen sagt man nach, sie hätten den „Reiu- 
maobeteufel" im Leibe, von den anderen heißt es: 

„Steh ich in tinab-er Mitternacht 
Tor meinem ßett, 's ist nit gemacht, 
Dann denk ich so in meinem Sinn. 
Was die Weibsleut doch FauleoKer »in» !•■ 

Einige mögen nicht heiraten — das beilit bis der recbte 
kommt — , andere sprechen ihre Heiratslust offen aus, lu"* 
auch bei diesen ist der Geschmack sehr verschieden. D"* 



sich schon in Bezug auf die Gestalt des Geliebten; 
I Vogtlande singen sich zwei Mädel zu: 

„Mei Schatz ia rosenrot, 

Ich lieb' n bis in Tod;" 
„Mei Schatx ist suhwsnbrtiun schwarz. 
Er JB und bleibt mei Schatz." 

Ebenso weichen nun auch die Ansichten über die würdigste 
ichäftigung und Lebeusatellung des Auaeckorenen von 
pinander ab. Schon im sechzehnten Jahrhundert scheint man 
1 Baiem gesungen zu haben: 

„Mei Schatz is a Schreiner, 
A Brettleabatsuher, 
A rechter Flankirer, 
Ä Schul den iLiacher !" 



!an sieht, die junge Dirne 
Ülgemein bekannt ist wol : 



stellt keine hohen Ansprüche. 



1 Reiter, 



„Mei Schatz ii 

A Reiter muss'e sein, 

Dös Pferd gehört dem König, 

Der Beiter is mein." 

Diese Teilung muas dem Volke so gut gefallen haben, das» 
man sie auch auf das etymologische Gebiet übertrug, und 
80 heißt es im Vogtland: 

„Mei Schatu ia a Schandarm, 
Vud B. Sc^handurm musa'e sein, 
Die Sc band ia'u EÖnig, 
Und der Darm der ia mein." 

Der Soldat erfreut sich überhaupt großer Beliebtheit und 

„Schamperliedl" singt: 

,,Ma(lel, mÖeltate ka Schukelade, 
Madet. mochBte knn Kafiee, 
Madel, möchsta kan Soldaten 
Von der lustif^eu Armee?" — 

„Ich tOMt ka Snhukelade, 
Ich mag kan Kaifee, 
Ich will an Soldaten 
Von der lustigen Armee 1" 




152 PetBch 

Hier sind schon zwei Strophen mit parallel gebauten 
Gliedern vereint, im übrigen aber singen die Dorfschönen 
ihren geliebten Jäger, Fahrmann n. s. f. nur in Einzelstrophen 
an, die bald mehr, bald weniger originell sind. Je höher 
der Stand, um so geringere Ansprüche macht man sonst an den 
Erwählten: 

•Mei Schmtx is a Goeger (Jiger). 

A Fonchtpniktikant, 

Er liebt de sohoii*D Madie. 

Is überall bekannt.- 

Wie Si> oft in der Volk8pi>esie, sucht man auch hier, be- 
st^nden-i wenn die eigene dichterische Produktionskraft nicht 
sehr groß ist« nach bewährtem Muster zu «dichten^ und 
inohrtvw solche Verse über einen Leisten zu schlagen. So ein 
bewährter Leisten ist jene Strophenform, die wir schon kennen 
lernten, und die in der zweiten Zeile lautet: -Ein X. X. 
muss es sein:^ sie hat den Vorzug des leichten Reimens« z. B.: 

„Mei Sobau i$ a $cki>eiV«r, 
A SAnfiber niu$$*$ s*i. 
Kr sciireib: mir alle Tiire, 
Set Henei wir !neL" 

G^Ie^ntHoh kommen auch Kontakte zwischen dem Wunsche 
iu\^ Hersens utid dem l*;iutV de^ Sohicksals vor: 

<^^\zz rjkt •:*: *aer Veir. 

GEWISS h*: d?^T olehr:»* ,lur.Ciir.c VTTv:^sö<a, sseine Liebe ein- 
5Ui^\ii:vr.:*:\. e^wA \\i;^ vxur vvvtli^r.vusche Zimmermann: 

i^u a £t?'.i«wr"iar.r, 

Vt J ^v ■ ** . * ^ 



Wns 1! 



. der Schau 'i 



153 



Immer sind es kurze, höt-hstena zweistrophige Gebilde, 
die uns entgegentreten, und nur jene schablonenhaften Verae 
mit dem Reime: „muas es sein", werden zu längeren, oft 
monotonen Keihen vereint, SüUe Liebe schwelgt zwar in 
Tönen, aber sie macht wenig Worte. Ganz anders nimmt 
sich die negative Seite aus. Sehen wir, wie die Bnuern- 
mädel aneh Körbe austeilen können, nur weil ihnen der Stand, 
das Gewerbe des Anbeters nicht gefiHlt. Ziinflchst treten 
Eitern, Freundinnen, wohl auch der Nebenbuhler des anderen 
mit ihren Warnungen auf; wenn oben der Zimmermann seine 
originelle Werbung voi^ebracht hat, so mahnt die Mutter: 

^V „Madel, Madel. nimm dV an Maou, 

^^^k Nimm d'r nar kau Zuninennann. 

^^^P Der dich rupft, der dich zupft. 

^^ Der mit dir iiin Bett nei hupft." 

Und der Zurückgesetzte sucht w«! vergeblich diese Be- 
denken zu verscheuchen: 

(„M&dai, wenn de freie wiiat. 
Nimm d'r Dur ka Schneider, 
Nimm d'r lielier an Zimriermaun, 
Der d'r a Hüusel haue kanii." 
Qch erzählt sie uns selbst von den häuslichen Verniah- 
Ingen: 
..Meine Mutter hat geeagt. 
Sauer ie uich aießc, 
Nimm dir heeaea Bäckerjungen, 
Der hal krumme Fieiie, 
Niani dir eenea ans d'r Stadt, 
Der 'iie BcLlauke Taille hal." 
80 in Berlin, der leichtlebigen Großstadt! Der Sachs« in- 
desaen denkt praktischer: „Der fünfdausend Dahler hat." 

Hier ist es nun natürlich sehr leicht denkbar, dass ein 
Mädchen mehrere Stände betrachtet und bei Jedem das ihm 
eigene Angenehme und l'nangenehrae bedenkt, uin dann — 
je nach Geschmack — entweder doch einen der Verworfenen 
KU Gnaden anzunehmen, oder sich mit einem kräftigen Bauem- 
burscheo zu bescheiden, oder — »itzen zu bleiben, wobei 
dann freilich die stille Hoffnung im Hinterhände schltulimert, 



^_ UMUU ireiiicu 



154 P«t»ch 

düBB scblieUlicli doch auch der Keohte kommen werde, wie jener 
Backtisch in den ^Fliegenden Blättern" schwärmte: .,\Vi.-im 
ich einmal heirate, dann muß es ein Leutnant sein, oder ein 
Assessor, oder ein Kaufmann — oder sonst irgend einer,'' 

Lieder dieser Art sind in mehrfacher Hinsicht inter- 
essant. Jede Strophe ist mit der folgenden fest verzahnt, 
Sie sohlielit immer mit der jVnführung eines neuen Geliebten, 
der dann im Anfange der nächsten wieder verworfen wird. 
Dadurch werden aber in der ersten Strophe die beiden Ein- 
gangszeilen frei und ihre bald mehr, bald weniger hunK>- 
ristische AusfiÜlung zeugt von der Geschicklichheit des be- 
treffenden Stamms. Femer hat die Art der Auflaasting jedes 
Stands natürlich ihr kulturgeschichtliches Interesse. Meist 
ist es Mühe und Arbeit, wie sie eben jedem Stande anf 
Erden eigen sind, die das Mädchen scheut und um deren 
willen sie der sonst annehmbaren ..Partie" entsagt. Ehe icli 
einige der originellsten hergehtirigen Texte mitteile, bemerke 
ich noch, dass diese Art von Yolksliedem vor allem in Mittel- 
deutschland verbreitet zu sein scheint. 

Einen prächtigen Anfang hat das erzgebirgische Lied: 

„Das Dorf ist luig. der Drwk Ut tief. 
Die Baiiero eehn auf SwJzeD. 
Und «renn sie keine Stiefeln hkbra, 
PaDtoßela haben sie selten.^ 

Damit ist gleich auf die Bauern angespielt, und 
das eigentliche Strophenwechseln au: 

,Jch h«t>' gehört, di« Rauenveiber 

Haben Tag and Nacht keine Rah; 

Viel Uelier will ich mir einen Schotter uehmeA, 

Der mathl mir iieue Schuh. 

Id) ball' geben, die SohDitcnwdber 

Miiraen Atnäti machen; 

Viel lieber will ich mir einen Schneider "■^"''■n. 

Der macht mir neue Sachen. 

Ich bah* gehört, die Scbuc-idenweiber 
- Müueu so lan^ ülien: 



Viel lieher will ich mir eiueu Kaufmann netmen. 
Dann hab icli Band uod Spitzen. 

Ich hab' gehört, die Kaufmacnaweiber 

MÜBsen viel verborgen; 

Viel lieber will ich mir einen Bergmann nehmen, 

Dann isb' ich ohne Sorgen, 

Ich hab' gehört, die Bergmannaweiber 
Kriegen viele Kinder; 

Viel lieber will ich mir einen Fleischer nehmen. 
Dann hab' ich Schaf und Rinder. 

Ich hab' gehört, die Fleiscberweiber 
Kriegen achmutz'ge Taschen ; 
Viel lieber will ich eine .Tungfer bleiben, 
Danii kann ich Zucker naachen." 

Ein anderes vogtländiacbes Stück iüngt damit an, daas 
I uns den Fuhrmann vorführt, wie er langsam einfiihrt: 

„Da drüben kümmt a Fuhrma rei. 
FuhmiH halt still, halt still, 
Wer werd der Fuhrma sei, 
Der mich hab'n will?" 

San' Fuhrma mog i net. 
Fahrt zu weit aus, 
Ich möcht' an Schneider hab'n, 
Bleibt in mei' Hans." 

Douh aucli dieser findet keine Gnade, denn er „schneidet zn 
viel zu", ohne dass wir doch darin etwas so Verwerfliches sehen 
könnten; stichhaltig sind auch kaum die Gründe, warum der 
Schuster abgelehnt wird, der „schwarze Hand'" hahe, oder 
der V^eber, der „nach Schlichthrei rieche", oder der Kauf- 
mann, der „zuviel auawäge". Das klingt mehr nach schlechten 
Ausreden und so lehrt uns der 8chluss: 



„Ich mächt b 
Mit an'n seht 



1 fianerschbub'n 



im Yogtlande die praktischen Rücksichten 



wiederum, das 
überwiegen. 

In einem nassauischen Liede ist der Anfang dramatisch 




d 



gestaltet. Eine andere Ferson macht einen Vonehlag und 
entfesselt dadurch den Redestrom der Heiratsfähigen: 

„MSdclien, willst du fmeo, 
So Bohicke dich dazu, 
So niniin dir pinea Schuster, 
Der niadit dir enge Schuh." 

„Docli die Sc huster weiher müssen Leder schneiden, 

Haben keiuen 'Willeii, ■ 

Lieber will ich einen Ämtmaun nehmeti, 

Hab' ich Kleider die FUUe.-' 

Natürlich weist sie auch diesen ab, denn „die Amtmai 
weiber müsaen Butter waschen", desgleichen den Sold 
um nicht Stiefel wichsen, und den Fuhrmann, um ntclit i 
Hchniiereu zu müssen. Am Bäcker misafällt ihr das Butt 
schmelzen, am Wirte das BierauffÜUen und das Ende vom 
Liede ist: 

„Lieber will ich ein Mädchen bleiben. 
Hab' ich meinen eignen Wülen." 

Ein anderes, im Anfange unvollständiges, 
aus derselben Gegend schließt: 

„Bauer deu mag i net. 

Ist e grober Hund,' 

Lieber will ich loer e Doktor iiemrae, 

Macht mich gesuud. 

Doktor den mag ich net. 

Kommt zu viel in die Welt; 

Lieber will iuh mer e andern nemme, 

Der mir gefällt." 

Katürlich sind die Burschen über diese Anzügliobkeitea 
wenig erbaut und so kann man denn in Plauen folgend« 
Iiiedlein hören, mit dem ich schließen will: 

„Do hab' ich doch mein Ta^' gebeKrt, 

Ka sauer ia ka sieli, 

Ä Bsuemmadel loog i iiet, 

Die bot so dreckete Fiel). 

A Bärgermadel widder net 
Die läuft le viel Kaffee, 



„zersungenes" Lied 



Was ist der Schatz? 157 

A Bettelmadel mog i net, 
Die hot zViel Laus und Flöh. 

A Edeldame krieg ich net, 

Dös weiß i ganz gewiß, 

Drümm nimm ich mir a Bauemmensch, 

— Und wasch ihr ihre Fieß!" 

Mit diesem Stücke, das etwas nach Parodie schmeckt, 
glaube ich die Formenfülle der hergehörigen Lieder gezeigt 
und den Blick dafür geschärft zu haben. Jeder, der ähn- 
liche Verse kennt, wolle sie mit Angabe des Orts, 
in dem sie gesungen werden, an den Verfasser^) 
oder an die Schriftleitung der Alemannia einsenden. 



^) Privatdozent Dr. Petsch in Würzburg. 



Eine „schreckliche Historia", geschehen zu Fiegenstall 
bei Weissenburg am Sand. 

' Ratsscliol- 
nitgeteilt 



Hdndsairifl XXXVI. 
hibliothek, E 



u Otto Clemeii. 



I 



Herr Niciaus Albrecht, prediger zu 
luirg in Norckau'), schreibt diese schrecklich™ 
historia dem värdigeu Uerrii Magistro Caspare 
Aquilo, Pfarrher xu Salfeld'). 

rrettndlicher Über Ma^ster Caspar! Xachdem sich in 
kiin verscJiii'iien Tageu hie aahent bey tds ein sehr wimder- 
barlioh vucrhort vnd vber alle vemnnfit vnd wider die natui 
sugetragen vnd be|r«ben hat, hab ich nicht können ^'nt^rlassen. 
*ool> \i>n solcheT Tnethürter histori ein anzeigung »u thon. vai 
diew«il es di« Uut^r warheit ist, welchs'icli selbs ron anfang bis 
xum end gründlich erfaren vnd erkundigt, bab ichs euch iee- 
halben nach der \eagv schriftlich wollen offenbaren, das ir 
•olehs g«tnMt tim) kecklich for aller Welt mucht for «in 
«•htMt dargebeo rad frey bekennen, dum im ist Ja nd 
Amw tdcI nickt aadfin. Xemttch, du in eiuein dorff, ein 
kVaiM naüe m^ von Tnser SImH. Re gemto l genannt, xwischen 
H«U«Qk Tml «noenbm^ üb kntvaali Kehstet gelegen, i&t 
^ BniMr ni^ md wubaft gMMaan, mit aameii Vlrtch 
KwMtMMTt T«r 4er weit «in frninnr. ndÜt^a Biderman. 
w«l«k«r in S em aa XiiS». Aar mit eiaer ser g ro t n krankbeit 



1 



'1 Omt latfciM* Pr«B m Vm 



4« ■iiVin;)l.li|tiri m IWotirr MO» Knte I 3» g. 




Eiiii- -sclireckliche Historm 



159 



_(21. 



^wendig in seinem Leib ist beschwert worden, vnd kranb- 
'ibeit je lenger vnd fester sich gemert, bis etwo zwischen 
Pfingsten vnd Ostern hat es inen in einer Seit so hart vnd 
sehr gestochen, das etwo ein beul im ist daselbst aufgefaren, 
welchen er weiland dem Bader von Ettenstat, meiater Hansen, 
'hat lassen aufschneiden vnd aus seiner Seiten im lassen herauBS 
Schneiden ein laugen eisern nagel, welcher noch für äugen 
^t vnd viel menschen denselbigen gesehen haben. Nach- 
folgend aber hat dennoch der gross vnseglich schmertz nit 
wollen ein end haben, sondern nur hefftiger worden vnd so 
hart zugenommen, das der ami mensch oft von synnen ist 
kommen, hin vnd wider wie ein törichter mensch irre ge- 
loffen, so lang bis itzunder in dem herbst auf den tag Matthei 
(21. Sept.) zu morgens frue zwischen 7 vnd 8 vhr hat er 
selbst in solchen jämmerlichen vnbesunnen schmertzen 
it einem scharfen messer den hals vnd die gorgel abge- 
schnitten vnd ein solchs gross loch gemacht, das einer hat ein 
faust hinein legen rangen, wie dann mir vnser Bader, meister 
Eucharius Rosenbader, selbst, gesagt hat, welcher vber ihn 
ist gefoddert worden, vnd hat dennoch nachmals mit grosser 
Vernunft vnd reu on allen naturlichen speis, den trank auas- 
genommen, gelebt bis an den freitag vor Francisci (H. Oct.) 
zu abeud zwischen 6 vnd 7 vhr sein leben seliglich, wie 
wir hoifen, geendet, aber, weil er noch lebte, hoch vnd fleissigk 
gebeten, so er gestorben aej, das man seinen leib wolle 
offenen vnd doch besehen, was im solchen vnseglichen 
schmerzen zugefügt hab, welches nachfolgend am tag Fran- 
cisci au morgens zwischen 8 vnd 9 vhr mit vorwilligung 
der oberkeit, des pflegers zu .Sanaehe ') vnd des ver- 
storbenen beyderley freundschaft zu tiegenstal auff dem kirhof 
dnrch Meyster Eucharius Roaenbader von weyssenburg ist 
geschehen wie folgt. Nemlich am tage Francisci (4. Oct.) vor- 
mittag hat man die fi-eundschaft des verstorbenen sampt 
andern naohbauren vnd biderleuten lassen fordern, vnd sampt- 
lieh mit der leich auf den kirhof gegangen, aldo meyster 



') SehtoB Sandsee bei Piegenstall, jetzt dem Fürsten Wrede gehi 




'J 



EucbariuB Rosenbader von weyssenbur^ mit grosser vorsiohti^- 
keit die aacb angriffen. Auf die weis ist meister Euchario 
die stach befohlen gewesen : der bat dem verstorbenen seinen 
leib geöffnet vnd aufgeschnitten vnd in dem magen alle diese 
verzeichnete stuck vnd wafFen, wie laug, wie lireyt vnd alle gestalt, 
so ich auch hie durch einen guten maier hab von den stiickeo 
aelbs lassen abcyrelen vnd conterfeyen, gefunden vnd in bey- 
wesen nachfolgender zeugeu aus dem magen mit seinen In- 
strumenten gezogen, welche stuck noch alle alhie hinter einem 
erbaren Rat offenbarlich behalten werden etc. Zum ersten. 
ein lang bräunlich holz, nach in der laug vnd gestalt wie 
verzeichnet, zum andern ein ganz eisernes messer, darauf 
ist gelegen ein bündleiu, etliche wollen, es sey bar, etlich 
sagen, es sey gras, aber der maier vermeint genzlich, es sey 
dachs. Zu dem dritten ein messer mit schalen, sehr fast ver- 
rostet. Zum vierten ein messerkling. Zum fünften ein klein 
scbarpf eisen, das der bader venneint, es sey ein alt vor- 
weuens seh reib messer lieb gewesen. Zum sechsten ein vier- 
eckigt lang spitziges eisen. Diese stucke alle haben vnßer« 
hei'rn von dem Rat Ihrem mithurger genommen vnd erstlich 
gen Nürnberg eini Erbaren Rat durch eigne bot«chaft zu- 
geschickt. 

(Aufzählung der Zeugen.) 
Das hab ich euch wollen anzeigen, vnd ist warlich eio 
öffentliche predigt widder die vermessenheit vnd vnglauben 
(lieser grossen vnd rauchen weit, die nit viel von Teufel hell, 
80 man doch hie merken und greifen kann, was er vor ein 
gewalt brauchen wurde, widder vna, wo im Gott verbenget 
Das wir aber für im bleiben an leib, gut, ehr, kind vnd 
weih, auch an der seien, ist der gütickeit vnd grossen 
barm her zickeit vnsers lieben, getrewen Gotts schuld, der so 
emsig vnd veterlich vber vns vndankbare wachet, vna schützt 
vnd vor solchen grausamen gewalt beschirmet. Denn wo das 
nicht geschehen, wer es gar bald mit vns madeseck aus. 
Darurab hat man sich aus diesem gesiebt au furchten vnd 
herzlich zu trösten vnd sich zu freuen. 




Eine „schreckliche Historia" 161 

Ego insuper valde timeo, quod hi cultri sint quasi catene 
Hieronomie ^) , que sicut Judeis captiuitatem annunciabant, 
et deus aliquando gennanorum maximam ingratitudinem ac 
uerbi eius contemptum ferro et igne per cultros et linum 
significatum ulciscetur. Quod omnipotens pater per Jesum 
Christum a nobis miseris peccatoribus clementer auferre et 
nostris peccatis propiciari dignetur, fiat, fiat. Tu mihi quo- 
que tuum iudicium super hoc Sattane opus, quam primum 
poteris, indicato. Valde rogo. Denique optime Vale! Rap- 
tim die et Anno ut supra. 

T. Nicolaus Albertus, 
Eoolesiastes in Vueissenburgk. 

(Folgen die abgezeichneten Gegenstände.) 



') Vergl. Jerem. Kap. 27. 



Alemannia N. F. 1, 1|2. II 



Merkwürdige Schulfeier in Ulm im Jahre 
bei der Kaiserwahl Leopolds II. 

Voti Paul Beck. 



1790 



Die Erwfthlung Leopolds II., Bruders des am ^0. Fe- 
bruar 1790 ■}• Kaiser Josephe II., bisher Großherzog von Tos- 
kana, zum römisohea Kaiser wurde auch in der Reichsstadt 
Ulm festlich begangen. Nicht nur wurde daselbst schon 
vom 25. August ITiK) an ein grölieres militärisches Fest 
gefeiert, sondern es wurde laut gedruckten ßathdekrets vom 
13. Oktober lTi'2 ein solennes Dank- und Freudenfest auf 
den 28., als auf Simon- und J n da - Feiertag angeordnet und 
hierzu das herkömmliche gedruckte „christliche Daukgebet" 
unter das Publikum verteilt. Sodann fand des Weiteren 
am 31. Oktober 1790 ein solenner Schulakt im Gymnasium da- 
selbst statt. Es liegt vor uns eine aus dem literarischen Nachlass 
des (1873 in Ulm f ) Oberatudienraths Konr. Dietr. Haßler er- 
worbene handschriftliehe „Kantate, als der AUerdurchlauch- 
tigste. Groß mächtigste und Unüberwindlichste Fürst und Herr 
Herr Leopold IL, König in Ungarn und Böhmen, Erz- 
herzog au Oesterreich etc., zum Römischen Kaiser erwählet 
worden, welche bei der in der siebenten Klasse (sc. des 
Ulmer Gymnasiums) gehaltenen Rede abgesungen wurde 
Sonntags den 31. Oktober 1700 mit 10 Uhr." Diese Kan- 
tate stammt merkwürdigerweise aus Freimaurerkreisen 
und wurde, wie ein Promemoria sagt, zuerst am Freimaurer- 
feste in Halle a, S. aufgeführt; „wann, wie und wo? ist 
unbekannt,* Möglieherweise ist sie auf maurerischem We( 




Merkwürdifie Schul leii 



i Ulm 



l(i;-i 



I 



nach Ulm gelangt, wo ja das Jahr zuvor, im Jahr 1789 
ebenfalls eine (hernach i. J. ISW von der württemb ergisch eii 
Eegierung wieder aufgehobene) Freimaurerloge, „Asträa zu 
den drei Ulmen" aufgerichtet worden war. Sei dem wie ihm 
wolle, die Kantate fand auch in Lim Anklang und wurde, nach 
entsprechender Ummodelung und Anpassung, zur Absingung 
bei der oberwähnten Gymnasialfeier für geeignet erfunden; 
der damalige (17H2 f) itektor Marx Haßler „hat mit Zu- 
ziehung des Kantors und Präceptors der 7. Klasse Joh. Georg 
Blöst alles nach gegenwärtigen Umständen einzurichten 
und zu verändern gesucht", bezw. gewusst. „Sie hat sioh 
dann auch vortrefflich .lusgenommen, sc. der veränderte Teit 
nach dem Text und Musik. Welches wohl viele Mühe ge- 
kostet!" Wir lassen nun die Kantate, welche eine so merk- 
würdige Verwendung gefunden und in welcher namentlich 
der Schmerz und die Trauer über den frühen und tragischen 
Tod des besonders von den Freimaurern hochgehaltenen 
Kaiser Joseph II. zum Ausdruck kommt, folgen: 



Chor. 
Freimaurer. 

Saiten rauschet; Pauken schallet; 
Flöten tönet; Jubel hallet; 
Stimmt in unsem Lobgesang. 
Dem, der Über Sonnen thronet, 
Im ehrwürdigen Dunkel wohnet, 
Bringen wir heut uneern Dank. 

Ulm. 
EbendicB unverändert. 



Hecitativ. 

F r e i ni a LI r e r. 
Sink in den Staub, mein Geist, und bet ihn an, 
Den Ewigen, der dir so unaussprechlich wohlgethai 
Ihm dankt der Maurer seines Baues Segen, 
Ihm dankt er's, auf der Tugend steilen Wegen 



164 Bwk 


^M 


Dem Ziele nfiher sich gerückt zu eehn. 


^^^H 


Werft einen Blick mit mir, gerührte Brüder 


hin auf jenn^^l 




Zeiten, ^H 


Wo Bohauervolie Grausamkeiten 


^H 


Des frommen Maurers Schicksal sind. 


^H 


Wie mancher schmachtete in centnerschweren 


Banden ^H 


Sein lang gequältes Leben hin! 


^1 


Wie viele dieser Edlen fanden 


^H 


Den Tod in Flammen! starben ihn 


^H 


Standhaft und betend fiir der Mörder Glücke. 


^^M 


Ihr Segen ruht auf uns, wir preisen ihr Geschicke. ^^H 


Arie. 


•^^H 


Freimaurer. 


^^^^M 


Rollt, ihr Thräuen, heiß hernieder, 


^^^^M 


Auf die Gräber unsrer Brüder, 


^^^^^^M 


Die einst litten ohne Schuld. 


^^^^^H 


Schlummert sanft; des Himmels Freuden ^H 


Sind der Lohn für eure Leiden, 


^^M 


Sind die Zeugen seiner Huld. 


m 


Recitativ. 


■ 


Ulm. 


fl 


Sink in den Staub, komm Ulm, und bet ihn 


■ 


Den Ewigen, der dir so unaussprechlich wohlgethan. ^^M 


Ihm dankt der Deutsche seines Kaisers wegen ^^| 


Ihm dankt er's, dauernd Glück und Heil und 


Segen ^B 


Mit Leopolden nun erneurt zu seh'n. 




Werft einen Blick mit mir, gerührte Brüder! 


aiß auf letztrtr 




Zeiten, 


Wo viele Kriege, Schwert und Streiten 


^H 


Europens Ruhe störten. 


^H 


Wie mancher schmachtete in centnerschweren 


Baud^^^H 


Sein Leben im GefUngniß hin! 


^^^^^H 


Wie viele tapfre Streiter fanden 


^^^^^^^H 


Den Tod in Schlachten! starben ihn 


■ 



Merkwürdige Schulfeier iu Ulm im Jahre 1790 

F Standhaft und betend ^r Joaephens Glücke 

1 Ihr Flehen kehrt erhört auf Josephe Heer znrüoke. 

Arie. 

Ulm. 
Rollt, ihr Thräneii, heiß hernieder, 
Deutsche singt den Helden Lieder; 
Preiset Josephs Tapferkeit. 
Schlummert sanft, — ihr die ihr starbet. 
Und des Himmels Lohn eiiivarbet. 
Für die ünerschrockenheit. 

Becitativ. 

Freimaurer. 
Rinnt, bange Zähren, weg Ton unsem Wangen, 
Die finstem Tage sind vergangen 

Wo Mauremame Frevel war. Der Orden hat gesiegt. 
Seit Dummheit, Vorurtheil und Aberglaube, 
Gesättigt von der Unschuld Raube, 
Durch die Vernunft gefesselt liegt. 

Chop. 

Freimaurer. 
Tina strahlt nunmehr die schönste Morgenröthe 
Mit neuem Glanz in's Antlitz her. 
Und die in Freudenton gestimmte Flöte 

^H Becitativ. 

^^f Freimaurer. 

^H,Z)er Freund der Tugend und Religion für unsre Kunst mit 

^f Ehrfurcht ganz erfüllet, 

Ist lüstern in ihr Heiligthum au »chaun. 

Wo wir, in Dunkelheit verhüllet, 

Black der Brüder und der Menschheit baun. 



■S 



^ 



u 



I6li Beck 

Selbst Fürsten schätzen nnsem Ordan, 

Sind Maurer, so wie wir. geworden, 

Und sichern uns durch ihren mächtgen Schutz, 

Erhabnes Lob! aus dem für uns ein Meer 

Der reinsten Seligkeiten quUlet! 

Was fehlt uns mehr? 
Heil uns! All nnsre Wünsche sind erfüllet! 

Recitativ. 
ein.. 
Fließt, bange Zähren, weg von unsem Wangen, 
Die finstem Tage sind vergangen; 

Wo Türkenname furchtbar war, Oestreich hat nun gesiegt 
Weil Dummheit, Vornrtheil nnd Aberglaube, 
Gesättigt von der Unschuld Raube, 
Durch die Vernunft gefesselt liegt- 

Chor. 

Ulm. 
Eben dies unverändert. 

Recitativ. 

rim. 

Der Freund der Tugend und Religion für aller Glück ; 

Ehrfurcht ganz erfallet. 
War lüstern, in das Heiligthuui zu achau'n. 
Wo Fürsten weise Dunkelheit verhüllet. 
Und sie am festen Glücke Deutschlands bau'n. 
Die Fürsten endigten das Morden. 
Wie glücklich sind wir nun geworden! 
l'nd fröhlich über Leopolden» Wahl! 
Oh welches Gläck, aus dem für uns ein Heer 
Der reinsten Seligkeiten qnillet! 

Was fehlt uns mehr? 
Heil uns! die Herzenswilnsche sind prfüllet. '' 




Merkwürdige Schul fei< 



Freii 



Segnet, Maurer, das Ge schicke 
Eures Ordens, denn sein Glücke 
Blüht zur sehünsten Erat' empor. 
Bey so heit'rem Sonnenlichte 
Sammelt ihr einst gold'ne Früchtel 
Seht des Baues höchsten Flor! 



Recitativ. 

Freimaurer. 
frohe Aussicht, die sich in ein Paradies verlieret, 
Die jedes Maurerherz tief his zu Freudenthränen rühret; 
Wie sehr belehst du uns am heut' gen Festl 
Wo ist ein Land, von Barbarey und Wildheit frey, 
Da nicht dem Genius der Maurerey 
Heut Weihrauch duftete? Auch uns lacht er, der festlichste 

von allen unsem Tagen 
So freundlich, wie ein Engel Gottes an. 
Wem unter uns muß nicht das Herz für Wonne doppelt 

schlagen, 
Daß er ihn fühlen, froh begrüßen kann. 
Allgütigster, du bist's allein, 
Der uns all' diese Seligkeiten zubereitet. 
Das Schicksal unsrer Kunst so wunderbar geleitet: 
Wie aollten wir nicht dankbar dafür sein? 

Arie. 

Ulm. 

Preise, Deutschland, das Geschicke 

Deiner Fürsten, auch ihr Glücke 
Blüht zur frohen Emt' empor. 
Bey so heitrem Sonnenlichte 
Sammelst du einst gold'ne Früchte 
Für des Stammes höchsten Flor. 




IfjH Beck. Merkwürdige Schulfeier. 

Recitativ. 
l' 1 m, 

frohe Aussiclit, die sich in ein Paradies verlieret, 

Die jedes Deutschen Herz tief bis zu Freudenthränen i 

Wie sehr belebst du uns am heut'gen Pest! 

Wo ist ein Land von Barbarey und Wildheit frey, 

Da nicht dem Herrn der Welt voll Dankbarkeit 

Heut Weihrauch duftete? Auch uns lacht er, der festliohi 

von vielen andern Tagen 
So freundlich, wie ein Engel Gottes an. 
Wem unter uns muß nicht das Herz für Wonne doppi 

schlagen^ 
Daß er ihn fUblen, froh begrüßen kann. 
Allgütigster, du bist'e allein 
Der uns all' diese Seligkeiten zubereitet, 
Das Glück des Deutschen Reichs so herrlich gut geleitet: 
Wie sollten wir nicht dankbar dafür sein? 

Chor. 

Freimaurer, 
Kniet zum Dankaltare hin, 
Bruder, die ihr hier zugegen. 
Dankt dem Geber, nach Vermögen, 
Preiset, und verherrlicht ihn. 

Chor. 

Ulm. 
Geht voll Dank zum Höchsten hin, 
Bürger, die, frey von Gefahren, 
Gottes Huld aufs neu erfahren, 
Preiset und verherrlicht ihn! 



1 Nachtrag zu dem Aufsatz: „Der Orden der verrückten 
Hof rate" 

in Alemannia XXII, 3, S. 270—273. 
Von Ptint Bech. 

üeber den Mitstifter E h r in a n n finden sich in des Grafen 
''Bustav von Schlahrendorf Aufzeichmmgen einige inter- 
essante Notizen. Danach war Ehrmann während der fran- 
zösischen Itevolution Mitglied des Nationalkonvents, dabei 
aber einer der ehrlichsten, gutmütigsten Menschen, hatte ein 
mildes Herz und konnte keinem Kinde wehe tun. Und — 
doch — kaum sollte man es für möglich halten — war er 
nicht der geringste und letzte unter den blutdürstigen Sans- 
culotten, Er hatte es eben wie alle schwachen Menschen, 
welche glauben, in der Sache, der sie angehören, nicht genug 
tun zu können, um redliche Leute zu bleiben oder etwas 
bei den Ihrigen zu gelten. So war er t-a, welcher eifrigst die 
Verhaftung des von ihm angestaunten, mit ihm befreundeten 
Schlahrendorf betrieb, trotzdem dass letzterer ihn» viele Ge- 
fälligkeiten erwiesen hatte. Ehrmann konnte Schlabreudorfs 
wunderbare philosophische Ruhe und Gelassenheit in all den 
Stürmen der Revolution nicht begreifen, verstand dieses non 
plus ultra von Weltpbilosopbie gar nicht, und hielt, was das 
grööte Unglück war, Schlahrendorf für einen allein über- 
legenen Geist. Im liäuligen Umgang mit Schlahrendorf muss 
sich seiner wol eine Art Furcht vor diesem Geist hemiichtigt 
haben, denn er wiederholte seinen Kollegen gar zu oft: „Das 
ist ein Teufelskerl I Der ist gewiss ein außerordentlicher 
Mensch! Wenn's dum einfiele, er könnte uns ganze Departe- 
ments in Flammen setzen!" Andere davon zu überreden, die 
Schlahrendorf gar nicht kannten, zumal in damaliger Zeit, 
war ja ein Leichtes! So konnte es nicht ausbleiben: Schlabren- 




M 



1 70 Beck. NaGhtrnjr »u '■ -Der Orden der veiTÜckteii Hofräte". 

dort' würfle verbaftet. Monatelang suhwebte die Lebensgefahr 
wie das Schwert des Damokles am Haar über seinem Haupte; 
siebzehn volle Monate brachte er im Gefängnis zu, und nur 
wie durch ein Wunder kam er mit seinem Kopfe (am 9. Ther- 
midor) wieder aus demselben heraus. Aber selbst hernach 
hörte der gute, unbeschreibliche Ehrmann nioht auf. Seh. mit 
seiner Bewunderung zu verfolgen. Immer von der gleichen toll- 
köpfigen Idee besessen, war er es, der Scblabrendorf dnrch 
sein Geschwätz beim Wolfahrtsausschuss am meisten ver- 
dächtigte. Wenige Tage nach Schlabrendorfs Befreiung — 
im März 1795 — speiste derselbe mit noch anderen bei 
einem Kaufmann Basse, der wegen Warenlieferungen und 
Kontrakten mit der Regirung nach Paris gekommen war. 
Als Scblabrendorf in den Speisesaal trat, wen erblickte er 
da? Seinen guten Ehrmann, der feuerrot wurde und Scblabren- 
dorf mit offenen Armen entgegeneilte! Nicht genug konnte 
er sich satt wundern, wie so ein Mann, so ein unvergleich- 
liches Genie wie Scblabrendorf die Schreckenszeit habe über- 
leben künnen! Und — hier muss man die edle Rache Schlabren- 
d»rfa bewundern, welche er in seiner charakteristischen kind- 
lich-guten Gemütsart an dem traurigen Ehrenmanne nahm! 
Scblabrendorf stellte sich nämlich hei Ehrmanns übermäßigen 
und auffallenden Freundschaftsbezeugungen unendlich gerührt, 
tat, als wenn er von allem, was Ehrmann gegen ihn ge- 
tan, gar nichts wüssfe, setzte sich bei Tische neben ihn und 
fuhr in dieser Art Unterhaltung fort. Der Graf schenkte 
seinem kleinen Nachbar unaufhörlich ein und nickte anderen, 
die sich an diesem „Katz- Maus- Spiele" verlustigten, listig zu, 
bis derselbe glileklich unter dem Tische lag. Nach dem 
Essen trat er zu seinem Freunde Oelsner, welcher gleich 
ihm die ganze französische Revolution überstanden hatte, 
„Nicht wahr, an dem hab ich mich doch gut gerSchf, 
meinte Scblabrendorf, „Und dabei glaubte der süffisante 
Mensch mich, den er in seiner unbeschreiblichen Einbildung 
und üeberhebung für ganz unwissend hält, noch zu mjreti- 
liziren !" 





„Widersönniges" Holz. 

Von Carl von Flschbach. 



l 



„WiderBötiniges" Holz heilSt da und dort sülchea Holz, 
sich nicht gilt und glatt apalten litBät. Wo dann noch in 

T Mundart gesprochen wird, hört man gar zu leicht „wider- 
nnd fragt sich verwundert, wie man der unbelebten 

iateiie ein solches Prädikat beilegen könne. Ho ging es 
auch mir, als ich 1873 nach SUjähriger Tätigkeit im Walde 
erstmals dies Wort von einem Holzknecht in den bairischen 
Alpen hei Hohenaschau hörte. Und gleichen Eindruck machte 
dasselbe aul' unseren viel erfahreneren Altmeister Burckhardt, 
welcher es aus den Süntel bergen im Hannoverischen bei- 
liracht« und in der 6. Auflage seines Buchs über Suen und 
'Pflanzen, S. 44b mit einem Ausrufungs zeichen anführt. 

Die unzweifelhaft richtige Erklärung erhielt ich von 
meinem Gewährsmann in der Weise, daas er das leicht und 
glatt spaltende Holz als sonnig gewachsen bezeichnete, 
welches daran schon äußerlich kenntlich sei, dass seine 
Längsfaaeni und die Risse in der Rinde mit einer leichten 
Drehung nach aufwärts von Osten über Süden nach Westen 
verlaufen, also gewissermaßen dem Laufe der Sonne folgen. 
Damit war nicht bloÜ die richtige orthographische Schreib- 

■eise, sondern auch die nötige Aufklärung über die sinnige 

ildutjg dieses seltenen Wortes klargestellt, das wiederum 

len Beweis dafür gibt, dass auch in den nicht klassisch 

'^bildeten Volksschichten das Bedürftüs zur Fortentwicke- 

■Jung der Sprache besteht und in manchen Fällen eine glück- 

iche Lösung findet. 




172 



■. Fisclibftcli. pWidersÖDnigea" Holz, — -Die Bthwaczt 'W'elt.'' 



Den Botanikern, die ein aolchea Wort sehr notwendig 
bedürften, ist diea bia jetzt nicht gelungen, sie beschreiben 
die Richtung der Drehung bei den rankenden Gewächsen 
mit dem zweideutigen ,von links nach rechts", oder umge- 
kehrt, wobei aber stets noch ein erläuternder Zusatz gegeben 
weiden muss, ob der Beschreibende sich aullerhalb oder inner- 
halb der stützenden Säule denkt, welche von den Kanken 
umechiungeu wird, was bei den Worten sonnig und wider- 
sönnig nicht notwendig wäre. 



„Die schwarze Welt.' 

Yoii Cirl von Fisdibach. 



4 

p:aphisciu4^| 



Auf der im Jahre 1858 herausgegebenen topograj 
Karte von Hohenzollern findet sich in der Gemarkung Stetten. 
Oberamt Haigerloch, der Flurname „die schwarze Welt" für 
einen Waldkomplex mit dichten Nadelholzbeständen, einen 
der weit gegen Osten vorgeschobenen Ausläufer des Schwarz- 
walds. — In Wirklichkeit heißt dieser Ort jedoch „die 
schwarze Wald" (Wälder), was der norddeutsche TopograpL 
seinem Gehör und Dialektverständnis nach in obiger Weist^ 
wiedergab. 



Anzeigen und Nachrichten. ' 



»ulLMÜlIer. BftJls,:iie LuLuUugsgeschidite. I.Teil: D^r 

ÄüfsDg dei 1 and stand Eschen Lebens im Jahre 1819, Berlin, 

Roaenhaum und Hart, 1899. Gr. 8" XVI, 233 S. mit zwei 

Bildnisaen. Preis Mk. 4.50; geb. in Leinwand Mk. 6. 

Dieties la einem merkwürdig houhtrah enden, und aoast nur toji 

isamen Zeituugareportero beliebten phrasenretclieu Tod Kusamraen- 

wboitete Buch ist niciit su sehr eine Geschichte des liadiacheii 

Landtags vom Jahru 1819, als vielmehr des damaligeu badischeu 

Freieiuns, zu dem sich der Verfasser offen bekennt. Eine abstoßende 

Sonderlingsluft weht durch das Ganze, beginnend schon im Vorwort, 

wuria der Verfasser sich brüstet, dass er seineu eigenen Weg gehe, 

dem gegenwärtigen Parteigetrieb« kein Credo, sondern ein Diatinguo 

entgegenbringe, und — zuletzt, nicht zu wenigst , — „aulierbalb 

der badischen offiziellen Geschieh ta^chrelbung mit 

. ihrem Monopole für die neueste Zeit stehe"; er richte 

den Blick „mehr auf die heranwachsende Jüngere Generation ab auf 

dos satte ältere Geschlecht", indem er ^die alte zerschossene 

Fahne des badischen Fortschi itta wieder ausgrabe. ' Wir können 

dem Verfasser allerdings bealütigen , dass er mit seinem Machwerk 

Epcht bloß auLierhalb der offiziell eu und inoffiziellen badischeu. 

Hindern auch aulterhalb aller Geschichtschreibungskunst und -regel 

Hjjiaht, und dass wir so zu würdigen wissen , wenn er aicb mehr an 

■j^e heranwachsende jüngere Generation" wendet , von deren Seite 

mar schwerlich eine Kritik zu befürchten bat. Er bilde sich zwar 

melit ein, fahrt er in einer kurzen Anwandlung von Selbsterkenutnia 

fort, „den echten Stein zu besitzen", aber wie jedermann seines 

Schweißes sich rühmen dürfe, spricht er sieb stolz erhebend , könne 

er wenigstens von sich sagen: .ich habe nach der Wahrheit und 




174 Anzeigen und Nachriohteu 

uiwh dem I<iclite gestrebt." Nach der \\'ahrlieit und dem Liebte 
<les Freiainna uatürlich 1 

Doch aebeu wir näher zu ! das dem marktBcbreieriscbea Pro- 
spekt zufolge .111 größerem Stile uud von einem freieren Stand- 
punkte aus" geschriebene Bach enthält auf 1119 bedruukten Seiten 
in 5 Kapiteln, 70 Haupt-, M Unter- uud ft ünterunterabschnitten 
bi Seiten blanker Zitate, etwa SO Seiten InhaltsaDgaben von Beden, 
Kammerb erichteu, Denkschriften und Pressstimmen, .um auch den 
Schein einer KousIruktiouE meth od ik zu meiden", wie er sagt, „welvhr 
oft durch eine gleißende Dinlektik den Mangel von Wahrheitsliebe. 
Gründlichkeit und Freimut vertusclit" ( Vorw.) ; endlich ganze tin 
Seiten eigener Ware , die selbst wiedei' vou Kraft sprächen und 
Tiraden, Lesereminigzenzen , geflügelten Worten und GemeinplätzeD 
strotzt. Proben können nur einen scliwacheu .-ibglan!; geben. Hier 
„verlieren die Gänsekiele der Minister, was die Scliwerter der Krieger 
gewonnen" (S. 12), dort muss ueuea Leben au» den Kuinen des ehe- 
maligen Reichaheer Wesens aufblühen (8. 14), hier wird einer Oher- 
amtmann, von dem es heiüt: ,.Schier drelBig Jahre war er alt, hatte 
manchen Sturm erlebt" (S, 6), dort ist einer „vom Kavalleriepferd 
iu die Diplomatie uud in das Ministerium gefalleu" (S. 33), weiß 
aber trotzdem „alle geheimen Fächer der Kabinett^^politik zu ziehen" 
(das.); hier geht eine Stadt allein .,vier Mann hoch" aus der 
Wahlurne hervor {S. 37), dort erfahren wir, „wie der Großheraog 
scharf gemacht wurde" (S. 40|; hier ist eine Thronrede _im Tora 
übertiinchter Uöflichkeit" gehalten (S. 4(5), dort bat ein Xlinialer 
„blutige Zähren vor dem russischen Zaren vergossen" (S. 41*), 
Seite 5G will die Kammer nicht als „ein gefiigiges Werkzeug i" 
Gestalt einer Geldbewilligungsmaschine" erscheinen. S. tiä haben ili< 
Klagen der Landboten _die Paschawirtschaft der Amtmänner" nuo 
Gegenstände , S. 67 „marachii-en jene bürokratischen Zimroerlwite, 
welche hei dem täglichen Flicken und Ausbessern Beschäftigung wiJ 
Nahrung fanden", «her die Ständehausbuliue, S. 139 wird Jet 
Ireiainnige Landtag „auch nm eine Kevison des täglichen politiKh» 
Brotes gebeten", S. \hä will „der Bann in der Frage der sog, »1'" 
Abgaben- nicht auf einen Schlag fallen, S. 203 kann man -ä« 
Fell der Dotation von dnnnen schwimmen" sehen. Von glwoh g»" 
achrosckvoller Wahl geben die 112 Ueberschriften des drsif»** *"' 
sanimengeschweiBten Opus Zeugnis- Zweites Kapitel. 3, Äbgoluii"- 
1. Ein tragisches Moment. S. 3S 40. 3, Unverantwortliche Geitl'f 
S. 40'41. xrV'. Das Adelsedikt. S. Das Adelsedikt in der «weilen 



Anzeigen utid tiaeliricbteu 175 

Kammar. d) DuttUngers Attake. S. 184,85, e) Von Bei'stett in Nöten. 
S. 18S/86. f) DerRetterinderNot.S. 18ö. g) VonSensburga Vorlesung, 
b) Wie das älteste Mitglied der Regierung von dem jüngsten JlitgUed der 
Kammer iu die PluoLt gesclilagen wird. S. 18M/91). i) v, Lieben- 
stein setzt die Sturmkolonne an und führt sie zum Siege. 8. IM/fll. 
Fünltes Kapitel, II. Nachklänge, 1. ÄbBcUied und Heimkehr. 
S. 207/8. 2. Die Antwort auf das Vertagungareskript, 8, 21S/9. 
3. Die Schuldfrage. 8. 209-11. 4. Ein Nachhutgefecht, S. 211 
bis 13. Unwillkürlich glaubt man bald einen Kriminalroman, bald 
eine Indianergesclüchte, bald die Jobsiode ver siuli zu haben und 
wünscht sich nur Bilder aus den fliegenden Blättern dazu. Jeden- 
falla ist die Kunst de» rutinirtesteu Bomanachriftfitellers reines 
Kmderwerk gegen diese Jobaiade des badiachen Landtags. 

Am Eingänge in das landstilndiache Leben im Jahre 181!i 
stehen, wie daa Ganze absichtlich nur ,mit einigen Strichen ge- 
eeichnet", .in scharfen Umrissen und großen Zügen behandelt", die 
Gestalten der beiden Kämpfer, L. v. Liebensteins, des „Lahrer Ober- 
amtmanns", und K. v. Rottecks, des „Freibnrger Profeasora". Beide 
hat Müller natürlich erat in ihrer wahren Grobe entdeckt, der Ver- 
gangenheit entrissen , und ob iiwar mit deu Worten der badiachen 
Biographien, so doch ganz mit seinem Gritfei für immer und ewig 
auf den Scheffel geatellt. Nur schade, dasa sein erater Held und 
Parteiheilige, Liebenatein, der große Patriote , nicht so ganz gesin- 
nuiigatücbtig für die 8acbe des Freisinns sich bewährt hat . wie 
Müller glauben machen möchte. Der von ihm wegen seines Abfalls 
Tom Freisinn zum Regirungsliberalismua ao schwer gehrandniarkte 
Dr. Kern war keineswegs „der einzige Abgeordnete, welcher auf dem 
Landtage von ISIH wahrhaft demagogische Töne anschlug und in 
der Folge das SohoKkind und Werkzeug des herrschenden Regiruiiga- 
systems wurde und als solches der Volksvertretung gegenüber Dienste 
leistete, die durch alle Jiiebesgaben der damaligen Kabinetapolitik 
aufgewogen wurden" (S. 123). Auch Held Lieben stein , ,.BadeuB 
großer Sohn-, kämpfte nur ao lange gegen den Kurs der Regirung^ 
bia er selbst ina Ministerium berufen ward ; von diesem Augenblicke 
an war er der regirungsfreundlichate Junker Badens. Wie verhängnis- 
voll dieses schlechte Beispiel Liehenateiua bis zur Stunde im badiachen 
Freisinn wirkt, zu de«aen umlnöaen Mittelpunkt ihn Müller gemacht 
hat , weill man ja. Seit dreißig Jaliren hat der badische Freisinn 
seine Begirungaunfähigkeit alljährlich deutlicher bewiesen nnd nun 
l. abgewirtschaftet , daas er den ofl'enen Bankrott 




170 AoieipED und Naclincbteii 

nicbt mehr verbergeu kiiiiii. Uud nua wacht siob noch, welu 
Ironie des Schicksals ! eines der naivsten Kinder dieses FreisLimB 
daran, mit ßchulphrasen und Untere t^ierasprüclien dem SOjobrigen 
Fiasko ein Deuknjal zu aelzeii, damit es die Sänne des Bcfaeidenden 
Jahrhunderts vor aller Welt purpuiTot beleuchte! Doch, xa Lieben- 
9tun zurück: Was dieser „große Sohn der Badenia und Germaiiin" 
l8. 212) denkt, spricht und schreibt, i^t nach Müller selb st verständ- 
lich nur ngenial^ uud „mouuuientai''. „meisterhaft" und „farben- 
prächtig". Er ist nicht bloß die Seele dei' Lahrer Abweerdneten, 
.welche die freisinnige Keratruppe des ersten Landtags bilden sollten'' 
(8. 45), sondern der ganzen zweiten Kammer, über deren Waaaem 
ola Schutzgott ^der freisinnige und freimütige Geist von Liebenstein 
schwebte" (S, ä6). Oftsa diese ganze zweite Kammer „hochfrei- 
sinnig- war, versteht sich unter diesen Umständt;n von selbst; aber 
ilie erKte Kammer hat „von dem Wehen das freisinnigen Qeistes 
auch einen Hauch verspürt, aber weit entfernt, gleich der Volks- 
kamraei' die ungeschminkte Wahrheit vor dem Throne niederzulegen, 
SQcht sie wie ein Hofhistoriograph, wenn er mit dem obersten Prin- 
zips der Wissenschafl in Konäikt gerat , durch Verbeagungen naub 
oben und unten zu gefallen" (S. bij. Doch „freisinnige Anwand- 
lungen führten iuch in der ersten Kammer die Sache zu einem guten 
Ende" (S. 54). 

lEüllers zweitei' Heldendarsteller im ersten badischen Landtag, 
Karl V. Rotteck, stand Lieben^tein nicht viel nach. „Nicht als eiu 
Springinsfeld, sondern als ein Musterknabe" durchlief er alle Biidunge- 
anstolten seiner Heimat, so daes er schon im Jahre 179S (mit 2h 
Jahren) als ordentlicher Professor den Löhrstuhl der Geschichte lie- 
stieg. Nicht durch ein iniensives Geschichtsstudinm hatte sich Rotteck 
EU diesem Amte emporgerungen; .. . . mehr durch einen glückliobaB 
Zufall und freundliche Empfehlungen als durch eigenes Verdieott 
sah er sich vor die Aufgabe gestellt. Dem Geschichtsschreiber]^ 
V, Ratteck war es nicht darum zu tun , „in dem Dunkel der alt» 
Zeitrechnung muhselig einige verlorene Pfade durch ein zweifelhtftM 
Dammerliaht zu erheilen, auch nicht die genealogischen Reiter itt 
Erdengötter durch einige vergessene Glieder zu bereichem ; .er iroUlt 
vielmehr den überlieferten Stoff der (.Teschichle den BedüTÜÜBM 
seiner Zeit entsprechend vortragen, die Lehren der „Pfl^erin poti- , 
tischer Weisheit, und unbestechlichen Richterin" auf die Zeitgenosse« 
wirken lassen und ganz besonders die reifere Jugend tiir das, "W 
ilm selbst tief bewegte, für Freiheit, Ehre. Vaterland und RnmVlititl 



Anzeigen u 



t Nachrichten 



177 



Itegeistera (S. 19 f.). Mit ilecht wird dealialb Kotteck, dieser Aus- 
bund von Auilcläruiig, Rationalismus und Liberalismus der „Erfinder 
der Weltgeschichte" genannt. Müller rühmt vor allem seine „bis 
ans Ende beharrende Prinzipientreue" (S, TG) und glüheode Vater- 
landsliebe, die uns Jedoch xtark verdächtig erscheint bei der Erinne- 
rung an jenen pathetischen Fußfall vor Kaiser Franz zu Basel im 
§ Jahre 1814, um ihn zur Wiedervereinigung des Breisgaus mit Oester- 
imch zu bewegen. 
, Da der „Labrer Oberamtmann** , „als ein echter Sohn des Zeit- 

alters der Aufklärung' (S. 9) nicht bloß ein „genialer" Juiist und 
.monumentaler" Publizist und Historiker , sondern — gleich dem 
Verfasser — auch „in militärischen Dingen überlegenen Geistes" 
, 170) war, Bo ging es in der Stande Versammlung ganz militärisch 
Unt«r den „großen und kleinen Strategen' war I^ieberstein 
[■ Generalissimus", Duttünger, „dieser Jünger der hl. ThemÖs" 
, l'il), sein ^'unger Adjutant, der ihm im stärksten Kugelregen 
r Seite stand" (S. 84). „Wachehabender Offizier des Freisinas" 
r der Dekan Fecht in Kork. „Er ließ alle Argumente der Gegner 
i passiren und fertigte sie mit den Waffen der Humanität in 
r Kühe ah" (S. 08). „Der Generalissimus v. Liebenstein stand 
änd der Schlacht auf hoher Warte; nichts entging seinem Feld- 
lauge; nur hin und wieder bezeichnete er durch Winiie die all- 
) KichtuDgslinie (S. 95). Unter Liebeastain gab es im Land- 
ir schneidige Attaken". „Zwei Tage wurde in der Kammer 
tin und her gestritten. Am ersten eröfl'nete der Kriegsrainiater 
V, Schäffer den Angriff bezw. die Verteidigung durch einen großen 
schriftlichen Vortrag. . , Am andern Tage verlas zunächst der ße- 
girungskommiflsär Generalmajor v. Freiyatett eine schriftliche Bitt«. 
Auch der Abgeordnet« Leiber reichte als Antwort , . . einen Sach- 
trag ein . . . Nun griff v. Liehensteiu in die Redeschlacht em. Mit 
edlem Anstände fiihrte er den Kampf, . . Durch eine Bemerkung 
des Abg. V. Gleichenstein bekam die Kampfeslinie eine immer gröitere 
Ausdehnung, drohte die Schlacht sieb in eine Reibe von Einzel- 
gefechten . . . aufzulösen, . . Auch die zweite Kammer hatte ihre 
Reservetruppen. Nachdem Wiuter im ersten, v. Liebenstein im 
zweiten Treflen die Position gehalten hatte, rückten im dritten die 
ii>geordneten Winter-Heidelberg und Duttlinger, letzterer wie immer 
ir. Nachdem durch die frische, kecke Initiative Dutt- 
3 letzte Reserve der Eegirung, der Ritter von Gulat 
1 Sattel gehoben worden war , setzte der Generalissimus 

12 




Ä 



rft 



Anzeigen und Nachrichl^n 



V. Irtebenstein, mit der geförchteten Lorguette die Rate und Ritteä*'' 
auf der fieginingsbank muatenid , die Sturm koloniien zu dem ent' 
scheidenden Schlage an. Jetzt schweakten die Unteroffiziei-e und* 
Mannschaften des alten badischen Fortschritts ein, . . Nun trat dt» 
Hegirung den Rückzug hinter die zweite Schanze an . . , das eigent- 
liche Kampfobjekt war bei dem Pulverdampf und "Waffenlärm gans 
aus dem Geaichte gekommen, als t. Liebenstein znm Sammeln blasen 
ÜeBS. . . . Als darauf \. Schalter erwiderte . . . und ab T. Lieben- 
stein auch diese in einem glücklichen Rededuell durch einige wol- 
geaielte Kanonenschläge aus dem "Wege geräumt hatte, fiel , . . di» 
Entscheidung ..." (8. 173 ff.). Zuweilen droht ea trotz alledenti 
schief zu gehen. „Erst als die freisinnige Kemtruppe einschwenkte^ 
gelang es, das Fähnlein der vereinigten Beamten und Bauern in dis 
Flucht zu schlagen" (S. Ft4). Das ist ein Bild! Dagegen nehmen 
sich die hitzigsten unserer heutigen Kammersitzungen geradezu wie 
Schäferstündchen ans; gegen die hier kämpfenden Helden sind aber 
auch unsere Führer die reinsten Waiaenknahen. Diese Einführung 
des militnrisehen Tons in die Geachichtach reihung ist die Vollendung 
des historiographi sehen StiU, damit sind nicht bloß unsere von Müller 
so glänzend entlarvten Hofhistoriographen, sondern auch unsere ver- 
meintlichen Meister der historischen Kunst überholt und für immer 
in Schatten gestellt; durch diese Tat allein hat sich Leonhordt-j 
Müller noch vor Ablauf des Jahrhunderte die Unsterblichkeit 
sichert. 

Die Freisinnigen des Landtags von 1819, allen voran 
„geniale" .Lahrer Oberamtmann" und der „prinzipientreuB" „Praw 
burger Professor", behaupteten die "Wahrheit anders nie als mit 
kennersmut (S. 7G). „Die Verteidigung in großem Stile, mit dem 
gesprochenen und gesohri ebenen Worte, führte Karl v, Rotteok» 
(S. 100). „Von Liebenatein gab in der Regel nur die allgemeine 
Direktive ... der Abg. Dutthuger, das lebendige Buch der 
Verfassung und GeBohäftsordnung — und wol deew^^ 
scherzweise auch „der ahgeduttelte Ordlinger- geheißen — pfiegte 
in aolchen Fällen als erster Flügel ndjut an t die aligemeine Intenaion 
des Kammerchefs zu präzisiren. Mehr als einmal bekam das andere 
hohe Haus seine überlegene Interpretationsgabe zu ttihlen. Aber 
auch mit der Staats regimng ging der junge Knnipe gehörig OA 
Gericht" (S. 185)- Manchmal führte aucli Liebenatein „die gana» 
zweite Kammer zum Sturm gegen das Festungsvorwerk der Hof- 
rSte" (8. 99). Was Rotfeck und Liebenstein nicht geradewegs dnrch- 






Bfimn 



Anzeigen und Naohriehten 179 

fllhrton, das hat der letztere weuigsteos inangurirt, „In dieser 
schöpferischen Weise" hat Liebenstein „die Kelle in der einen, die 
Lanze in der andern Hand", den Oruud zu dem heutigeo Gehäude 
der Staatsverfasaung gelegt (8. 151). Bei der Debatte über die 
"Wilddiebereien berichtet der Abg. Buhl, der „wackere freiBinnige 
Ettlinger OberbürgermeiHter" über den 8ohn der Wildnis und sein 
Handwerk" (S. !'9) und bei der Beratung des Forstbeamtentitels 
nahm er „den hohen Wildstand des Großherzoglichen Leibgeheges 
unter die Lupe; der Abg. Euth schnitt die Frage der freien An- 
förBterung der Privatwflldungen an. liotteck donuerte, als man das 
Jagdrecht der Bauern antasten wo Ute. Zweifelsohne das größte 
Geschütz ließ aber der Abg. Kern gegen die Oberforstämter und 
lerforstmeister auffahren" (8. 119). „Vom See" bis zum Main, 
Waldhüter bis num Landoberjagerraeiater gerieten die „Grün- 
t" in Aufregung" (S, 122). Gelegentlich holt Liebenstein auch 
,zu einem vernichtenden Schlage gegen den Bundestag aus" (8. 188), 
Warum gehen auch unsere heutigen Abgeordneten bei diesen Herren 
und bei Leoohard Müller nicht in die Schule? 

ßichtige Kerls waren die freisinnigen Landboten des Jahrs 
insgesamt, nicht bloss Liebenstein und itotteck. Alle sprechen 
handeln sie, gerade so wie Müller schreibt, vorzugsweise mit 
■eiheit, Freimütigkeit, Oeffentlichkeit und GrÜndJichkeit" (S. &3); 
idestens jedoch „mit Verständnis , Freimut und Resignation" 
194). Kein Wunder, doss sie unwillkürlich „die Blicke von 
Alldeutachland auf ihre mutige Tat lenkten" (8. 107). Den da- 
maligen preußischen Geschäftsträger in Karlsruhe, Varnhagen von 
Gnse, rissen sie soweit fort, dasa er „seine unermüdliche Arbcita- 
kraft ganz in den Dienst der freisinnigen Hache stellte" (ü. 144). 
„So" wurde durch Publizisten ersten Rangs der Ruf und der Ruhm 
der ersten bsdischen Volksvertretung in alle Lande getragen. Ja, 
man reiste eigens um des Landtags willen nach Karlsmlie; von Baden- 
Baden kamen die fremden Badegäste herüber, um das neue Schau* 
spiel einer öffentlichen Stand eversammlung zu sehen. Seihst der 
Kronprinz von Preußen wohnte einer Budgetdebatte an ; doch gab 
die zweite Kammer ihm zu Ehren keine Galavorstellung; sie war 
gerade im Begriffe , den Inspektionsadjutanteii Hennenhofer — den- 
selben , „der dem alternden Hagestolzen (Großherzog Ludwig!) hei 
seinen kleinen Abenteuern ein gefügiges Werkzeug wW (8. 32) — 
für höchst überflüssig zu erklären, Die Mitglieder des diplomatischen 
yni-pa stellten sich regelmäßig zu den Sitzungen ein , um mit vor 




180 



Anzeigen uod Naobrichteu 



nehiner Wivhtigtuerei ihre Mappen auszubreiten und Stoff fBr ihn 
Depeschen zu ssminelii. Nahm eiu Gegenstand der Tageiordnung 
besonderes lotereBBU in Änsprucli, go strömten Mtumlein und Wetb- 
loin schon lange vor der festgesetzten Zeit in hellen Haafea herbeL 
Der Kammerpräsident interpretirte seine Disziplinargewalt in der 
weitlierzigaten Weise. Truf der Redner den Nagel auf den Kopf, 
sprach er allen aus dem Herzen, so erhoben sich unten im Saal die 
Abgeordneten und oben auf der Tribüne die Zuhörer, um mit lauten 
Beifallssalven ihre Huldigung darzubringen" (S. 144). So babe, 
meint Müller, der badische Landtag von 1819 .in mehr als einer 
Betdebnug eine varbildlii:he RoUe für ganz Deutschland gespielt" 
(Prospekt). Das war nun zwar damals so wenig der Fall wie Leute, 
zu der vorbildlichen Rolle hat dem ersten badischen Landtag erst 
Leonbard Mutier verbolfeu; sein Held Rotteck hatte ihn richtig ab 
die noch schücbteme Jugend des damaligen konstitutionellen Lebens 
(in Bsden) bezeichnet. 

Mit rührendem und oft wahrhaft kindlichem und komischem 
Eifer ist Herr Leonhard Müller bemüht , den Bekennern des Frei- 
sinns Denkmäler xu setzen. Er dehnt dies bis auf seinen eigenen 
Urgroßvater aus, der im Jahre 1815 zu Steinbach, Amt Buchen, 
.sich lauge Zeit auf eine einsame Talmühle flüchten musste , da die 
verbündeten Russen auf ihrem Rückzug alle Nalirungs mittel des 
Dorfes «ufg«x«hrt hatten und von ihm das Unmögliche verlangten, 
nfimlich neue Lebensmittel aus dem Boden zu stampfen" 
(S. 131). 

Im Beligionswesen verteidigt und bethätigt der Verfasser einen 
rällig „freigeistlicheu" SJn». Sein Mann ist Weasenberg. Er bedient 
■ich lieber der Muttersprache als der lateinischen Sprache im 6olt«a- 
dienste und lÄsst sich auch die anderen Errungenschaften , welche 
er dem edlen, freisinnigen FWherm v, Wessenberg verdankt, nicht 
mehr nehmen (S. IV). Mit Rotteck , seinem L^irer in der Politik 
und Historie, ist er gegen Zölibat, Seminarieu und andere Werke 
, kirchlicher Heilisporue- und gebraucht ironisch oder satirisch gern 
kirchensprachliche Wendungen und Ausdrücke. 

Eine unheimlicli« RoUe spielen in dar badischen Laodtags- 
gfltchicfale Möllers die Hofhistoriogn^pbeu. £r selbst ist der prsde- 
Ktinirte Historiker, der Historiker, „wddier ohne Ansehen der 
Person das Terdiedat wagt*' (S. 34). kosu er oiTeDbar wie 
kü swwter di« B«fthignag besitit. Er halt ee tudit für sein« 
As^gab« , ^alle hinter den KulioEMt täl^ien aai mächtigen 



Anzeigen und Nüchnohten ISll 

Geister zu bannen, alle Fäden des damaligen höliBcheD Ge- 
heimiiiBkrames und Frames aufzudecken; nur insoweit", raft er 
empbatiacb aus , „als diese lichtscheuen, unverantwortlichen Mächte 
das junge laudständische Leben im Keime vergiftet und zum 
großen Unglück unseres engeren Yaterlandes immer größeren Ein- 
fluss auf die Person des Großheraogs gewonnen haben, musHteu wir 
sie gleich an dieser Stelle vor den historiBchen ßichterstiihl laden" 
(S. 41). Und er hat sie gehörig gerichtet und weim nötig auch 
gleich abgeschlachtet. Zuerst die Hofhiatoriographen, von deuen er 
leider nur einen mit Namen nennt, den Arcbivrat Brodhag, der 
.würdig die Galerie jener Archivräte eröfinet, welche, statt sich mit 
Genealogie und Wappenkunde zu befassen, sich auf das Gebiet der 
badischen Landtagsgeacbichte — der Domäne Müllers — verirrt 
haben. . ." Der Ton (in dem „land ständischen Boten" Brodhags), 
welcher populär sein will, in Wirklichkeit aber niedrig ist, kann 
über die Planlosigkeit und Urteilslosigkeit der Berichterstattung 
nicht hinwegtäuschen. Was der Autor aus dem Eigenen hinzufügt, 
ist „eine ewige byzantinische Anbetung, die dadurch nicht schmack- 
hafter wird , dasB der Hofhistoriograph sich gelegentlich in einen 
Hofpoeten verwandelt" (8. 141). Da ist freilich Leonb. Müllers 
badiache Landtagsgeschjchte etwas anderes! Da ist Disposition und 
Flau und Urteil der Berichterstattung, und was der Autor aus dem 
Eigenen hinzufügt, ist zwar nicht viel, aber desto imponirender in 
Anffaasung und Ausdruck. Ja, was verirrt ihr euch auch, ihr Archiv- 
räte, auf das Gebiet der badischen Landtags' und überhaupt der 
badischeo Geschichte? Befasst euch in Zukunft hübsch mit Genea- 
logie und Wappenkunde, die euch Berr Müller so freundlich war, 
als eigentliches Arbeitsfeld zuzuweisen! 

Mit gleichem Mut und Entzücken wie an die Hofhistorio- 
graphen macht sich Müller auch an Minister und sonstige Männer 
der Regirung. Ja, selbst die Fersen des Großherzogs, des „nltem- 
den Hagestolzen" {S. 32) versteht er zu porträtiren und zu schul- 
meistern. Am schlechtesten kommen die Minister v. Berstett, 
Mettemi chs „Frophet" und „getreuester Schildknappe" (8. 
und zumal v. Hadke weg, ^dieser französisch gesinnte, frivole, 
grobe Kabinetts- und KüchencheP (8. 132), der „alles andere elier 
als ein Staatsmann" (8. 181) war, und der Finanzrain iater v. Fischer, 
der ^.gleich v. Berstett an beständigen Yerfassungs wehen laborirte" 
(8. 157). 

Doch genug der Ehre , die wir Müllers badischer Landtags- 




182 



Anzeigen nud Nechrif^hten 



geachichte ajigetan haben , gCDug d(« ^Tausainen Spiels mit einem 
Neuling im literariacheii Fache, der von der historischen Methode 
keine Ahnung hat und auch schwerlich, wie una dünkt, etwas Hechten 
darin lernen oder leisten wird. Fassend kann man vou ihm sagen: 
nKindlich naiv steigt er in seinen Bemf: ein Tintenfass nebst Feder' 
halter, ein bisachen Talent , ein Haufen Blicher, viel weißes Papier 
— und der hiatoriache Schriftsteller ist fertig," Für den ernsthaften 
Historiker hat das MüUersche Buch nur eine pathologisohe Be' 
deutung. 

Aber kommen wir zum Schlusae! Eb ist keine Frage, dasa das 
MüUersche Buch vou Jung und Alt gelesen, ab Vademecum und 
Spiegel der poütiachen Weislieit von allen Ahgeoi'dneten getragen 
werden wird , der Verfasser aber dekorirt und aowol in seiner 
Zivil- wie in seiuer Militaratellung befördert za werden verdient. 
Wie weiland B«tteck die Weltgeaohichte, so hat er endlich die histo- 
rische Methode erfunden und zum erstenmal in „sehöpferiacher 
Weise" angewandt. Hüten wir uns, das« der große Mann und 
große Moment, um bei seiner Sprache zu bleiben, kein kleines Oe~ 
Bcbledit finde (S. 32), „der Augenblick könnte — mindestens ^| 






eine ganze Generation entscheidend" (S. 213) sein. 
Mannheim. 



E. Sartorius. 



Oskar von Ehrenberg;. Die Ortsnamen auf — ingen in 
Schwaben uud insbesondere Hohenzollern. Am 

den ,MitteUu.ngen des Vereins f. Gesch. und Altertumskunde 
in HohenzoUern- 81. Jahrg. Sigmaringen 1897/98, 41 ß, 8». 
Der Kenner der früheren Jahrgänge dieser Zeitschrift wird »ch 
vielleicht wundern, dasa kaum '20 Jahre, nachdem A. Birhnger die 
Hohenzollerischen Ortsnamen (im 6. Band der Alematmia) ausführlich 
behandelt hat, schon ein anderer es unternimmt, eine Gruppe der- 
selben aufs neue genauer zu untersuchen. Doch dürfte der Lsaer 
der V. Ehreubergachen Schrift die volle Berechtigimg dieses Nach- 
pflügens eioea scheinbar schon bestellten Ackere, namentlich um dea 
ersten Teils derselben willen, wo! erkennen. Die Ortsnamen »nf 
— ingen sind seit Birlinger so vielfach, beaondera durch S. BiesUr, 
Bohnenberger, Schiher u. a., nach ihrer Wichtigkeit für die Beaied- 
luugsgeschichte betrachtet worden, dass es sich gewiss verlohnt, diese 
Ergebnisse auch auf nocli nicht eingehender untersuchte Gebiet« w 
Übertragen, um deren Stichhaltigkeit all uit (halben zu erproben u 
Erweiterungen zu versuchen. 




Anzeigen und Naohricbten 



183 



Dies ist die Aufgabe, die sich v. E. im ). Aliachnitt seiner 

k'AbhandluDg gestdlt hat. Zuerst wird der Nachweis untemonunen, 

l dftBS die Eadimg ingen tatBächlich für die Schwsbeu besoudera kenii- 

virachneud iat. Zu diesem Zweck wird ihre Häufigkeit im deutschen 

m Sprachgebiet — leider acheint ttesteiTeich ausgeschloBsen zu sein — 

r ttbleumäÜig dargetan: von 2400 treffen 1080 auf den Bereich des 

schwäbiacben Stamms , abo 45"/ii- Inwieweit die ZähluDg richtig 

ist, laset sicli natürlich Bchwer beurteilen ; im bayer. Schwaben gibt 

ea e. B. deren nicht 140, EOndern 173, was allerdings den Prozent- 

aatz sogar noch erböhen würde. Läset mau die MUglichkeit gelten. 

— und das hat viel für sich — daas das in und vor dem 5. Jabrh. 

Tou den AJamannen besetzte weiter im Norden gelegene Land noch 

manche Namen aus jener Zeit bewahrt bat, so steigt die Zahl noch 

bedeutend, ao daee man fast ''/i aller als schwäbisch ansprechen 

könnte. In Württemberg übertreffen nui" die Grundwörter berg und 

bach die ingeu an Häufigkeit ; und ein Vergleich des schwäbischen 

und fränkischen Teils dieses Lands ergiebt deren auffallendes Ueber- 



) die Endung ziemlich schlagend als schwäbische Eigenheit 
so deutet m B t a htung und Ausscheidung nach der 
Grösse der ingen-U t auf I 1 uhzeitiges Emporkommen und ihr 
hohes Alter. Während uute d n kleinereu Orten Württembergs und 
HohenzolleruB nur twa uh 1 (, ingen sind, trifft darauf vou 
Dörfern und Städten ml a' J der fünfte Teil ; ferner sind von 
den wUrttemb. ingen mehi als ^O^n über den Weiierrang empor- 
gewachsen , das gleiche Verhältnis wie im bayer. Schwaben, Das 
legt den Schluas nahe, dass diese Wohnorte gleich als gesclilossene 
Dörfer angelegt wurden'). Dies erhärten noch weiterhin folgende 
Erwägungen : 

1. Die ingen haben fast durchweg die größten MarkuDgen und 
, regelmäßig die günstigste örtliche Lage (weite, betjuem zu- 
gängliche und darum wol gleich bei der Eiuwanderuug he- 



') Dasa ea ähnlich sich verhalt mit den heim und dorf, niag sein ; 
dass die weiler im Gegensatz dazu von Anfaas an klein waren, lässt schon 
die heutige Bedeutung des Wortes nnd deesen Herleitung vou villare ver- 
muten, (Die auf S. 12 wiederholte Baumannsche Ableitung von wSlan- 
weilen ist ganz unwahrscbeiulich.) Ob dagegen auch die hofen mit weiler 
Auf gleiche Stufe gestellt werden dürfen, crBcheint echon wegen der Mehr- 
il idir fraglich. 




4: Anzeigen nnd NRchrichten 

siedelte Täler), nährend sie gegen das Gebirge xu 

schwinden ; 

3. sie erscheinen schon id den ältesten Urkunden; 

4. sie haben viel weniger Wüsinngen als andere Klassen zu 1 



L 



5. unter ihnen sind ungewöhnlich viele Pfarrdärfer 
einer größeren Zahl von Filialen; in Württemberg 74 von 
100 (in Bayern annähernd ebensoviele) ; 

6. in ihrer Nühe liegt etwa die Hälfte aller bekannten alamitn- 
nischen Friedhöfe Württembergs; 

7. an ihnen führen meist Röoierstraßen vorbei, was auf ihre 
Anlage zur Zeit bezw. am Ende der Römerherrschaft 
schließen lüast. 

Als weitere Verstärkung zu Funkt 5 wäre vielleiobt noch l>ei- 
zufügen, dasa von den ältesten Kirchen Württembergs — als solche 
hat Dr. (t. BoBsert die dem fränlÜBchen Nation alh eil igen Martin und 
seinem Genossen Michael geweiliteii nachgewieaen — melir als ein 
DritteU in ingen-Orten gefunden werden, woraus folgt, dass diese 
schon zur Zeit der Missionirung durch die Franken, also kura 
nach der Unterwerfung der Alamannen, zu größerer Bedeutung 
langt sein müssen. 

Die Art der Entstehung der Orte als Sippenniederlassungen ist 
Bodonn an der sprachlichen Form der Namen dargelegt. Dabei sind 
die Endungen iugas und inga für den „älteren und jüngeren Nomi- 
nativ Plural" erklärt. Die Endung as als Nom. Plur. der starken 
Deklination ist aber nirgends belegt; die ingas- Formen sind mit 
Recht in Kuhns Zeitschr, f. vergl, Sprachf. 31, 2it7 als romanisch 
erwiesen, und ganz ebenso wird es mit denen auf inga sein, wie ich 
im Allgäuer Geachird. ISiiö S. 3« zu beweisen gesucht habe. Ein 
Nom. Plur. würde meines Erachtens völlig dem in ältester Zeit 
herrschenden Geist dar Namengebung, da man stets auf die Frage 
wo ? antwortet« , zuwider sein. Die Mönche haben für die lateini- 
schen Urkunden den Ortsnamen, wo es anging, einfach die lateinische 
Endung a gegeben. Gerade darin, dass diese Kamen eigentlich 
weiter nichts sind, als ein dekliuirter Eigenname ohne jedes Grund- 
wort, scheint mir ein Hauptbeweia für ilir hohes Alter zu liegen: 
fürs erste ist das Einfache immer das Äeltere, fürs andere klebt 
ihnen , glaube ich , noch deutlich die Spur der Wanderschaft an ; 
denn was lag näher, als die Bezeichnung, die man von dem Marsch 
her für den Lagersitz der einzelnen Abteilungen (Sippen) gebraucht 



ura ^m 



J 



Aczaigen und Naphrichten tR5 

hatte, nncb der (Dstürlich auch aippeDweise) erfolgten Sesahaftmachimg 
auf die dauemdeD Wohnsitze zu übertragen? 

DtBB aber die Älaninniien diese Form der Benennung auMcbUeli- 
lich »ollen angenendet haben, wird man allein angesichts der tahl- 
Teichen ing in AJtbayern nicht behau|>teD können, ebensowenig wie 
die schon oft widerlegte, auf der II. u. 12. Seite von t. E. wieder- 
holte Ansicht, die heim seien fränkische Eigenheit. Wahrend diu 
Patronjniika bei Bayern und Schwaben noch mit deren naher Ver- 
wandtsehaft ihre Erklärung finden könnten , mussten dann die fant 
900 heim in (reiciiB-)bayerischen Landen zur Annahme einer nahen 
Zusammengehörigkeit der Bayern nnd Franken zwingen. Die Endung 
heim mag bei den Franken recht belieht gewesen sein , ist aber 
ticherlich gemeingermunisch. 

Gemäß ihrer Entstehung mnss in den ingen-Orten ein Peraonen- 
nune stecken, sagt v. £. ; ich möchte den Satz lieber so wenden: 
FftUs die urkundlichen Formen es irgend erlanben, ist bei der Er- 
klänuig in erster Linie ein PN. in Betracht zu ziehen. Außer 
den eiimgen 4 schwäbischen, die keinen enthalten soilen (Htühlingcn, 
Bischofingen , Finningen nnd Faimingen) , bringt der Verf. später 
aelbst noch Fiachingen und Nufringen bei, und ein Blick i» Kriegen 
topogr. Wörterbuch würde noch viele unechte erkennen laKucn. Da- 
bei pflichte ich vollständig der Deutung von Uwingen, Vöhrin^ou, 
Vilsingen'), Eschingen usw. bei und glaube auch, dau in Amoldii 
. Ansiedelungen* von den 36 angeblich unechten noch viele auf PN. 
zorSckzufnhren sind. Oleichwol möchta ich aber neben den Bi»cbof' 
iDgen, den „Leuten des Bischofs" auch die Münchinge und Phafliuge, 
die der Uöncbe nnd Pfaffen, gelten Isasen, da eben doch w«d«r dar 
PN. Fagfrid noch seine Kürzung Faflo neb irgendwo fiad«t, 
während die dazn scheinbar stimmenden ON. ziemlich hänfig taiA. 
Andrerseita wUsate ich zu 8tähliugen (1Ö!>3 Htulinga, sonst iB«ist 
Stoolingen) keine einigermaßen verlisaige Entaprechiuig; mit Keclit 
sagt Kji^er: ,^ eiiicm Personennamen". Fürsten), I, 1124 vor» 
zeichnet StodUo und StoUinc, wovon du evoit« offsnbsr dnrek Aa- 
gleicbnng asa dem erstereo mUtud. Tieileiebt bH« dM bei OruBSi 
SU findende Adj. untMali = ■ebttrfineMig 6m richtig« Vorwl 4>r 
(gma. 6 > abm. «> wtt d. 10. Jafarli.). 



') Die Form RbaiofVD fltr das Btere Fffiwiti«^ ist vol dm 
häofigai WccAkI vo« ■ wkd I aswehKawB , ffi Awmm^ > Jlailaf^ 
Tsininira ^ Eäilöiff v, Sl 




1S6 ÄQzeigeu und Nachrichten 

Q^anz in v. £.'s Siane möclite ich hier AdIrsb Dehmen, Doch «nf 

etwas aufraerlcEain zu luacbea, wob icb schon früher eimnal anderswo 
angedeutet iiabe. Doss sehr viele Gewässer nach Personen benannt 
sind , ist liekannt. Sollten nicht Fälle wie TJ singen &n der Use, 
Morungen an der Moor, Bodungen an der Bode, Groningen an der 
GniDoch, Sindelsdorf (Sindotvesdorf) am äindelsbach, Buxheira an 
der Buiacli u. v. a. die Vermutung rechtfertigen, dasa es öfters der 
Brauch war , den Wohnort und den daran vorbeifließenden Bach 
nach der gleichen Person (etwa dem Sippe □ ältesten, hier also Uozo, 
Maro, Bodo, Gruono. Sindolf, Bucho) zu benennen? 

Nachdem v. E. im weiteren noch hervorgehoben und begründet 
hat, dasa natürlich nicht alle Orte auf ingen der EinwandeningBKeit 
angehören, reiht er der ganzen Grujipe als zugehörig noch die Neufra 
u. ä. benannten Orte an, indem er die meines Wissens zuerst von 
ßiezler gegebene Erklärung: „bei den neue» Sippen" annimmt, welche 
um so mehr Wahrscheinlichkeit für sich hat, seit die fehlende 
Beugungsendung beim Ai^ektiv durch 3 Urkundenstellen bei Krieger 
belegt ist (Kiunferon); der fast regelmäßige Ausfall des n vor dem 
harten labialen Eeibelaut dürfte sich dem vor dem weichen in Formen 
wie Ottwangen u. ä. an die Seite stellen lassen. — 

Der zweite Teil der vorliegenden Abhandlung bringt die Er- 
klärung der einzelnen Namen. Uni! auch er bietet etwas Nenes in- 
Hofem, als er bei jedem der 3B iugen-Orte außer einer Reihe von 
urkundliclien Formen auf stets „gleiche und verwandte (^rtanainen" 
aus dem südlichen Deutschlaud Toriubrt , welche stellenweise eineo 
willkommenen Vergleich und guten ächluss zulassen auf den zu 
gründe liegenden PN. Bei der Mehrzahl ist natürlich die Bir- 
lingertsche Deutung im großen und ganzen beibehalten, doch finden 
aich hei etwa 14 mehr oder weniger erhebliche Abweichungen, die fasl 
durchweg einen Furttichritt gegen die frühere Deutung bezeichnen. 
Auf einzebes sei es gestattet, hier noch etwas näher einzugehen. 
Bisingen führt auch Birlinger auf Biso zurück. Falls dies nicht 
etwa aus Bid-zo entstanden ist, mag pison = mutwillig springen 
wohl das riciitige Stammwort sein, zumal das einzige bei Förstern. 
(I, 365) verzeichnete Kompositum Btsmod dann als einer „stünni- 
sehen Muts" einen guten Sinn giebt. Wenn es aber erlaubt ist, 
einen zusammengesetzten Namen zu übersetzen, so gebt das nicht 
mehr an liei einem verkleinerten. Ich halte es d&her für elneo 
Fehler, dem man allenthalben begegnet, wenn Bisaula, wie es S. If 
jesohieht, mit „wilde Hummel'' wiedergegeben wird. Man baii» 



Aaeeigea und Nachrichten 



187 



I 



doch aus dem Namen, der einem Kinde in der Wiege beigelegt 
wird and bei dem man stets im Auge behalteu musa, dasa die 
Eltern, wesigateDS in der Zeit, da man den Sinn der Namen noch 
verstand, ihrem Kinde einen frommen Wunsch mit auf den 
Lebensweg geben wollten, nicht SchKisse anf den Charakter 
oder gar auf den Stand der Person ziehen. So ist z. B. in einem 
Au&atz der Beilage zur Augsbgr. Postrtg. 1899, Nr. 15 S. 89, über 
Alahmuutinga == Oberaltiug aus der Namenserklärung: bei den 
Nachkommen des Alahmunt, des „Tempelschützere*', die kübne 
Folgerung gezogen, dass jener Sippenherr ein Heiligt umswächter 
und an dem Orte eine heidnische Kultstatte gewesen eein müsse. 
Wenn die Eltern jenes AJahmunt ihrem Sohne wünschten, er möge 
ein Beschützer des Heiligtums werden , so ist das verständlich ; 
gewiss aber werden Eltern ihrer Tochter nicht anwünscbeti, sie 
möge eine ,, wilde Hummel" werden. Aus dem gleichen Grunde kann 

kich mir nicht denken, wie die Namen Boso, Boaso zu „bös" gehören 
können; sie sind ganz gewiss eher zu busan =^ schlagen, stoßen zu stellen. 
Burladingen, Mit der Verwerfung der ältesten Form Bord- 
leidingen hin ich im Hinblick auf die späteren Formen, die nirgends 
mehr ein d haben, ganz einverstanden; besonders scheint mir da- 
für die Burichinger Mark und der Burishingagau, worin der Ort 
lag, zu sprechen. 
Empfingen. Den Namen Ampho möoht« ich entsprechend An- 
gleichnngen wie entrangen u. a. lieher von Andfrid, Andfiins 
(Fm, I, 85) herleiten als von Aginfrid. 
Hechingeu. Der Eponyrooa Hacho steht fest, nicht aber dessen 
Ableitung, Die Qleicbstetlung mit Hagano erregt Bedenken. Mit 
ßücksiclit darauf, dass es nach der Urkunde von 789 im Hattens- 
untare lag, würde ich hier eher an eine Zusammenziehung aus 
Hadicho denken (Chadiclius ao 073 Fm. I, G42). 
Uuelfingen. Die Form v. J. 1300 Buotolfingen bei Birlioger 
zwingt, wenn andei-s sie richtig ist, doch wol zu einem Huodolf. 
X)ie angeblich im Schwäbischen ausschließlich gebräuchliche Kür- 

tsinng Kuof kann ja auch nur über Ruolf entstanden sein. 
igmaringen. Zu der hier angefügten Bemerkung, dass in dieser 
Stadt noch nie ein Vater seineu Sohn Sigmar getauft, ist es viel- 
leicht nicht ganz unstatthaft, wenn ich erzähle, dass mir hier, als 
ich diesen Namen meines Sohns auf dem Standesamt anmeldete, 
entgegnet wurde, oh es denn diesen Namen überhaupt gebe, der 
sei noch nie dagewesen. 



188 



Anzeigen and Nauhriebten 



Störzingen. Storzo =^ Stiurzo halte ich lautlich Tür nnmSglieh. 
Ich würde eine Verkleinerung Staro-zo mit verdumpflem a vorziehen. 
Also im ganzen : eine fleißige, Horgfaltige, gediegene Arbeit, die 
in ihrem ersten Teil die Bedeutung der ingen-Orte sehr übers ich tlich 
beleuchtet uiid im zweiten sachkundige und einen Fortschritt gegen 
früher bekundende Namenerklärungen gibt. Inwieweit die urtund- 
lässt sich natürlich schwer 



ia sind. Soweit ich sie noch 
r den 2 JUteaten Formen für 
falsche Vorstellung ihrer zeit- 
gegeben statt un, wie beide- 

Bt. 

J. Miede). 

)B Kaiserstuhls. Beilage 



liehen Formen immer zuverlässig 
prüfen, da die Quellen nicht angeg 
prüfen koDute, waren sie richtig; 
Hechingen und Wessingen ist die ei 
liehen Herkunft erweckende Endung 
male im Württemb. Urk.-B. zu lesen ist. 

Memmingen, 
Otto Heilig. Die Ortsnamen des Kaise 

zum Jahresber. der Realschule Kenzingen. 

13 8. 8». 
Die vorliegende Programm abhandlung beschäftigt sich mit Orts- 
namen , welche schon andei'weitig , und zwar erat in jüngster Zeit, 
erklärt worden sind. Gleichwol wäre es verkehrt, wollte etwa 
jemand die Arbeit überflüssig nennen. Von der richtigen Voraus- 
selzung ausgehend, dass nur solche etymologische Versuche Berechti- 
gung haben , die in krltiacbei- Weise an der Hand der Sprache, 
und nicht lediglich auf Grund der ältesten erhaltenen Form gemacht 
werden, bringt der Verfasser bei jedem der 24 Namen neben den 
alten Schreibungen die heutige mundartliche Form, wobei dann auch 
sonstige auffallendere lautliche Erscheinungen zur Sprache kommen. 
Außerdem sind, was volkskundlich recht interessant ist, Spottnamen 
der Ortsbewohner und Namensageu beigegeben, Dass die nundart- 
Uche Form, insbesondere da, wo eine alte Schreibung mangelt, ein 
geradezu nn entbehrlich er Bebelf ist für den , der auf die richtige 
Spur zur Erklärung eines Namens kommen will, kann ja kaum einem 
Zweifel unterliegen. 

Die angeführten alten Schreibungen sind insgesamt Kriegers 
topographischem Wörterbuch entnommen; ob freibeb die Auswahl 
immer die richtige ist, darüber könnte man rechten. Es sind m. E, 
nicht immer gerade die sprachlich bedeutsamsten aller herausgesucht, 
ferner wäre ein Unterschied zwischen Originalurkunden und Kopien 
späterer Zeit angezeigt gewesen , Fälschungen dagegen hätten ganz 
wegbleiben dürfen. Auf die Spottnamen hatte sich vielleicht sogar 
ein etwas genaueres Eingehen verlohnt, nachdem einmal ( 



An/eigea uud Naoliricliten 



189 



eohweifimg ins Tolkskuodliube Giebtet gemacht var; dena während 
einzelne, wie gnoge, muurekiwl, ja seibat wo! wedagige 
(wedag = Schmerz, ahd. wetac kasti man in Altbajem vielfach, 
und auch in Schwaben, hören) leicht verstaDdlich sind, werden wenige 
nur wissen , was sie unter gläbrli, böbili u, a. sich deokeu 
Bollen. An Ort und Stelle aber kann man meist noch annähernd 
wenigstens Aufachlusa bekommen über den Sinn der Bezeichnung, 

Wie besonnen die Deutungen in Kriegers Wörterbuch sind, 
zeigt, dass außer der durch F. Ffafi* schon richtig gestellten , von 
Eichstetten, die ihre Bestätigung durch den Yolksmund findet, nur bei 
dreien TOn dem Verf. eine andere Ableitung vorgezogen wird. Diese 
dürfen wir vielleicht auf ihre Berechtigung hin etwas näher auseben. 

Für Vogtsburg hiit Krieger seltsamer Weise einen Vocho 
als namengebend angenommen , trotzdem die älteren Urkunden alle 
den viel häufigeren Namen Bocho enthalten. Hit Recht ist also 
dieser au die Stelle jenes gesetzt. Aber seine Herleitung von bock 
erregt bedenkliches Kopfschütteln. Wo ist ein damit zusammen- 
gesetzter PN. nachweisiiar V Wie wäre es wahrscheinlich zu machen, 
dass Eltern vom Geiste der alten Germanen ihr Kind nach dem gar keine 
besonders rühmlichen Eigenschaften besitzeiiden Bock taufenV Und in 
der Mythologie spielt das Tier meines Wiseens auch keine nennenswerte 
Bolle. Nein, Bocho ist entweder zusammengezogen aus Bodicho 
oder = Bucco, Buoho (von Burghart) oder auch, wie Stark, 
Kosenamen der Oerm. 314 urkundlich nachweist, = Boliko (Bal- 
diko). — Köuigssehaffhausen. Die Baumannsche Erklärung: 
.Häuser om Rohr" ist nicht so ohne weiteres zu verwerfen, zumal 
die bei Föratem, lur den Stamm scaf t beigebrachten PN, auch 
öfters den Verlust des t zeigen ; für den gegebenen Fall ist besonders 
charakteristisch der Abfall des t in Suafhilt. Jedoch scheint mir 
scaf, wenn auch unwahrscheinlich, so doch nicht ausgeschlossen, — 
Schelingen. Auch liier möchte ich Baumaaus Ableitung den 
Voi'zug einräumen. Die i n g e n müssen durchaus nicht unbedingt 
alle patronymisch sein ; besonders sind sie es dann nicht mit Wahr- 
scheinlichkeit, wenn man als Namensataram einen sonst gar nirgends 
nachweisbaren erfinden muss. Und dies träfe bei scbel ^ Zucht- 
hengst zu. Die Form Scheleyen and die — leider nicht mit an- 
geführte — Suheli iaasen vermuten, duss wir es mit einem 
unechten lugen ku tun liaben. Vielleicht ist auch die Form 
Scaleia nicht ganz aus den Fiiigeni gesogen. Wenn wir Formen 
ir^B^^WK, — augia, — agit betrachten nnd damit z. B. 




190 



Aazdiges 



lod NacbriohteD 



krawa > kraja > kreie >■ kreige (Krabe) vergläohen, 

müssen wir als möglich und wahrscheinlich snnehmen, dftss ein 
Scbelawje über Scfaeleige, Scheleie, ScheUge sich m 
Schelingen hat entwickeln könaen ; heißt ja die Aa im Alsmanni- 
sehen auch heute noch oi oder ey. 

AnBer bei diesen dreien ist von 0. H. noch bei Bisch off- 
ingen die Möglichkeit angedeutet, dass ea zu einem PN. Piscolf 
gehöre. Wo aber der Stamm pisc vorkommt und was er bedeutet, 
ist leider nicht gesagt. Undenkbar über in älterer Zeit ist eine 
Zusammensetzung der Verkleinerung Piaico mit {w)olf. Die Aus- 
sprache Biecltlfinga — die einzige von allen, die weder mit einer 
urkundlichen noch mit der modernen Schreibweise übereinstimmt — 
erkläre ich mir durch Einschiehung eines bequem überleitenden Hail)- 
vokala anstelle de» verschluckten e (odero); es hat um so weniger 
Anstand, als ja bisch olf sellist bezeugt ist. — 

S a B b a c b habe ich oben zu den hei Krieger erklärteu mit- 
gerechnet, weil Sasbach bei Ächem, das die gleichen alten Schreib- 
weisen zeigt, zu Sahso gcBtolH ist und bei Krieger von mehreren 
die gleiche Et;fmologii! beoitzendeu ON. immer nur der erste erklärt 
ist. Was die Bemerkung heißen soll, dass der PN. Sahso .schon 
frühe in die starke Deklination übergetreten" ist, ist nicht recht sa 
verstehen. Gekürzte PN. werden doch ohne Unterschied bald stark 
bald schwach gebeugt. — Ferner scheint mir die Erläuterung der 
Entwicklung der mundartlichen Formen bei Leiselheim etwM 
künsthch und gesucht. = heim wird vom Volk zu 9 gekünit: 
Bnrgheira = Bürge, also Lüsselbeim = Lisela, und der 
Bewohner ist dann natürlich der LiB(e)l(a)ra(e)r. 

Am meigten Schwierigkeit von all den Namen um den Kaiser- 
stuhl bietet zweifellos Ächkarren. Vielleicht darf auch ick 
einen Versuch wagen , dieses seltsame Wort aufklären zu belien. 
Der PN. Hatucharl will mir nicht zusagen, weniger des- 
halb , weil er nicht belegt ist, sondern weil ich bei dem ON, ein 
Grundwort nicht missen kann. EUiptische ON. gibt es nun dort 
einmal weit und breit nicht. Die einzige Analogie Wolfgangen 
kann (wenn die Beziehung des urkundl. Belegs zutrifft) nur Über 
Wolfgaugheira ^ Wolfgango entstanden sein ; denn tön 
schwach er Gen. Wolfgangeu besteht nicht. Allzuviel Gewicht 
dürfen wir der ältesten Form Hatcharl nicht beimessen, da $ie 
überdies erst in einer Abschrift des 1 7. Jahrh. vorkommt. Ich 
denke, soviel steht fest: der Name enthielt 1 KehlUat (viaUewAlt 




AnzeigCD uud NBi;hrichteu 



191 



Knall 2), Aber &a welcher Stelle ist unsichei', Dass biebei oft eiao 
Vertauschtmg oder Verrückung durch den Schreiber zu beobaebtea 
bt, ist bekannt und dies zeigt ja gerade auch die schwankende üeber- 
liei'eruug unseres Namens. Am bäoiigateu und am besten bezeugt 
erscheint der Kehllaut hinter dem ersten a; die aus den oct, Murens. 
stammende - — von H. nicht angerührte, aber besonders wegen ihrer 
Endung wichtige — Form Acharlon legt die Vermutung nahe, 
da»9 vielleicht der erste Guttural einen zweiten nicht hin ein geborigen 
hervorgerufen haben könnte. 8a hätten wir dniin als Urform etw» 
(ae dön) »bt(o) arlon^^bei den acht Arien'). (Der Arles- 
baum ist eine Art Eberesche. Vgl. auch ON. wie Arlach). Aelin- 
lich gebildete ON, gibt es genug; Dreistegen, D mf altern , Vier- 
kirchen , FünflirouD , Fünfeichen , SechebÖf, Siebenbrunnen, Sieben- 
eichen, Achthöfen, Füofehrlen (ON. Tettnang). Es würde so 
vielleicht auch das oßenbar schon sehr frühe Aufhören des Verständ- 
nisses des ON. sich erklären : mit dem Verschwinden der Bäume 
musste auch der Name unverständlich werden. Sollte indes auf dem k 
des zweiten Wortteilea bestanden werden, so hatten wir (ze den) 
aht(e) karlon, karl etwa in dem Sinn, wie es nm Niederrhem 
und besonders im Angelsächsischen vorkommt, von „Bauer". Auch 
hiefiir fänden sich Entsprechungen: Ein Hof bei Frankenthal heißt 
„die 7 Bauern" und Viermünden in der Prov. Hessen wird lOlti 
Fiormannin genannt (Arnold, Ans. und Wand. 645). Doch ist 
ja auch dies nur ein Versuch, über dessen Annehmbarkeit der ge- 
neigte Leser urteilen möge. — Nach unseren A usfUlirungen würden 
eich also nur 13 Namen ergeben, die einen PN. als Bestimmungs- 
wort haben, während 8 anderer Herkunft, 3 unsicher sind, immer 
noch genug, um die Beliebtheit der Verwendung von PN, darzutun, 
Fragen wir schließlich noch nach der Förderung , welche wir durch 
die Beiziehung der Volksausspracbe erhalten haben, so ergibt sich 
die auffallende Thatsache, dass ''/y der Namen eine Anlehnung an die 
heutige Schreibweise , also gewiaaermaäen eine mundartliche Aus- 
sprache dieser, erkennen lassen, während nur bei i — 5, nämlich Eich- 
atetteu, Jechtingen, Deiselheim, Vogtsberg, (Breisach), die ältere bei- 
behalten ist, so dass wir also als Ergebnis der sehr dankenswerten 
Unteranohung Heiligs bezeichnen dürfen : Die mundartliche Form 

') Ehen von alito findet aich in 'len St. PHuler Glossen die gleiche 
Umstellung des h; hatouui statt ahtowi ». Braune, alid. Gramm. 
§ 271 A. 4, worauf mich auch Hen' Prof. Heilig aufmerksam zu machen 




192 



Äiueigen nnci Nachrichten 



der ON. ist bei Deutungsverauchen zwar eehr beachttamert, 
weit rerlässiger sind die urkundlich sd Formen. 

Memmingen. J. Miedel. 

WiUe, Jakob, Brnchsal. Bilder ans einem geistlic 
Staate im 10. Jahrhundert. 

Heidelberg, Winter, 1900. 

„Betrachtungen, die an die Bruchealer Residenz sich aoschließar 
bietet uns die Willesche Arbeit, aber in diesen Betrachtungen 
gleich ein großes Stück der politischen, Kunst- und Kultorgescbiahte 
eines geistlichen Staats des vorigen Jahrhunderts. Eine in engen 
Raum gedrängte Orientirung über die geistlichen Staaten und das 
Hochatift Speier leitet über zum prächtig geschilderten Charakterbüd 
des Kardinals Damian Hugo von Schonbom, der, bisher zu wenig 
gekannt und gewürdigt, als Fürstbischof von Speier und Wieder- 
benteller dieses kleinen Staats , in der Geschichte der deutscheu Kunst 
mit Ehren genannt wird als der Erbauer der Residenz zu Bruchsal. 

In lebendiger frischer Gestalt tritt in den AusfühnmgeD Willes 
Kardinal Schonbom vor uns als ein Mann, der, seiner Kirche treu 
ergeben , erfuhren wie in der Theologie und im kanonischen Recht, 
so auch in der Kriegs Wissenschaft , in arbeitsfroher P6ichttreue mit 
bewundernswertem Geschick und praktischem Verständnis für alle 
Zweige des staatlichen und wirtschaftlichen Lebens, mit der Wl 
des Eeichsflirsteu und Bischofs zugleich auch die Aufgabe übemi 
die in weltlicher und geistlicher Hinsicht so vielfach zerruti 
Verhältnisse in Ordnung zu bringen, und dieser nicht leichten 
gäbe völlig gerecht wird. 

Die Perle alles dessen, was Kardinal Schöuborn geschaffen, ist 
das Bruchsaler Schloss, ein Kleinod deutsober Kunst, auf das erst 
in neuester Zeit dos Interesse des Architekten und Künstlers wieder 
hingelenkt wurde. Neben Balthasar Neumann, dem genialen Erbauer 
des fürs tbischö fliehen Schlosses zu Würzburg, war an Bau und Aus- 
schmückung der Bruchsater Residenz eine Reihe anderer hervorragen- 
der Meister tätig, deren Name uus zum großen TeDe erst durch die 
mit aulSerordentliohem FleiBe gearbeitete Willesche MonograpI 
bekannt wird. 

Das in allen seinen Teilen auf archivaliscbeu Studien benihi 
dabei aber iu fesselnder Darstellung geschriebene WerkcLen is 
8 in den Text gedruckten Abbildungen geschmückt. 

Freiburg i. B. Julius Mayer, 



ttet^H 



^Karl Heinrich Freiherr von Fahnenberg, der Vater der 
badischen Volkskunde. 

\*oii Fridrich Pfaff. 



Als wir im Jiilir 18!'3 die eraten „Fragebogen zur Somm* 
■ der Tnikatümlichen Ueberlieferungen in Baden- hinaus- 
gehen ließen, war mir nicht bekannt, dasa vor damals schon 
67 Jahren ein um fassen derer Versuch ähnlicher Art gemacht 
worden war. Spuren davon waren nicht zu Tage getreten; 
■ wer sollte auch denken, dasa ein Büchlein, das über die Heil- 
quellen am Kniehis handelt, den Entwurf einer solchen 
■Sammlung enthalten würde. Dien Büchlein von 211' Seiten, 
das sich einen Wegweiser für Kurgäste und Reisende nennt 
und 1838 bei I>. E. Marx, Karlsruhe und Baden, erschienen 
■Wt, bat zum Verfasser Karl Heinrich Freiherni von 
tS'abnenberg, den badischen Oberpoatdirektor und seit löiJS 
iTorstand der Hcbuldentilgungskaaae , der zur Zeit in Baden 
lim Ruhestand lebte. 1836 hatte er bereits ein Büchlein über 
Filip pol tsau allein herausgegeben. Beide unscheinbare Schriftchen 
Ügen dem Leser, dasa ihr Verfasser ein Mann von Bedeutung 
r^ar. Kioht nur in geDjrraphischer und naturwissenschaftlicher 
HiDsicht, sondern auch auf dem Gebiet der Geschichte bietet 
er gründliche Belehrung, ja er hat seinen Otfrid gelesen und 
lässt ihn (Rippoltsau S. U) als Zeugen für den alten Berghau 
im Schwarzwald auftreten. Wol verdiente dieser so viel- 




seitige, hochgebildete, wahrhaft vaterländisch gesinnte Huis 
ausfülirliche und eingehende Behaiidlnn); : allein ich besitze 
leider bis jetzt keinen neuen Stotf zu seiner Lebensgeechichte. 
Fast das Einzige, was ich vorlegen kann, ist das hier i 
geteilte Bild Fahnenhergs, das mir von dein Besitzer i 
Originals, dem Enkel Fahnenbergs, Karl Heinrich ] 
herrn von Hügel, Landgerichtsdirektor a, D. und 
Kammerlierm . in Tübingen freundlichst zur Verfügung M 
stellt worden ist. 

In den fiadischen Biographien, herausgegeben vonP. ^ 
Weech, 1, 232, findet sich eine kurze liebensbeachrailH 
Fahnenbergs. Bei dessen Tode erschien eine solche 
Karlsruher Zeitung vom 20, März ]1S41J, die ich hier i 
teilen will. 

„Baden, 17. März. Gestern Morgen ist hier der ] 
sionierte grofih. bad. Oberpostdirektor Frhr. Karl Hei 
v. Fahnenberg im Alter von 61 Jahren verschieden. 
Verstorbene wurde geboren am 16. Mai 1779 zu PreiM 
im Breisgau, woher seine Familie stammt, die später wm 
ihrer Besitzungen in dem Kanton Rhön und Werra in J 
fränkische Reichsritterschaft eingereiht wurde, machte t 
Studien auf den Universitäten Würzburg. Erlangen 
Göttingen und begann im Jahre IMl, zu welcher Zeit j 
Bretsgau noch vorderfisterreichisch war, seine praktische l 
bahn als Legationsse kr etär bei den kaiserlichen Gee 
Schäften zu München und Karlsruhe. Als nach dem ' 
zu Pressburg das österreichische Breisgau an Baden fiel, 
V. Fahnenberg in unsere Dienste über, zuerst als Regi 
rat in Freiburg: 1810 wurde er als Rat zum Ministerium') 
Innern nach Karlsruhe berufen, 1K14 zum geh. Referenj 
und 1819 zum Oberpostdirektor ernannt. Bald darauf i 
Jahre 182;-1) wurde ihm auch die oberste Leitung der Amorti- 
sationskaese provisorisch übertragen . zu deren wirklichetn 
Direktor er im Jahre 182i3 ernannt wurde, v, Fabnenbergs 
Wirksamkeit in dieser zweifachen wichtigen Stellung war fiir 
unser Land anliefst woltatig und erfolgreich. Er ist es, 
durch den das badische l'u-t - ;i. V""dentende ITmgest 



Kurl Heinrieli Frlii-. von Falinenberg 



I!(5 



I 



tnng erhielt und nach und naiih die Ausdehnuug und Ver- 
vollständigung vorbereitet wurde, durch welche dasselbe gegen- 
wärtig sich auszeichnet; sein Verdienst ist es insbesondere, 
merst die Eitpnsten in Deutschland eingeführt au haben, in- 




^■deui er schon im Jahre 1820 einen Eilwagenkurs zwischen 
Karlsrahe und Mannheim herstellte, eine Einrichtung, die 
alsbald in Preußen und von der Thurn- und Taxis'sohen 

L^^Poatanstalt nachgeahmt wurde. Infolge von Kränklichkeit 



im Pfaff 

zog sich V. Fahiienbeig im Jahre 1838 vom StaaEä 
zurück und lebte seitdeni in Baden, sich literarischen Be- 
schäftigungen hingebend. In seinem Nachlssse dürften sich 
interessante Materialien zu einer Listoriach-stat istischen und 
geographischen Beschreibung des Sfhwarzwalds finden, auwie 
auch ZOT Yergleichung der englischen Sprache mit der deutscht'n. 
welche vorher sein Lieblingsstudium bildete. Der Verstorbene 
gehörte zu den wahrhaft Edeln seines Standes, die mit dem 
Adel der Geburt den der Seele in hohem Grade vereinen. 
Friede seiner Asche!'' 

Auch die „Freiburger Zeitung" vom 17. März 184(i 
brachte einen kurzen Nachruf, in dem neben seiner 
-interessanten Korrespondenz" auch noch „höchst interessante 
Materialien zur Geschichte und Topographie des Schwarz- 
waldes" unter seinen hinterlassencn Papieren als vorhanden 
vorausgesetzt werden. Es heißt da auch: ^Er beabsichtigt*- 
nach Ostern Baden zu verlassen und Freiburg zu seinem 
Aufenthaltsort zu wählen." 

Ebenso brachten andere Blätter, wie der „Schwäbisciif 
Merkur" und die „Allgemeine Zeitung" Nachrufe. 

Wie die Badischen Biographien berichten, war Fahnen- 
berg ein im guten Sinne freisinniger Mann. Die Schicksale 
der Polen erweckten seine Teilnahme und in Gemeinschaft mit 
Welcker und Wessenberg unterzeichnete er einen Aufruf zur 
Gründung eines Hilfsvereins. 1831 trat er für das liberale 
Pressgesetz ein und forderte durch eine Flugschrift zur Grün- 
dung eines Pressvereina auf. Er war Mitgründer des Vereins 
für Besserung der Strafgefangenen und der Schicksale ent- 
lassener Sträflinge. Seine mehrfach hervorgehobene litera- 
rische Tätigkeit scheint sieh mehr in Zeitschriften und Zei- 
tungen als in selbständigen Schriften abgespielt zu haben. 
Da« wenige jedoch, das bekannt ist, zeigt ihn als ganzen 
Mann. Den tiefsten Blick jedoch in seine Eigenart, in die 
innerste Neigung seiner Seele lässt uns sein Plan zu einer 
Landes- und Volkskunde des Sebwarzwalds tun. Bei seiner 
amtlichen Tätigkeit, die ihn mit Land und Leuten bekannt 
machte und in engere Berührung brachte, m^er wol empfun^ 



Karl Heinrich Frhr. 



•iiherK 



197 



haben, wie wenig der „Gebildete" vom „Volk", besonders 
vom Landrolk weiß. Er mag gedacht haben: wie kann man 
ein Volk leiten, dessen Wesen man nicht versteht, ja dessen 
äuÜere Lebensformen man nicht einmal kennt! UeberaÜ 
nämlich blickt in Fahnenbergs Entwurf der praktische 
Zweck hindurch, wenn er anch nirgends ausdrücklich aus- 
gesprochen wird. Ein Mann wie Fahnenberg, der nicht das 
einsame Gedankenleben eines weltfemen Gelehrten gelebt, 
sondern mitten im Strome der Zeit gestanden und an der 
weisen Führung dieses Stroms ein gutes Anteil gehabt, der 
konnte nicht sogenannte „reiuwissensciiaftliche" Zwecke ver- 
folgen, sondern er rausste den Zweck haben, seinem Vater- 
lande, Herrschenden wie, Beherrschten, zu nützen. Nicht nur 
um die wissenschaftliche Mehrung der Erkenntnis im allge- 
meinen handelte es sich, sondern es galt die Förderung des 
Verständnisses für im Staatsleben gi'uudtegende Dinge; denn 
dies und nichts anderes kann die Volkskunde wollen, wenn 
sie nioht in gefäliige Geistesübung, in das unterhaltsame 
Bullspiel mit anziehenden Gedanken ausarten will. 

Fahnenberg war auch ein echtes Kind seiner Zeit, denn 
das ..WeltbiSrgertnm'-, zu dem er seine Zeit binstreben sah, 
hatte ihm neben der Schattenseite, die er im Verschwinden 
des -rationellen, landschaftlichen Gepräges" wol sah, zuerst 
und vor allem eine Lichtseite; aber er wollte lernen, wollte 
im Rückblick auf die Vergangenheit die Gegenwart erkennen 
lernen, die Landeskenntnis erweitern , vaterländischen Geist 
wecken, das Gemüt mit heimatlichen Bildern befruchten- 

In der Anmerkung zu seinem Entwurf nennt er eine 
Anzahl von „Vaterlandsfreunden", die ihm bereits Beiträge 
geliefert. Leider hat es nicht gelingen wollen, den gesam- 
melten Stoff aufzufinden. Vielleicht haben diese Zeilen den 
Erfolg, Nachrichten darüber zu gewinnen oder gar den ver- 
schollenen Schatz selbst zu beben. Was die Sammlung ent- 
halten haben kann , davon gibt Fabnenbergs unten abge- 
druckter , Entwurf" Zeugnis, Er erstreckte seine Absichten 

weit größeres Gebiet als das, was uian „Volkskunde'" 

. Auf der andern Seite beschränkte er sich 



I 




auf den Scliwaizwald, Aber er wünschte, fiass sein Vorhaben 
ähnliche Schilderungen vom Rheintal, Odenwald, Tauber- 
grnnd, der Bodenaeegegend hervorrufen möge, damit ein voll- 
endetes Bild lies badiaehen Vaterlands geachaffea werde, 
und B<> darf ich ihn wol mit Fug den „Vater der badischen 
Volkskunde" nennen. Bedeutsam für Fahneubergs Gedanken- 
richtung ist, daas er Badens ersten GrofSberzog Karl Fried- 
rich im Zusammenhang mit seinem Werke nennt. 

Das Andenken an Karl Heinrich Freiherrn v. Fahoen- 
berg neu zu wecken muss unsere Zeit recht sein, da erfreu- 
licherweise die Volkskunde endlich äberall Freunde und För- 
derer gewonnen hat und da ieider das alte Creschlecht der 
Mayer von Fahnenberg vor kurzem ausgestorben ist. Die 
Familie*) hatte zwei Höhepunkte, den einen in Dr. Franz 
Ferdinand Mayer, geb. H. Oktober lUTü, f 2. Oktober 1741, 
der durch seine mutige Tat am 1. November 1713, bei der 
Belagerung Freiburgs durch die Franzosen , die Stadt vi>r 
i'lünderung bewahrte und als Lolin die Adelserhöhnng am 
27. Febrnar 1715 aus kaiserlicher Hand errang; den andern 
Höhepunkt hatte sie in Karl Heinrieb, dessen lebendige Züge 
in Bild und Schrift ich hier erwecke. 



Der Schwarzwald. ^H 

,EiLi Rliudgemäldi',) ■ 

Vorläufiger Entwurf. 
Sl.'ll^!^^> imd er-({än/te AuBirnl'e eiiii;!' bereit» im Noveiubvf 
u mehreren liundert AliiirSckcuverlcilteaÄnkundiginitr- 

Vorwurt, nebst Bitte an Vaterlands freunde. 
Schüchtern wage ich es, Vaterlandsfreunden den Ent- 
wurf zu einer Beschreibung des Schwarzwalds vorzulegen, 
wol fühlend, welch eine schwere, meine Kräfte vielleicht 
übersteigende, Aufgabe ich mii' gemacht habe. 

*) Vgl. Egid .lusepli Karl vun Fahueulierg. Genealog isclie X»ol>- 
riuht*n von dum Breisgiiuisphen addiehou (-tesohleclil Mnyr 
berpr. Reirennlinru- 1809. 



i 



Versuolien möchte ith nämlich, in allgemeineu Um 
^in treues Naturgeuiälde dieses Gebirgs zu entwerfen, zu- 
[leicb die Fortachritte seinei physischen, bürgerlichen, geistigen 
id moraiischen Kultur daratelleiid. 

Unklar erscheint mir noch das Bild des Schwarzwalds, 
gleich einer Fernsieht von einer seiner huhen Kuppen herali, 
wo Vorgründe, Täler, Bäche, Wege uud einzelne Felder, in 
ihrer bunten Mannigfaltigkeit, sich vuin Auge kaum unter- 
iobeiden lassen. Und so trägt auch die nachfolgende Skizze 
dem Rundgemälde (^anz die Spuren einer noch unvoll- 
lommenen Anschauung. Möge ntan sie daher von diesem 
isichtspunkte aus beurteilen und mit Naubsicht aufnehmen! 
■yorderhand bezwecke ich damit bloß, Oönnern und Beför- 
.^rem meines Vorhabens die Gegenstände zu bezeichnen, 
welche das ßundgemälde dereinst umfassen soll, um es Ihnen 
auf diese Weise möglich zu machen, mir dabei mit Bat und 
Tat an die Hand zu gehen. Zu diesem Behüte sind auch 
die Quellen, welche ich gerne benutzen möchte, sowie die 
Gegenstände, worüber ich nähere Auskunft zu erhalten wünsche, 
in dem Entwürfe angedeutet. 

Vorerst werde ich alles, was über den Schwarzwald 
Druck erschienen ist, durchgehen und die geeigneten 
■Auszüge daraus machen. Die Ausbeute dürfte jedoch nicht 
loebr ergibig sein, indem dies ücbii^ m^cb nie aus dem von 
itaii gewählten Gesichtspunkte betrachtet wurde; auch bis 
bloß zerstreute Aufsätze über dasselbe erschienen sind. 
Unerwähnt darf ich hier nicht lassen, dass unsere humane, 
ies gemeinnützige Unternehmen gern fördernde, Regiruug 
ijoir die Benutzung der Archive, Registraturen und Lager- 
bticher gestattet hat; eine iihnliche Erlaubnis ist mir auch 
Seiten Seiner Hochfürstlichen Durchlaucht dem Herrn 
teo vou Fürstenberg zuteilgeworden . Für beide Be- 
iBtäguogen bringe ich hier meinen ehrfurchtsvollsten 
hink dar. 

Allein, so schützbare Materialien mir auf diese Weise 

ebote stehen, so besorge ich dennoch, dass ich darin 

las über das innere Volksleben, Sitten und 



20U 



PfBff 



Gebräuche, Sagen and Altertümer, über die verschiedenen, 
auf dem Gebirj^e verbreiteten, Mundarten finden werde. Nur 
dann vermag ich aber dem Rundgemälde einen höheren Grad 
der Vollendung und ßeichhaltigkeit zu geben, wenn ieh mich 
bei meiner Arbeit auch noch der Hilfe und tätigen Unter- 
stützung von \aterland8frennden zu erfreuen haben werde. 
So befinden sich häufig in Privathiinden Dokumente, oder 
schriftliche AnfBiitze aus älterer Zeit, die vereinzelt für den 
Besitzer wenig Wert haben, für mich aber, in das Ganee 
eingereihet, von groUem Interesse wären. Vieles, was auf 
Sagen, auf die Kultur- und Sittengeschichte Bezug hat, ist 
auch noch gar nicht aufgezeichnet und beruht bloß auf 
mündlichen Üeberlieferungen. Denn in den Bergen, 
der eigentlichen Heimat altertümlicher Nationalität, erhält 
sich die Geschichte länger im Andenken der Nachkommen. 
Wir leben aber in einer Uebergangaperiude: der 
Wellenschlag einer sturmbewegten Zeit hat fast alle Angeln 
aus unserni alten germanisohen Bauwesen gerissen; das 
nationeile, das landschaftliche Gepräge verschwindet; es ver- 
lieren sich die Stände ineinander und die Sitten nehmen 
die Farbe einer immer mehr vorherrschenden allgemeinen 
Bildung an. Kurz, die Menschheit strebt nach einem Welt- 
bürgertum mit all seiner Licht- und Schattenseite. Bei 
einer so veränderten Gestaltung der Dinge dürfte es daher 
nicht verdienstlos sein, noch einen Blick rückwärts ku 
werfen und zu diesem Behufe das Andenken an das Alte, 
gerade weil es noch frisch ist, aufzuzeichnen, damit es für 
ein jüngeres Geschlecht nicht ganz verloren gehe. Uebcrdies 
gewährt nur ein Rückblick auf die Vergangenheit ein rieb- 
tigPH Erkennen der Gegenwart. Auch in der Entwickelung 
des Geistes ist alle wahre Erkräftigiing und Reformation nu— 
ein Wiederaufwecken, ein Verjüngen der ursprüngHchen J 
Wenn daher jeder Vaterlandsfreund hierzu sein Sohei 
beisteuert, entweder durch gefällige Mitteilung älterer ' 
künden und Aufsätze, oder durch kurae Aufzeichnungen der 
Gegenstände, worüber ich nähereAuskunft zu erhalten wünsche, 
so hoffe ich die mir gemachte Aufgabi- mit der Zeit lOt 



tion nul- 
len Afl^l 
'herfldj^l 
rer \f^^ 



^^^^H Karl Ifi^iiirifb t'rlir. roD FaLneDberu. 2M1 

8U können. Mit Liebe dafür eingenoimnen, werde ioli weder 
Mühe noch Anstrengung scheuen, 
I Wol fühle ich, daas ich durch meine Zudringlichkeit 

[ Vorcks terra inireiidem Franziskaner gleiche'). Allein, ich 
' betrachte mich bloß als treuer Verwahrer des mir Anver- 
trauten und will ja die mir zu teil werdenden milden Gaben 
nicht eigennützigerweise für mich behalten, sondern verspreche 
vielmehr, dieselben, liolfentlich mit Interessen, dereinst wieder 
zurückzugeben. 

Für jeden Vaterlandafreund niuss es zugleich ein wol- 
tuendes Gefühl sein, zur Vollendung eines treuen, aus zu- 
verliUaigen Quellen geschöpften , Gemäldes des Schwarz- 
alds, dieses im In- und Auslande noch wenig gekannten 
Gebirgs, mitgewirkt zuhaben. Ein, wenn auch mit schwachen 
Kräften begonnenes Streben, die Landeskenntnis zu erweitern, 
I vaterländischen Geist zu wecken , das G«müt mit heimat- 
I liehen Bildern zu befruchten, dürfte daher wol einigen An- 
spruch auf allgemeine Teilnahme und Unterstützung haben. 
Vielleicht ruft auch mein Vorhaben ähnliche Hchil- 
dei'ungen von unserm Hheintale, dem Odenwalde und Tauber- 
gründe, sowie von des Bodensees Gestaden, hervor. Und so 
würden wir mit der Zeit auf diese Weise ein vollendetes 
I Bild unseres schönen Vaterlands erhalten, das, beherrscht 
I Ton einem erlauchten Sohne Karl Friedrichs, und uutor 
I dem Schutze einer zeitgemäßen Verfassung, einer frohen, 
I beglückenden Zukunft entgegensieht. 

Verbindungen mit achtbaren, kenntnisvollen Geschäfts- 
r männern im Königreiche Württemberg lassen mich hofl'en, 
I auch über den jenseitigen Teil des Schwarzwalds gehalt- 
I leicbe Mitteilungen zu erhalten. 

Das Rundgemälde ist für Gebildete von jedem Staude 
bestimmt. Ich werde mich daher nicht in vereinzelte Gegen- 
stände, oder in gelehrte Durchsuchungen dunkeler Gebiete 
verlieren, sondern bemühet sein, eine verhältnism.lHige 
I Gleichförmigkeit in den so verschiedenartigen Stoff zu bringen. 
*) Gemeint ist Yurcks empfind sanie Reise durch Fraukretoh und 
Ilalbn von L. Sierue. 





•Mä 



Pfiff 



Mancliee, wovülter iuh in dem Entwürfe um nähere Anakanft 
bitte, soll daher bloli zu meiner Kenntnisnahme, oder, um 
bildlich zu sprechen, zur Grundlage des Gebäudes dienen, 
welches ich aufzuführen beabsichtige. Jeder Wink, das J 
Rnndgemälde noch gemeinnütziger und reichhaltiger J 
zu machen, kann mir übrigens nur willkommen sein und mü] 
Dank werde ich denselben aufnehmen. 

Ob ich nun imstande sein werde, den mir vorgezeioh- 
neten Plan in seinem ganzen l'nifange auszuführen, oder! 
ob ich mich nur auf einige Abschnitte desselben zu beschränken 1 
geniitigt sehen wenle , hängt , wie schon bemerkt , gi-üßten- ' 
teils von der Unterstützung ab, die mir von wolwotles- ] 
den Vaterlandsfreunden zu teil wird*). 

Nur der Wunsch, auch noch nach meinem, durch Kräck^ I, 
liebkeit veranlassten, Zurücktritte ans dem Staatsdienste, 80«1 
viel ich es vermag, gemeinnützig zu wirken, bewog mioh, 1 
mir diese, allerdings müheaame, zeitraubende und zugleioka 
mit nicht geringem Kostenaufwande verbundene, Aufgabe i 
machen. 

Baden, bei Kastatt, im Januar \H3S. 

Fahnenberg. 



') Infolge meüier irükercn Aufforderuug sind mir bereits vyn. I 
iiachsteLendeu Vaterlandsfreundeu Beiträge zu teil gewrjrdf n , nämlich: 
von Herrn Oberhofgerich tarnt Föhronbacb iu Rastatt, von Hm. ge- 
heimen Referendar Merk in Karlarohe , von Hm. Regirungsrat Pri- 
ilerich von Grolilaufenburg, von Hm. geisthcheu Rat und Domk&pitolw 
.lack in Main/, von Hm. Olieramtmaiin Üißler in Triberg, von Hm, _ 
Oberamtmann Henzler in MaUherg, von Hrn. Amtmann v. Jagemanl\l 
in Oberkireh, von Hm. Amlarevisor Kohlund und Hm. Poatverwaltop 
MiilüBuher in Säckbgen, vm Hrn. geisilichen Rat Kolb, Beichtvater 
im KloHter Liohtenlhal, von Hm. Posthaiter Würtemberger in Ober^ 
k uch ringen , von Hm. Chorregen« Dürr in Viilingen imd von Hm, 
ScLullelirer Schneggenburger im Klösttiriein bei Rippoldsau, wofür 
iL'L hier mniuen verbind hchaten Dank darbringe. Uebei-dies habe ich v 
mehreren andern Vaterlandn freunden Zuaicherungen äiiniicher Art erhslto^l 
deren gefoltigeu Erfüllung ich mit Verlangen entgegensehe u 
Zeil glekhfall* zur offentlii-hen Kenutni« brinncn werdn. l] 




Karl Hoiuricb Frlir. ■ 



Entwurf. 
1) Einleitung. 1. Lage, Begienzung, Länge, 
iBreite, ümf&ng und FlächeniDhal t des Si'hwarz- 
iraldB. 2. Politische Verteilung. A. Badiscber 
l'j^teil. Im See-Kreise; die Aeniter Bonndorf, Bräunungen, 
Bütingen, Neustadt, Stühlingen, Villingen. Im Oher-Rhein- 
pKreiae: die Aemter Freiburg (Stadt), Hornberg, Jestetten, 
Sackingen, St, Blasieii, Schopf heim, Triberg, Waldkirch, 
Waldsbut imd die Gebirgsorte der Aemter Emmendingen, 
Freiburg, Lörrach, Staufen. Im Mitte I- Rh ei n-K reise : die 
Remter Gernabach , Haslach , Pforzheim , Wolfach und die 
ßehirgsorte der Aemter Achern, Baden, Bühl, Durlach, Ett- 
lingen, Gengenbach, Lahr, Oberkirch und Offenburg. 
Württembergiecher Anteil. Im Schwarzwälder 
Ireiae: die Oberämter Freudenstadt, Horb, Calw, Nagold, 
Seuenbürg, Oberndorf, Rottweil. — Hierzu eine Karte des 
Ichwarzwalds. 

(Ein genaues Verzeichnis der Orte, die am Ausgange 
ler Täler, oder dem Vorgebirge, liegen, aber noch zum 
pchwarawalde gerechnet werden und mit dortigen Ge- 
leinden im Verbände stehen, würde mir sehr willkommen 
Min.) 
^_ 3) Geognoatisohe Beschreibung. (Nach Selb, 

Bengger, Merian, Walchner, Schwarz.) Aeussere Gestaltung, 
jKöhepunkte, Täler, Flüsse, Gebirgsseen, Bestandteile des 
Oebirgs, Höhlen, Mineralquellen, Klima, Vegetations verbal t- 
usw. Hierzu L eine Höhenkarte, 2. ein Längen- 
rofil von Pforzheim bis Sftckingen und 3. ein Querprutii 
B8 Badiachen und Württembergiachen Schwarz- 
■ftlds. 

(Nähere ,Vngaben über die Berg- und Tal Verzweigungen 
I den vei"Bcbiedenen Teilen des Schwarzwalds, über merk- 
würdige Naturereignisse, z. B. Bergstürze, Entstehung neuer 
(gellen, Erdbeben; — werden dieselben häufig auf dem 
Walde beobachtet und findet man nicht noch Spuren früherer 
ürderschütterungen':' — über die Ausdehnungen der Meer- 




204 



Pfaff 



und Siißwasserbedeckungeii, über fossile l'eberreste aus di 
Tier- und Pflanzenreiclie , — diese großen, merkwördif 
Grabstätten der Natur, — über versteinernde Quellen 
würden für mich großen Wert haben. Grleichfalls Wel 
beobachtungen, wenn auch nur in allgemeinen Andeutungei 
Bemerkt man auf den höheren Punkten des Schwarzwald« 
ein Zu- oder Abnehmen der Temperatur? — Ist die Behaup- 
tung begründet, dass da, wo die Weilitanne, Finus abies, 
wächst, Granit, und wo die Rottanne, FinuB picea, gefundi 
wird, die Sandsteinformation vorherrschend seie? — Sind di 
über den Schwarzwald zerstreut liegenden Felsblöcke ecki 
wie im .Turagebirge, oder gerundet, wie in den Alpen? 
tindet man die meisten derselben , gegen das Rheintal 
oder im Innern des Gebirga und in welcher Richtung' 
— Sind noch Ueberlieferungen vorhanden, dass eheniab 
Flüssen des Schwarzwalds Gold gewaschen wurde? Ot 
fried scheint darauf hinzudeuten. Hat man wirklich 
alten, längst verlassenen Stollen bemerkt, dass die Felsen 
wieder gewachsen sind?) 

3) Geschichte; keine blofl politische, äaUer« 
Geschichte, sondern mehr eine innere des Vo 
also eine Darstellung der Kultur und Sitten, eini 
Biogra|)hiedes in der Geschichte wirkenden Men- 
schengeists. 

Erste Einwohner; Rtimerherrschaft ; Verbreitung di 
Christentums zu Anfang des 7. Jahrhunderts; Klöster, deren 
Entstehung und Einfluss; Ritterwesen, Ritterburgen, Ritter- 
vereine; Geschichte der mächtigern Dynasten (wann und 
wie hörten die Gauen auf dem Schwarzwatde auf? W 
die herzogliche Gewalt und das Richteramt bisweilei 
bunden ?). Geschichte und Verfassung der bedeutendem 
Schäften, z. B, der Grafschaft Hauenstein, der Landgr: 
Schaft Kleggau, ebenso der einttussreichern Städte. I 
keimen der Industrie , der Gewerbe , des Handels. El 
Volks- und Dorfschulen; erste Kunststrallen: erste Postei 
richtungen. Stiftung der Universität Frei bürg uaw, K' 
das allmUhliche Aufsteigen eines Lichtpunkts nach 



l8en 



Karl Heinrich Frhr. 



i Ffthni!nber({ 



äÜö 



andern. Keformation (was sind wol die Ureachen, daas die- 
selbe aui" dem Walde so geringe Fortschritte gemacht haff*). 
Zustände des Laiidmauns. Esuerliche und Gemeiude-Vei- 
^^liflltnisBe. {Welche Beschaffen hei t hat es mit den alten Etn- 
BBiungsgenosHen y Sind sie gleichbedeutend mit den Mark- 
Hgenoäsen in Westphalen?) — Aelteste 1 and ständische Ver- 
H^ssung — im Breisgau, 1460, in Württemberg, 14^2. 
Hli — Wiedertäufer, Hexenpruzesse, Geißelbrüder (Flagellanten), 
* Hchiklerungen wichtiger Vorgänge, z. B. aus dem Bauern- 
aufstände, dem dieiüigjäbrigen Kriege oder aus neuern Kriegen. 
Züge aus dem Leben berühmter Willdner, und ausgezeich- 
neter Landbeamten und Heelsorger, — die wahren Wol- 
tätcr des Volks. Zigeuner, Freileute genannt, Vaga- 
bnndeuwesen usw. Kriegswesen und Landesbewaffnung in 
früherer Zeit, muellen hierzu wiiren: Volkssagen, die 
Morgen- und Abenddämmerung der Geschichte, Legenden; 
alte noch nicbt gedruckte Chroniken; Lagerbücber; ältere 
l'olizeigesetze; Zunftordnungen; Kleidervorschriften. [Wann 
kamen die verschiedenen Volkstrachten auf? Etwa nach 
dem dreißigjährigen Kriege?] Alte Wald- und Jagdord- 
(Bngen , Steuergesetze , Stiftungs- Vergebungsbriefe ; alte 
•chenbüeher und Pt'arrarchive ; Archive der altern adeligen 
jpaniilien.) 

4) Altertümer. Vorrömische, nach griechi- 
beben Sagen und Berichten. Oeltieche, Kömische 
^d er Heidnische, wie sie der gemeine Mann nennt. 
Mtdeutsche, die fast einzigen Denkmale der 
Bersten Bewohner des Lands und die Repräsen- 
ifeanten der Uranfänge unserer Kultur. 

(Hier bitte ich um Beschreibungen von Grabhügeln, 
Dpferfelaen [1. Buch Moses, aS. K. IH. V.], von Sitzen eines 
früheren religiösen Kultus, alten Münzen, vom Volke Heiden- 
kopflein genannt, von Steinschriften, Wafl'en, Gefäßen usw., 

E auf dem Walde gefunden wurden; femer um Angaben 
r alte Gemälde , Sohnitzwerke , Ruinen , Versebanzungen 
Ueberbleibael jeder Art. Spuren altdeutscher Ver- 
■^•B, wie sie Tacitus beschreibt, sollen »och vor- 



20(i Pf"ff 

banden sein, ebeuso Ueberreste römiBcher VerBcbauzungeii, 
vorzüglich im Kleggau und an der Donau Quellen. Nähere 
Angaben hierüber wären hiiclist wichtig. Auch Spuren eines 
altern Ackerbaues, der terrafisenartig betrieben wurde, will 
man bemerkt haben. Hierüber wünschte ich nähere Angaben 
zu erhalten.) 

5) Leben, Charakter, Sitten und (lebräuehe 
der Bewohner; bei Hochzeiten, Kindstaufen, Beerdigungen. 
Volksfeste und Volkaspiele. (Worin bestanden die ehemaligen 
Volksfeste , die mit k li r p e r ] i c h e n Uebungen verbunden 
waren V) Charfreitagsaufzüge. Volksgesänge. (Ist der Volke- 
gesang wirklich auf dein Schwarzwalde erstorben, oder wo 
findet man noch Spuren davon?) — Aberglaube, Religiosität. 
(Ist der Gebrauch, das Abendgebet am offenen Fenster zu 
verrichten, allgemein oder nur in einigen Tälern herkömm- 
lich V Ist oder war der Gebrauch, Feuer anzuzünden und 
das Schlagen und Werfen feuriger Scheiben auf den Anhöhen 
und Bergen, in der Xacht nach dem ersten Sonntag in der 
Fasten, über den ganzen Wald verbreitet, oder nur in einigen 
Tälern, z. B. in dem von Schönau, gebräuchlich? War es 
ein religiöser Gebrauch, oder geschah es der Geliebten au 
Ehren?) Wallfahrten, Treu und Glaube, öffentliche Sicher- 
heit , Moralität , uneheliche Geburten. (Sind dieselben im 
Zu- oder Abnehmen?) Bildung im allgemeinen. Ueberhaupt 
alles dasjenige, wodurch eich der Schwarzwälder in Sitten 
und Gebräuchen von dem Bewohner des flachen Lands aus- 
zeichnet. (Getreue Schilderungen der Lebensweise auf den 
verschiedenen Teilen des Waldes würden mir sehr willkommea 
sein. Welchen Einäuse hat der Militärstand auf den Schwaris- 
wälder?) — Hierzu eine Tabelle über die Strafgerichtspflege. 

6) Volkssprache, Mundarten, Sprichwörter, 
besondere Redensarten. 

Einteilung des Waldes nach den Mundarten: 1. Allc- 
mannischer Dialekt mit seinen verschiedenen Abände- 
rungen; 2. Schwäbischer. (Nähere Angaben über iw 
Ausdehnung und Abgrenzung der einzelnen Mundarten 
von Beeirlt zu Bezirk, wodurch ich vielleicht instandgea 



Karl Heinrieb Frhr. 



i Fahneiibei 



'207 



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achii 

ükte 

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würde, eine eigeni: Mundartenkarte des Scliwarzwalds 
zu entwerfen, würden fiir micli großen Wert liaben. Hier 
rechne ich vorzüglich auf die geneigte Unterstützung der 
hochwürdigen Pfarrämter und der Herren Schullehrer. Auch 
die Mitteilung älterer Sprachdenkmale würde ich mit vielem 
I Danke erkennen. Woher kommt wol die Kedenaart: ,,Es 
Seht auB, wie das Hornberger Schießen r*") 

7) Altes Recht und Rechtsgebräuche; hloÜ 

"geschichtlich behandelt. (Quellen wären: die ver- 

achiedenen Talrechte, Meiengedinge , Dingrodel, alte Prozesa- 

ükten ußw. Wo wurden öffentliche Landgerichte gehalten? 

^Vie lange bestand der Gebrauch, unter freiem Himmel zu 

lericht zu sitzen? Finden sich Spuren ehemals bestandener 

Vehiugerichte ? Hat man Crründe anzunehmen, dass unter 

den Hiifeu eines Bezirks einer der Haupthof, oder Hichter- 

hof gewesen?) — Dieser Abschnitt kann nur aus schriftlichen 

Quellen bearbeitet werden; ich bitte daher besonders um ge- 

KMigte Unterstützung. 

^K S) Dich tung un d Kunst. Aeltere und neuere Dichter 
^nnd Künstler. Auch hier rechne ich auf freundliche Hilfe, 
^p (Bruchstücke aus altern , wenig bekannten Dichtern, 
Halte Spruchreiine der Handwerker, Rufe der Nachtwächter, 
alte Volkslieder, die ernsthaftem sowol, als die sogenannten 
Schelmen liedchen, würden mir sehr willkommen sein.) 

9) Körperliche Beschaffenheit der Bewohner, 
vorherrschen de Krankheiten und Leibesgebrechen. 

(Für Auszüge aus den ärztlichen Sem estral berichten 
würde ich sehr dankbar sein. In welchen Teilen des Ge- 
birges ist der Blö.dsinn, wo der Wahnsinn — der 
Schwarzwälder nennt die damit behafteten Unglücklichen 
„Ueberhirnte, Hirnwütige", — wo die Wasser- 
sucht vorheiTschend , und welchen Ursachen schreibt man 
diese Krankheiten zu? Sind Selbstmorde häufig und in 
eichen Teilen des Gebirgs?) 

10) Landwirtschaft, ältere und neuere. (In 
Jahren wurden der Klee- und Kartoffelbau , der 

tichtweohsel und die Stallfötternng eingeführt? Wo er- 




208 «■«■ 

laubt das Klima, auÜer dem Somtnerbau, auob den Winter- 
fruchtbau? — In welchen Teilen des Gebirgs wird der 
Ackerbau bloß mit Pferden, oder mit liindvieh, oder 
Esel betrieben? Wo nimtiit die Rind Viehzucht ab und tritt 
die Ziegenzucht aii deren Stelle? Tat der Unterechied 
zwischen „Baufelder" und „Mähfelder" auf dem Walde all- 
gemein? Auf welchen Bergen des Schwarzwalds, wie z. B. 
auf dem Feldberg, bleibt das Rindvieh während der guten 
Jahreszeit, wie in der Schweiz, Tag und Nacht im Freieni'^H 
Flachsbau. — Viehzucht. (Woher rührt die ViehkraiÄj 
heit |eine Art AuszebrungJ, die der Landniann „HintsclJI 
nennt, und in welchen Teilen des Schwarzwalds zeigt sicB 
dieselbe am häufigsten?) Bienenzucht. AValdwirt- 
Schaft. (Welchen Einfluas hat das Abholzen der Waldungen 
auf das Klima, die Fruchtbarkeit der Gegend?) Hofgüter, 
deren Entstehung. (Geschichtliche Angaben hierüber 
wären von hohem Werte. Wo herrscht die größte Dürftig- 
keit und Armut; in den Teilen des Nchwarzwalda, wo die 
Unteilbarkeit der Bauernhöfe besteht, oder wo Grund 
und Boden ins Cneudliche geteilt werden kann? Findet 
sich die alte westpbälische Bauernregel; «Frei Gut kommt 
nicht an die dritte Brat" auch auf dem Schwarzwalde 
bestätigt?) Bauart der Häuser für landwirtschaft- 
liche Zwecke auf den verschiedenen Teilen des 
Walds. AUmend Verteilung. Aufbebung der Leih- 
eigensuhaft, der alten Abgaben; Zehntablusung. 
Hierzu eine tabellarische Uebersicht der aufgehobenen 
Leibeigenachaftsgefälle und alten Abgaben, nebst dem Be- 
trage in Geld. (Angaben der Namen aller derjenigen Pt»M 
eonen, die sich um die Weckung, Beförderung und Vervoli 
kommnung der J^andwirtschaft wesentliche Verdienste 
worben haben, würde ich mit vielem Danke erkennen.) 

11) Industrie im allgemeinen, Aelterer uai|| 
neuerer Zustand derselben. — Bergbau. UütteQ 
werke, Gewerbe, Fabriken, Manufakturen. Haft 
del, die vorzüglichem Frucht-, Vieh-undaade 
Märkte. Mit einer tabellarischen Uebersicht. 



Karl Heinrich Fi'hr. ■ 



12) P 



08t eini-ichtun 



ReiBeruteniiebBtOrta- 



riiitfern 



(Angaben der schönsten Aui 



über den Schw 



wald, vorzüglich durch dessen minder bekannte Täler, nebst 
Bemerkung der Ortsentfernungen und der besten Wirtshäuser, 
■würden mir sehr willkommen sein.) 

13) Heilquellen, auf und an dem Schwarz- 
iralde gelegen. Aeltere Geschichte, jetziger Zu- 
stand derselben. 

Säckingen, Maulburg, Badenweiler, Sulzbarg, Glotter- 
tlifil, Suggenthal, Kirnhalden, Rippoldsau, Griesbach, Feters- 
tial, Freiersbach, Sulzbach, Nordwusser, Antogast, Erlenbad. 
Hub, Baden, Wildbad, Teinach, Liebenzell. 

(Die Mitteilung älterer Bad- und Polizei-Verordnungen 
Wtttde ich dankbar erkennen.) 

14) Oeffentliche Lehr- und Bildungs- Anstal- 
(.On. 1. Im Badischen, i. im Württembergischen 
ijknteile. 

> (Schilderangen der Landschulen, wie sie ehemals 
ffaren, in Vergletchung mit ihrem jetzigen Zustande, wären 
böchst willkommen.) 

15) Verfassung and Verwaltung. Bevölke- 
rnng. Beligions- und kirchliche Verhältnisse auf 
dem Badischen und Württembergischen Sohwarz- 
walde. Hierzu eine Bevölkerungatabelle. 

16) Literatur, Landkarten, Bildwerke. An- 
^«hten. 

17) Namensverzeichnis der Vaterlands- 
freunde, die Beiträge zu dem Rundgemttlde ge- 
liefert haben. 

18) Inhaltsanzeige, nebst Begister über das 
rlterkwßrdigste in geschichtlicher, landschaft- 
Elioher, naturgeschichtlicher, statistischer und 

K^ pogi^^ptiiacher Beziehung. 

Es seien noch einige wertvolle Sätze aus Fahnenbergs 
Beilquellen am Kniebis", S. 12 — 17, angeschlossen: 



21(1 



Pftff 



Ein kräftiges, genUgsamee, biederes Volk, von groaMr 

Fülle innern Vermögens und vielfacli erprobter Treue für sein 
Fürsteniaua, lebt zerstreut, wie einst zur Rönierzeit*), gleich 
dem Hirtenvolke der Schweiz, auf diesem ausgedehnten ' 
hirge. Wo eine Quelle entspringt, wo ein Platz für eiw 
Wiese oder Acker, durch Wegräumung von Felsenstückea 
gewonnen werden konnte, hat sich eine Familie angesiedd 
Und nur. wo aus einem Tale, oder einer größern SchlQo) 
dem Haupttale ein Bach zueilt, entstand allmählich ein Dorf 
und wo ein Nebenflusü in den Hauptfluss einatrümet , ein 
Stiidtchen. Der sich öffnende Schoß der Berge, das aui'- 
geaehweramte Vorland, das erweiterte Tal, die sich kreu- 
zenden Straßen, ein vorüherströmender Waldbach, diese und 
ähnliche begünstigende limstände sind es also, welche die 
Bewohner bestimmten, sich näher zusammen ku drängen. Die 
so zerstreut liegenden, wahrhaft alemannisuhen Woh- 
nungen'*), mit ihren schimmernden Fenstern und patrarcha- 
lischen Umgebungen tragen nicht nur zur Verschönerung und 
Belebung der einsamen Bergabhiinge, Täler und Schluchten 
bei, sondern gewähren auch ein einladendes Bild der Behag- 
lichkeit, dea Friedens und des Schutzes. Der eigentümliche 
Reiz dieses an Naturschönheiten so reichen Gebirga wird 
noch darch die Mannigfaltigkeit der Volkstrachten erhöht. 



*) „Nullas GermHDOmni populia urbes habiUrr, satia nntam est; 
ne pftti qiiidi'tn inler ne junctas sedri. Crtlunt diicreti au dtversi, ut ront, 
ut campUB et uemus placuiC C. C. Tacita» de aita, muribua et popolii 
Oermanise l.ibellus tap. 16. 

••) Dieselben beateben, wie in der SchweiE und in Tirol, bub vier- 
seitig behauenen, aufeinnuder liegenden Baumstammeu , inwendig vx 
mebrcre Stubeu abgeteilt, die mit sauber gebobeiten Brettern ausgetüfell 
gind. Gegen die Ost- und SUdneite i^t eine Reibe dicht nebenfinander 
stehender Feniter angebritcbt, wtlclie die Licht- und Soaneuitrahlen aiif- 
fsugen und dem Inner« einen sfltenen Grad der Heiterkeit und Wärme 
mitteilen. Eine hölieme Galleric, häufig mit Blumenatöt^ken geziert, läuft 
nm das i^aaze Haus. Sie wird durch das weit hervorragende Dach von 
Slroh, oder Schindeln, gegen Wind nnd Regen gesohiitzt, sowie gegen 
die nn^eheure Las), de» Schnees, den die winterb'uhe ,Tuhre5Eeit, in diessm 
Gebirge, niederwirft. 





I l'aiiiic!u>>Bi 



211 



¥ 



Denn jeder Bezirk, ja jedes Tal hat seine besondere. Im 
allgemeinen zeichnet sich die Kleidung der Katholiken, be- 
sonders des weiblichen Teiles derselben, durch hellere, mehr 
in die Augen fallende Farben aus, wo dagegen die Trachten 
der Pmteatanten dunkler und anspruchsloser sind. Und so 
spricht sich auch hier wieder der Charakter beider Reli- 
,gionen aus. 

Altdeutsche Sitte und Sprache, die alemannische*), 
sind in diesem tiebirge und namentlich in den mehr ab- 
geschiedenen Teilen desselben, noch vorherrschend. 

In den Thälurn, die in Hinsicht der Fruchtbarkeit wohl 
wenigen andern Gebirgsgegenden nachstehen, herrscht mehr 
Wolstand und daher auch ein gröberer Hang zum Genuss 
und Aufwand. So wie aber die Natur auf den Höhen ein- 
förmiger und in ihren Erzeugnissen kärglicher wird, wirkt 
(lies aueh auf den Bewohner zurück. Er wird einfacher in 
Sitten und Bedürfnissen und mäliiger in seinen Anforde- 
rungen**). Je weniger übrigens der Boden dem Bewohner 
des höheren Gebirges hei höchst mühsamer Arbeit gewährt, 
desto freigebiger hat die Natur ihn selbst ausgestattet. Wol- 
gebant, kräftig und gesund an Geist und Körper, mit Wenigem 
zufrieden, wo er Mehreres nicht zu erstreben vermag, aber 
ijbei hellem Verstände tütig und eründungsreich, weill er sich 
olstand und oft selbst Reichtum zu schaft'en, Und so ver- 
lugnet sich auch hier der ewige Einfluss nicht, den die phy- 
sische Natur auf den Menschen ausübt: dies geheimnisvolle 
Ineinandergreifen des Sinnlichen und Aussersinnlichen. 

Die Hauptnahrungszweige und Gewerbe der 

E*) Kaiser Julian hat die Sprache der Alemannen mit dem Gc 
■hie wilder Tögel verglii'heD, was noch heute mancher SüdltiDder 
ea dürfte. - 
••) In den ubgelügeiien Teiina des Hoch«ebirgs wird das weiße 
t noch wie ein Leckerliisien augesehen und von liückern aus den 
leren Talem von HüUe zu Hütte feilgeboten ; weißes Mehl nui- Tdr 
Eindbetterinnen gekauft. Milrh, acblechteB Häher- oder Roggenbrot und 
KartofTehi, dies Manna der Armen, sind des Bewohner» gewöhnliche 
Nahrung. Dag S|iauholz des Kienbanms ersetzt dem Schwarznälder das 
Iglicht und onbenorgt wandelt er damit durrfi das ganze Haus. 




J 



31S 



Pfiifl'. Kiu-l Heinrich Vthr. von FahnenberK 



Bewohner eind: Viehzucht, Feldbau, Bienenzucht, Holzföllei 
das Verarbeiten und Verflößen desselben, der Handel damit; 
Teer-, Kienruß- uod Kohlenbrennen , Pechsieden; der Ver^ 1 
dienst, den Hammer- und Eiseuwerke, Glashütten und Berg-i 
bau gewähren; das Brennen von Kirschen-, Heidelbeer- undf 
Himbeerenwasser , das Spinnen und Wehen von Leinwand^ 
and anderen Stoffen aus WuIIe und Baumwolle, besonderSB 
die Barchent- und Zeugweberei; in den höheren Teilen des^ 
Gebirgs: Holzarheiten versehieJener Art für häusliche Zwecke, 
die Holziibrenmacherei und der Handel damit, das Stroh- 
flechten, sowie das Verfertigen grober und feiner Strohhüte, 
von Löffeln aus Blech und anderer kleiner Geräte, von Zundei 
Bürsten usw. Die Hauptgewerhsawoige der Scbwarzwäldet« 
aeichnen sich dadurch sehr vorteilhaft von denen andereif 
Gegenden aus, dass sich die Arbeiter nicht in großen * 
bäuden vereinigt und zusammengedrängt befinden, sonderafi 
dass jede Hütte sozusagen eine kleine, für sich bestehende^ 
Fabrikanstalt bildet, wodurch die Arbeiter dem häualichai 
Leben und Berufe nie ganz entzogen werden. 



Zur Geschichte des deutschen Buchhandels 
im 15. Jahrhundert. 

Von Peter P. Albert. 

NaciisteLende acht Aktenstücke aus dem Archiv der 
adt Freibnrg*) dürften, so geringfügig sie auf den ersten 
Blick sich auch ausnehmen mögen, für die engere Geachichte 
deutschen Buthhandeia, der in seinen ersten 50 Jahren 
: weit innigere Verbindung mit dem Buchdruck zeigt, ale 
heute der Fall ist, nicht ganz ohne Bedeutung sein. 
Bie gewinnen noch an Wert durch die eine der darin auf- 
tretenden Hauptpersonen, einen der drei Altmeister der Buch- 
druckeikunst, den als talentvollen Schönschreiber und Typen- 
Bchneider ebenso wie als Drucker bekannten Peter Schöffer 
den Aeltern aus Gernsheim (1449 — 1503). 

Schötfer war der Schwiegersohn .lohannes Fuats, 
des Bruders des Bürgermeisters Jakob Fust, eines ebenso 
geldkräftigen wie geriebenen Geschäftsmanns, der 1450 mit 
Johannes Gutenberg gemeinsame Sache gemacht, nach 
fünf Jahren aber, um von ihm, der ihm zu viel experimen- 
tirte, loszukommen, zur Herauszahlung seines Geschäfts- 
anteiles in der Höhe von 20:?0 Gulden klagend gegen ihn 
voi^ng. Da Gutenberg nicht zahlen konnte, fielen die Druck- 
gerätschaften an Fnst, der nun gemeinsam mit Peter Schöffer 
itttig war. Im Jahre 1456 vollendete dieser die von Guten- 
[ begonnene 42zeilige Bibel, ein Meisterwerk ersten 

') BrhHllene R«obt« Nr. 50. 




2U Al>.c 

Rangs, und legte sofort Hand an das Psalterinm, rfi 
niclit nur als schönste und gelungenste Schöpfung der kau 
erstandenen Kunst dasteht, sondern auch das erste Brack- 
werk überhaupt ist, das durch die Angabe von Druckerj 
Druckort und Erscheinungszeit eine vollständige DatiruDj 
bietet. 

Weil Peter Schöffer mit dem „schlau berecbneiidi 
Kapitalisten" Fust einen Vertrag einging, der haupteäcliliohi' 
die Ausnutzung der Erfindung Gutenberga und seiner Zwangs- 
lage bezweckte, so ist viel zu seinen Ungunsten geschrieben 
worden. Allein wirft auch der Prozeas Fusta gegen Guten- 
berg kein gutes Licht auf jenen, so deutet doch aaol 
nichts darauf hin, dass Hchöffer sich dazu gebrauchen liel 
gegen seinen Lehrmeister Guteiiberg, von dem er vieles 
der neuen Kunst gelernt hatte, schroff und feindselig odi 
gar hinterlistig aufzutreten. Seine Begabung für die Drucker- 
kunst scheint indessen so groß gewesen zu sein, dasa sie 
Fust diejenige Gutenhergs im Falle der Not zu ersetz) 
vermochte. 

Zu der Zeit, da Gutenberg sich bemühte, seinem Pai-tni 
Fust die Möglichkeit und Ergibigkeit des Dmckens mittel 
beweglicher Typen vorzuführen, im Jahre 1449, befand ai( 
Sohöffer als Kalligraph an der Universität zu Paris. Er kai 
wahrscheinlich um l-iöü nach Mainz, wo er zunächst 
Gehilfe Gutenberga mit Typenachneiden, dann auch als Setzi 
und Drucker beschäftigt war. Durch seine Verheiratung 
mit Fusta Tochter Christine wurde er dessen Geschäftsteil- 
baber und eigentlicher Geschäftsleiter , denn Fuat gab nach 
wie vor nur das Geld, ohne irgendwie zu versuchen, in 
Teohnik des Buchdrucks einzudringen*). 

Die hier mitgeteilten Urkunden zeigen uns Peter Scböl 
in einer Prozeßangelegenheit, die gleichzeitig zu Freiburg 
und Basel sich abspielte. Der Freiburger Handel wird durch 
den Wortlaut der Aktenstucke aelbst erklärt. Ueber 



, V«!. H. Me 



: erklärt. Ueber da^^^ 

M 

. Diu Eitiiiduti^ der Bndl^^^| 



ZiirGea.'hi.Oil. 



3. BKditmi.a«b inj 15. .iHlirliiiii.lerl 210 



Verlauf der Saclie zu Basel sei folgendes bemerkt. Am 
y. Dezember 1478 bringt Johannes Frei (.b"ry) von Frei- 
borg als Bevollmächtigter des Bernhard Inkuli vou 
Frankfurt am Slain vor dem Gericht zu Basel vor: InkuU 
habe die von Mentz in Acht gebracht, und es sei ihm er- 
laubt worden, auf ihre Habe zu greifen; er habe bei ülin 
Wartenberg Beschlag auf Vermögen von Leuten von Mentz 
gelegt und begehre, dass derselbe angebe, was er von solchen 

Ijn Händen habe usw. 
f Am 3. April des folgenden Jahrs erscheinen Bataboten 

Vor dem Basier Gericht und erklären: Bernbart Inkuß von 
Frankfurt habe einem Priester, der ein Glied der hohen 
Schule sei, einen Trog voll gedruckter Bücher mit Gewalt 
aus dem Hause genommen, weil derselbe einer von Mentz 
^Laei, die er mit Urteil und rechtem Gericht in Acht gebracht 
^Knd „Auleitin" auf alles ihr Gut erlangt habe usw. 
H Am 24. April schreibt dann der Schulheiß des Stadt- 

gerichts an die ehrsamen Peter Fusten (reete: Schöffer) und 
Konradin HinkuU seinen Tochtermann zu Mentz: Bernhart 
K^kuß von Frankfurt habe erklärt, es befanden sich etliche 
^■|edruckte Bücher in Basel, welche ihnen als ..Gemeindem" 
^Hnigehörten und auf die er zu greifen begehre la\it oben- 
genanntem Urteil ; wenn sie etwas dagegen einzuwenden 
hätten, so sollten sie das binnen 14 Tagen nach Empfang 
dieses Briefs vor dem Gericht zu Basel anbringen. 
^P Demzufolge erscheinen am Ift, Mai vor dem Basler Ge- 

^H|atit Bernhard Inkuß einesteils und Haus Köder als Be- 
Kyollniächtigter des Konrad Henkia und Peter Schöfters von 
Mentz. Bernhard Inkuß erklärt, dass er Bürgermeister, Rat 
und ganze Gemeinde der Stadt Mentz in Acht gebracht habe, 
und dass diese Acht sich auch auf die Hintersassen der Stadt 
Mentz erstrecke. Da nun Konrad und Peter zu Mentz wohn- 
haft seien, daselbst haushäblich sässen und eigenen Rauch 
bitten, 80 habe er hier auf ihr Gut und Bücher gegriSeii. 
iMe Beklagten antworten: die Acht berühre sie nicht, denn 
hätten ihre Wohnung zu Mentz bloß „in gastes wise" 
tbd seien der Stadt weder mit Burgerrecht, Steuer, Geworfen, 




rfen, ^M 



816 Alben 

Eiden, Diensten, Zanftrecht noch andern Pflichten su^hsrig. 
Zum Beweise der beiderseitigen Behauptungen setzt das Ge- 
richt einen Termin von dreimal 14 Tagen nach Recht and 
Gewohnheit der Stadt Basel. 

Diese Beweise suchen beide Teile am 1. Juli vor dei 
Gericht zu erbringen, worauf dieses erkennt: InkuU habe di 
besseren Beweis erbracht; deshalb seien die Beklagten 
der durch das Hofgeriebt zu Rottweil über die Stadt Mentoi 
verhängten Acht mitbetrofteu. 

Ais dann am 21. August ein Bevollmächtigter des Bem< 
hard Inkuü in der Angelegenheit ein endgültiges Urteil be- 
gehrt, erkennt das Gericht: die Bücher der Beklagten, welche 
beim Wirt zur Sonne in Basel liegen, sollen an Inknß her- 
ausgegeben werden, jedoch sollen der Schultheiß und die Amt- 
leute sie vorher vun Stück zu Stuck aufschreiben, damit man 
wisse, was es gewesen sei. 

Darauf werden am folgenden Tage die in Rede stehendan 
Bücher aufgenommen nnd dem Beroll mäch tigten des Bernhard 
lokuO übergeben'). 

Umständlicher und mit einem für Bernhard üikaU den^ 
voTstehenden gerade entgegengesetaten Ergebnis verlief diflJ 
Handel zu Freibui^. ■ 



ie- 

Dd 



1) 1479 Febroar S, (M«iia t) 

Den evsMnen und wolwisen scbultlicüs«n and ortnkprecba 
doB wMtillkben garichts ni Fijfaorg ime Bn-segKöi 

. in <jnnf;her>'l Wilhrbn i 



Ulli willig dintt i 

le. & tMt dMMT t 



k Pribvrg , 



« Br^ngmäw« of hat« 
1 (jiin^wr)>) Winwlm 
>n Iicht«Bf«t> sUtM^bttr*) dec iThTihiinww^iiin t^sng», 
I nüch e«tr«gm> u»! ilbanurtwwt, d« datem / «l«t nfnantag iwdi 



•) Vgl Ar. 



Ar 0«ehielu> Am imntAm 



L«if«. ISSft. Nr. 89, IW^ 101. lOL lOCw 11» u. III. 



^ Soll tinBwi: «toitM»««-. 



Zur Uwtchic'lile des de. 



i.Huihl.HiKiH-. in. IÖ..I«lirhiiiicit-r 



■>rt 






sanct Anthonien tag") simo LXXIX Kältende an C'ourat JiickuB=') 

und Petern bede bnchdrucker und geinendi'e zu Mentze nlso genant 

umbe ire gut, bo Johaunes Prejg mit vollem veracli riebe ueii gewalt 

zu gerichte verlesen gnogBam erkennet Bemhart Jnckns von Franck- 

t'urt und von ainen wegen mit dem stab zu Frieljurg gefront, voi- 

gerichte verrechtiget und ufgeboten habe inne vierzelien tagen deu 

ei4iBien zu losen etc. Mit färtereni Inhalt Lan ich gelesen und solicher 

verkundigunge danken ich uwer wiEsheit flisaiglicb und fugen ucli 

wissen, das Peter Schofler von GernBshejm und ich Courat 

ickis von Gudensperg in sampt bandel zv Friebnrg etliche biichere 

□uiversiteten zu gnde daselb» ziifuren lassen haben. Ob das- 

■elbige unser gut und biichere durch Bernharf Jnckua von Franck- 

fart angefallen oder behemiil ist, wissen wir nit von was Ursachen, 

haben auch desselben Jnckus forderunge oder beschul digunge an unx 

noch nie gehört oder vernommen. Wir wissen auch nichts mit ime 

■shalb mich soliche sine korze, stumpfe anfertigunge nit 

lig beetiuipt. IJud nochdera na der gemolte Peter Sclioffer, miner 

ifdocht«r man, itze ein zit lang nit inne heimsche, sunder uswendig 

idfl gewesen und noch nit inne heimgehe ist, und wir inne den 

iptlich handeln, darumhe so bitten Ich uwer wissbeit . ire 

'ollent die dinge verziehen uuil daniite nit also gestatten zu ylen 

ler gut hinweg zu slagen. Ich bin inne raeinunge und wil binnen 

abewesen meine« eidons vorgemelt bei uch inne den 

ingen einen gewalt senden, wie der sin furneraen >;ured(-n und 

iderrachtunge üu thun, und oh Jucku.i sin furnemen gründen und 

setzen wui'de von der gemeinen stat Mentze wegen , so soll uwer 

wiseheit durch solichen minen auwnit ein soliche redeUche under- 

Tftchtunge furbracht werden, dadurch unser gut, als ich getruwen, 

nm ime mit recht entalagen werden siille, und uch herinne gutwillig 

Vewiesen, das mil unserem gute also hinweg zu alagen nit -^eylet 

Verde, das wuUen Peter min eiden uii<l ich gerne verdienen. Ge- 

Bchriben under meiner pitscbit uf mantag nach sant DoroUieen Dag 

anno ec. LXXIX. 

Conrat Henckis von Oudesperg 
bnchdrucker etc. ') 




') IB. Januar. 

Soll heißen: HeuL-ki». üeber . 
iUhaber Peter Schöffers vgl. Ärcl 
19, 66 u, 1U3; 11, 178 und die 6 
Pap., Oriß-., Siegel nhgegancea. 



leu Sehwiegervaler und Ge- 
f f. Gesch. rl. (Itachen. Bu^-h- 
[ ungerührten Stellen 



4 



21 14J9 Februar 9, Mainz. 



tesBeu, burgermeiBter u 



I lieben besoudern amptman, achul- 
rnte zu Fryburgk im fiiyssgaüwe. 



I 



I 



Diether von gutta gnaden erzbischof zu Mentze etc. und chnrtuTBt. 

Unuern gruES zuvor. Ersamen , litsben beäoudern. Vob laugt 
au durch unser diener und üben / getjTiwen Conradten Henkyss uod 
Peteru Schofei- von Gernseheym, wie ine einer guiint / Wilhelm 
Lichtenielx etatthalter des sohuKe^ssenDnipta bi uch Inhalt, eins uQii^ 
versiegelten briefs, dns Ire gut von Beiuhtirt Jnckua Ton Fr 
furdt und vnn sinen wegeu mit dem stah zu Friburg gefrout 
geriflbt ver recht fertigt nnd ufgc-büten sei etc. verkuudet Labe, iu 
roneaea ire des auch us »uhrifti'n desselbigen Conradten Henkyaa hiei'lii 
gefertigt genüglicli unlerrichtung entpbinden werdent. Sdichs uns 
dann nit wenig btfrembdet, angesehen al» wir verstehen, die gemeltea 
unsere Diener keins mit ine zu thun noch aucb beutbetag ob er 
tchts gein sie furzunemen vermeinte, uatrage vor uns zu verfolge)) 
weigern wollen, sich erboten haben, darzu wir irer auch mechtig Ein. 
Wo abir die forderung us gemeiner schuld unser stadi Mentze ur- 
Knufaeii haben solte, uiogen wir abirmala den furnemeii kein pillichkeit 
geben. Nachdem wir das zuvoruu von Bernhart Jnckua noch gestalt 
derselben unaer stadt Mentze nit ersucht sin, uns auch des mit unserer 
geburltchen autwort gein ine ;ia halten wi>l gewust betten, mi sint 
auch die berurten beswerten nit unsere burger zu jMentze. Hierumb 
begern wir au uch gutlich mit ernstlicher ersuchung , ire wollet be* 
nanten .fnckua sins mutwilligen furnemens nit gestehen, aonder daran 
sin und achafieu, soliche beaweruiig ungeaumet abegestolt, die unsere 
also wider billichkeit nit umbgetrieben noch beschedigt werden iinser 
zusaupt der billichkeit zugeniee^en ala wir una zu uch versehen, ire 
aelhat des us an^eigunge der Sachen verhaudelung wol geneigt sie 
aollet zu entbeimng ferrer kost und mühe. Daran bewiset ire uns 
besonder deukljcha wolgefalleu, das wir auch wiederumfa in glichem 
gnediglich zu bedenken nit wollen vergeaaen. Geben in unserer 
Stadt Mentze am Dinatag aanct Appnllonieu tag anno ec. LXX nono.^) 



Ü 



') Pap-, Orig., Siegtl abgegaagen. 



^si-hichie üci ileutBi'bi 



») U?» Februar 17, Heidelberg. 



Von gota gnadei 
Iprfarste etc. 
Un6 



Pliilipa pfalzgrave bi BJne, erztruchaea uad 






ider Willielm von Lichteii- 
ipts zu Frilierg im Brissf^ai 



1 gruB z 

Ma, j stat.halter des schultisi 
and ersainen, wisen burgermeiater, rat« und urteilsprecher / daselbst. 
Uaa haut unser lieb getruweu Conrat Henukua und Peter Hchofer 
von QerDssbeym, buchdruckern, furbracht, das ine ir gut zu Fribnrg, 
nenilicb etwevil gedruckt bucher daselbst mit dem gerichtiistabe be- 
kommert «in durch Bernharten Jnckua von Franckfurt von schuld 
wegen der er sich vermisset, duuh unersiiclit gegen den egenaoten 
den unsern als laiit.leulig und recht iat. Nu siiit die obgenanten 
Die lang )iit in unser vordem . auch uusercu Hchirm Iier- 
□d sie und das irc in uoaerni schirm steen , uns zu ver- 
ind verantworten herumb nach gnaden und friheiten wir 
I pfnlzgrave bi Rine und kurfürate von römischen keisern, 
konigeu und dem rieh haben besmider an der gülden bullen keiaer 
Karlle des viei'den und dann der egenanten unser verwanten ku recht 
(ar uns, uiiserm hofricbter und reten mechtig sint , so bergem wii' 
an lieh mit sunderra ernst, bitten, das ir die genanten Conraten und 
Petem nach tut unaer friheit für uns und uiiaer rcte wisen und kein 
urteil über lut derselben unser friheit geburt. Daran thunt ir uns 
sur billicheit sunder gut gefallen. Datum Heydelberg under unaerni 
üfgedrucktem Beeret uf mittwoeh nach Valentin! anno ec. LXSIX".*) 



buchdri: 






k 



i) Wa 3[ai 25, (Rottweil). 

indelfiug 



fri , anstatt und in uanien 
Sultz, hofrichter von de/ 
hern Fridricha römischen / 
I, zu Hungern , Dalmacien, 



Wir Tegenhart i 
wolgeponien grave .1 ohannsei 
allerdurchtigisten fiirsten und her 
kaisera , zu allen suten merers dez 
Croacien ec. kuuiga, herzogen zu()aterrich und zu Steyr etc., uuaers 
allergnedigisten herren gewalte , an ainer atatt uf aiuem hove zu 
Rotwil bekennen oSentlich und tueu / kunt allermenglichem mit 
dieem brief, das wir zu gericht geaesaen aind uf dem hove zu Rotwil 
aa der offen, frien, kaiserlichen straaae uf disen tag ala dirre brief 
geben ist. Und stund vor uns uf demselben hove Bernhart Jucus 




') Pap., Ori(.'.. Hiegei vorhanden. 



d 



■J20 Aibert 

vou / Franckfurt volmechtij^er procurstor mit namen Haiorich SSts- 
ÜD, BiD undersohriber dez vorgenanatea hofgeriobtz, und cUgt darcli 
ainen furspreclien kIh recht ist xn der rursicbtigen, erBamen und wises 
hurgermaister, achulthais, rat und gericht der statt Friliurg im Brise- 
göw, wie der genant Bernbart Jui/kus deren von Mentz als einer 
offen verBchriben echter gutere aogefallen und desbaJb vor irem etatt- 
gericbt gebändelt niicb erkAuntnus ir gesprocbea urtail und si danif 
sein auchtbrief und sine erlangte recbt aibie von hofgericht aas- 
gangen gezögt, nngerüft und ervordert hett, daruf zu hantbaben and 
«u schirmen und im solicb gut zu seinen banden verfolgen zu lassen, 
das im aber vou in nit bett lUDgeu gedibun, wiewol in der, so mit 
dem gut alda lege, daran uit verhinderte, bis uf ir haisseu deshalb 
er hofft, im eölte darumb zu in gericht werden mit aucbt und anlaitin 
wie recbt iat. Darzu der vett Cunrat von BoBsenstain , achuUbais 
der statt Friburg, Johaunea tiottsobakk, stattacbriber , und Michel 
Moner, procurator als volmecbtig onwolt der genannten von Fribarg 
nntwurten auch durh iren turspreehen als recht ist: sölich clag neme 
si fremd und unbilltch und das zu merken, so bette der genannt 
Berabart Jnckna uf niu aucbt über die von Mentz sagend , etliche 
getruckte faücbei' mit dem atab zu Friburg angefallen und gefrönt 
und daruf Johannes Fryen gewalt geben sölicher frönung mit dem 
rechten daaelbs nacbzefolgen. Deraelb Johannes Frye wäre für ge- 
riebt komen, hetle die gut ufgeboteu und begert im darumb recht 
ergeen zu lassen, dem wäre ain geriebt gehorsam gewesen und mit 
urtail erkennt . Cunrado Jnckus und Peter Schüffern baid baut 
truckeru denen dann solich bücher als si beriebt weren, zustiu 
sölicb frönung zu verkünden ; das wäi'e durch JobauQi.'3 Fryen t 
fertiget, f'unrat JncknsB verkunt und Peter Scböffem , als der i 
lendig gewesen wäre, nit mögen verkunt werden. TJud als Johai 
Freye und Oonrat Jnckus durch seinen machtboten Jacob von Hai 
statt af den gesetzten tag für gericht zu Fiibui'g körnen würe 
bette derselb Jacob von Keinstatt lassen furtrogeti, wie das Cunrat 
JnckuB und Peter SchÖfl'er zu Mentz weder hurger, zunftig noch in 
irem versprechen wäi'en, als oucb das etlich geschriften von unsero 
gnedigen herren von Meutz und pfalzgrafen, die er verlesen bett 
aasen zum teil zn erkennen geben, deshalb aölich aucbt und frönung 
denselben bucbtruckem an ileni iren keinen schaden bringen sölte. 
Daruf bette Johannea Frye geredt, die ding wären in zu kurz an- 
körnen, das er darin nit wol wiate zu handeln , und begert im acht 
lag ufslag zu geben; aälichs an Ber[njbiut Jnckus zu bringen. 



Ziir(teachi(-)iU' il 



-. dl'UI 



<±vu HiK'ljhuiiiJel» im l5,.lHhj'li< 



221 



darzu 7.e luitwuifen, dwil nu Peter SchäfFem nit gnugsHm verkuDt 
wäre, Bo betten die rioLter dez gerichti zu Friburg daruf und uf 
dez Fryen beger iler aach ain uffllag mit urtail sech» wocben uod dri 
tag, das mSD noch beiden tailen eöHcba anderwart sülte verkünden, 
wie dann sölicha ain urtailbrief, dez ni ain copi ziigten und verlesen 
lieasen, clarlicb sagten, dem wSre witer durcli Bemhort Jnckus noch 
sinem gewalthalier nit nachgefalgt, und legen BÖlich hücher noch also 
sinenthalh in verbot und soverr die urtail volatreukt wäre, so hette 
man dai-iu recht lassen ergau, des si sii^h ala die gehorsamen furo 
ze tund taten erbieten in boft'nung im witer nit jiflichtig ze sind. 
Nu nacb dein allem so wiire Bernhart JnckiiB uf sampiitag vor remi- 
niacere sechst vergangen für rat und gericht komen, hette den gewalt 
Johanoes Fryen gegeben, abkunt dabi gezögl etlich brief, die er 
est') auxbrauht und ah er reJt damit der von Mentz gut und die 
gemelten getruckten bücher mit recht erlangt hette und begert im 
die von rttund an ervolgen ze loGaen etc. Dez were im geantwurt, 
er hette sfilich hücher uf ain aucbt mit dem atab bi in angefallen 
und gefrönt, und wären darinne ellich ui'taileu ergangen, dabi lieaseu 
si es belifaen und den möchte er nachfolgen, waa im dann mit recht 
erkennt wurde, lies^^en sie gescheen. Und dwil si also und nit anders 
birinne gehandelt und im recht gan lassen hetteff und sich dez zu 
tund nach mala erbüten, so hotFteu ui dann gnug getan und im der 
dag balh nit zu autwurten haben; aber was wir und die urtail- 
Bprecher uf die geschriften von unaem gnedigen herren von Mentz 
und pfalzgrafen und nach gestalt der aach mit recbt möchten er- 
kennen, darf Kl tun selten, dem woltea si gehoraam sein. Dawider 
Hainrich Sätzlin reden liesa, Bernhart Jnckus hette die ftatt Meiitz 
mit urtail und recht alhie zu aucht gepracht und dornf alles ir gut 
erlangt und ervolgt, auch söllcb hücher uf die aucht mit dem stab 
zn Friburg sngefallen und verboten und, ala erkennt wurde , seinen 
echtem zu verkünden. Solichs wäre gnugsamlich zu hus nnd ze hof 
verkuot worden gen Mentz, da hI dann wäseulich mit liusröchi Hess- 
haft und, wiewol ai villicht nach Int der baider churfuraten schriben 
nit burger noch zunftig zu Mentz weren, sie usvergnugner gesohichten 
erwachsen, das weder burger nach zunften und nlt destmioder am 
statt und lut noch alda sigen, deshalb sölich geschriften Bernhart 
Jnkus an sinen erlaugten rechten und besonder slledwil si baid, 
Cnnrat Jnckus und Peter Schsfier sesshan da sigen, kainen schaden 



') D. i. ehestens. 







) verkumlen eiilie-, daa i 






bringen sölleD; es sige auch not, daz gelutert werde, an w*li 
ach dem rechten ) 
im BÖliche biicher i 
mb reclit ergen lawen. Der 
I glich wie vor , und sateten 
fnigte« 



I getruwt, die von Fribu 
seiner erlangten recht verfolgen und dar 
von Friburg anwält lieaHen dnrzu red 
bald tail die sach mit nier worteu : 



der urtail und ward nach unser frage mit gemainer gesamnoter or- 
tnil, ak reclit ist, ertailt. daz die genano/en von Friburg Bernhart 
JnckuH vorgenanul uf Beiti ervordern nachmals lassen recht ergan. 
Und wai-d der urtailbrief ertailt zu geben. Hierumb zu offem ur- 
kunt ist dez hofgerichtz zu Rotwil insige) affenlich gehengt an disen 
brief. Geben an zinstag vor dem balligen ptingstag nach Criat« 
gepurt vierzebeuliundert aibenzig und dud jare*). ^H 



I 



\ 



5) 1479 Oktober 4, (Freiborg). ^| 

Wir burgeruieister und rat zu Friburg im Bris^gow tund knnt 
meng / Ueheni mit dem briefe, als diss nachgenante parthieu uf ein 
halt , etlicher truckten biicher für gericht bi uns komen und aber 
mit dag und autwurt flir uns zu i-echt gewisen sind, hat Bernhart 
.Inkuii nnwalt nieldung getan einer urteil, durch die Cooraten Uenckie 
von Gude^porg und Peler Schofler von GerDssbeio buchtinickern zu 
Menli suUter haft v«rkündt, ob nu dieselben zwen gegeuwirtig sien 
und dawider roden, wollen sie hören; sie des nil, bo waa sin meinung, 
wir »ollMi im die büclier in craft ir erlangteu rechten TervolgeD 
laaaen. Dagngen Hms der erwirdig hochgelert harr Johanoes I^etscher, 
Cri« kUnaton meister, der heiligen rechten doctor, nud Walther 
Ruland von Kouigstein ein gewaltsbrief, uf si und ander lutend, 
bOmi, iu meinung, in crnO dnssellien gewaltx zur sach rechtlich zu 
ndm. Dwsclbfn vrrlesnon gewalt umlerstund Bemhart Jakuas 
pracurator au vprniohleu und redl, Cunrat Henckis und Scheffer als 
biurg«r und inwun^r au Mrnl>. dt»glich der richter, w> den gewajt 
bt«ip)t h<4l, wvrm all aohtrr nach lut sins achtbriefii . darunib daa 
procuralorium nüt g^Jlon und «ncreftig sin soh. Doch sOTerr die 
gananlni anwell sicherheil |tvb<pn oder bürgen sin, die deger stellen 
oub houptsaoh. ovisteu und »oliailen gnng tun. so wulteci si au in 
bokUgen han, w*r» das ntl ir» »illMts , «o getruwt e» , ßemhart«!» 
Jnkua »hm die bftobw v» mumi baadw g^ben werden. Docior 
JokaiUM «ad Wallhw Roland rv.ltM. si walten ait gMMÜter atatt 



«1 Pw»- Ort«.. äi«iH " 



Zml- 



•i-liit'iil 



■ .les d.-(. 



iiKiic-hliKiidoUi 



lirlii.ii<l.>,- 



Mentz noah derselben aacben, sonder die zwen, die inen ^ewalt geben 
heften, und ir gut von Bernbart Jnkua in verbot gelegt , verant- 
worten, dem sDgefengten rechten gnug tun; da wer nit not, <lif 
IDuptseciier darzestellen, dann die sach sig nit pinlich und mög wol 
walt gehandelt werden. So gestunden si otich nit, das die 
wen gewaltgeber burger zu Monlz noch achter weren noch der von 
nigsteiu darin verbaft ; der i^ic ein atnptman des hiachofx von 
Ifentz über ein tal. Und ob die ewea achter weren, des si doch 
wit gestunden, so niöcht sich nit minder ein yeder ächter und be- 
pBÜger wo] in recht verantwurten, mit erbietung, ob das gewaltz nie 
ölt, 30 wolten üi den ei-atatten nach unserm erkennen. 
Bernhart Jnkua anwalt was nit gemeint mit doetor Johannaen 
Doch Waitber Rolanden in abweaen dev zweier secher, die bürger 
aud inwoner zu Mentz und demnach achter sien. vil zu rechtigen. 
Dann im were bevolhen, ai ersehinen oder nit, solt er diss gut er- 
^rordern iu craft einer erlangten rechten ; in der geatalt stund er da 
Ijcgert des wie vor. Und als diaer teil nit gehal , das Pot«r 
nheä'er noch Coura! Henckls den von Mentz weder mit burgrecht 
L andern dingen verwandt . ouch nit achter werent und damit 
-Uftent und begerteii inen als die uf vorgemelt verkundung zu recht 
jiahorsaiQ erschinent. ir gut, das nit ment^tiach sig, mit reclit zu ent- 
alahen, lidig zu erkennen und vervolgen zu lassen und beiderat die 
sa«h zu uuB ina recht satzten , band wir nach cjag , antwurt , red, 
widerred und aller verliörung zu recht erkennt. Nachdem beid teil 
I verkündung vor nnaerm acliultheisäeu und gericht uf gest<?r 
rstag durch ir anweit und procurator verachribner gewnlt zu rech! 
1 und umb dieselbeji sacli für uns gewisen sind, bring Bern- 
t Jnkus in aenha wuchen und drie tagen den nechaten, des zu 
iht gnug ist, vor uns für , das die genanten (Jonrat Henckis und 
ter Scheffer zu Mentz burgei', inwoner oder in irem verapruch und 
1 dieser acht und erlangung begriffen aien, wie sin anweit eolhs zum 
I gemelt band, aul witer, diss fürbringen faeaoheh oder nit, ergen, 
I recht ist. 

Demnach sind ul' mentag vor saut Michela tag beider teil an- 
walt ZQ recht für uns komen. Und hat Beruhart Jnkus procuratur 
sin fürspreclien lasseu reden, ev hab nit anders gewiaat, er eölt Bern- 
harten und waa zum fürbringen dient, hie vinden und in mangel des 
uf gester somitag ein boten gen Basel geschickt , hüt antwurt vom 
Wirt empfangen. Bernhart aig vor drien tagen mit den kuntschaften, 
Basel ouch in der glich Ksch geübt hab, abgeicheiden, 




d 



ä24 



AUHrl 



meiDutig, die zu disem rechten zu bnichen; ob im aber heiren oder 
libanot zugpstaudeii, were im verborgen, Uud dwil bd sinem tIibs 
nüt erwunden rig, begert er fijrter ufslag , in hoffnung, er aolt im 
mit recht göont nod hieriu nit liherylt werden. Doctor Johai 
Letacher und Walther Koland begerten die urteil zu hören 
woIteD daruf des furbriiigene erwarteo ; aover das nit beEchecb, hoffs4| 
die beid, BöUen Beruhart JnkuB clag lidig erkennt werdet 
nachdem tich Bernhart Jnkus aowalt uechst runipt als gevaaset, t 
die zweu burger uud iu der von Meutz verBpruch wereo, aig una 
zulassen sechs wocben und drig tag ua gnaden gangen und mocht« 
das in der zit ailweg wol erstattet, inen darzu verkündt und nit l 
of den letsten tag verzogen babeu, zoüg nit flisa, aunder geverd i 
verzog an wie vor euch beachehen , ir teil zu aweren costen i 
schaden gefürt, sigeu in meinung, so nit audera dann wart und kei 
glouplicber achin furkert wenl. wir sollen inen als den gehorsatna 



Zuspruch lidig erkennen, und salzten den 
recht. Darut' band wir zu recht erkenrt: 

1 eid zu gut und den heiligen , doz 

laz er den, der Bo]i(^h knntsch 

rechten gevasaet hie viuden solt , und dai 
geverd noch verzog darin geauol 



aften bar »l^^H 

und dari^^^l 

darin geauoM^^H 

aöll demnao^j^^H 
er ergen, ^^ll^^l 



recht ergei 

handel zu uns aber 

8 wert .loBB Lentzlin 

anders gewiaset, wa 

bracht haben zu di» 

sincn besten tliss f'iirkert 

wie er aoliclia verautwurt hat 

Spruch acht tag ufachub aich darunder zu erfaren, 

uf mentag nach sant Michelatag, er kom oder nit. aber ergen. 

recht ist. Uf eroffnung diser uiteil erstattet Joes Lentzlin den eid, 

wie im erkennt was. Und kam uf denselben tag für una zu recht 

uud atalt für uns Swartz Jergen, der sagt, er hab ein verkündbrief 

von uuserm gericlit umgangen einem undcr den zwein geantwurt, 

wer zu Mentz anheimach und het für und rauch daeelba. Damt 

sagt Ludwig Crafft, er Jiab Walther Rolanden und Peter Schefft 

husfrowen ein verkündbrief zu Mentz in irem hufl geantwurt 

nach Conraten lleuckis gefragt; darumb wurd im zu erkennen gebei 

er were in aechzeheu wucheu zu Mentz nit seaahaft y;eweaen, sundi 

mit wib und kind gen Franckfort gezogen. .Ttem Hanns Zwyling 

MentK sagt, vor sechs jaren sigen die beid zu Mentz sesahaft 



weaen ; ob ai aber noch dasilzi 
Basel sagt, er hab den knecht , 
kouft, etwan gefragt, der geb i 
Het-ckia und vere seashaft zu 9 
obgenant, Feter ScheSer aease z 



iben. 

.uder 

m 



wiasend. Hanna ' 
der die bücher harbracht und th 
n nutwort: sin herre hieas Conrat 
leutz. So gestund Walther RoUnd 
1 Mentz mit sunder friheit i 




11- «esL- 



e\iW I 



»ctirii iliicliliaudds im 15. Julirljuiidert 225 



buchtrucker. Zudem legten b\ etlich miasiven füi' una , in den sich 

Peter Scbäffer und Gonrnt Henokia undersohribent von Mentz , in 

meiüung, gnugaamlich fürbracht haben, das die beid von Ment;! zu 

diser acht vergrifi'en Higen und duz Bertihart Jukus demnach die 

bücker in craft erlangter recht verfolgen aollen, Ooctor JohanOH 

and Walther ßoland redten dawider, menger echrih bich in briefen 

von einer statt und liett doch weder lifa noch gut under derselben 

statt pflicbt; so sitz menger iu einer statt und sig doch derselben 

statt nüt verbunden, dergüch personea wir bi uns oucL haben. Feter 

L.Sobäffer aitz oucb in der geatalt zu Mentz, nit als ein burger noch 

l'Ctt der ficht verwandt. Darumb si nit hoffen, daa furbracht sig nach 

r Ittt unser vorigen ui-teil und sollen der clag und bat'ts lidig erkennt 

werden. Jose Lentzlin redt, wir hörten, der widerteü gestund be- 

aunder, daz Peter Schetfer inwoner zu Mentz were , den begriff die 

acht und het sich zu Rotwil nie verantwort; so were Beruharteu 

^jn craft diaer erlangung ir gut zu Basel oucli vervolgt , und satzts 

lyie vor. Und ala doctor Johanns meldet, die beid weren nie er- 

prordert noch geladen, warumb si alch dann verantworten sölten in 

vertruwen, diewil ai nilein ir hantierung xu Mentz gebrucht in fribeit 

und fiirworten gesesaen, mit burgrecht noch andern dingen der atatt 

njlt verpäicht, noch diser aucht verwandt, und meinten, diss fürbringeti 

«er nit beachehen nach lut der urteil, und gölten der dag und hal'tit 

mit recht Üdig werden, und bidersit die ^ach zu uns ius recht satzten, 

huid wir za recht erkennt: Berubart Jnkus noch sin anwalt haben 

t furbracht nach lut nnner vorgesprochen urteil. 

Nach oHiiung diss apruchs begert doctor Letacher lidigung 
insprach und bat*ts irs guts ; das wolt diser teil nit zulassen und 
D, ai sollen mit recht niemer lidig erkennt werden, auoder das 
t haft blibeii. Wart von uns witer zu recht erteilt : dwile nach 
n recbtlichen erkennen von wegen Bernhart Jnkiis nit fürbracht 
t nach iut vorgeaprochner urteil, daz dann Conraten Menckis und 
r SchäÖ'ern ir gut und bücher der clag und hafls bi uns lidig 
rervulgen sollen. Und geben des zu urkuud beiden teilen uf ii' beger 
I briefe under unser statt aecret versigelt «r mentag sanI Fran- 
I tag aunn etc. LXXVIUI".') 



') Pap.. Kopie (gltfiohzeitig), 



I 



6) 1479 Oktober 31, (Rottweilj. 

Wir Tegenohart von Gnodelßtigen. fry, anstatt uDd In nAn«i 
<!«e wotgeporaeii grave Joliannsen von Sultz bor / richter tod des 
allen] nrc hl urlit leisten fiirsten und Herren bem Fridricbs römischen 
k«i»«n tu alleo nteo merer ' dn ricbs. m Hnngem, Dalmacien, 
Croaeien etc. kung. henwig eo Oeoterrich und sn Stir et<:. nnsers 
«Dorgnüdigisten herren ' gewaJte, an siner statt , tif nneni bore m 
Botwit ernteten s^bullbab, bargerraaüter, r«at nnd gericht zu Fr;- 
barg im BrjwgA anaMti gruaa nnd tag#n ücb kund, das wir zu ge- 
riokt g wieM CB nnd nf dem bore m Bottril an der offen frien kaiser- 
1 tag, ftls ivnt gvben ist. and stund vor uns ni' 
) hoT« Barnhart Joekna tob Frwnnekfiirt vollmätbtiger pro- 
r nd ckigt von Od, wm du ir im nner ichler guter, so er 
drt kHm« oF dfM bo^serielbt «rUagt md fib«r du ir im xd 
»wol ir des be- 
näht «ai, ha» «ad iwft n Henla Wbwl «ad «BImIi gut den ichtero 
; n tboD mitdampt 
idar as söUe daramb 
e rediA ist. Danunb 




ir d«« «it. «Mm« «MwaofMifiih ot «wd» des rarftnaiiAefi rleger 
••I «M« p»l»WI«t W MMT ^Mt dMMMBMl duwab u Och ge- 
• Ktic iA 6eks mit nnül mit 



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Zar GesEhtchte des deutachen Buchhandelü im 15. Jahrhundert 227 



I 



ftllei^adigialeD herren gewalte, an seiner statt ' uf aeiDein hoTB zu 
Botweyle bekennen offenlicli und thun kunt allermänglichem mit 
disem biiefe, daa wir zn gericht gesesaen »int af dem hove zu Rot- 
wyte an der offea frieu kaiser/licLen straase uf diaen tag 



a uf demselben liofe 
gt durch Beinen für- 
ind weisen echulthaisa, 
statt Frjburg im Brejssgow, 
er alliie uf dem hofgericbt mit 
a zu eubiimem gegeben weren, 
bericht weren huse und rawoh 



dirre brief geben ist , und stund 

Bernbart Jnckua von F ran nck fürt 

sprechen , als recht ist, zu den 

burgermaister, raut und gericht di 

wie das si im seiner ächter guter, . 

recht erlangt hett, und über das ai 

nit volgen lassen hetten, wiewol ai 

XU Mentz habend und aiillich gut den echtem entalsgen , hoft und 

getrawt, ai gölten mit recht underweiat werden, im darumb mitsampt 

eosten und achaden wandl , abtreg und hekerung zu tund oder zu 

in zu richten mit aucht und anlaitin, wie recht ist. 

Darzu der von Fryburg vollmächtig anwalt und gewalthaber 
»ntwurten, auch durch ire fürsprecben, als recht ist: sollich Bemhart 
Jnckua clag und vordrang neme dieselben von Frjburg frembd and 
imbillich, und daa zu merken, so bette ai Bemhnrt derselben guter 
halb vormals auch alhie mit recht furgenomen und were nach vil 
Worten von bnideu tailen im rechten gebracht ain urtaü gangen und 
erkennt, diis ai im uf sein hegern zu den gutem recht aolten ergeen 
lasaen, wie daiiu das ain urtailbrief mit mer Worten besagt, den ai 
verlesen und diiruf reden liessen. Uf das were Beinhart Jnkua durch 
■eineu machtboten für gericht und darnach für raut zu Fryhurg 
kowen und zu den gülern rechtz begert, dea weren recbttag gesetzt, 
'den Parteien verkundt und im ain fürbringen zu tund erkeunt, das 
ar aber nach lut derselben urtail nit gnugsam üii bracht, deshalb dai 
recht geben hett, das man aeinem widerlail die guter verfolgen 
lassen und sein verbot, daruf bescheen, ab sein eolte, wie dann das 
der gericlitzhaiidl , deshalb ergangen, auch mit mer wotten besagt 
nnd zu erkennen ga1i, den ei auch verlesen und dnruf reden liesBen, 
von Bol]ii:her uilail bette Bernharfs machtbot geappilliert und ai 
daruf der appellai-ion nachgekomen, die guter also lesaen ligen, die 
auch noch unveri-ndert noch da legen, und hoflen damit gnug getan, 
eogeaehen, das ai im daa recht volgen lassen und nach ir besten 
Terstentnna dnrinne geurtiilt haben. Ob aber Bernhart Jnckua ye 
aftiueli wollt, da4 die urtnil nit togtich sein sollt oder niÖcht, des 
tä doch nit gestünden, ao möchte er der apprllatE nachfolgen, was 
ar dftnn mit recht dnruf erlangte, wollten ai im seins rechti 






gSnnden and getrowten !□■ der cl«g htlb weiter nil : 



ImImb. 



Bemh&rt Jockus Uees dw-wider redeD, 



cUg wer« Dit, 



iin daa recht nit gangen were. soadcr ei weren gnugeamlich beriekt 
ood nisseot, das die gät«r »eiiier ächter, die dum zn Menatx hat 
und rock hetteu, und begert oit mer, dann das si derau engten : )• 
oder nun. U&o bett auch das an dem gerieb tzbftndl. den si hettcD 
l^eeo verlesen, und besonder hd seinen dargest&lten kuutschafl«» 
und briefen söllichs wol veratanden. Si betten im aucb seinen urtail- 
brief. den er in der glich sacben lu Basel erlanget und zu Frybai^ 
CB Terboren begert bott, nit wollen hören, der 
nStxlioh hett mögen sein. Auch der aachen hülb ain ganze It 
gitwu and ob das not were, begert« er denselben brief vor ui 
■■ T«rikfirm und ober aölliebs alles and besonder das ä f 
das die sweo lu Mennti bos und rauch betten, betten si im di*] 
gil«r nti wöUtn laatMi Tofotgen , aonder aeinen iditer«D haim i 
Ton im ledig gesprocbcn. Dnd dwU daa bofgencbt und alle nefat 
wiaea, w* aiitar stincr iddar gAtar, die er dann mit reeht vUagt 
ktt, ankoBp* atd bugBii im die in craft Mtacr «langten recht er- 
ialgw ^ h«MB. ak «r aneb des an die von Ftybarg und bosonder ala 
■MM adiii^Mma erferdert und maA dann bibraofat hat, das die gtbr 
MHwr ichtar. dia dann Ton Mentita ■aian. urtiilg— nnd varden Inam 
■all. CiiddHBdiaT«iFr7burgdasBilgM«BhMbcB.aobaftar,«isnlka 
im iai— h vnndl nnd bekernng tan ■öl nbkgang «oetMt nnd achadan, 





r dargdegt, 

I Ht WTw^ tuA ■tigiiide^in . «ander bnid tnÜ gnagHinlicli 

«■d nach aaltvft verhart. »w4 nit gewict« gutt da i nifc n TcraDtr 

r dl« van Benkart Jnek« büUcli 

lAtiit «ckiny« aa «nd. 

Und ah hnid taki £• snch mI tmr «wtan mmAt sauten, 

iEi«te«ir die nrtii^iirfcii dta ka^wiehls dir ■rtaü nod d«s 

Di» knkna nMik nnaw hw^ MtfMHiMr imimmiiTii nrtatl. 

l Mt. artaill: Uf0m a<MhUna. Wrfani 




Äuv Gendiichli- dua cleiilsclifii Hndiiifiüdf-]' 



I iri. 



iiinderl 22W 



I 

I 



uml den hallgen, wie recht ist, dae e'i Bembart .Tnckus Imben lassen 
recht gan, in massen wie bI das durch ii'en furBprecheu verantwurt 
hünd, das aie des sovit genieiaen und ini iiit zu antwurten haben. 
UdiI uachdem Jnckus geappelljrt hat. das danu Hollicb hab und gut 
bi im in haft. und verbot ligen Eolte hie zu versuhtnung der appel- 
lacion und wollen kI sollith recht thuii, das ä das thun, vor dem 
erwirdigen herrn Petter abt dea wirdigen golzhus zu sant Petter etc. 
uf dem Scbwartxwald ffelegen hie Kwiacheü und dem andern hof- 
gericht, das da wirt uf zinstng nach sant Hylaiien tag episcopi 
neclistkoinerid und dem genanuten Bemhart Jiickuo achttag zuvor 
verkünden, uf welchen tag ai sollich recht tun wollen , ilaa er oder 
sein machtbot dnhi und mit seien, das zu selieu and eu höi'en , ob 
er wolle und das auch die genannten von Frybnrg in irem offen 
beaigelten brief tür sich und alle die iren und die inen zu versprechen 
stand, dem genannten Bemhart .InkuR und seinem machtboten tros- 
tung und glait v'^ben, das si dabi und mit und widerumb vod dann 
bib an ir gewarsame ungefarlich sicher seien und das im auch söl- 
licher verkundt und gelaitzbriet geatitwurt wei'd an das end , da er 
das bestimeii »oll ungefarlich, wa er aber aollich bestimung nit tat, 
das si dann Im äölliuh verkund und gdaitzbrief »schicken gen Rot- 
weyl in Heinrich Salzlins aeins procurators hua und dea gnug sei. 
' Also bat Jnckus dhain eiid bestimpt, wahin si im verkünden und 
* glait schicken sollen und das auch der genannt herr Petter abt zu 
■ant Fetter uns und den urtaüspre ehern in «einem offen beaigelten 
brief uf das vorbenempt hofgericht gloplich sohrib , daa si söltich 
recht vor im getan haben. Be.sehen söllichs nit, wie vor stet, so solt 
fa« bescheen das recht ist, und ward der urtailbrief ertailt zu geben. 
Hierurab zu ofi'em urkund iat des hofgerichtz zu £otweil insigel 
mit urtail oü'enlich au disen brief gehangen, der geben ist nf zinstag 
I Tor sant Martins tag des hailigen blacbofs nach Cristi gepurt vier- 



I sebenbundert nibenzig und i 



3 jai 



■l 



H) 1480 Jannar 18. (Eottweil), 

Wir Tegeiihart von tiundeltingen, fn , anstatt und in namen 

f. des wolgebom grave Johaiinaen von Sultz hofiichter von des aller- 

durohleuchtigiaten / l'ursteu und herren herrn Fridrichs romiachen 

kaisera zu allen ziten merer des richs, zu Hungern, Dalmacien, 

Croacien etc. kuiigs, herzogen zu Osterrich / und zu Steyr etc. unsers 

'J Perg., Orig,, Siegel unverletzt. 





230 Albert. Zur Wp, 



IscliL'u Itu(-hhii[i()el)^ i 



.liilirb. 



allergaäiHgistea herrea gewalte aa seiner statt uf seinen 
Biotwjle bekeanen oBäalich und thun kiint aller/menglichem mit i^ 
disem brief, das wir zu gericht geseaseu aiad uf dem hove zu Kot- 
wyle an der offen frien Icaiserlichen Strasse uf diaen tag , als dirre 
brief geben ist, und ward vor uns in geriebt offenlioU gezögt und 
verlesen ain offner Iteaigelter brief , darinea uns und den urtail- 
apreohern der erwirdig Pettrus apt des gotzhms sant Pettars im 
BcbwBi'lzwald sant Benedicten Ordens Cüstenntzer biatumba tkt 
sohriben, wie als den strengeu Testen eraiirnen und weisen bürget- 
msister, Bchnlthaiss, raut und rii;hter xa Fryburg im BrjBBgöw uf 
dag und opruch Bernhart Jnukus von Frannckfurt aihte vor ui» 
und dem hoFgericIit ain aid und recht vor im als ainem commissarietl 
EU tuud erkennt und ufgelegt were, iohalt aias urtailbriefs von mm 
and dem hofgericht besigelt darum usgegangen. Also betten die 
genanten burgermaister, BchuUhaiss , raut und richter zu Frjburg 
danozumal in diser sach burgermaiater , schultbaiss, raut und richter 
so gewesen sint, sölUclien aid und recht nach lut der bieigen nrtul 
vor im getan, darzu auch dem genannten Bernhartten .rockus von 
Franukfurt, wie die urtail gegeben, verkuudt und gelait zugeschickt. 
Das Hchrib er auch, wie im das zu tund geburte. Daruf Michel 
Moner von Fryburg obvermelt als ein vollmächtiger ))rocurator und 
anwalt der genannten von Fryburg reden liesa, dwil der comroisBori 
glaplich tat Hchriben, das burgermaister, schulthaitis, raut und richter 
in Fryburg obgemelt das recht und den aide iohall der urtnil vor 
im getan hetten , so hoffte er , si aolten von Bernhart Juckus dag 
ledig sein und geabsolvirt werden, und satzt das zurecht. Danunb 
fragten wir die urtailsprechtir des vermelten hofgerichtz der urtiül 
und der rechten. Die haben uf unser frag mit gemainer gesamnoter 
ortail ertailt, als recht ist: dweil der erwirdig Pettrui> abt zu sant 
Petter im Svartzwaid obvermelt h,U commiasari uns glaplich thna 
schribeu, das burgermaister, schulthaiss, raut und richter zu Fryboi^ 
obvermelt, so danozumal gewesen sint, das recht und aid vor ira 
getan haben, das dann die genannt«n burgermaister, scbultbaias, nttt 
und richter zu Fryburg obgeraelt Bernharl Jnukus clag bilUch ledig 
flien. Und ward der urtailbrief ertailt zu geben. Hieruml 
nrkund ist des hofgerichtz zn Hotwyl insigl mit urtail offsDlicb 
disen brief gehenkt, tieben uf zinstag nach sant Hylarien tag 
eopi nach Crisü gepurt vierzehenbundert und im achtoigiBteB 
'1 Perg., Orig., Siegel uitbeschädigl. 



I 



Von der französischen Universität Freiburg i. B. 1688. 

IVoD Hennann Mayer. 
I Durch den Frieden von Nim wegen am 5. Februar 1679 
■wurde bekanntlich die Stadt Freibnrg, die sich schon am 
16. November 1677 an Marschall Creqm hatte übergeben 
müsaen, an Frankreich abgetreten und blieb nun unter der 
HerrBchaft desselben bis zum Frieden von Ryswick (30. Ok- 
tober 1687), also fast awei Jahrzehnte lang. Schon vor der 
offiziellen Abtretung im erstgenannten FriedenaBchluas hatte 
sich die Universität nach Konstanz geflüchtet. Es war nicht 
das erstemal, daas sie fliehen rauaste, die Alma mater. Schon 
im 16. Jahrhundert hatte die Pest aie mehr ala einmal aus 
den Mauern der Breisgaustadt vertrieben, und aie hatte ihren 
Sitz bald in Villingen, bald in Mengen, bald in Radolfzell 
anfgeachlageu. Aber ea vpar doch immer nur auf kurze Zeit, 
-letzt aber, wo Ludwig XIV. die Perle des Breisgans ein- 
genommen, wagte man es nicht zu hotlen, so bald wieder 
von der französichen Herrschaft befi-eit zu werden, und fasste 
Jen Entachlusa, die Hochschule vollständig an die Ufer des 
Schwäbischen Meeres zu verlegen, namentlich nachdem der 
Reichstag zu Regeneburg auf eine dahingehende Aufrage ent- 
Bcfaieden hatte, daas die Universität nicht ein Adpertinens der 
Stadt Freiburg, aondern ein Corpus independens, d. h. eine 
nicht an Ort und .Stelle gebundene Körperschaft sei. Aber 
der französische König, der Freiburg als einen Vorplatz liir 
Frankreich auf die Dauer zu behaupten bestrebt war und 
^^Mhalb auch bekanntlich die Stadt ganz neu durch seinen 



Festungsbaumeisler Vaubaa befestigen liess (vei^l. Schreiber, 
Geschichte der Stadt Freibui'g IV', 209 ff. und von der 
Wengen iin XIV. Band der Zeitschrift der Geaellachaft für 
Gesciiichtskunde S. SXI ff.), wünschte, auch eine Hohe Schale 
in dieser seiner neuen Eroberung am Oberrhein zn haben. 
So kam es, dase damals neben der deutschen Universität 
in Konstanz eine französische, ein Studium Gallieum, in 
-freiburg entstand. Freilich vergingen mehrere Jahre, bis 
sowol die in Konstanz eröffnet werden konnte (ItiSli), alu 
auch bis alle Vorbereitungen 8ur Neugrüudiing der franzö- 
sischen Universität, an die hauptsächlich Jesuiten berufen 
wurden, in Freiburg getroffen waren. Die Feierlichkeit der 
Eröffnung der letzteren fand am 6. November I6H4 im Münster 
statt (das Nähere bei Schreiber, Geschichte der Universität II. 
465), Aber es muaste immer aufs neue wieder die Werbe- 
trommel gerührt werden. Eine solche Einladung an die Be- 
vntkerung, ihre Söhne der neuen Schule, die man aber als 
die eigentliche Fortsetzung des altefarwurdigeu Alma Mater 
darzustelleu bemüht war i vergl. unten im Text), anzuvertrauen, 
findet sich in den auf die Universität sich beziehenden Akten 
im Archiv der Stadt Freibui^ und zwar in deutscher so- 
wol als in franKüsisoher Sprache. Ich gebe die beiden 
immerhin merkwünligen Schriftstücke ohne weitere Bemerkung 
hier wieder: 

„F^ wird raknnigtichen kund und zu tviseen gettua, son- 
derlich aber jenigen auch auOwertigen Eltern, welche ver- 
langen, dass ihre Kinder nit nur allein in denen Sttidüs. 
wolche bey diser allhiesigen nralten dorcbgehnd berühmten 
Univergitftt durch alle Faculläten Wst&ndig dorirt, und annoch-^^ 
Boriren thun, und von Zeit zn Zeit man zu deren noch.,^ 
mahrann Pl«rining gväissen «yn w^rde. sich qoalifieirt^^ 
■mImii, MRdem tamahleo auch die Frantzosische Sp ra ch^ f" 
nelMa Mkd«nn exerettüs von fei-hien und dantzen and solche^^ 
•IIm in «ow aohr geringe« Preias erlenea mögen, wie »-^ 
<l«ui «ad) •peoüotTl folget, als nemblieh: 

Die ranembem Kosten die Woeim ä :! fl. t> Batceo -^ 
Di* «ndwiv. <la man aiMsfa tibHädi mWi einer ) 




eiburg i 



233 



Mass Wein, mit Fleisch, Voresseu uad Gebratens gespeisst 
wird, i 2 fl. auch 1 fl. 12 Batzen. 

Die dritte auch mit einer halben Mase Wein, alle 
Tag Fleisch und dreynial GebratenB, i'i I fl. ii Batzen, auch 
1 fl. 5 Batzen. 

Die vierdte dess Tags mit einem Quartal Wein, alle 
Tag Fleisch und zweymal Gebratene, a 1 fl. 3 Batzen. 

Die iunifte aber ohne Wein, tind doch in der Wucben 

> 3 mahl Fleisch und einmal Gebraten» k I f). 

Und die mindiste ä 13 Batzen 5 Pleiming oder auch 
12 Batzen. 

Dem Sp rac hm eiste r , welcher von y hiss 1(1 Uhren 
. Vormittags, und von 1 biss 3 Uhren Nachmittags offen 
I Schul haltet, von einem Scholaren dess Monats 9 Batzen. 
I Welche aber von denen übrigen Stunden eine ab- 

k sonderliche Stund verlangen, geben deas Monats von einer 
I Stand, es seye dero einer, zweeu, drey, vier oder mehr, 
/alle zumahlen mehrers nit 1 als 3 il. Batzen. 

> Dem Dantzmeister dess Monats von einem 1 fl. 12 Batzen. 
( Und dem Fechtmeister desa Monats auch von einem 
I 1 ä. 3 Batzen, und dises alles allein in rauher Währung. 

Zumahlen dises Orts Bequemlichkeit, Lustbarkeit, ge- 

I Bunde und frische Wasser und Luft't, Sonderung vermittelst 

der erbauten und noch tJfglich erbauenden Cazemen der 

Soldaten von denen Studenten, ti'ctl'liche und schöne Ürdre 

t 80 wol dess Tags, als zufF Nachts auf denen Gas-sen, und 

, dass sich die ganze Zeit hindurch entzwischen selbigen 

einige Händel und Thätlichkeiten nit erzeigt, ohne das be- 

kandt, welches dann absonderlich Ihnen denen ausswertigen 

Eltern zu Ihrem desto niehrerra Trost gereichen soll, dass 

Sie Ihrer studierenden lieben Jugend halber, ahne einige 

I Sorg seyn und leben mögen. 

Freyburg im Breissgau den 3. .lau. \&W. 
Avertiasement au Public. 
Messieurs. II n'est point necessaire de vous dire, comme 
my le Roy, apres avoir fait fortifler la ville de Fribourg 
kBrtSgau cedee a Sa Majesti-, par le dernier traitt^ de paix 



234 Majer. 



1 der fraiiriii.. Universität Freiburj; i 



a aussi eü soin de restablir la trvs celebre, et ancienne Uoi*] 
versitß du dit Fribourg puisque personne ne peut ignoi 
quel'on y regente publiquenient par toutes les Facnltez av« 
une applicalion tree particüliere ii y a d^jä quatre ans. Oe^ 
n'est qiie pnur vous asseuier, que la discipline mÜitaire i 
Bcauroit estre observSe avec plus d'exactitude quelle l'e 
au dit Fribourg, et que par ainsy vous ne scauriez enToyei 
voe Enfans en aucim Heu, pour estudier, ou ils soyent scu] 
qu'en cette ville quoyque l'nu pretende vous faire accroir 
le conti'aire. C'est ce qui vous doit convier Messieurs a ] 
envoyer vos Enfans, et les Escoliers a y aller en Foale,^ 
d'autant que l'air y est trea bon, que les vivres y abondent, 
et que les pensions y sont tres raisonables, veä que les 
meilleures ne sont qu' ä quatre livres tuut au plus et qu'il 
y en a intime jusqu'ä Ireiite sols par sepmaine, que d'ailleun 
les Bourgeois fönt au large cbez eux toute la (iarnizon est 
ant log^e dnns les Cazemes. Et qu' enün outre les Estudes de 
quelque science que ce puisse estre, ilsy pourront apprendr« a 
m^me temps, scavoir les Fram^ois la langue AUeniande, et les 
Älleinands la Fran(;oi8e enscmble, plusieurs autres excercicesy 
ayant des Maistres qui monstrent a un prise tr^s raisonable. 

Scavoir le Maistre de langue Fran^-oise pur see principee 
a raison de deux Esous par inois ce qui ne reviendroit, qs'ä 
une piece de trente sols lorsque trois ou qnatie se Toadroyent 
assembler dans un niesme Heu. 

Le Maistre de danse a danser, et a jouer de tontes 
softes d'instniniene a un Escus par mois. 

Et le Maistre d'armes a faire des armes a raiBOD de_ 
quarante sols par mois. 

Qu' en outre il y a uh avantage tres particulier poi4 
les Enfuns Frani;ois, qui est qu'ils y pourront esludier, du 
les petites Claeses qu'ils seacbent Valleniand ou non paroequ) 
les Maistres d'ioelles expHqueot et donnent les theraes i 
Fran^Ats comme en allemand. 

Voila de quoy Tun estoit bicn aise d'arertir le p 
pour qu'il neu ignure. 

Fait h Fribourg en Brisgau !«■ Unisieinc Januier 1 



t Grenze von anlautendem k gegen anlautendes eh. 

Von Karl Bohnenberger. 
U. 

Es ist mir noch vor Ablauf der Uerbstfeiien gelungen, 
den aüdoHtlichen Teil der Grenze k-ch zur Haaptsacbe zu 
beatimmen. 

Was ich jetzt gebe, beruht nicht auf Bchriftitcher Mit- 
teilung wie der erste Teil meiner Grenzbestimmung, ich habe 
es vielmehr persönlich an Ort und Stelle gehört. 
Schriftliche Erkundigung war bei den hier zu erwartenden 
achwierigea Verhältuisaen ausgeschlossen, ich glaube mich 
derselben nicht einmal zur Ergänzung dessen, was ich persön- 
lich gebort habe, bedienen zu können. Auch die Aufnahme 
an Ort und Stelle war nicht immer leicht. Der Explosivlaut 
wird an der Grenze so stark aspirirt gesprochen, dass man 
scharf hinhören musa und oft einer Keihe von Proben bedarf, 
um ihn von Affrioata und Spirans zu unterscheiden. Dann 
ist in der Schweiz nicht allein wie in Deutschland mit Ein- 
raengung von schriftaprachlichem k, sondern auch von 
zürichisch-tburgauischem ch zu rechnen. Endlich kouinit das 
Misstrauen des Schweizers gegen den Keichsdeutachen dazu, 
dem in der Eile auch derjenige nicht ganz entgeht, der reich- 
liche Erfahrung in solchen ^Untersuchungen hat. Lücken 
bleiben mir, ich veröffentliche aber doch, was ich habe, da 
wenig Wahrscheinlichkeit ist, dass ich selbst die LUckeu in 
absehbarer Zeit ergänzen kann. Vielleicht helfen Näher- 
ohnende nach. 



^^ijtohnende 



236 Bcjhn*-nl.er!inr 

Oberhalb des Bodeiisees stehen wie unterhalb deeselben 
anlautende Spirans ch und anlautende Explosiva fortia k 
einander gegenüber, letztere ist hier sehr stark aspirirt. 
Äffricata habe ich nirgends gefunden. Die Ansetz- 
ung derselben (b. S. 124) beruht auf ungenauer Beobach- 
tnng. Ich habe auch mehrfach zunächst Affi-icata za 
hären geglaubt, näheres Zuhören hat aber überall nur stark 
aspirirten Explosivlaut ei^eben. In Vorarlberg sind die 
Walaerorte, soweit sie Walser Mundart bewahrt haben, 
auszuscheiden. Sie haben anlautende Spirans mitten unter 
k-geb rauchender Umgebung, Fischers Grenzlinie setzt an 
richtiger Stelle ein, in ihrem Endverlauf bleibt sie dagej 
venuutlich durch die Walser Aussprache irregeführt, zn 
nördlich. 

Vorarlberg, abgesebeu von den Waiserortea, (lai 
durchweg k. In Liechtenstein bin ich nicht gewesen 
Ueborene Liechtensteiner habe ich aber k gebrauchen hören 
und sie haben diese Aussprache als ihre heimatliche in 
Spruch genommen. Auf dem linken Kheinufer gilt k 
allgemeinen im Rheintal von Oberried au abwS 
und am Seenfer hin bis Staad vor Rorschach. Des 
näheren haben Rorschach und beide Grub (St. Gallisch 
wie Appenzellerisch) ch, in Staad, Kheineck und Thal 
habe ich nur k gehört, in Heiden vorwiegend k neben 
einigen irh, in Oberegg habe ich nicht bestimmen können, 
welcher von beiden Lauten heute der einbeimische iat 
oh etwa gegenwärtig beide nebeneinander gesprochen werd< 
in Beute habe ich nur k gehört. Weiterhin gilt ch im Be 
land, so Appenaell. Eggerstauden, und in A 
sttdten und Leuc hingen iu der Rheinebene, 
übrigen hat die Rheinebene bis auiu HinwshenspTnag k, 
Marbach, Hebstein, Balgaeh unterhalb Leochingwi 
und Montlingen, Obrrtiod mit Kobelwald oberhalb 
Altstädten, aber auch, was besonders an beachten iat, Krie- 
aern swischeu AltstJtdt«^n und dem Rhein. 

Nach den Geaamtverhiil missen . die fSr die tieotige 
Ürenalinie k-oh gelten, ist anaunehnien. dass auch da« StÜd[ 




hat 
esen. 
lören ^^ 

Des 
lisch 
bal 
3ben 
neu, 

i 



HiÜHiil^DiIcin k ^fgen anlRutendo < 



237 



oberhalb des Bodenseee durch Vorrücken von k und Zu- 
rückweichen von ch entstanden ist, und die Lage des heutigen 
linksrheinischen k-Streifens weist unmittelbar auf 
ursächlichen Zusammenhang mit dem rechtsrhei- 
nischen k-Gehiet hin. Die natürlichen Bedingungen 
scheinen freilich auf den ersten Blick wenig günstig. Zur 
Trennung durch den ungebärdigen Fluss kommen die vielen 
Lachen und die grossen Riede hinzu. Aber Lachen und liiede 
scheiden auch wieder die gleichufrigen Orte voneinandt-r, die 
VerkehrsverhUltnisse zwischen den Orten derselben Flusaseite 
sind also denen zwischen Orten verschiedenen ITI'era nicht so 
sehr ühertegen. Und weit ungünstiger als die V'erkehrs- 
verhältnisse über das Tal hinüber sind die an den Rändern 
gegen Osten und Westen hin, Bergrücken und Wälder scheiden 
hier in sehr starkem Masse. Beide Seiten des Bheintals 
sind aufeinander angewiesen. 

Auch geschichtlich gehören beide Talseilen von der 
üaugrafenzeit bis ins 15. Jahrhundei-t zusammen. Sie bilden 
zusammen den Bheingau (s. die Auseinandersetzung zwischen 
Pupikofer, Mooser und Meyer von Knonau in den Schriften dos 
Vereins für Geschichte des Bodensees V. VI), nachher ge- 
hören sie zu Werdenberg-Mont fort. Als Haus und Be- 
sitz Werdenberg-Montfort um 12.'J0 mit Graf Hugo II und 
Grat" Rudolf in die Zweige Werdenberg und Montfurt aus- 
einandeiging, bildete zwar zum Teil der Rhein die Grenze, 
die Werdenhergi sehen Besitzungen erstreckten sich aber auch 
auf das rechte Ufer (nach .1. N. Vanotti, Gesch i. Graf, von 
Montfort 1845). Tiefer liat erst der Uehergang des unteren 
linksrheinischen Teils an St. Gallen und die 
Schweizer Kantone im 16. -lahrhundert eingeschnitten. Aber 
auch da dauerten noch allerlei Beziehungen zwischen beiden 
ufern fort. G. Meyer von Knonau hat in Alemannia ill, Hl 
Belege für Beziehungen bis ins 17. Jahrhundert veröffentlicht. 
Gegen Westen und Süden bleibt die St. Gallische Talseite 
auch weiterhin als Landschaft Rheinthal durch die Herr- 
schaften Sax und Appenzell begrenzt. 

Im einzelnen bedarf der Verlauf der Grenze an drei 



^mg Im 



238 



BoliiiBnberger 



Stellen der Erklärung, bei Staad, bei Oberried und bei Alt- 
städten. Eiofach liegt die Sache bei Staad. Nach Leu 
(Hans Jakob Leu, Allgem, Helvet. Eydgen. oder Schweiz. 
Lexikon 1747 ff.) war noch au dessen Zeit das kleine Staad 
kirchlich von dem durchflielienden Bach an die rheintbalische 
Pfarrei Thal-Hheineck und die St. G-alliacbe Pfarrei Rorscbach 
geteilt. Beide Pfarreien aber gehörten seit Jahrhunderten zu 
verschiedenen Herrschaften. Ist meine Beobachtung, dass 
Staad heute k Bpricbt, richtig, so ist die St. Gallische Hälfte 
der Uheinthaler gefolgt. 

Weniger einleuchtend liegen die Verhältnisse am oberen 
Endpunkt, bei Oberried rnit k gegen Rüti mit eh. Zwar 
läuft auch hier die Sprachgrenze in der Nähe dur Grenze der 
Herrschaft Rheinthal, aber es fällt die südlichste Gemeinde 
des Rheinthals, Rüti über die Sprachgrenze hinaus. Riiti, 
das heute ch hat, gehörte mit Oberried zusammen und noch 
zum RheiDthal, erst Sennwald mit seinem Filial Lienz ge- 
hörte zur Herrachaft Sax. Dagegen sind Oberried und Rüti 
durch eine sehr ausgesprochene natürliche Grenze, den 
Hirschensprung, geschieden. Ein Bergriegel ragt weit 
in die Ebene herein und stößt beinahe bis zum heutigen 
EIuBslauf vor. In dieser natürlichen Grenze inuss ich nach 
meinem historischen Wissen die Ursache der Sprachgrenze 
sehen. Zwar ist, soviel ich sehe, gemeine Annahme, am 
Hirschensprung habe der alte Rbeingau auf dem linken Flusa- 
ufer seine Sudgrenze gehabt (ao Meyer von Kiionau im An- 
zeiger f. Schweiz, Gesch. N, F. V, 19 und in den Uitteilungen 
des bist. Vereins in St. Gallen XIII, 95), es scheint rair aber 
nirgends eine Begründung für diese Annahme vorzuliegeu 
und es ist nicht statthaft, eine so weit zurückliegende Grenze 
beisuziehen, wenn nachher in unmittelbarster Nähe Jahr- 
hunderte lang eine andere Herrschaftsgrenze vorbeilief. Mit 
Oberried geht das auf der Höhe liegende Dorf Kobelwald, 
früher Filial von Oberried- Montligen und heute noch im Ver- 
kehr auf Oberried angewiesen. 

Wenn Leuohingen mit Altstädten geht und alt* 
dieser Stadt zusammen eine ch-Insel im Rheinthal bU^*^! 



Die örenüe von »nl nuten dem L geKen anlautendee cli. II 239 

weiß noch Leu anzugeben, daas die Leuchinger Burgerrecht 
in Altstädteu hatten. Kriesern aber, auß^n in der HLein- 
ebene, gehörte gerichtlich mit Montligen zusammen zum Hof 
Oberried. Die Abweichung der Sprachinsel von der Um- 
gebung erklärt sich zur Hauptsache wol aus dem städtischen 
und damit selbständigeren Charakter von Altstädten, zum 
Teil vielleicht auch noch aus seinem Marktverkehr mit dem 
appenzellischen Hinterlande. Es kann hier wie bei Basel die 
Stadt den älteren Laut bewahrt haben, nur dass dieser hier ch, 
in Basel k ist. 

An Gründen für den heutigen Verlauf dieses südöstlichen 
ytückea der k-ch-Grenze fehlt es nicht, auf die Ent- 
stehungezeit der Grenze wage ich aber aus diesen GiTinden 
nicht zu achließen. Gewiss waren die Bedingungen für die 
Ausbreitung des Explosivlauts vom rechten auf das linke 
Rheinufer günstiger als beide Seiten noch zum selben Gau 
und nachher der ungetrennten Herrschaft Werdenberg-Mont- 
fort gehörten, aber auch als Werdenberg und Montfort aus- 
einandergingen und selbst in der 8t. Gallischen Zeit des 
Rheintals waren noch genügende Berührungspunkte vor- 
banden. Ebensowenig weilJ ich an den Ecken im Norden 
und Süden die scheidende Wirkung der dortigen Verkehrs- 
verhältnisse zeitlich genau zu umgrenzen. Ob ein Näher- 
wohnender den einzelnen Gesichtspunkten bestimmtere Ergeb- 
nisse abgewinnen oder entscheidende Gesichtspunkte hinzu, 
fügen mag? Vielleicht liegen noch maßgebende Sprachdenk- 
mäler in einer Rheinthaler Kanzlei. 

Im ganzen genommen kann ich der heutigen k-ch Grenze 
nur ein bescheidenes Alter zuerkennen. Man kann also nur 
mit großer Vorsicht aus dem heutigen Verbreitungsgebiete 
beider Laute auf das frühere schließen und darf nur mit be- 
trächtlichen Einschränkungen das heutige Gebiet für die ört- 
liche Bestimmung älterer Denkmäler verwenden. Auch darf 
man nur mit besonderer Begründung andere mundartliche 
Eigentüm'ichkeiten, die heute auf die St-ite von k- oder ch- 
£»Uea, für frühere Zeiten derselben Seite zuteilen. 




ti 



I 



Beifrag zur Freibur^er Theaterchronik. 

Von J. Kartds. 

Im 11, Jahrgang des „Schaainsland" gibt C. Geres eißi 
Notizen aur Geschichte des Freiburger Theaters, die er < 
Mitteilung Ernst Julius Leichtlena im »Freiburger Wochet 
und Unterhaltungsblatf vom Jahre 1^^7 entnimmt, 
ftlteste der darin augegebenen Spiele datirt erst aus dem EnÄ 
des 10. .lahrhunderte: das St. Johanntsspiel , das 1598 ( 
Feste des Heiligen zum erstenmal aufgeführt ivorde. 

Das Uiiiversitätsarchiv enthält nun eine kurze Aafsseiol 
nuug eines Spiels aus dem Anfang des 16. Jahrbnnderi 
das der jeweilige Alünsterpfarrer am Corporis Ciiristi-Foi 
aufitkhrcn lassen niusste '), Leider scheint die Aufzeichnung 
nur unvollständig zu sein, da Maria, die nach dem Personen- 
verzeichnis eigentlicii viermal auftreten soll, latsJLchlicfa nm- 
einmal erscheint, es müssto denn sein, dass ein Teil des Spiels 
als bloÜes Bild nach Art unserer heutigen lebenden Bilder 
nnfziifassen ist. Wieviel im ersten Falle das uns Erhaltene 
dem Umfang nach vom ganzen Spiel betrügt, ist nicht 1 
lustelien, doch lassen sieh je nach dem Auftreten der Mai 
etvft vier Szene» unterscheiden. Die erste schildert ' 
die VerkQudigTUig der bevorstehenden Meitschwerdung c 

') Freib. Univfnititt-Arcliiv : Akten dtr Mäwmerpttr 
hetielit «ioh DlI«Dl>iir auch diD Angik« «umt aadera Hmdschrift ■ 
mUm« Zeil QWr ilie .Beadtwenleii der Pten Frejbm^ : 
ein p[k(Tl■(^JT ufT corporis Chmli dM hSHlin nlmltn »ff dny däeh B 





BeitrHg /.iir bVi-ibtii-ger Tbciiter<^livoiiik 241 

den Engel im Betgeinach Marias: „Maiia im hitliu"; in der 
zweiten erblicken wir ^aria bei ihrer Base Elisabeth , denn 
nur so läS3t sich die Bezeichnung „Maria ubers birg" ver- 
stehen; in der dritten gelangt die Verkündigung der Geburt 
Christi durch den Engel an die Hirten und die Anbetung 
derselben zur Darstellung : „Maria in der Sunnen- ; die vierte 
endlich veranschaulicht die Barstellung Christi im Tempel : 
„Maria im terapel" '). 

Personen: 
Engel 
Hirten 3 
Mftria 

a) im hitliu 

b) abera birg 

c) in der Sunnen 

d) im tempel 
Anna propbetiaaa 
Elisabeth 
Sjmwm 
Jtwepfa 

duo BCoUres ceraferarii cantnnteE: lumen ad revel. 
puer gevena uol umbau 
pueri '^ustuor portsntes taliern. 

Jiu dem ersten singt der Engel: 
„Grlgria in exeelsis deo etc. 

Der erste hirtt. 
gesell was mag das sin 

Ich hab gesehen ein Hechten schin 

') L'eber die Entwicklung des VVcihnaohtBapiele von Jeni Wauluel- 
geeang bis r.u dem wirUichen Spiel vergl. Karl Weiubold, Weihnat-htB- 
spiele und Lieder aus Süddeutschland und Schlesien , Wien 1875. Eine 
eohöne .SammlanL' derartiger Spiele gibt auüer Weinhold Dr. Auton 
Suhloasar. Deutsche Volksschaoapiete , Halle 16)11, utid Jaliiu .Scbroer, 
Üeutsche Weihuai/hUBpielo aua Ungarn, Wien 18tS2; letzterer sohildert 
aaBfubrlirth Charakter uud Darstellungs weise eines aolohen Spiel«. 




Ich bin ersoliiookea gar und gaotz 
Ab disem hellen Hechten glaatz. 

Iter ander hirtt. 
() hruder lass uns schweygen still 

Wer wej'st was gott hiitt wnroken will. 
Bey disem plast sollen mir verston 

On wunder wirt ee nit vergon. 

Der Engeil. 
Ir hirten fürchten euch nitt unnd hant kein leydt 

Wau ich verkundt euch grosse frend 
Warlich uns heutt geboren ist 

Von Maria unser her Jheens t'hrist. 
Ir sollendt nitt under wegen Ion 

Gen Bettle hem sondt in gon 
l>o finden ir das kindlin kleyn 

Schon injjewicklett tin und rein. 

Der dritt hirtt. 
Als uns der Engell hat veryehen 

Unnd mir des wunder hand gesehen 
Wir wertt nitt under wegen Ion 

Gen Bettleheni wentt mir gon. 

Der erst hirtt. 
Ü gott vatter in Ewigkeytt 

Gross loh und Ehr sey dir geaeyt, 
Als mir hant genumen des engells war 

So ists ietz volendet gar. 

Unser franw im Tempell. 
Himeon was du lange aitt hast begert 

Des wurst du hutt von gott gewertt 
He hin Jhesum das kindlin min 

Unnd sag loh und danckJi dem schoptfer din. 



Üeitragf zur Frei burger Theat^rcliroiiik 

S i in e o D. 

Gott sey gelobt in Ewigkaytt, 

Das ich durch in heutt bin erfreu wtt; 
}{er nun lass ietz dinen knecht 

Nach dinem wortt in frid gon recht 
Dan mine äugen hand gesehen 

Dein heyll, das muss ich veriehen, 
Wie du hast beraytt fürwar 

Von dem angesicht aller volker gar, 
Ein liecht zu erleuchtung schon 

Den heyden, sollent ir verston 
Unnd ein Ehr dins Volckhs Israhel, 

Des sunst must leyden grosse quell. 



243 



Die Schüler. 

Lumen ad revelationem gentium et gloriam plebis tuae Israhel. 
Maria du gesegnet bist 

Ob allen weybern zu diser frist, 
Und zu ayner ufFerstentnus dar 

Yiler in Israhel fiirwar; 
Auch zu eynem zeychen wie ich find, 

Dem wider gsprochen wirt geschwindt. 
Un din selb seel wirt versertt 

Mitt eynem bitterlichen schwert 
ITft* das viller hertzen fürwar 

Gedencken werden offenbar. 



I 



Lgieng hi 
gar auB! 
dees Köi 



Die Vorlage für Schillers „Gang nach dem Eisen- 
hammer". 

Von Paul Beck. 

Schillere Vorlage ist unzweifelhaft in der Legende der h 
Jahre 1271 geborenen, 1336 gestorbenen Königin Elisabeth vm 
Portugal, Tochter Peters III., Königs von Arragonien, vermählt 
mit König Dionys von Portugal zu suchen, welche — nach Karl 
Stengels, Abts des Benediktinerklosters Brenz- Anhauseo 
in Schwaben, „Stammbuch oder denkwürdige Historien naw." 
München bei .(ob. Jäcklin, 16ti8, II S. 42— 4ä — fnlgendei 
Vorkommnis erzählt: „Die hl. Elisabetha hätt ein getrewa 
gar tugendsamen Edelknaben, durch welchen sie pSegt < 
Allmusen auszutheilen. Der ward von einem andern böM 
scbalckhalftigen Edelknaben solcher argen Sachen (jedo< 
fälBchlich) bey dem König angegeben, dass der König < 
schlössen, den frommen Knaben umbzubringen. DesBhalb( 
befalch er einen» Kalobbrennev , wann er auff einen solchef 
Tag, Stundt und Zeit ihme einen Knaben zusenden werdi 
denselben alsbald mitten ins Kohlfewer werffen und 
brennen soll, hat auch beste! Itennasaen den Knaben : 
Kalchbrenner geschickt. 

Es luust aber der gesandte Knab für ein Kirchen gehal 
und höret mit dem Glöcklein ein Zeichen geben, daas 
den hoch würdigsten Leicbnamh dess Herrn (zum angedenck« 
der geschehenen fürstellung im Passion) autfheben wolte. 
gieng hinein, fiel nieder aulf seine Knye, höret dieselb ] 
gar auss, auch zwo andere Messen hernach, gedachte er v 
dees Königs Gesohäti't (davon er doch alt wuete, was es i 



DieVi>Hi.;t<> für S.'liilk-i-e 






245 



nooh mal verrichten. VndevdeBseo liat sich auss Gottes 
Schickung die gegebne Stundt seines Todes verloffen. 

Der König hätt den .aussgang der Bachen gern gewußt; 
und sandte den andern bösen Edelknaben hiemach, den Kalch- 
brenner zu fragen, ob er deas Königs Befelch verrichtet hätt? 
Der Katchbrenner vermainte , dieser wlir der Edelknab, 
I -welchen er nach desa Königs Befelch verbrennen soll. Wurfi' 
ihn also vnderm reden in Kalchofen. Der froninie Edelknab 
kam bald hinnach, fraget den Kalchbrenner, ob er dess Königs 
Befelch erfüllet hätt? Er antwortet: wann er ein wenig 
früher kiimmen war, so hiltt ers gesehen. Mit dieser Antwort 

r kehrt er widerumb zurück, solches dem König anzuzeigen. 
^nd als ihn der König ersehen, erschrack er sehr, dasB das 
Widerspil geschehen, und nit der, eondeni der ander war 
verbrennt worden. Fraget derhalben, wo er sieh auffgehalten. 
dass er seinen Befelch nit ehe verrichtet hiltt. Der fi'omnie 
Jüngling erzehlet dem König, daas er zu der hl. Wandlung 
kommen, und wie er allzeit pflegte, die folgende Hess biss 
an das End gehört. Hierauss erkennet der König, das alles, 

Iwas sieh begeben, Gottes Vrtheil, jener Kohwätzer schuldig, 
dieser aber vnschuldig. 
Dieses Jünglings Vatter war ein edler Rittersniann, 
welcher dem König sehr lieb war, am Todtbeth seinem einigen 
Sohn vnder andern auss Vätterlicher verniahnung folgende 
Puncten au halten ernstlich befohlen hat. Erstlich, dass er 
tt^lich ein gantze Mess hören. Am andern, sich der hoch- 
geehrten fiebärerin Gottes Gottseeligklieh befleissigen. Vnd 
Enm dritten, die Keuschheit halten, oder zum wenigisten sich 
Tor aller Büberev und Vnzucht hüten soll. Weil er nun 
diesem seines Tattern sei. Befelch fleissig nachkommen, ist 
«r also von dem vnfurs ebnen Todt wunderbarlich errettet 
worden, auch letstlich seeligklich im Herrn entschlatfen. 
S. Elisabeth leget nach ihres Mannes Absterben S, Clara 
Habit an, opffert sich, nnd ewige Reinigkeit auf vnr einem 
Cmcifix mit weinenden Augen, erwählet alsbald Jesum also 
blnetig zum ewigen Gemahl. Sie beflisse sich in allem, 
S. Elisabeth Königin in Vngarn, deren Baass sie auch war, in 



allen Tugenden nachzufolgen, wegen des« Namens. Im 95. Jahr 
ihres Alters wird sie tödtlich krank, wil iiit, dass mau das 
hochwürdigste h. Sacrament zum Beth trage, sondern stehet 
allein aitff, legt ihre Klosterkutten an, gehet auss der Kammer 
in Haal zum Altar, empfahet das h. Sacrament knyend auff 
bioser Erden, halb todt, sagt Gott dank, gehet wider in ihr 
Beth, und entscldartt im Herrn, ist vom Päpstl. Heyl. Ur- 
bans VIII i. .i. Christi 1615 in der hl. Zahl eingeschriben 
worden." — Dieselbe Legende hat ein poi-tugiesiacher Dichter 
Ignaz Pizarro de Morat,-» Sarmento in einem 1841 zu Lissabon 
erschienenen Roman^eiro nach dem vom Bischof von Oporto 
D, Fernando Correa de Lacerda 1739 verfassten Leben der 
hl. Isabella zum Vorwurf einer Romanze benützt, ohne noch 
Schillers Ballade zu kennen (Friedr, Heiiir. von der Hagen, 
neues Jahrbuch f. d. Sprache usw., VII. I>i4li, S. i2'J—24). 
Die gleiche Erzählung, nur nicht so in extenso und mit dem 
Unterscliied , dasa hier die handelnden Personen , die zi 
Edelknaben als Kammerdiener laufen und der eine deraell 
drei nacheinander beginnende hl. Messen mitangehört 
bringt nach den Chroniken des hl. Franziskus Alph< 
Roderic, tractat de Sac, Miss., bezw. die deutsche Ausgabe 
der „Uebung der Vollkommenheit und christlichen Tugenden" 
von Alphons Ilodriguez, S. J„ IV. Bd. (zweite Hälfte des 
zweiten Buchs), dritte Auflage, Wien, Druck und Verlag der 
Mechitariaten-Kongregationsbuchhandlung, liS54, S, 361 — 363 
in der achten Abteilung, iiJ. Hauptstück unter der Rubrik; 
.,Beispiele der Andacht bei der hl. Messe." Danach ündet 
sich die Legende auch in dem bekannten, seinerzeit nament- 
lich in Oberachwaben weitverbreiteten und oft aufgelegten 
Katechismus {Praxis Catechistica^ des im Jahre Vi92 zu 
Weingarten geborenen, Hi59 gestorbenen OchsenhauBe, 
Benediktinermönches und theologischen SuhriftsteUers P. 
cidus Spiefl, wo der Fall als A\'arnung erzählt wird, Di« 
Spießschen Katechismus hat wol auch „Joh. Chf. Wagn 
„Alter und neuer Schreibkalender anf d. J. ltW9, Stuttgart, 
gedruckt und verlegt bei Joh. Weyrich Köülins Wwe.", dia 
in der „Bes. Beilage" des württ. Staatsanzeigers von U 



i 



nei^^^* 



Dir Viirinjiff für Soliillei-s „linng iiiii;h lieii 



247 



. li/7 vom 24. Juni S. 1(18— 10i> als Quelle für Schillers 
[-Ballade in Ansprach genomraeiie Erzählung: „Der bezahlte 
1 Verl enin der" entnommen, in welcher die Ede Ik nahen- Kammer ■ 
■ Wiener als Lakaien tiguriren. — Aber auch sonst, von- der 
(.liegende der hl. Elisabeth abgesehen, fehlt es, wie auch aus 
Iden zahlreichen Nachweisen in Goedekes „(.rrundrill der 
teschichte der deutschen Dichtung usw.", zweite neue Auf- 
l%ge, V, S, :?06 — 207 zu ersehen, nicht an Vorlagen, selbst 
1 Böhmerland weist eine solche auf. Nacli Svateks 
^^Kulturgeschichtliche Bilder aus Böhmen" (S. 21U) soll eine 
»mantische, seit Jahrhunderten im Munde des Volks fort- 
lebende Sage, deren ursprüngliche Wiege die Umgegend von 
Ichloss Purglitz ist, den Stoff dazu gegeben haben, Danach 
ivUre der strenge Graf von Savern in der böhmischen Sage 
ICönig Wenzel IV., an die Stelle der Grätin tritt Königin 
Johanna (erste Gemahlin Wenzels) ; der fromme Knecht 
Fridolin heißt hier Jan und der Jäger Wok. Als Ziel des 
LngB wird Althütten (Böhmens ältestes Eisenwerk) be- 
Mobnet. Die kleine Kirche, in welcher der fromme Knecht 
i der Messe gedient, ist die nralte Kapelle zu Stradonee 
Wege von Purglitz nach Althütten. 



Alte Liederdrucke im britischen Museum. 

Vun Mary Cliubeth Marriage. 

Als ich eines Taga im vergangenen Herbst im Katalfll 
des britiscben Museuois unter ^Ijied" nachschlug, fand i 
zn meinem Erstaunen eine Menge fliegender Blätter, meist« 
alte Drucke des 16. — 17. Jahrhunderts, dort aufgezeichni 
Unter ..Lieder" standen wieder sehr viele. l>a war i 
Freude groti ; ich fing an zu ahnen, welche Schätze fürs Voll 
lied in der Bibliothek verborgen liegen könnten. Das Uasenj 
beeit^it bekanntticli keinen Realkatalog, so das» ich mich ( 
erste mit diesen Spuren begnügen musste. Nach und nil 
lieli ich mir die genannten Blätter alle vorzeigen, nnd i 
viele in S am in el bänden stehen, bekam ich manchem zu seht 
was nicht an der Stelle im Katalog aufgezeichnet war. Weif^ 
wurde mir erlaubt, im privaten Zettelkatalog nacbzuscbla) 
in weleheni die Titel in dei'selbeu Ordnung stehen wie ( 
Bücher auf den Regalen. So habe ich denn den ersi 
folgender kleiner bibliographischen Arbeit zusammengetra) 
Auf Vollständigkeit macht sie keine Ansprüche: die wßi 
sich erat dann erzielen lassen, wenn man unter den Büchfll 
seihst arbeiten dürfte, was mir bis jetzt nicht erlaubt wmT 
Ich habe mich also vorderhand darauf beschränkt, die 
Sammelbände fliegender Blätter des 16. — 17. Jahrhunderti 
aufzuzählen und die Titel der darin enthaltenen weltlid 
Lieder anzugeben. Vom reinhistorischen Liede, wie 
geistlichen Liedi' und von den „Zeitungen-' habe ich 
diesmal abgesehen. Den zweiten Teil, die Liederbücher c 
Tonsetzer des 16.^17. Jahrhunderts, habe ich nach 
Mosikkatalog und den Werken selbst mit Hilfe der ] 



Alte Ijiedoi'cli'iipkp im liritischdii Mut 



249 



graphieu von Goedeke, Eitoer und Becker, bescbrieben. Die 
Ordnung ist folgende; a) Datum, b) Druckort, c) Name des 
Tonsetzers und Titel, d) Bibliotheksnummer, e) Verweise 
auf obige Bibliograpbien. Die genauen Titel führe ick des 
Raums wegen hier nicbt an, weil sie (in den meisten Fällen 
auch mit Inhaltsangabe) bei Goedeke an den angegebenen 
Stellen zu finden sind. Daten, mit Fragezeichen versehen. 
sind dem Katalog entnommen. 



I. Sammelbände fliegeiidtr Blätter des 10,— 17. Jahr- 
hunderts. 

1| 11Ö15 a47. .Germun Poetry, 1607^1650-, 13 Stück, hpts. 
Keistergesänge und geistliche Lieder, darunter : 

(1) Ain Bchön Lied von aioem Hitler »itibs der Steyrmarek (Tri- 

md Horedeliel). Ängspurg Hans Zirom ermann, oj. 
(4) Ein kürtzweylig Lied zu hören von dem liauBsral iu des 
lillerg meyen weiss. Nürnberg Johst Gutknecht, oj, 
(9) Zwey schöne iiewe Lieder, das erst dem durch leucLtigisten 
ben Churfürsten zu Snchsen und ollen Gef«Dgiien 
liristen, oouj. 

2( 11515 a 48. „Gennan poetry, 1550—1660". Kl. S". 12Stück, 
^te. geistlichen Inhalts. 

(1) Ein Lied von dem Tod, wie er alle Staude der Welt hin- 
^ nimpt. In des Hegenpogen plaeu tiiou oder in der Ritter 
, ein gemess. Nürnberg Valentin Newber 1550. 
(4) Wie ein Mayer sein Hausa Geayndt auff weckt, oouj. (Vgl. 
i 10, 19). 

(12) Schöner ausaerleBaner Lieder zehen. Nürnberg Valenlin 
rwber 1560? 

Ach vofals neidt / so lange zeyt 
Ach werde frueht / deyu zu cht 
Ach weyblich art / hart / trühstu mein hertz 
Ein Thurnier eich erhaben hat 
Ich rew vnnd klag / das ich mein tag 
icht noch wol / wie stiit du bist 

ingt dazu / dz ich kein rhu 
nBch ich jr ein guter nacht 
L hunderl tausent Stunden 



Vi] glück mD(l hejl ist niemands fe;! 
Wol kumpt der May , mit maacbertej der blQin- 
lein zart. 

3) 11515 »51. .(Jerman poetry, 1590—1600". 18 Stück, 

(9) Ein hUpsch new Lied vonn einer stoltzen Malierin wie 
jhre Büner Gens« Enten vnnd Schvein verkauft In dem Thon : 
Hermann ino der Soheuren Ug, oouj IGOO? 

(10) Ein Lied von einer faulen Diemen, oouj 1600? 

(11) Ein schönes Lied von dem Pfarrherr im Federfass 
Heinrich Mügling:s Thon, oouj lÜOO? 

(1'2) Ein schön Lied der Grossfreeser im friachen thon Hi 
Vogel, ein anders Lied der panr mit dem Saflran im Spiegel thon' 
Frawen Ehren porten. 

|14) Ein Bchöna newB Lied von der Königin von Franckreich 
rnd von Jrer fidachen BflhlschntFt wie sie ueün Studenten umb 
Leben bracht hat. Angsharg Michael Maoger, r>j. 

(1.^) Eine andere Ausgabe desselben. Augsburg Mich, Mauger, 

ilti) Ein schöne Tageweiss, oouj. 
I.dieweil mein Hertz thut lieben ein edle Jungkfraw zart"). 

Vergl. 11517 a ~22 ein schöne Tagwevss . . . Angspnrg 
Michaelem Mauger, oj. lt>00? 

4) 11522 di 87, „Genoan poems . 1600— 1G96-. 4 Stück, 
•i geistl. Inhalts, 1 Prosa (bewerte Kunst wie jro einer ein aaseben 
machen soll 1601, oo.}. 

(4) drey Ecböne neue weltliche Lieder, oo. 1696. 
Ej so gehta uns Menseben all 
Frisch aulT ihr tapfl'ere Handwercksburscb 
Komb her mein liel>e Schwester komh. 

5) 11515 a 52. .Uerman poetry, Ii:03— 1607". 18 Stück, I 
geistl. Inhalts. 

{i\ Zwey schöne neue Ijeder . . . Augspnrg Valentin Schön^ 
1603. 

Als von Brnituschweig Hertzog Heinrieb zöge zum beyligen G 
Die frant^osiache Chronica ' »>gt wie vor manchem Jahre. 

(Geschichte der Meloain«). 

(3) Fänff schöne lustige *nd kurtsweytig« neue Li 
purg durch Vilentiu ScbSnigk, qj. 



Innl^l 



Alte IjicderiJi'iicke i 



Ach hertziges Herta mit Schmertz e 
lirosa Lieb hat mich vnibfangen har 



i ich iDich uller Fr( 



(4) Ein schön i 



} Lied ob i 



junge u Gesell I 
ichreibet , . , Augsburg Vali 



Weyb 



I sey oder nit als Aristotele« bi 
tin Scfaunigk, o,j. 

(5) Ein achSn oewes Lied: es fleugt ein kleines Waldvögelein 
der Lieben für die Thür . . . Augsburg Valentiu Schönigk, oj. 

6) UÖ15 a 53. „German poetry, 160Ö— IKll". 18 Stück. 

(5) Ein HchÖQ newes Liede / ach griias mir die im rodten Rock, 
oo, 1610. 

(6) Ein schÖD news Lied: Vnd ein Meystergesang / o Welt 
VAS ist dein MeieterBchaflt . . . oouj. 

(10) Ein BchöD newLied von der rothen Saw , dtw Laster der 
Trunckenlieit rürend . . , oo. 1610. 

(11) Ein schön neus Liedt / vonn einem edlen Jungling auss 
Armenift . . , Augspni'g bey Dauid Francken lÜlO. 

Schlusflzeilen : 
^. Johann Wartz von dei* newen Stat 

^M Dias Liedlein neu- gedichtet hat 

^B Welcher ein Mangel daran het 

Der wiss daa ich bin kein Poet, 

(15) "\'ier hüpsche weltliche Lieder vom FitK viind Federle . 



im < 



Es fbbr e 



I Banr i 






. Lb. Ö4) 
, No. 28») 



1 Holtz 

(Vgl. Ar 
i Baur ins Elsass fsren 

r(vgl. Ambr. Lb, 
Es wollt ein Fuhrmann iuB Elaaa fahren 
(vgl. Böhme. AD. Lb. Nr. 480b) 
loh ritt einmal zu BrauDschweig ausE 
(vgl. Ambr. Lb. Nr. 148|. 
(17) Zwey schöne newe Meysterlieder : das Erst wie drey 
Frawen vlier jhve Mägd klagen etc. In dem Bösen thon Hans 
Sachesen, das ander die faule Haussmeyd im frischen thon Hans 



262 



MiuTiii)fe 



7) U&15 a 54. „German poetry, lfil2— 1617-. 18 StOck, hpte. 
goistl. Lieder uud ZeitungeD, darusler 3 H eiligen legenden von St. 
Itn (lUlS). St. BlSay (11517) und 8t, Oswald (1617). 

(11) Zwey schöne lierliche Meisterlieder. 1, Auss dem Ceoto 
NouolU von dem vergifften Salvenstock im Roseotiion Hans Sacli 
i. Von der grosse» Treu der Edlen Tugeiidaammen Fi'awen zu Rom, 
die da jreu Vktter den man hungere sterben wolte mit jhreo Bri 
senget ... Tu (less Schillers HoJfthon. oouj. 

8) U517 b 3. ^Gerraan Ballade, 1617 — I630V 7 Stack. 
(I) Drey schöne newe «eltliehe Lieder von dem Kri^ 

hausen , . . oo. li!17. 

t)a ieli mn junger (ieselle war da tliet ich mich erfrew 
U5rt KU ihr Herren in der still 
Schneider ich will dir* weisen meine Kleider i 
(5) Zwey schöne newe Lieder, das ern Wilheli 
oo. 162tl. (Das aweit« geistl.) 

{G) Zwey hüpsche newe Lieder ; das erst wie MarggraflT AJ- 

hrefht Tilr Frauckfort geai^en ifl, oouj, h 

Was wSllen wir aber heben an ^M 

(der Fihndrieh, ITiland Nr. 203). ^ 

Rs ist nicht lang das ee geschah 

(liiodeasdimid rhland No. 139>. 
(i) Ein gar traurig«« IJed von einem Stndenten, «deber m 
Jabn ItiOA an bVanckfort an der Odo- . . . neb erstodMa, 
Kehr Twk wein Sed Titd trasre viAt. 



AUss aem «. ento 
on Hans Sachsen. 

Fi'Bwen zu Rom^^^ 
mit jhreo Sräait^^M 

7 Stack. ^H 
Krieg zu Am^^H 

ich erfrew es ^^H 



-I6V0*. leSOck, 



») U515 a 66. 
giistl. Liedej- und Moritaten. 

(M dt« {«yvtlick« Saauuemät l&IS. 

i7) WH IM« enlUh die EnäUn« mm altMi Gf«6Tat(>r i 
Kskelkind, vgl. OnwM UBn^M Nr. 78. 

(14) Zm9j addM K3»g LMer. das e««to ran dcM KSwg« Lnria 
vnstkaldtjien Todt. aa^>. 

tili) KU Ml»6tt MW« lied <fi* EMwvber Brack, ooqj. 

10t UU5 m M. .Gwwaa poctrr. I>^M'. M St%A. 

y\) Kinadk!« MW I..i«d tm eÜMM allen Kw bwI eisMi 
FrtwMa. Dar Thtm ww nan d«a Ball— Wh— ä^. oornj, 16»? 

(i) Bin *chiAn MW» Lied n« «inani Bntg» Anttjhl ^m1 toh euer 
BMfaräL Im IVw Z<B CoMMla «» mm Kanfli 







AJti- Lie'l'Tdj'ucke 



sehen Mus 



253 



(3) Ein achöDs Lied ich hab ein Woyb bey achtzig Jaren. Im 
Thon: Ich waias mir ein Ma_vd]ein ist hüpsch und fein, oouj. 

(4) Eia gohöns newes I^ied der Braune Stier genandt. Td ' 
seiner eygoen Melodey zu singen. Oder: Eb hatt ein M&idlein ein 
Schrei Iwr hold, oouj. 

(5) Ein gar newea vnnd Bchönes Lied / einer Bayrischen Jungk- 
fi-awen vom Adel zu Ehren gemacht. Im Thon: Wamnib wiltu 
wegk ziehf / mein Schatz, Oiler .' Ins Rulands Thon, oouj. 

Jungkfraw es ist mir leide wann ich gedenck der Zeit. 

(6) Drey achöne neue Lieder, das Erste ist ein Antwort deren 
Persohn umb welcher willen sich der Student zu Franckfurt an der 
Oder erstochen . . . lii'20, oo. 

r(Die beiden auderen Lieder geistl.) 
(10) Drey schöne neue Lieder . . . oonj. 1620. 
Gott grÜBS euch schöne Scbäferin so reine 
ADgelica die schöne Schäfrin zart 
Wie wird doch nur geschehen mir arroen KnSbeleiii. 
(II) Drei aciione neue Lieder so vormals nie in Truck ausa- 
guigen . . . oon.j. Iti'JO? 

Ach wo soll ich mich wenden hin 

IEa wolt gut Schiffer sohiffen 
(vgl. unten 15) 
Ihr Mägdlein B<:hön voUkummeu 
(vgl. unten lii) 
Und welcher ohn Gelt hausen will, 
(V2) Zwey schöne new Lied , ■ . oouj. 
AVarmub wilt dn wegziehen mein Hchatz meiu Augentrost. 
Mir wil Bchiina Lieh mein heiHz vor Schmertz im Leibe gar 
zerspringen. 
(IH) Zwey schöne newe Lieder . . . oouj, 
Yon der Foi'tuna werd ich getribeu umb 
Alein LiebeJein vnnd ich giengen einmal spuzieren. 
(14) Zwey schöne neue Lieder, das Erst von dem Burger vud 
Bauren Krieg. loi Thon wie mau den Oeiatlichen Buchsbauia 
BiDKet, üouj. 

L£in Krieg hat aich gefangen an zwischen eim Burger vnd 
Ich pasE 



loh passiert einmal alleine wol in dess Meyens Zeiten. 



(15) Zmey sehiiue neue Lieder . , . oouj. 

Es wolt gut SchitImann Bcliitleii 



(VI 



. oben 11) 



Ir Mädelein volkummen mschet euch auff die Bbd 
(vgl- 
{It'A Zwey schöne neue Lieder, das Erst die newe Jagt 
uandt . . . oouj. 

Mit Last vor weDig Tagen einem Jäger kun in Sinn 
Einmal thet ich apataieren soaderbar alldn 
(in) Der Meyer wie er sein Hanasgesind anfFweckt. 
.Ich bin genandt der kluge Meyer 
In d'St*tt trag ich Hasen Hüner vnd Eyer.- 
Uetruckt bey Joh. SehrQter I<i20 (Tgl. oben 2, t). 
U» U5I5 a 57. ,G«Tinan poetr>-, lfi21— 1«2»-. 13 : 
hpti. geistl. Inbsitä. auch Zeitnngen. 

(I) New Bohemische Venns gesangBWetsE gestelt im 'Hiod Va 
Ju vnd dein Kind lii^l, oo, 

^ 7) Newe vml erschröckliche Kornzeytung von i 
Baursmann, welcher Ton seinem Naehpanrn Koni enÜcJuen ^ 
Embs bey Bartlioleme Schnell 1623. 

(Zwei getstl. Lieder von 1621 and 1693 nnd „im 111011 ^ 
Bndisbauni-.^ 

12) U515 a 68. „Gcnaiui po^lfy . lüSO— 1690'. 12 
hpta. gaiatl. Inh. 

(10) Slampeu mü&»eu die Webcben ein scbün nev tied ^ 
BaftgeitiMg nuid Einnelunuag der Vnsttu^ Dachstein, Hntaig i 
ÜollBaa. Im Thon: «: schifFt gut Leininger vher deo 
Chrisding««. Philipp Seoberiirh, oj. 

(II) Kver wjii^ie newe Lieder, ao xomuls nie in Druck ■ 
gangva, ao^>. (Am Sehlasse steht der Nawe Ptaü Matk.) 

Bey (aath pey) mir nein Herti nha aOen Schcrti wiH | 
md gar rerderhcn, 
U lieh bia ich rarwumi Ja^[k6«« n aUer Sti 
tSl lUai m 69. ,e«maB poe^, 1«&0— ITM'. 
Mtbt hutMiMha licder 4» 1». Jahrh. 

(I> Km atMMi haügm »ahliAm Lwd. |.Miaairt d«r KSb- 
nd hrtg iH M daday n wner Er- 
gm Gasdea, ae«ü. 




All'' LiciL-irtnifke ii 



liritis. 



i Mus 



255 



(2) Eine andere Ausgabe deasBlben. 

(3) J^wey schöne neue weltliche Lieder der weltlich Coridon. 
Nun will ich niuht mehr leben mit dir o Coridon 
Ach wie unglückBelig hin ich o Coridon 

14) 11522 df 94. „German poems. HiOO— 1714". 6 Stück. 
('2) Zv/ey schöne neue Lieder: ein Klag- vnd Traurlied über 

den tödtlichen Abgang des Helden Oustavi Adolph), oo. 11533 (mit 
4stin]niigen:i Satz). 

(3) Drey schöne weltliche Lieder; das erste ist ein Diacurs 
oder Gespräch zwischen Carol Stuart König in Engel-, Schott- vnd 
IirUnrl und Olivier Cromwell, oouj. 1690? 

15) 11522 df 4. German poema, 16(18—1774'', ah einzigew fl. 
^B1. in einem Bandchen Gedichte steht 

(1) Ein schön Gespräch Lied von dem alten Kildebrand mit 
P'wiiiem Sohne, oo. 160^. 

Ich will zu Land anssreiten, ^sprach sich Meister Hildebraud 
Kiia singet alle frisch und achnell („der Schneider Lobgesang'), 

älterer Druck des erstell Lieds liefindet sich 11517 aa 26 
tfi. Bl. Nürnberg bei ChristoU' Gutknecht, oj. 

späteren Sammelbänden sind 7.a nennen 1347 a 12 und 

1521 b 36, beide aus dem Ende des 18. bis Anfang des 111. Jahr- 

■Itiinderts. Eniterap enthält viele recht volkamaßige Lieder (darunter 

[du Lied von der nchonen Bernauerin), deren ein gut Teil wol aus 

Bsterreich stammt; beinahe alle sind nouj, Jjetzteres besteht aas 

[ S, Bl., sämtlich oou,). ; die beiden ersten sind (,'ereimte FB.wungen 

■on der hl. Genovefa und der Komm and anteot och ter von 

], besser bekannt als die Sultanstochter im Garten. 

an Jahren 1805—1814 laut der handschriftlichen An- 

if dem Deckel ist eiu Band 11521 ee 28 mit 86 Stück 

welche dem Ansehen nach meist aus einer , oder veu zwei 

B^erlogsfirmeii hervorgegangen sind. Vielleicht die gesammelten 



^1«- Sagen v 
BroB ward eil 



erkung i 



to/ucke von C. L, Willig i 

Kflberhaupt einen Druckoi'l angeben, weise 

beziehen sich auf Napoleon oder 

Doischen Herrschaft. Größtenteils sind e 

Fstige „Drehorgel- Arien". Eine noch späten 

42 Stück meist aus dem Verlag von C. ' 



denn die meisten, welche 
1 seinen Namen auf. Sehr 
auf den Schlus'^ der fran- 
Lieder, und zwar schwül- 
Sammlung Ist 12331 ee 19; 
\ Wit2Bch in Waldenbuig 

Hin 1850? Hauptsächlich Mordgescbichten mit dazu passenden 

Xiiet^rn. 




5äl und 1565 im Be- 
a Jahre 1551. Bmsds 






1). Liederb&clier der Tunsetzer des 16.— 17. Jahrhnnderte. 

1536 Nürnberg: HeinrUhFincks Lieder, mir AltuB. K 2 c 2 

(GG U 33). 
1644 a) Nürnberg: SchiueltzeU (juodlibet vollst, K. 2 li 13 

tGG 11 39), 

b) Nürnberg: J. Ott, 115 Liedlein, 

sitz Faul Behama, in Prachteinbaud v 

schriftlitih ersetEt. K 2 a 7 (GG II 38). 
1545 Nürnberg: Ö. Bhau, 8ecuoduB Tomus Biciniorum , 

et inferior vox. K 2 c 3. (GG II 39). 
1549 Nürnberg: G. Förster, I TD.AB K 394 (dritte Ausgabe 

GG II 34); ri nur Dialtftiit K 395 (zweite Ausgabe GG II 

35) ; lU TDAB, die letzten 6 S, des Tenors schriftlich 

K 39S (erste Ausgabe GG 11 3t)). 
1569 München: O. di Lbbbo, uewe Teutsuhe Liedlein mit 5 

Vollst. Ä 335 (zweite Ausgabe GG U 45). 

1573 München: 0. dl Lasso, ges cantiones, sechs t«utsabe Lil 
nur Tenor. A 334 c (GG II 4(1). 

1574 Nürnberg: Alexander Vteuthal, Lieder TDAB V 
(GG II 50). 

1577 Nürnbei^: L. Lecliner, Lieder, 5 T 
(GG II 51 No. 3). 

1578 Dresden: A. Scandelli, Liedlein (wol 
der Liedlein von 1570. GG II 45), n 
Nürnberg: .1. Itegnart, Lieder, I u. II 



1 



vollst. Ä 349' 

ine spätere Ausg- 
B. A. A 407 L 

igebundeo, 



. Bibl. Berlin (zweite 



rollst.; hrsg. i 
a zweites Ext 



A 3G9 b, nur Diskant, früher in 

Ausg. GG II 4ii No. 1). 
1579 Nürnberg: J. Kegnsrt. Lieder mit 5 8t. 

L. Lechner, A 3119 c (GG II 52 No. 4); 

plar des Vngans, A 3ö9 d. 
1581 Nürnberg: A. Goasw in, Lieder, nur Diakant, A 213 (G H 54) 

oo., Nürnberg; J. Knnfel. Liedlein, nur Diskant, A 344 • 

(GG II 53). 
1583 Nürnberg: O.di Lasso, Lieder mit 5 8t., nur Diskant, A 381 

(GG II 4a Nr. 5). 

München: Regnart, Lieder, nur Diskant, A 369 e (erat« 4 

samtausg. GG II 49 Nr. 4). 
1585 München: .T. Fühler, Teutsoher Lieder XX. nur T« 

A 252 (GG n 55>. 




Ali>- Lie(]<M'>lri>cU 



I i>riri»ekpn Mus 






• 2ö7 

, A 369 g (GG 



1586 Süniberg: J. Reg: 

U ÖO No. 7). 
1588 Helmatadt durch Jftcobnm Lncium : Otth. Sigfried 
|^_^ HsrniEcU, iiewe anserleseoe tentsube Lieder xa fiinff und 
^B Tier Stimmen. T. Ä. 6. A 228 (weder bei GG noch Eitner 
^K zn Sndeo). Becker 8. 23'.i. 

^B Helmstadt: Tfaomas Mancinus, das erste Baeli weltUcber 

^^ Lieder, nur Tenor. A 29ti (G(i U öti). 

^P Nüroberg: L. LecliDer. Lieder nach Art der welschen Oan- 

eoneo. Nur setunda vox. A iii' e (GG 11 52 Nr. (i). 
1&89 Nürnberg: 0. di Las^o, neue TenUche Lieder, gstl. u. wltt. 
mit 4 Stimmen, nur Tenor, es fehlen Lieder XXVIU bis 
XXMU; A 335 c (GG II 4G Xo. c,; die zweite Ausgabe, 
erat« München 1583). 

Königsberg: Johann Eccard, New e Lieder mit 5 u. 4 8t.; 
nur Tenor. A 18Ü (GG U 53 No. 2). 
1590 Nürnberg: Frantz Joachim Brechtel, Liedlein mit 4 
11. 5 St, nach Art der welschen Canzonetten; es fehlt der 
(^uintuB. Ä 47 (GG 11 58 No. 2). 
1592 Augsburg: Adam KaBlinair, Kewe teiitsche Gesang mit 

■1, h ,1. r. St. D. A. Quillt. D 106 (QG 11 53). 
1693 Nüiiibei^: U. di Laiso, diese spatere Ausg. der Lieder vou 

löH-'J fs. obeo) findet sich nicht bei GG, Becker, Eituer. 
1Ö94 Nürnberg: F. J. Brechtel, Liedlein mit 4 St. nach .\rt der 
welschen Canzonetten. Nur Altus. A 47 b (GG II 58 No, 3). 
Nürnberfc: Valentin Haassmann, noch mehr Lieder mit 
5 St.; CnntuB, Altus, Basis. A 227 (GG U 5» No. 2). 
169& Nürnlierg: Chr. Demantius, neue teutsche wlt. Lieder mit 
ö St.; nur Cantus. A lUH (GG II Gi No. 1 1. 
Nürnberg: J. Regnart, Threni Amoruni , hrsg. Abraham 
Ratz, erster uud ander Teil zusammen in einem Bande, nur 
.\ltua von beiden. A 3ii9 i (GG II 'i5). 
1596 Augsburg: H. L. Hasler, neue teutsche Gesang nach Art 
K der welschen Madrigalieu vod Cnn^onetten; T. D. B. (.' 1)8 c 

^^ (GG II Ö5). 

^^^ Nürnberg: V. Haussmanu, neue teatuche wltl. Canxoiietten 

^^ mit 4 öt.j nur prima und secunda vox. A 227 c {GG II (10 

No. 4). 

3587 NUniherg: V. Ilanssmanu, andere noch mehr neue teutsche 

wltl. Lieder mit 1 St nach Art der Canzonetteu. Prima 







25K 



Msirij 



aecunda tertia vok. ä. 227 li (Itei GO Beoker und EitiMr 
nicht zu finden). 

Nürnlierg: 8. Hausamann, ueue teufsche witl. Lieder xii 
5 St. mit höfelichen kiirtz weiligen Texten. Alt, Diacant, 
Quint. A 237 s (bei GG Becker und Eitner nicht zu findeal. 

1601 Nüriiberg: Paul Ssrtorius, Uedlein T. C. A. B. vollatandig 
{QG II 118) D 1040. 

Nürnberg: H. G. Haiden, gantz neue luatige Tnntz und I 
lein, T. C. A. B. vollständig. fiß (GG II R7). 

1602 Nürnberg: V. HaiiBsmann, Fragmenta, uurCantus. (GG 1 
HO No. 8) A 227 d. 

Xüinberg: M.Franck, Farrago; T. C. B. (Text untersnhiedL 
in jedem Teil) C I'.>3 a (GG II «3 No. 2). 
Nürnberg: M. Franck, Tenor, Cantns, Altue, musikaÜM 
Bergkreyen. C, 193 d (GG 11 tlö No. 1). 

1604 Coburg: M, Franck, dentscbe wltl. Gesang vnnd Tantxe , i 

quintA vox; nach dem Regster fehlen die Lieder 1—7 nnd 
8-24, letztere aber sind nur Tänze obne Taxt. C 193 d 
(GG II 61) No. 5). 

1606 Nüruliei^: M. Hansaraano, Auezug qub Lucne Mu-eotü 
VilaDellen, Tenor, Cantna (GG II 60 No. 12). 
Nürnberg; J. Stade, Lieder nach Art der VillanelleD , 
Tenor. D 120 (G(i II 74 No. 1). 

1607 Nürnberg: .Tob. Jiioobi Gastoldi . . , Trioini«, lig. V. 
mann, nur CnntuB. D «5 a (GG II «1 No. 15). 



GGlT^ 

ichiedL 

^li«^H 

;e, m^P 



1608 Nürnberg: V. Hausj 
aiinge, nach Art der i 
B 98 a (GG 11 (il No. 1H|. 
Nürnberg: Chr. Demantins 
B 45 a (GG II 8ö No. 4|. 

1609 Angeburg: Andreas Berffei 
Cautua. C 169 a (GG II 71 

1610 Frankfurt: Job. Moller. ein 
(GG [1 7r,). 

1612 Nürnberg: Job. Lyttich 
B 117 a. T. C. B. Sext. (GG II 7r, No. 4). 
N'ürnberg: M. üdontiUH, mnaicaÜHch Rose n gart 1 ein . 
B 119 (GG n 71, diese wol die zweite Ausübe, e»* 
Fkft 1605). 

1613 Nürnberg: 8. Völckel, GesKnglein, Boaü. 



usiiiulische teutBche wltl. 
vimd Madrigalien T. O, I 



, Conviviomni deliciae ' 



, ThrenodJne Amatoriae. 



p' Quodlibet. Tenor, 
lusikaliscbe Streitkrnnts)^ 



• Alte Liederil rucke* im britisi^hen Muscmiui 259 

1614 Nürnberg: Job. Hess, Studentgärtleins ander Teil. Cantus. 

B 54 (GG II 74 führt nur Ausgaben von 1619 u. 1622 an), 

Becker S. 244. 

Nürnberg: J. C. H(aiden), Tenor. C 197 (1) (nicht bei GG, 

Becker, Eitner). 
1619 Wittenberg: J. H. Schein, Venus Kräntzlein, Tenor. B 133 a 

(GG II 71). 
1621 Coburg: M. Franck, Convivium, quinta vox (enth. nur 

Lieder 13 — 34, 1 — 13 waren wol vierstimmig) C 193 q 

(GG II 70 No. 15). 
1623 Coburg: M. Franck, Lustgärtlein , quinta vox. C 193 8 

(GG II 70 No. 18). 

Zum Schluss möchte ich nur noch dem Vorstand und 
den Beamten des britischen Museums meinen warmgefühlten 
Dank aussprechen für ihre Bereitwilligkeit, jede Hilfe zu 
gewähren, welche das Arbeiten im Museum so sehr er- 
leichteii;. 



Fragebogen über Tieraberglauben. 

1. Welche Tiere (Viigel , Fißche, Insekten nsw.) 
Mr denjenigen, der sie sieht, Glück (bezw. Unglück) 1 
deuten? 

2. Welche Tiere sollen dein Hause, in dem sie sind, G-H| 
(bezw. Ungiück) bringen? 

3. Welche Tiere sollen einen Todesfall verkünden? 

4. Welche Tiere sollen den Preis des Korns, die ß^ 
haltigkeit der Ernte usw. voraussagen? 

ö. Wird den letzten Komhalmen ein Tieniame beigelflj 
Sagt man, dass ein Tier durch das Feld laufe, wenn I 
Kom sich vor dem Winde wiegt? 

6. Werden Tiere (Vijgel usw.) im Hause gehalten , 
das Glück festzuhalten, um Krankheiten zu wehren usw.? 
Sollte man das Erstgesehene einer Tiergattung im Früh- 
ling fangen, grüßen usw.? Giebt es Tiere (Vögel, ] 
usw.), die man nicht nach Hause bringen sollte? 

7. Welche Rolle spielt die Farbe des Tiers im Aberglaabf 
Werden weiße Tiere bevorzugt? 

8. Gibt es Tiere, die örtlich für beilig gehalten weri 
d. h. die man weder töten noch essen darf, die 
gern berührt, und deren gewöhnlichen Namen inaa i 

9. Werden gewisse Tiere nur einmal bn Jahre, oder e 
im Jahre mit besonderen Feierlichkeiten gegessen ? 

10. Gibt es Tiere, die einmal im Jahre gejagt oder bei V« 
^dostigungen getötet werden? Oder solche, die verf 



FiTiKel 1.1 treu 



til 



oder gepeitscht werden? Oder Viigel, deren Eier mau 
aueniuiiut und zerstörtV 

11, Werden Tiere oder Tiergeatalten nmhergeführt, ins Oster- 
feuer geworfen nsw.? Werden Vögel oder Insekten 
einmal im Jahre verkauft? Werden sie gekauft, um in 
Freiheit gesetzt zu werden? 

i2. Glaubt man besondere Heil- oder Zauberkräfte zu ei- 
langen, indem man das Fleisch von gewissen Tieren isst, 
dieselben berührt oder in der Hand sterben lUsst? In 
welchem Alter sollte man dies vornehmen? 

13. Welche Tiere wendet man in der /Zauberei und der Volks- 
medizin an und zu welchen Zwecken? Wann sollten die 
dazu bestimmten Tiere erlegt werden? 

14. Werden Kuchen in Tiergestalt oder sonstige Tierfigui-en 
gemacht, oder solche, denen mau einen Tiemamen beilegt.? 

15. Glaubt man, dass die Toten Tiergestalt annehmen? 

16. Glaubt man, dass die Hexen Tiergeatalt annehmen? 

17. Welche Tiere sollen die menschliche Sprache verstehen? 
. Welche Tiere sollen Menschengestalt in anderen Ländern 

annehmen oder nach Belieben als solche erscheinen? 
Welche Tiere sollen verwünschte Menschen sein? 
19. Welche Tiere sollen die kleinen Kinder bringen \iad woher? 

, 20. Werden Märchen von Schwanenjungfrauen bezw, -Jüng- 
lingen erzählt? Oder solche von Vorahnen in Tiergeatalt 
oder mit tierischen Körperteilen, von Tiergeburten usw.? 

f 21. Spielen Tiere eine Rolle in Geburts-, Eochzeite- und Be- 
gräbniabräuchen? 

': 22. Werden Tierköpfe oder -schädel an den Giebeln ange- 
bracht, oder um die Felder aufgestellt? 

[ 23. Welche Tiere findet man als Wirtahausschilder und als 
Wetterfahnen ? 

i 24. Gibt es Kinderspiele, die nach Tieren genannt odei' worin 
man Tieren nachahmt? Werden Eierapiele, -läute usw. 
zu Oatem veranataltet ? 

l25. Werden gewisse tot aufgefundene Tiere aus abei^Iäu- 
bisohen Gründen begraben, zu Fastnacht beerdigt usw.? 



262 Thunias. Fragebo;ren über Tiei-Hberj^lauhoii 

Es wird gebeten: 

1. Jedesmal den Ort anzugeben. 

2. Auch mundartliche Tiernamen (mit schriftdeutsclier lieber- 
Setzung) mitzuteilen. 

3. Bei Beantwortung der 14. Frage womöglich die Kuchen 
selbst, sonst Abbildungen derselben einzuschicken. Zur 
Erläuterung der sich auf Frage 22 beziehenden Antworten 
sind Abbildungen auch erforderlich. 

N. W. Thomas. 

The Anthropological Institute, 3 Hanover Sq^ 

London. 



Schatzverse. 



Dem Wunsche auf 8. 157 der Alemaimia eiitapix-cheud teile 
i<ih hier mit, was ich an „SchatzverBPU" weiH. Ich habe sie sämtlich 
aus meimir Studentenzeit (Erlangen) her , doch sind sie auch voiks' 
tümlicb, natürlich mit Äusuahme des einen mit '. Also: 

Mei Schatz le a Vikarle, 
A Vikarle muaa sei, 
Des Vi(eb) ghört em König, 
Des Karle ghört mei. 

Jlei Schatz is a Trumpeter, 
A Trumpeter muss sei, 
Des Trumm ghört em König, 
Der Peter ßhört mei. - - 

Mei Schatz is a Schuster, 
Wenn i 'ii &Hchau, na huat'er, 
Und des hab' i net gwuast, 
Dasa er allweil so huat. 

Mei Schatz is a Schneider, 
Bai i 'n äacJiau, na schreit er. 
Und des hat mi net gfreut, 
Dass er allweil glei schreit. — 

Schwarz, schwarz, schwai« 
Sind alle meine Farben, 
Was achwarz is, des liab i, 
WeU mei Schatz a Scblotfeger is. 

Rot, rot, rot 

Sind alle meine Farben, 

Wa£ rot ie, des lieb i, 

Weii mei Schatz a Metzgermeister ts. 



Miedel. SfliuUvci 



Gold, gold, gold 

Siud alle meine Farben, 

Was gold is, dee lisb i, 

Weil niei Schatz a Golilarbeiter iB. 

* Schwai-z, rot, gold 

Siad alle meine Farben, 

Was schwarz-rot -gold, des liab i, 

Weil mei Schatz a Bubenrentber is. 



Feruer siehe 
H. 153, Nr. 18. 
Memmingen. 



Zeitschrift für hochdeutsche Mundarten Heft ; 



Berichtigung'). 

HeiT Ärvhivar Dr. Albert macht in der Eiol^tung 2u eeinen t 
Heft 1, 2 dieser Zeitschrift v. 1. J. veröffcntl. „Ilngedruckten Aktai 
stücken zurGeachichte der Belagerung Freiburgs 1 7 1 3" S. 79/80 ioBetr« 
des von mir zur Drucklegung bearbeiteten Werks: .Die Belagerung 
von Freiburg i. J. 17i:t" (Freibarg 1898) die Bemerkung, dass ich 
hiezu das gesamte QueUenmaterial herangezogen, indeseeu wären mir 
einzelne kleinere uuguilruckte Stücke entgangen oder absichtlich vonij 
mir außer Betracht gelassen worden, da sie für meinen Zweck i 
von nebeneäcii lieber Bedeutung gewesen. 

Ich muss diese Bemerkung dahin erläutern , dass i 
sichtlich gewisse Quellen nicht ausser Betracht gelassen worden s: 
Unter den oben erwähnten ungedruckten Quellen dUrftc Hr. Dra 
Albert jedenfalls die band schriftlichen Tagebücher hiesiger 
und Bürger meinen, welche sich im Besitze unseres Stadtarchivs be* 
finden, was mir nicht bekannt gewesen ist, als ich mit meiner Arbeit] 
beschäftigt war. 

Es sind die näinlichen Tagebücher, welche schon Schreiber { 
die Schilderung der Belagerung im IV. Teile seiner ,, Geschichte 
Stadt Freiburg" (Freiburg 1858) Kap. XXXIX N. 235— 26Ö 
wertet hat, ohne dabei zu bemerken, wo sich diese Queller 
Was sich aber füi* die Zwecke meiner Arbeit eignet, hat Schreiber 

*) DiBBe Bemerkungen werden auf Wunsch ilu'ea Verfaesers hier 
Abdruck gebracht, obwol nach Äneiclit der Schriftleiturg nicht« 
irgendwie Wesentliches durch dieselben berichtigt ist. 




r Wcij 



Ki-rl< 



265 



Toeistenteils in seine Chronik «utgenommen, und da ich dieselbe als ■ 
Quella benutzte, sa haben jene nachti'ngHch aufgefundenen Tage- 
bücher für mein Werk wenigstens auf dieaera indirekten Wege Ver- 
wertung gefunden. 

Ferner sagt Br. Dr. Albert, ich hätte bei der Anfsählung der 
gedruokten Quellen auch der im „Freyb. Wochenblatt" 17H3, Bd. I 
S. 136^143 erschienenen Skizze der Belagerung Erwähnung tun 
Btdlen. Mir ist dieaer Aufsatz allerdings nicht bekannt gewesen 
und ebenso wenig unserem Chronisten Schreiher, der Ihn sonst siclier- 
lich für seine durch den „Freiburger Adresskaleniler" 18^0 ver- 
öffentlichte und späterhin ziemlich wortgetreu in seiue oben zitirte 
Geschichte der Stadt übernommene Beschreibung jener Belagerung 
benutzt haben würde, was aber, wie sein Quellen Verzeichnis ergibt, 
nicht geschehen ist. Der in Frage stehende Aufsatz des ..Frey- 
iinrger Wochenblatts" ist ein Auszug Bua der deutschen TTebersetzung 
der Mi-moires du Duc de Richelieu, welche IT'JO in Jena ernchieo. 
Mich kann aber auch in dieaer Beziehung nicht der Vorwurf eines 
Versäumnisses treffen, da ich, wie mein Quellenverzeii'hniss H. XII' 
ergibt, die i. Auflage des französischen Originalwerks (Paris 1793) 
benutzte imd die in demselben für die Belagerung iu Betracht kom- 
menden Mitteilungen verwertete. 



Freiburg, V.K Dez. üfOO. 



Fv. 



1 der Wengen. 



Anzeigen und Nachrichten. 



Dräucbe iiod Siirii^h wörte»'! 
Munde des \'olkes geBanunett^'J 
, 1894—97. 8". 007 8. Preis.f 
, in Lwd. 11.10. M. 



Dr. Kart Keiser. 8ag«n, Ge 

des Ällgäus. AuB deu 

Bd. r. Kempten, J. Kose 

9 M., geb. in Hfz. 10.90 M 
ScUon (las ^'e^scll winden der früher üblichen fremdländiBehH 
Bezeichouiig „Folklore" und deren ErBatü dnrüh das viel adiSner 
„Volkskunde- läest darauf Bcbließen, wie sehr in ,jilngei'er Zeit die 
genauere Erforecbung deutschen Volkstuinn um sieb gegriffeu und 
alle Kreise erfasst lial. EiuzebamrolungeD von Ssgen und Bräuchen, 
Schriften über Tracliten und Hausbau, sowie zusommeiifaBBendfl ( 
Werke über deutsche Volkskunde sind in dem letzten Jahrzehnt bf | 
80 reicher Anzahl ans Licht srekommen , wie nie zuvor. Und « 
das Erfreu lieb fite dabei ist: Dem Volk selbst scheint allmählich i 
Verständnis aufzudämmern für diese Dinge. Man kann alleuthalbeu, 1 
beim Bürger vie beim Bauern, heutzutage fragen hören über Sinn 1 
und Bedeutung dieses oder jenes Herkommens, Ausdrucks, Namens, I 
und mit weit goriogerer Zurückheltuiig, ja zuweilen mit e 
wissen Redsehgkeit, erzählen manche, wenn man die Hede darauf g 
bringt, was sie noch davon wissen, wie es früher zu Vaters oder Groß- J 
Vaters Zeiten war, Ja, würe nicht die Scheu vieler vor dem Schreiben, 4 
80 würden Vereiue wie z. B, der für bayerische Volkskunde eins T 
Doch weit größere Liste von Beitragspendeni verzeichnen können. J 
Aber es ist auch an der Zeit, dass mau eifrig daran geht, dü^l 
Schatze, die noch im SchoHe des \'olke8 ruhen, zu heben, ehe ä^^m 
bei der immer mehr um sich greifenden Ausgleichung und Ve^'J 
äaehung iinwiederbringlii^h der Vergessenheit und dem Untergangfl 
geweiht sind. Eine der umfangreichsten, gediegeusten und zuglM<3ll| 
eigenartigsten Sammlungen von Volksüberlieferungen ist die ' 



^^P Aiixi-i>M itii.l Nu.')jm-Iit.'ii Sli? I 

liegandc von K. Reiser, Der Verfasser, aeibat eiu AlJgauer, der ] 
an seiDer Heimat Sonderart mit besonderer Liehe hängt , hat die ' 
große Mühe nicht gei^cbeut , viele Jahre hindurch seine freie Zeit < 
zu Wanderungen durch das prächtig grüne Gelände des alten Alp- 
gauB zu benützen, um selbst tlessen Bewohner auszuhorchen und sich 
erzählen za lassen von dem, wha sie bewahrt haben von den Tagen 
der Urväter her. So ist dieses Buch gleichsam im Wandern ent- 
standen und hirgt in sich den Hauch echter Volkstümlichkeit, der 
sich besonders offenbart in der Schlichtheit der Darstellung, die ver- 
woben ist mit einer Heilte mundartlicher Ausdrücke und Bezeicli- 
nungen. Und wie treulich muss es der Sammler verstanden haben, 
sich das ^' ertrau en seiner sonst ziemlich zurück haltenden V olles - 
genossen zu erringen ; denn wir staunen über die überraschend reiche 
Ausbeute, die der Lohn seines Fleißes ward. Es ist somit ein Buch 
geworden, das einerseits aus dem Volk l'ür das Volk geschaffen ist, 
andererseits aber auch der Wissenschaft großen Nutzen zu bringen 
geeignet ist. Es wird wol kaum eine Landschaft geben, die nach 
dieser Seite so gründlich durchforscht ist, freilich euch nicht leicht 
eine, die so viel des Besonderen bewahrt hat, wie das in fast jeder 
Hinsicht ein abgeschlossenes Ganze bildende Allgäu. 

Der 1. Band zerfnllt in 12 Abschnitte, in die nach Möglichkeit 
die einzelnen Sagen eingeordnet sind, und zwar enthält der 1. Götter- 
mythen von Wotan, Donar usw., '2. Göttinnen nnd sonstige weih- 
liehe Gestalten, 3. Eiben, Zwerge und Kobolde. 4. Hexen und 
Truden, b. Zauberer und Schwarzkünstler, ^. Naturmythen: Elemente, 
Seen- und Schatzsagen, 7. Tiermythen, M. Seelenmythen und Geister- 
sagen, II. Legenden von Kirchen usw., 10. Vermischte Sagen, 
IL Geschichtliche Sagen, 12. Schwanke, Streiche und Ortsneukereien. 
Es sind im ganzen lilS Nummern; bei jeder ist genau augegeben, 
wo Fiie herstammt. Eine Deutung ist mit fiecht unterlassen, doch 
liegt eine Andeutung für die Beziehung der einzelnen schon in der 
Einreihung in den einen oder andern Abschnitt. 

Die Brauchbarkeit wird erhöht durch Anfügung eines genauen 
Inhaltsverzeichnisses, sowie durch ein Orts-, Sacb- und Personen- 
register. Die Ausstattung ist ganz vortrefflich. Zahlreiche Bilder 
veranschaulichen meist die Oertlicbkeit, an welche die Erzählung den 
Leser führt. Ein hübsches Titelbild in Lichtdruck , von einem 
Münchner Künstler, stellt „die Sage" dar, eine allegorische Frauen- 
gestalt, der als Hintergrund die auf steilem Eelskopf das Pfrontener 
Tal überragende Ruine Palkenatein dient. 



262 Thomas. Frageb<.»jreu über Tierabeixlaiiheu 

Es wird gebeten: 

1. Jedesmal den Ort anzugeben. 

2. Auch mundartliche Tiemamen (mit schriftdeutscher Ueber- 
Setzung) mitzuteilen. 

3. Bei Beantwortung der 14. Frage womöglich die Kuchen 
selbst, sonst Abbildungen derselben einzuschicken. Zur 
Erläuterung der sich auf Frage 22 beziehenden Antworten 
sind Abbildungen auch erforderlich. 

X. W. Thomas. 

The Anthropological Institute, 3 Hanover Sq* 

London. 



.Vi.witfit "i'il Nui'lirifiitpii 269 

BnbialiaBUD u. b. weggelassen BeioV Eis Grundwort doch 
nicht. Wollte man etwa den Wegiali der PrSpoeition (stdlei 
Kamt Artikel) als Ellipse aohmeo, so würde man wol so ziemlicli 
alle filteren OrtsDamen für elliptisch erklüren mügaea, und die geui' 
' tivischeu Ortsaamen waren dann auch zugleich dativiscli elliptisch ; 
denn bei Ihnen stand sicher uraprüiiglich eia ze limn o. ä. vornn, 
wie die Urkunden, die bei vokalisch anlautenden Namen häufig 
hinübergezogenen m {vgl. oben „Mazzen") and Belbflt der heutige 
Sprachgebrauch noch bezeugen. Es standen somit die weggelassenen 
Girundwörter auch nicht im Nominativ, sonderu im Dativ, Mit Un- 
recht sind nko Streit eisfingen, Riggatehoten und Dunkertshofen auf 
S. 87 eiugereiht. Nebenbei bemerkt sind dies di^ einzigen -hofen 
und Streitelsfingeu das einzige -ingcn in dem ganzen Bezirk, -heim 
und -dorf fehlen merkwürdigerweise gänzlicli. Pna weist doch sicher- 
lich auf späte Besiedelung hin; es mag wol dort, wie ja teilweise 
auch heute noch, sehr sumpfig gewesen sein. 

Nach den einleitenden Betracbtnngen folgen vier Verzeichnisse: 
das erste 6. 14 — ^51 enthalt die sämtlichen noch gebräuchliobeo 
Namen in alphabetischer Reihenfolge mit Angabe der Gemeinden, 
ZU denen sie gehören; das zweite (S. 52 — 54) scheidet die be- 
wohnten l.)rte aus nach ihrer Zugehörigkeit zu 16 Gemeinden; 
das dritte (S. hfi — Di) bringt die zusammengesetzten Nameo 
alphabetisch geordne! nach den (108) G rundwörtern; das letzte 
(8. 65—31) macht den Veraucl. einer sprachlichen und sach- 
lichen Erklärung, wobei eine isinngemäDe Gruppirung vor- 
genommen Ist , im ganzen ^23 Nummern, Auf dieses letzte Ver- 
zeichnis verweisen die im ersteu beigesetzten Zahlen; es enthält aber 
nicht alle Namen ; diejenigen, deren Erklärung Schwierigkeit macht, 
sind in T. mit Stern verseilen und liier nicht eingefügt. Es sind 
deren nicht gei-ode viele und lauter tatsachlich meist recht zweifel- 
hafte. 

Auf diese Weise ist eine sehr gute Ueberslcht gewonnen und 
die Möglichkeit gegeben rasch ilie Htelle zu finden , an der die 
einzelnen Ortsnamen besprochen sind. Die Erklärungen selbst sind 
kurz und gut. Doch ist es natürlich eine heikle Sndie, über manche 
ein Urteil abzugehen ohne Kenntnis urkundlicher Formen, der mund- 
tvrtlichen Aussprache oder der genauen Lage der betreffenden Oert- 
lichkeit ; denn ohne solche Hilfemittel werden Benennungen wie 
Belgrad, Saflriansgut u. dgl. natürlich immer dunkel lileiben. Aber 
mit einem dadurch bedingten Vurbebalt ist es vieltelcht gestattet, 



I 



'270 



l Nin-liriflilfi 



dem \VuD»i:li Ues Verfasaers im Vorwort na eaUpreclien and t 
wenige Bemtirkungen über ein paar Namen anzufUgeu. 

Das „Köpfle" findet aich auch sonst geachrieben l'i 
(Kapf EU kapt'eQ ^ gaffen, also „Aoslugort"). 

Sack iiraucbt durchaus kein Tal zu sein; an der 111er gibt 
mehrere lan JzungeniihnliclieVorHprünge, die wegenihrer Form so beißi 

Aspach und lOspach mit den ZuEammensetzungen hat 
mutlicli mit der Kape gar nichts zu schaffen ; es ist doa mnndart 
Eschbe lautende Wort (zuweileo aucii Eapan geachrieben], das 
□iciit zur (jemei Ddemark gehörige, von einzelnen als Weide bei 
Flur bezeichnet. 

Die Flohwies« mag wol gleich dem Fluhacker an 
^Fluh" gelegen sein und 

Uörrenbach vi'ie Hyrenbach ursprünglich hurwin bach (' 
sumpfigen Bacii) icelautet haben ; demnach .im Hy ren" = im 8 

Für Hoireu müssle es nicht schwer sein, eine alte Form 
tiuden; so wie das Wort gesprochen wird, scheint es aus hoiwi 
entstanden (alaro. oi = ahd. öu, Wemh. alem. Gramm. S. 107) 
wäre es eine Bildung wie Sciltarun, Zidelanm, Harderen (Herdat? 
bei Freiburg) nnd = bei den Heuern. 

Oberreitnau heisst 800 lietünauwia; hat also als eraUn 
Bestandted offenbar einen P. N., etwa fi.ado. 

Die Flurnamen „im Ämseler Fugler" usw. sind echte £lli] 
bei welchen in. E. am einfachsten „Feld^ zu ergänzen ist. Sie fii 
ihre Entsprechung in Ackernamen wie in dem Altheimer u. ä. (Moi 
Boic. XX_II, 4711. Das gleiche gilt auch von der Bezeiclmnag Ke 
der Holhaioinun (S. 8~). Ich halte dies für eine Wiesenbeneunung, 
wie sich deren in den Mon. Boic. etwa 3ö finden, z, B. die h&i'nerin, 
hofmenoin, schreiberinne usw. In beiden Fällen tragen die Fluren 
den Namen des Besitzers in eigentlicher Zusammenaetzung, also: im 
Feld des Ainseler. Vogler, Altheimer, die Hatuer-, Holbein in wiese. 
Von diesem Gesichtspunkt aus wärea die (iruppen fi — 8 auf S. 87 
211 einer Kusaram anzufassen. 

Abgegangene Namen des Gebiets sind nicht angeführt; der 
Vertiaaser will sie sich für später sparen und dann auch Belege lu 
den bisher behandelten bringen, eine Arbeit, welche das vorläufig 
Geleistete erst in höchst wünschenswerter Weise ergänzen wird i 
nach dem so wol gelungenen Anfang aucb einen guten Fortgi 
— hoffentlich in wicht zu ferner Äeil — erwarten liUst. 






Memmingen. 



.). Miedel. 




A[]j 






chcbe 



71 



Gedichte 



GnstaT Troekeubrodt. 

ia Asch äffen bui'ger Mundart, AschaffenbuTfr, C. Krehsaehe 
Bochhandlung (WUh. Hausmann 1. 1900. (VTII «.) 58 S. 
— DaEselbe. Zweite vurmohrte Auflage. Mit Zeichnungen 
von Adalbert Hock. Ebenda. 1900. (X.I u.) 72 S. I.SO M. 
Wenn in unserer, der Dialekt]ioesie im VersgewoDile niclit elien 
Hhermäfüg güuBtigen Zeit ein Büchlein obigen Titels binnen weniger 
■Monate eine zweite Auflage erzwingt und es dor Verleger noch dazu 
wagen kann, trotz iler dabei erfolgenden Beigabe vortrefflicher each- 
gemäßer Bilder beim era tan gesetzten billigen Preise von l'/j Mark 
la beharren, so muss doch etwa» mehr als durchschnittliche Spiege- 
lung alltäglicher ^'ar);;änge dahinterstecken , wie sie in den aller- 
ueisteu mundarllicheti Ergüsseu heutigen Datums begegnen. Die 
JUcheberger Spruch'" Gustav Ti'ockenbrodls sind samt uud sonders 
eigenes GewÜchs und zwar äuge □ schein lieh ohne Anlehnung an so- 
gtaannte berühmte Muster entstanden. Schon deshalb verdienen sie, 
pm abgesehen von ihrem grossen Geschicke in dichterischer Ans- 
prang volksmäßiger Stoffe, hier nachdrücklichen Hinwab: ist es 
doch echte und rechte siid westdeutsche Art, die in diesen flinken 
Stropheo und frisch blutigen Schnurren zur Geltung kommt, sprach- 
lich sowol ala hinsichtlich der Stimmung. Des Verlaasers , eines 
lUctitspraktikanteii, der mit den natürlich rdhlenden Schichten seiner 
«ngBtfln Landaleute dauernden Zusammenhang aul'recliterhielt , Vor- 
"irt äullert darüber u. a. : „Ein gemütliches und heiteres Völkchen 
»t IG, das an der äul^ersten Nordweatfifrenze des diesseitigen Bayerns 
in dem prächtig gelegenen A»chaffen1iurg, im Volksmuud kurzweg 
AKheberg genannt, seine Heimstätte aufgeschlagen hat' und epricbt 
acfa danach über die Mundart uud das ihr mannigfach entsprechende 
"Ssen des sie redenden Volksbrucbteila aus, in welchen beiden die 
rtinopfälzer Anklänge vorwiegen, ein Bodensatz der langjährigen 
Zugehörigkeit des Fürstentums A schatte nburg zum Erzritlfte Mainz: 
il« letzteren kurfürstliche Regenten, so aucli der letzte der Reihe, 
Mberg, wählten mit zahlreichem Ingesinde das geschützte Aschaffen- 
liiirg am hohen rechten Maiuufer gern zum vorübergehenden Wobn- 
»it», aolgedi-ungen auch für weitere Frist. So hielt eine Fülle sprach- 
licher Eigentümlichkeit, desgleichen von Volkstum und Sitte ver- 
Mhiedensten Schlags am Rande des Spessarts Einzug, der mau noch 
jM ihren rheinischen Ursprung deutlich anmerkt : .Määnzer". 
rPilzer" Wort und Brauch flössen gleichsam mainaufwärts. Diese 
ftnelnde Tatsache liisst sich durch allerlei bezeichnende Ausdrücke 



i 



I 



272 Ai.i'.'iir.'ti (iml Naihii,.|it..|i 

lind gi-ammatiscbe Erscheinungen, die Trockenbrodt feinBinnig 
oder in — unauffälligen , doch germaüiatiacb beachtenswerten -— 
Fußnoten anmerkt, klipp und klar belegen , auch uhue dusa mau 
unaerea volka- und sprachkundigen Dichtera einleitende Bemerkungen 
von vornherein annimmt oder Beinen höclist humorvollen, selten emat- 
tönenden Mnaenkindern den mal3ge blichen Eiuflusa Jener main-rheini- 
schen Karnevalatiidt auf den Kopf zusagt. Eine zugleich üh( 
anmutige wie dem Forscher lehrreiche Gabe, jedi 

Aschaffenburg, Ludwig Frankel. 

Dr. Airred Uaft:pl.>4 lange. Süddeutst^hea Bauernleb 

Mittelalter. Leipzig. Verlag von Duncker und Hi 
blot 1898. (VI u.) 2i>8 S, Gr, 8". 5.(50 

Diese ilberaus gründliche , atellenweiae taat erdrückend aioif- 
i-eiche Arbeit hat, obwol aua gerraanisti scher Feder, biaher bei den 
Historikern mehr Teilnahme erregt. Wenigstens zähle ich in deren 
Fachzeitacliriften eine Keihe, zumeist eingehender Anzeigeo, voran 
von Th. Knapp, histor. Ztschr. N, F. 4S. Bd., S. 500— S02. und 
Allrert. :\litteilungen aus d. hiator. Litt. XXVll, 4. Heft; dann die 
knlturgeschiulitlich nachprüfenden Referate von H. Jnntzen, Beilagt 
Allgem. Ztg., 1898, Nr. llS, 8. fi f.; 0. B(renner|, Mittlgn. n. Um- 
fragen znr bayerischen Volkskunde, 1898, Nr. 1. S. 4; v. B(elow?), 
Litterar. Centralbl.. 1898, Nr. 30. «p. 1130; G. Grupp, Allgemi 
Li tt erat ur- Blatt, 1900, Nr, 2, endlich ein Anonymus in den Grenzboten. 
öT. Jahrg., Nr. 28, S. 49— &8. Sonderliche Begeisterung für die 
von Hagelstange redlich bepÖiigte harte Strecke entdeckt man frei- 
lich darin nirgends, wol aber Vorwürfe von Lücken betreffs ganzer 
Gebiete oder bedeutsamer Einzelheiten; einer, v. B., tadelt nicht nur, 
wie andere, die Darstellung in formalen Dingen, sondern behauptet, 
viele Flüchtigkeiten liefen unter, keine Frage werde gründlich er- 
wogen, daa Ganze sei keine selbständige Untersuchung! Inabesondere 
vermiaate ich deutsch philologische Berichteratatter mit Hinweis auf 
das erkleckliche Material, das H. neu oder dui-ch Vereinigung älterer 
Forschungen aufspeichert. Das Blatt hinter dem Titel tragt eine 
Widmung an des Verfassers „hochverehrten Lehrer" Moritz Heyne, 
unter dessen A«s]iizien die Ergebnisse H.s wol entstanden und behufs 
Promotion approbirt wurden, und obzwar man die Arbeiten der 
Schüler dem T.ehrherm nie aufs Konto aetzeu soll, konnte ich jenes 
absprechende Urteil ilber eine deutsch-antiquarische Sammelarbeit 
fieynescher Flagge nicht vingeprüft annehmen. Fern liegt mir eine 
Ehrenreltun;;, zumal jene Angriffe auf andres z 






i 



AjiKeigi-n iimi Nni'brii-lileii g73 

betülti't. Xur der Gerechtigkeit iqubs Ausdruck gegeben werden, 
insofern als die Stic]ilmltig;keit der kulturhistorischeii und, wie es 
V. B. andontet, der „lirenzboten" -Artikel auszuführen versucht, 
a&tionBlökonoiniBcheu FolgeruogeQ der weitschichtigen H. sehen M&- 
tei-i&lieu für uiia im eiazeluen aulter Betracht bleibt, statt dessen aber 
die letzteren seihst in den Vordergrund tieten. 

Diese Stoffsammlung, aus der mosaikartig die Auseinander- 
setzungen erwachsen , fuiit auf einer sehr rühmlichen Belesenheit 
und tfmsiuht, und diesen Eigenschaften H.a gebührt um so melir An- 
erkennung, als heutzutage gerade die beliebten Knlturskizzen und 
Schilderungen aus dem soäalen Leben unserer VorfHhren, wofür 
Q na tav Frey tags unvergleichliche „Bilder" leider arg Schule gemacht 
haben, „schnell fertig mit dem Wort", niimlich dem der benutzten alten 
Texte, sind. Im Gegensatze zu unzäiiligen Sudlern, auch manchen 
Jungern der beiden Rufer im Streit, was ältere deutsche Kultur- 
uiid Wirtschaftsgeschichte anlangt, K. Laniprecht nnd G. v. Below, 
hat H. außerordentlich peinlich die ausgedehnten Triften dei' 
direkten und indirekten, der belletristischen, urkundlichen und doka- 
mentoi'iBcheu (Quellen abgegrast. Wieweit er daraus Schlüsse und 
zwar seine Schlüsse zu ziehen Grund hat, kümmert uns hier nicht, 
weil wir nach der Kelir.seite schauen: was springt für die Erkennt- 
nis der UtterariBchen Denkmäler heraus, die H. zum NährbcMien seiner 
Ableitungen wählt. Und da halte ich mit einer persönlichen Er* 
falirung nicht zurück ; zwei Artikel , die ich vor Erscheinen des 
H.schen Buchs für die .AUgeraeiue Deutsche Biographie" bearbeitete, 
Wemher der Gürtner und Heinrich Wittenweiler, würden mannigfach 
anders aussehen, falls sie von seinen Zusammenstellungen noch hätten 
zehren können; die am Ende des zweiten, A. D. B. 43, ÜKi, in der 
Korrektur nachgetragenen Seitenziil'ern H.s enthalten mein Bedauern 
über dos „zu spat". Und wie er diese zwei typischen Literatur- 
werke, „Meier Helmbrecht" und ,Der Ring", vielseitig beleuchtet 
nnd mittelbar erläutert, ko zehren Neidhart nnd Seifried Helbling, 
neben dem „Ring'' sein Seitenstück und ZwUlingsgedltht „Von 
Metzeu Hochzeit", die älteren Fastnachtepielc übergenug von den 
rastlos beiordnenden Betrachtungen. Ein \''orzug zeichnet ihn dabei 
vor den meisten Germanisten aus, die dergleichen Realie nstudien in 
Angriff nahmen: die umfängliche Durchsicht und Aussch lach tun g der 
prosaischen Niederschläge zeitgenössischer Volksansciiauuugen , der 
Gesetze, Rechtsbücher. Weistümer, dazu H.s eifrige Nnchfroge bei 
den vielen Aufsätzen und Notizen cur aitdeutscben Kultnrgesohichte 



Aii^'l) 



I Xlll-Illir 



seit (leren Beginn vor rund 50 Jahren: ein schönes Zeugnis VOD Qe- 

wisse nhal'tigkeit und UrteiUrähJglteit, <laas er dn den kundigsten Ger- 
nianiatun unter den bezüglicfaeu Forschem . Karl Weinhold , «ra 
häufigsten und nachdrückliübsteu anführt. Betrefl's Herkunft seiner 
Materialien läset sich (mit Knapp a. a. M. S. 501) nur die öftere 
Verwendung spaterei- Belege aua dem Keformation^eitalter, sogar 
aus dem dreiUigj ährigen Kriege und danach, hie und da A'ermiacbung 
älterer Daten aus der hölischen Zeit mit jungem bis ins 1 7. .Ishr 
hundert rügen'). Doch braucht H. aolohe spätere Tatsuchen immer 
nur beiläufig, nie stützt er den Kern der Behauptungen darauf; maa 
kann in der unermüdlichen Zufuhr von Parallelen bUbsche AnEatze n 
vollständiger Entwickelung des Themas sehen. Für die Forschn 
auf den Feldern mittelhochdeutschen Schrifttums bleibt der durc^ 
H. dargebotene Sachkommentar zur bäuerlichen (iattung Hauptsache; 
er illnstrirt deren sämtliche erwähnenswerten Erzeuguisse, mögen ät 
ritterlicher, geiBtlither oder bürgerlicher Herkunft sein, und luaiAl 
frübere kleine IJ eh ersieh teil wie A. luowraclawers Brealauer Gym- 
nasial programm .Meier Helmbrecht von Wernlier d. G-, eine Qudle 
für deutsche Altertumskunde" (1882), künftig eigentlich überaus^. 
Eb fallt weder auf nooh beeinträchtigt es die Abgeauhloasenl.eil 
der Untersuchungen, dass H. sich auf das süddeutsche Bauerulehen 
beschränkt, wo er die VerhältniBse des Standes vergegenwärtigen 
will, der in jenen Zeitläufen des eigentlichen Mittelalters den vierteo 
unserer Nation abgab. In Oberdeutschland pulsirte bis in die 
Anfänge der Neusieit das kulturelle und gesellschaftliche <Tetriebi> 
des Vaterlands viel schneller und heißer als in Mittel- und gar in 
Norddeuts clil and , kein Wunder drum , dasa die Ueberzulil der ber- 
Kureobnenden literarischen Werke süddeutschen Ursprungs ist. Dt- 
bei hängt H. aber keineswegs einseilig, was sein Gemälde irQbeii 
würde, an bestimmten Landschaften, sondern blickt fortwährend nscl 
benachbarten Gegenden, wofür Belege zufliellen, aus. Er darf da- 
her getrost die knappe Einleitung mit der Erwartung beenden, seliie 
Auslassungen ließen sich, auHer dem im Gerichtsverfahren mannig- 
fach abweichenden Westfalen, ■ auf andere Bezirke übertragen. Der 
erste Satz dieser 1 7 zeiligen Einleitung klingt in Anbetracht der 
überaus ei^ebnis- und gehaltreichen Leistung zu bescheiden: -Die 
folgenden Blätter enthalten einen kleinen Beitrag zur Kennt uii 



') Z. B. 8. 81 Aura. 4. Pisohart, S. 
von Wolkenalein ; sieh l)esDnderB S. 89 An 



i Sachs neben Oawal 
1 Beispiel dafür. 



^^^^H nn<\ 275 

4]entschen Bauernlebens im Mittelalter." Wir Buhreibeu H. das 
VerrUenst zu, die Lage der ranligelilichen Ki-eiee deutaclier Bauernscball 
im Mittelalter auB der Gefiamtbeit der literariscben Unterlagen 
leb eUB voll verdeutlicbt und zum VerBtändniase der letittereu eine 
große Meoge willkoiinneDer Erklärungen geliefert zu baben. Die 
fUof Abschnitte, die soziale Lage, Familien- und Wirtschaftsleben, 
Gerichts- und BeamteDwcsen, Feste und Vergnügungen handelt er 
mit gleicbmäliiger Liebe ab und hinterläHst nachfolgenden Arbeitern 
einen festen Stuek, um dafür Ergänzungen und B erlebt igun |j;en '^ an- 
zufügen. Man wünscht ja mancherlei anders gefasst, sähe gern die 
Gegenstände der Volkskunde genauer herückeichtigt, vermisat schwer ein 
Register zu den verzettelten Einzelheiten (in England und Frankreich 
wäre oliue ein solcbee ein Buch dieser Art schier undenkbar), könnte 
auch einige ältere — z. B. Job. Bolte, der Bauer im deutschen 
Liede, Acta Qennanica I, 3 (1890) — und mehrere neuere ein- 
schlägige Sonderarbeiten ") binzuitiehen. Das soll uns jedoch nicht 
in offenem Lobe des ^'oll eindrucke beirren , der für uns im ge- 
eamraelten uud auageijchöptten Stoffe ruht. Wir messen den sach- 
lichen und pragmatischen Gesichtspunkten, wie sie H. mit beneidens- 
wertem Fleiße aus huuderten und alierbunderten von Fundorten auf- 
geklaubt und sauber angeordnet bat , einen viel unverächtUchereu 
Wert bei ah jener Referent , — tt — ' von G, Eatzingers „Forschungen 
Bur bayerischen Geschichte [des Mittelalters]' (Ifi97) im „Litterar. 
Centralbl." I8il8 Nr. 33, Sp, 1226, der zu diesem, im übrigen freudig 

I begrüßten Bande bemerkt : „Der Abschnitt , Bäuerliches Leben im 
13. Jahrhundert' wäre besser weggeblieben. Die Schilderung ,böfischer' 
Piuliter (.Werner der (iärtner' sah als Geistlicher gewiss auf die 
iBaueru herab!) liefert unseres Erachteus ein Zerrbild der Tat- 
' ') Aus KürschnerB Litteraturkal ender für J900 (Sp. 499) ersehe ich, 
&t* H. sich am Germaniacheu Museum zu Nürnberg befindet ; aus eigener 
Tätigkeit daselbst heraus erwarte ich, daas er das verachiedeti artige dort 
vorbaadene Material zusammenträgt und uns das Bild Reiner Buchdar- 
•telluDg .retuschirt', vielleicht in die farbigen Uenennieu des Bauerudaaeins 
im 16. Jahrhundert hinein fortsetzt. Dazu gewähren ihm dann auch die 
nahen fränkischen und scbnäbiBchen Archive groliartige Hiirsmittel. 

*) Emil Stutüer, DeulBche SozialgeBcbichle, vornehmlich der ni'uesten 
Zeit (Halle r. 8., Waisenhaus, 1898) an vielen Stelleo (e. Register 
S. 363 f.). bes. 8. 61—8» ; G. Grupp, Die ländlichen Verhältnisse Böhmens 
«eit dem Ausgang des Mittelaltere : Hiatorisch- politische Blätter. 121. Bd., 
' 10. H., 8. 637-717. 




•27t\ 



»■l Na.hricliU'11 




«acben. Es ist nicht xu begreifea, wie derartige Qnelles van ffi- 
'^torücem besonderer BeftchtUDg gewünligt oder gsr in ansführlichcr 
Weine wiedergegeben werden, wie dies bei Bfttzinger (S. 54& f.) am) 
Michael, Gesch. d. dtscb. Volkea I, S. Gl — 85 geschieht ')." haeata 
wir diesen un literarischen EeriTi, der wol G. Freyt«g heute scliarf 
darüber obkanxeln würde, wie man , Bilder >us der deutschen Ver- 
gangenheit" aehreiben muss, im YoUbewusstsein seines kritischeD 
OewiaeenH und räumen wir der ehrlichen fimügkeit A. Hagebtang« 
das Pi^dikat ein, das ihr unsereneitd allein geziemt: höchst erfolg- 
reich l'iir Ausbeute und Auihellntig deutficber mittelalterlicher LiterK- 
tur und Kultur, voran des Südens und Südwestens unseres Vater- 
lands, und mit dem Bcbwei'punkte auf der Seite des Volksmäliigeii. 

Ascbaflenburg. Ludwig Fränkel. 

Leonh. Müller. Badische Landtagsgeschicfate. IL T«U: 

1820—1825. Berlin, Rosenhaum & Hart, 1900. Gr. 8". XI. 

348 S. mit 2 Bilduissen. Preis 4.&0 M.; geb. in Leinwaiifl 

6 M. 
Mit großartiger Ausdauei' hat Leouh. Müller nu der Weiter- 
führuiig seiner badischeii Landtagsgeschichte gearbeitet und nun Bucli 
deren U. Teil, die Jahre 18-20— 2ä umfassend, bereits fertig gestellt. 
Nachdem wir dem I, Buche (oben 8. 1T3— 82) eingehende Auimorksam- 
kät geschenkt haben, können wir uns bei dem vorliegenden IL kfiner 
fassen, zumal da es in Anlage und Sprache, in Form und Farbe 
dem L so ähnlich ist wie ein Ei dem andern. 

Aach hier nehmen wieder , wie ans der verschwenderischen 
Fülle des Kleindrucka und der (Jnnsefüßchen auf einen Blick ersicht- 
lich ist, die wörtlichen Anführungen, Inhaltsangaben und Ausüge 
aus ßeden, Kammerberichteo und Denkschriften, aus Zeitungen and 
Büchern weitaus den breitesten Baum ein. Mit seinen eigenen Ge- 
dauken tr'itt der Verf. bescheiden zurück, um den ganzen Schwung 
und alles Feuer seines Geists in Schlagworton und Kraftsprücbeo 
blitzen lassen zu können. Das Gnnze zerfallt btolt wieder jn & Ka- 
pitel, 13 Hauptabschnitte, 37 Abschnitte, 45 Unter- und 27 Vater- 
utiterabacbnitte. Den „Kampf mit dem Innsbrncker System in der 
11. Kammer" z. B. hat er in b Akte zerlegt, aus denen wir folgende 

') ^'gl. datregcn über diese quellentreuen o^ijcktiveu .ibhandlungva 
des Bauern kenn ers und BauemfreundB Katzinger Kl. i. d, „älänt;h. Neuest. 
Nachr.- Nr. ^8 v. 19. Jan. 1888, S. 2 Ib. meinen Artikel über 
„Biograph. Jhrheh. u. Dlsch. Nekrolog- IV 24T}. 




Auftritte hervorheben ; „Liebeiisteiii güit Winter eine Lektion, wie 
man in einem konstitutionellen Staate Regirungs vorlagen 711 vei'- 
treten habe'' — „Das Kecht der Mitwirkung (wessen V) Lei der Ge- 
sefagebung wirii in Frage gestellt" — „Ein alarmirender Bericlit" 

— -Die Kammer untersoheidet zwisciien Regent nnd Kegining" — 
„Das Recht der Steuerbewiliigung wird in Frage gestellt" — „Metter- 
iiicli schleudert den Bnnnutrahl gegen die süddeutschen Liberalen* 

— „Liebenstein nimmt den Fehdehandschuh auf" — „Der offiziös» 
Fresäknecht wird in eine Kaltwasserbehandlung genommen" — „Eine 
tragische Ironie" ^ .Die Katastrophe", 

Wir glauben zur Erheiterung unserer Leser auch aus dem 
II. Teil der badischen Lsndtsgsgcschichte eine kleine Blüteulese 
jener wunderbaren Bilder , Szenen und Tableaux veranstalten zu 
sollen, mit denen Leonliard Müller sein Werk wie eine Köchin ihren 
Gugelhupf — um bei der Sprache seines Geschmacks zu bleiben — 
mit Bosiiieo gespickt bat, Hier nun legt ein „k. k, Hofrnt", den 
es gar nichts angeht, .die Axt an die Wurzel des Inndstandisclien 
■ Lebens" (S. 4), dort wird in das „Freiburger Wochenblatt" „ein Ei 
gelegt, aus dessen Inhalt Gedanken wiedergegeben werden" (Ö. 17). 
In der Kammer, in der alle Motionen „entweder ganz auf die Seite 
gelegt oder auf die freie Zeit vertröBtet , d. h. auf die lange Bank 
geschoben" werden (S. '21), apielt der Herr v. Berekheim „mehr 
die Rolle einer älteren Gardedame, denn eines Sprechministers ' 
(das.). Schlachten werden in der 11. Kammer jetzt keine mehr -le- 
schlagen. Es gibt nur nocti .lebhaftere Gefeahte" uud „kleinere 
Scharmützel" . da ilie Regirung nach Leonhard Müllers genauer 
Informirung nur noch ein einziges Geschilt» besitzt, das der Herr 
V. Berekheim „wenigstens in der Nähe abzufeuern den Mut hat" 
(S. Sl). Als aber .der gefürchtete Liebeustetn" sprach, ..die alte 
Garde wieder den Schlachtruf ihres Führers vernommen Jiatte, eilte 
sie auf die Stelle, wo die zerschossene Fahne von anno lü webte" 
(S. 32J. Doch o weh, die Reihen der alten Gardisten sind stark 
gelichtet, ihr Heldenmut ist gebrochen : der Abgeordnete Fecht ist 
nicht mehr „wachliabender Üf6zier des Freisinns', sondern hält lauge 
„salbungsvolle Reden" ('daa.), und Freund Fries spricht schon .mit 
vor Rührung gebruchener Stimme" (das,). Die Angriffe, welche 
jetzt gegen die Regirung geschleudert wurden , „entbehrten jener 
vornehmen Kampfesweise , die nicht bei jeder Blosse des Gegners 
zu einem Lany.enstosse ausholt'' (S. 3:>). Nur „Ludwig v. Liehen- 
I stein stand nacli wie vor auf der Höhe echt stsatsmännisclier Oppo- 



^_ sKtn sianii i 



SIS 



Ataeigm m-l Xacfaririitcn 



ntion. IHe KaBmemwjorität dagegen bot die«Bu] cjn wo^ t 
lidiM BiU. ZeitwcDiae Int eine fnnnliche Entzwctimg m m u i k ai ■fcC'J 
und der bislKrigeii Fübnuig ein* [S. 101 — gnun to wia 
jeJter bei dea PräHnnigeti zogegvigen bt: beute liberal, 
rMktiouär. Doc^ nnr noch kurze Zeit. himI auch Held I 
— er kannte MÜie Pft[rp»ibeiin«r ! — .gUabte gkh anf den 8laiid- 
pimkt dei [saktifclien (remüiiftigeD ! der SetKerlebriinfrl Stall iww 
und Geaetsgebers atdlen (d. b. auf dentscfa: ,d)e alte tavAnmvmn 
Fafaae dea yortielirittB'' rerlaasem zn miuBen- '8. 49): er .fordvlc 
die Abgeordnet CD auf, der Regimng ihren Dank za Fü&eo zn kgot' 
(S. 52). Wie goatroU und lieblich ist doch diese Scbwenbuig dea 
tmbesbwfclkbeD freisinnigen Kammerfnbrei^ markirt! Ihr Hofhiatorio- 
grapbcii, da könnt üir lernen ', Wie selbstrerBlÄDdlieh c 
Lä^wmteiiw Bentfiing ins Ministeritun die .Weise, 
ihm die öffentliche Stimme nichts ronrerfen kann, Toa d^ tisiirigai 
Loae (der FreJaTniigen ! ) befridt za aein, den Steän dea S^^pfaH ■ 
amräliea imd da« ewigleere Faas der Danaiden m füllen' (8. 10! 
.Die VcdkETertretnng — man beadite dicae feine Charakterialik i 
freifliBDigen Vol ks f ertr etnng ! — die fuhrerlos, 
IntereaMDsUndpnnkt bdierr^ht, zwischen der HofMione and dea-J 
AoflÖsnngsgespenst umherirrte , iraponirte ihm nicht mehr* (das.). 
So &Bd akli leicbt .die Basis für eine frenndliche Aonähening* 
an den badixlien Mettemicb von Berstett. Kein Wunder, d»a 
^dieav Schritt im Lande — zo einer Zeit, da man die Häatongien 
des ^«aimiB nocJ) nicht so gewohnt war — daa größte Aofadten 
erregle*. Aber Herrn *. Liebenstein lieS das kalt, wie er ,un 
21. Februar 1821 kvn ror seiner Uebersiedelang nach Karisnibe 
.aa dea treoa^leD der Treaec , an seinen Dnttlinger schrieb*, dsss 
a Kammerherm und .anf die leitende Steile des 



Jnstiadepartcfflaefits jedem Verständigen andenten dürfte, dass gewisae 
Laote anders geworden sind and einsriien lernen , dass sie aof Irr- 
wegen wawn- (S. I0y>. 

Audi in der I. Kammer, in welcber .das sehr geehrte mad ge- 
lebrte Sittglied d«e hohen Haa£«s-. Karl von Botteck. ,als Proto- 
kollf&brer, Hotionsteller, Berichterstatter und D^batto" n^aich 
■One Vie^itigkeil bekundete . den Mond immer am weitesten anf- 
that nnd so .ffir interesaauta Diskussioiien- sovgte (S. ^7) — , auch 
in der I. Kammer stand di« Debet!« längst nicht mehr anf der voa 
Leonhard Müller gewünschten Häie, so das» Rotteck auf einen rer- 
ständieeo Rücktug bedacht war. Wi« Ijebenstein in der U., 





Aiineiiii'ii null Niii 



279 



I 
I 



.erteilte er" in der I. Knmmei' .den W es etzeiit würfen aeiu Flacet, 
wenn auch niuht aüea seiner reineu Theorie entsprach" (S, G8). 
Ganz „mundtüt konnte er jedoch auch durch den Machtspruch des 
Ministers nicht gemai'ht werden" (S. 72), .Die Diskussion, welche 
sich an den farhloaen servilen Konimissiousbericlit des Abg. Joh. 
Peter Hebel, Mitglieds des OberzeuBiirkoUegiumB. anachloBs, wurde 
wieder durch Rotteck auf eiue würdige Hithe gebracht, Wotweislich 
fa&tte er \iei der Begründung seiner Motion es vermieden, gleich seine 
besten Patronen zu verechieiien; um sa gründliclier konnte er jetzt 
dem Staatsrat Baunigärtner lieimleuchten . . ." <das,|. Indessen be- 
gannen, trotzdem sich auch die II. Kammer seihst -von dem Suhrwen 
der Wirte, Krämer, Bäcker und Metzger nicht imponii'en lieft", die 
überspannten Forderungen des Freisinns fast nach allen Richtungen 
ziemlich kläglich zu scheitern. Her um diese ^eit erfolgte Tod 
Llebensteins gibt dem Verf. erwünschte Gelegenheit, das Fiasko 
der Partei durch eine überschwän gliche Apotheose seines Helden 
zu verdecken. Mit dem Ausscheiden Liebensteins aus der Zahl der 
Abgeordneten liatte der Landtag von 1822/23 vollends alle Schneidig- 
heit verloren. „Es schien jetzt der gute Engel der Verfassung durch 
das Land zu gehen" (S. 111). Statt gegen die eigene, .schleuderte 
Liebenstein noch eine fulminante Rede gegen die franzöBiecbo Kam- 
mer" (S. 14.*(|. Mit dem Feuer in der Kammer geht Leonhard 
Müller auch das eigene Feuer aus , und er verliert sich in immer 
längere Auszüge aus dem zeitgenös tischen Material , stets mit der 
schönen Wendung: «darf in unserem Zusammenhange nicht fehlen", 
oder: .eine kurze Disposition — S. IbH umfasst eine solche nur 
8 Seiten in Petitdruck! — mit Anmerkungen unter dem Texte 
dürfte am besten die Leser orientiren" (H. 156, 168, 1IS<> u. 6.). 

Ks folgen noch einige unschuldige Atteutate und zuletzt „eiu 
Keaaeltreiben", ja .eine förmliche Jagd auf die Verfassung". .Lieben- 
stein vreilte während solcher Dinge bei seineu Freunden in Emmen- 
dingen und Lahr, probirte den neuen Kaiserstühler und saug nach 
alter Väter Weise Studentenlieder dazu" {S. ItiS). Nachdem uns 
Leonhard Müller auoh über das „Gelächter-' und über das .altge- 
meine Gelächter" in der Kammer noch hinlänglich unterrichtet hat, 
schließt er den Landtag , diesmal allerdings nicht wie anno 20 mit 
den verlockenden Schlaglichtern; .Ahschiedttworte. Tafelfreuden. 
Ordensstenie". Hiegreich war auch diesmal die Regirung, die Leon- 
hard Müller nicht bloß .jbundestäglir.ber als der Bundestag" (S. 75), 
sondern seU)st „päpstlicher ala der Papst" (S. 3£l) zu achildei-n weiB. 





280 



ikI N'.u 



ii-bi-i 



I 



Sonst int der StU Müllers durchaus kraftstrotzend and geistituiltelnd. 
Mit Vorliebe läset er die Abgeordneten .die Hand Auf die Wunde 
der RegirUBg legen" (S. 'iT, 75 u. ö.). 

Die grüßte Meisterschaft jetloch entvrickelt der Hoftiistoriograph 
des badischeD Freiäinna fortgesetzt im Portrntireu von FereöitUcb- 
keiteu. An die Stelle des Geh. Hofrats Thibnut war 1820 als Ver- 
treter der lltiiveraität Heidelberg der Geh. Hofrat Zscharin getreten. 
„Dieeer neue Kollege, eiue hagere Gestalt mit zynii 
Gesichts Ausdruck, ein gelehrtes Haus, das über 
verfugte , aber für einige Silberlinge alles heweiaeu und alles ver- 
leugnen konnte, sollte bald Ju- und außerhalb der Stande Versamm- 
lung als Sprachrohr und Eechtaheiatjind des Herrn von Beratett eine 
große, unheilvolle Roll« s]>ie!eD- (S. 67, vgl. auch S. 239). 
macht weiterhin dem grollen Juristen die gewissenloseste Obatmktii 
politik zum Vorwurf — was einem Toten gegenüber sehr leicht ist, 
Abgeordnete Griesbach hat sich die militärische Schulung aus Müllen 
i, Teile gut bewahrt. Uhs erste, was er tat, war eine gründliche 
Uekognoszirung des B'eindes, denn, sagt er selbst: ^Es soll im Kri^e 
viel gewonnen sein, wenn man des Feindes Stärke genau auskundschafl«n 
kann.' Nachdem er sich demgemäß „durch die feindliche Vorposten- 
kette, insbesondere durch die zum Teil auf Vertuschung undTänscbuag 
berechneten 2ialileu verhaue durchzuschleiclien" versucht, „entwicl 
er seinen und seiner Freunde künftigen Operationsplan'' (8. 

Eis besonderer Leibhcld Müllers ist Itzstein. ,War Liebem 
das staataraäunische , Hotteck dos parlamentarisch-publiziBtisabe 
war Itzstein das agitatorisclie Talent des alten badischen Libei 
mufl." Er war zwar „ohne die Weihe höherer wiasenachami 
Bildung", aber ein desto „unermüdlicherer und unerbittlicherer Dnmf^ 
ganger, der bei jeder Bloße der Begirung zu einem scharfen Lauzen- 
stoße ausholte, der mit seinen Ausdrücken — ganz wie sein Lobredner 
— auf dem hohen Dachfirst wandelte und je nachdem rechter Hi 
oder linker Hand geschickt auswich . . ., außerhalb der Kammer 
joviale Festredner, dc;r einen guten Trunk liebte und auf daa V) 
die Jugend und die Frauen toastete" (S. 132). Zuweilen „arl 
Itzstein mit einer gi'oßen Heekenscheere in seinem Keferate" (8. 
Kein Wunder, doss „der G ro (.therzog, weit entfernt über 
Parteien ku stehen, mitteu unter ihnen stand" (S. 281), Wie 
ersten Landtag der „Hofhistoriograph" Brodhag, so spielt im zweiten 
der „Hofhistoriograph Schreiber" die Bolle des Haiipt- 
gespensteB, ganz in Müllei« gewohnter Weise. 





1 uu<1 NsriiHi-liU-ri 



2>^1 



Dag Buirh schließt mit einer scbwungv ollen Verherrlichting 
LiebensteiiiE, die jeilenuaiui unterschreiben kann. Um die Beinbeil 
der AfaaichteD Liebeoäteins und seine Vstt^rluidsliebe aber wie um 
die Lsaterkeit seinra Cfa&rakters wSre es schlecht bestellt, treAD fit 
von der Verehrung nnd Geschieb tsmacherei einer Partei mhhinge. 

Ijeonhftrd Müller freilich hat alle OeheimniESe der Begirung 
nnd der Al^eordneten so scharf ertauecbt, dass er fiber ihre Ab- 
sichten Dnd Bestrebungen oft besser unterrichtet ist, als dieee selbst 
es jemals sein konnten t)b dabei das Wesentliche Tom Üiiweaent- 
lichea , das VorUbergebeode Tom Bleibenden , der Kern roti der 
Schale unterschieden, ob dabei auch das Ineinander, nicht bloli das 
Xeben- und Nacheinnnder erfaßt und behandelt wird , ob auch ge- 
sunder Sinn und geschichtliche Wahrheit dabei zu Schanden werdeu, 
kommt nicht in Betracht. Ja, in der Tat, zu sehen, wie in Leonhnrd 
Mullers badischer Landtagsgeschichte „die alte zerschossene Fahne des 
badischen Fortschritts" gesohwenkt wird, das iat .zugleich ein 
Gr 



el I 
Uaunheim. 



E. Sartorins, 



^■,Ioluuin Anton Zehnter. Geschiebte des Ortes Messel- 
^B^' haasen. Ein Beitrag zur Staats-, Rechts-, Wirtsckafts- und 

^B^ Sittengeschicble von Ostfrankeu. Heidelberg, C. Winter, 1901. 

H , Xn, 355 S. y». Preis 6 M. 

H^ Mit au&ichtiger Freude begrüßen wir diese neueste badische 

Ortsgeschichte. Ist sie doch ein schätzenswerter neuer Beweis 
dafar, doss die Liebe zur heimatlicben Lieacbicbte wie nidit minder 
die Lust und Belabigung . sie darzustellen, gerade in dem vielge- 
schmähten .Hint«r!anile" so zahlreiche und tüchtige Vertreter iindet, 
dasa es sich suis vorteilhafteste mit jeder andern Gegend uiiferes 
Vaterlands messen kann. Und dieser Freude soll audi deiliirch 
kein Eintrag geschehen, das» wir die Geschichte des Ortes Messel- 
hnusea insofern für verfelilt hallen, als sie zu unbegrenzt und ufer- 
los ins Bivite geht. Denn sie enthält auf der andern Seite su viel 
des Neuen, Interessanten und Lehrreichen, dass wir die Weitschweifig- 
keit gern in Kauf nehmeu. Dies kai 
bezüglich der Verstöße unsere Meini 
merksnm zu machen, — nicht um des Tadels willen . sondern um 
andere vor den gleicheu und ähnlichen Fehlern au warnen. 

Zebnters Geschichte von Messelhauseii /erfüllt in zwei Teile, 
deren erster die Darstellung und deren zweiter einen Anhang vou 



indesseu nicht abhalten, 

1 und auf sie auf- 



382 



miil Xiu'lu-ii'llt..,: 



48 Urkunden enthält. „Dia systematische Darstellung-' — ■ wobei 
das .syateroatiach" völlig überfliiasig dünkt — „handelt vom Urspi 
dea Orts, von den GrnindherrsuliBften, der Grundeigentiimaverfaasua^^ 
den Grundlasten, der Grundentlaatung und den Lasten der Grund- 
herrschnft. von der Landeshoheit und der Art ihrer Handhabung in 
ritterschaftliohDr Zeit, von den Süßeren Schickaalen des Orts in 
Krieg, Krankheit und Not, von dem Geraeiudeweseii, der Schule, den 
Stiftungen, den kirchlichen Verhältnissen und den Juden, von den 
wirtschaftlichen Znattinden, dem landwirtachaftliuhen Betrieb, Gewerbe 
und Verkehr, ilaft, Gewicht und Münze, von Sitten, Gebräuchen, 
Rech tsgewohnli eilen, Sprache , Sageu , Aberglauben uaw. Dieser 
Ted, in dem fast alle Familiennamen dea Orts mehr oder weniger 
häufig vorkommen," füllt allein 300 Seiten gr. V". Ein solohi 
Umfang ist für einen Ort von knapp 400 Einwohnern trotz des . 
Sitzes" einer adeligen Familie, selbst wenn aUe die genannten 
.andere Gesichlsp unkte mehr zur Sprache kommen, des Guten zuviel 
und konnte nur auf Kosten der Ueberaicbtliobkeit und Klarheit er. 
reicht werden. Ebenso ist der Preis gerade für diejenigen , für 
welche das Buch in erster Linie bestimmt ist, meist nnerschwingli 
Auch die Präzision hat darunter gelitten, wie aua zahlreichen > 
ersichtlich ist. Ich verweise z. B. auf S. !), wo die Ansicht, 
die Germanen nicht aus Asien , sondern aus Skandinavien s 
gekommen seien-, neuerlich ala die mehr und mehr überhandnehmende 
'genannt wird. Das ist nicht richtig und schon allein nach den hier 
ausschlagend ins Gewicht fallenden Ergebniaaen der Sprachforsohi 
völlig unhaltbar. Es kann da nur eine Verwechslung mit 
dringen der Germanen aus den Gegenden zwischen Elbe und Weicht 
nach Südwesten vorliegen, während ihre Einwanderung unzweifell 
aus dem südöstlichen Europa erfolgt ist. Die alten Tomirhücher 
andere denn auch nur ala geringwertige kulturgeschichtliche Quellen 
zu verwerten, wie 8. .33 geschieht, ist sehr bedenklieh. Die Hercjata« 
-ilva mit dem Verf. S. 100 schlechtweg als Schwarzwald 
titehen, ist durchaus falsch und auch nur von einzelnen, mit 
alten deutschen Geographie ^'huk schlecht vertrauten Quellenschi 
steilem gebraucht. Auch an irreführenden Druckfehlem (z. B. S. 145 
Anm. 2: Benz statt Benaen) ist kein Mangel. Ein Blick in die ur- 
kundlichen Anlagen zeigt, dass das Urkundenediren gelernt 
will; nicht einmal die Daten sind reduzirt. 

Doch, da der Verf. im Vorwort ausdrücklich bittet, „nieht 
UaBstAb atrengster Kritik anzulegen" und wir uns sehr lebhaft 



, lur 

iglid^H 
itelli^H 

1 hier 
ohniq^^^H 

ichse^^H 
elhaft^^ 

u eilen 

It iJ^M 




.\iiXpifr<>N "11,1 Xn.'hri.'iit. 



283 



I 

I 



l 



löine Lage versetzen köunfii. wollen wir nicht weiter in Einzelheiten 
eingehen. Aber möchten doch alle, welche sich populärwisscnBchoftlich 
zu schreiben vornehmen, dabei als obersten Grundsatz ateta im Äuge 
behalten , dasa das Volk gerade gut genug ist , ihm das Beste zu 
bieteil '. Dann darf man ihm aber nicht, wenn man ihm einen Kunst- 
Schrein zimmern will, das Bämtliche Holz vorlegen, mit Abfall, Säg- 
melil und Spähnen. Deim ein OeBchichtswerk muas immer auch ein 
Kunstwerk sein: nur harmonisch gebildet, wird es auch harmoiiiEch 
und bildend wirken, fesseln unii überBSugen, und dem wahren Zweck 
der Wissenschaft dienen. Zu diesem Ende aber darf der Yerf, nicht 
das ganze Malt seiner Studien und Vorarbeiten zum Besten geben, 
sondern raus» sich auf das wirklich Wissenswerte beschränken. Fließt 
der Stoff thatsäcldich so scheinbar überreich wie hier, so muss eine 
weise Sii^htung und Scheidung vorgenommen und nur das Wichtige, 
das durch die Untersuchung gesicherte Ergebnis darstellend ver- 
arbeitet werden. Alles andere kann man etwa in Zeitschriften nieder- 
legen, damit es dem Kleinforscher nicht vorenthalten bleibt. Aus 
dem gleichen Grunde soll auch , was die Urkunden seihst Wissens- 
nnd Eru'ähnenswertes enthalten , in die Darstellung und zwar wo- 
möglich in ihrer eigenen Sprache aufgenommen, alles Uebrige bei- 
seite gelassen werden. Der 8tand])iinkt des 8]>eziBlisteu kann hier 
nicht mallgebend sein , denn mit ebensoviel Neuem , als der Verf. 
ihm bieten kann, wird er hinwiederum dem Verf. aufwarten können, 
•ogar was dessen eigene Familie betrifft. So seien ihm hier zwei 
Urkunden genannt, die seine B. 64 f. gegebeoen Nachrichten über 
die Zehnter ergänzen. 

Am ö. .August 1557 beurkunden Bürgermeister und Rat von 
BischofiBhaira an der Thaober dem Philips "Zehen der, Bürgei- und 
Ratsherrn zu BiHuhofTähaim , als gesetztem und geordnetem Curator 
und Vogt Gabriels, ChristD)ihen und Wilhelms weiland Hans 
Zehenerg, seines Bruders sei. verlassenen ehelichen Söhnen, als 
Erben des kurzlich zu Freibnrg i. Br. verstorbenen Dr. Johann 
Zehender, seines freundlichen , lieben Vetters und genannter seiner 
Vogtsöhne Bruders sei, , dass er dem ehrenhaften , wolgelehrten 
Meister Johann Casparn Grienwaldon, zu Freyliurgk wohnhaft, in 
aller Form Rechtens zu seinem Stellvertreter in der Erbangelegen- 
heit bestellt habe. Am darauffolgenden 13. Aug. bekennt dann 
Johann Caspar Griinenwald, freier Kiini^ten Magister, als voll- 
mächtiger Anwalt und Gewalthaber des ehreuhaften PhUipaen Zehen- 
ders, Bürgers und Ratsherrn zu Bisclmffsheim nn der Tauber als 



y84 



11.1 \niOin.'h(r-ii 



reclitlichen Vogts Gabriels, Christophen und Wilhelms der ZeheaäPr. 
Gebrüder, von Bürgnrmeiater und Rat der Stadt Freyburg i. Br. 
io weiland des hochgelehrten Herrn Jobann Zehenders, der Eechten 
Dootora und der Univereität zu Preyburg zugethanen und Verwandten 
verlasseu Hab und Gut als Erben vermöge seines aufgerichtet«]] 
Testaments nach ihrem Stadtreeht eingesetzt zu sein , gelobt narh 
allem Recht in dieser Augelej^enheit zu verfahreu und beueunt als 
seine Bürgen Peter Helmer und Clai 
(liiselbBt zu t'reiburg. Auch die Fr« 
Sliftera Peter Sprung, Elisabeth, wn 
Freihurger Diöcesan-Äri-hir 32, 28a 
Freibnrg i, Br. 



i Hoftnann, beide Hinteraa 
u des BVeiburger Ratsherro und 
r eine geborene Zehender; 

P. Albert. 



rnventare <les Gru.ssIierzoglii-h BadisHieu Geiierol-Landef 
arrliivs. Herausgegeben von der Großherzoglii 
Archivdirektion. 1. Bd. Karlsruhe. Chr. Fr. Mül!«^ 
1301, VII, 3^0 H. 8". Preis 8 M. 
Dieses erste Inventar eines größeren ööeutlicheu Archiv 
bei all detijeuigen, weluhe die historische Wisüenachaft aus Keiguoi 
oder vou Amiswegen au der Quelle aufsuchen, ebeuBO große UbI 
raachu[]g wie Befriedigung hervorrufen. Denn noch ist es 
sehr lange her, dass die Zulassung zu den meisten Archiven «in 
frommer Wunsch der Gelehrten war, ja noch ist heute trotz des 
hochheritigen Beispiels des Papstes die unbeschränkte und bedingungs- 
lose Beoützutig zahlreicher Archive nicht« weniger als erreicht. Ud( 
so höher ist die Bedeutung des vorliegenden Unteniehmeiis, das 
weitesten Kreise der Foraclienden mit den reichen Beständen 
Groliiierzoglich Badiscben (jeueraj-ljaudesarchiva in Karlsruhe : 
die bei|uen)ste Weise bekannt macht. In Badeu wurde in di 
Beziehung von jeher ein weitgehendes Entgegenkommen geübt, 
durch die von dem gegenwärtigen Arehivdirektor Geh. Rat ] 
V. Weech befolgten (irundsatze auf eine geradezu ideale Hohe gebrM 
ist. Durch die Herausgabc der Inveiitare des unter seiner Leitui 
stehenden Archivs hat er seiner Tätigkeit iils Archiv direlri 
die Krone aul'gesetzt. Ihm , dem der Plan und die allge- 
pieiue Auaführun}^ dieser Verötfent Hebung zukommt, sowie dem 
Ai'chivaBsessor Dr. Bruiiner, dem die ungemein mühevolle BeWr j 
lieitung oblag, gebührt deshalb der unbedingte und nufrichtigste I 
aller Gescbichtsforicher und Geäcbichtafreunde , nicht minder ab< 
auch der Fachgenossen, die das Erscheinen dieses ersten dentmfai 






tut Nor-lirK-hl.'i 



I 
I 



ArdüvinveDtnrs von item Banne einer langwierigen Unaicherhett uuil 
< iebundenheit befreit. Es wirfl «ueh Ton nieindnd verkannt werden, 
worüber der Herausgebei' im Vorwort eich siispricht: daaa die B«< 
arbeitung .eine umständlicbe, zeitraubende und in jeder Hiusicht 
achwierige" war; aber viel zu wenig ist gesagt, wenn er hinzufUgt, 
daas sie auch eine sehr verdienatHche ist, denn sie muf« als durch- 
aus bahnbrechend und grundlegend, als ein Ereignis , als eine Tat 
von weittragender Bedeutung; bezeichnet werden. 

Wob den Inhalt des vorliegenden ersten Bands anbelangt, so ist 
in'der Einleitung eine kurze Uebersicht über die Gesamtheit der Be- 
stände des General-LandeaarchivB gegeben , die in li Hauptgriippen 
zerfallen : das Groß herzogliche Familiennrchiv, das G rottli erzog liohe 
Haus- und Staatsarchiv und das Landesarchiv. Dieses letztere, das 
wieder in 17 Abteilungen zerlegt ist, kommt hier zuniichst in Be- 
tracht. Ks sind hier nach ihrem Inhalte verzeichnet: I. das Helekt 
der ültesten Urkunden der Kaiser und Könige, der Püpste und der 
Privaten von 705 — 1200; '2. das Seiekt der Kaiser- und Königs- 
urkunden von 1200 — 1518; 3. das Seiekt der Papsturkundon von 
1198 — 1302; 4. die Sammlung dm- Kopialbüoher, läao Nummern 
amfoesend; 5. die Sammlung der Anniversarien und Nekrologien, 55 
an der Zahl; 6. die Sammlunf^ der Handschriften, jlie in 759 Einzel- 
itnd 402 Sammelb and Schriften auseinandergehalten sind. Die VerK«ich- 
nuDg der Urkunden geschieht in chronologischer Urdmiug. die der 
Übrigen Abteilungen nach syatemati sehen Gesichtspunkten in alpha- 
betischer Reihenfolge der (Irte und Personen, Ein mit hesonderer 
Sorgfalt bearbeitetes Register bildet den Schlues des Bands und ein 
vorzügliches Hili'vnittel für die Benützung des Inventars und damit 
auch des Archivs selbst. Diese knappe Inhal tsangalie allein zeigt 
schon die musterhafte Anlage des Werks wie seine Uneotbehrlichkeit 
für jeden, der sich mit geschichtlichen Studien beacbMftigt; näher in 
dieser und anderer Hinsicht auf dasselbe einzugehen, wird sich andern 
Orts Gelegenheit bieten. 

Freihnrg i, Br. P. Albort. 

NeiijahrsblUtter der BadiNchen Historischen KomnuMSion. 

Neue Folge i. l'iOI. Baden zwischen Neckar ujad Miün in 

den Jahi-en IHOS— ü. Von Feter F. Albert. Heidelbei«, 

Winter. 91 8. 8". Preis 1.30 M. 



Ein bisher nur 
«childert das soebei 



wenig noch beachtetes Bild des liadischen Lands 
erschienene Neujahrsblatt der Badiscben Histo- 



286 Auzeipeu miil XiidiiicliliMi 

rischen Konnutgsion. Im (JegeDsati; zu dem vorJälirigeD, Atta i 
die Ul'ec des BodeoseeB geführt, und die Schicksale der Stadt Kod- 
stanz im dreißigjährifcen Kriege uns vor Auges stellte, versetzt ee 
UDB heuer ia den DordüHtiicIiea Teil Bndeos Dach „Baden zwisclieii 
Neckar und Main in den Jahren 1803— 180H". Der Vtr- 
fasBer, Dr. AI hart, der bereits einmal, mit der Geschichte seines 
Heiinatsorta Steinbach l)ei Mudau , in eben jenem Landstriche 
gelegen, in so warmer Weise für sein engeres Heiniatelaud einge- 
treten, zeigt sieh auch hier wiedei'um im einleitenden ersten Kapitel, 
bei Schilderung von .Lnnd und Leuten" als hegeisterter Anwalt 
ihrer Vorzüge. Vor allem wendet er sich wider die völlig unbe- 
rechtigte Vorein},'enainmeuheit der Überländer gegen Land und Leute 
«hinten im hadischen Odenwald, wo die Welt mit Brettern vernagelt 
sei-. Die Vorarteile , die Eittatellungeu und Verketzerungen, die 
selbst „in die landesgeschichtliclie Literatur eingeführt, die Beaniten- 
welt hia auf den heutigen Tag vielfach beherrschen ', sucht er zu 
widerlegen und völlig zu lieben durch eine von warmer Heimatliebe 
getragene, beredsame Schilderung der wahren Verhältuiese. Treffend 
weist er u, a. hin auf den Widerspruch in der Charakteraeichnuug 
des Volks ricitens Baders und seiner Nachheter (S. 15 f.). Welcher 
Liebhaher der Natur aber ist nicht entzückt , wenn er auch nur 
liest, „wie im Innern die einfaclisten Elemente landschaftlicher Schön- 
heit sich zu neuen Bildern zusammensi'l [ließen, wie Berge und Täler, 
Wälder und Felder, Wiesen und Hache, Städte, Dörfer und Weiler 
sich in lieblicher Abfolge, in buntem Vetihael dem Wanderer dar- 
bieten", und wünscht dieses „Anmutig- Lieb liehe- der Natur auf froh- 
gemuten Wanderungen selbst zu schauen und zu genießen. Und 
welcher Volksfreund fühlte sich nicht angezogen durch „die herzliche 
Oä'enheit des XI nterl anders, die so anheimelnd und gewinnend wirkf. 
dorthin, wo Treue, (üastfreundBchaft, Biedersinn und Oetalligkeit zu 
Hause sind. Mit Recht begründet der Verfasser die 'S'ereinsamuug 
und den angeblichen Rückstand der ganzen Gegend, und der ein- 
zelnen Städtchen mit der Ungunst der Verkehrswege. 

Im zweiten Kapitel erhalteu wir einen Einblick in die Staats- 
und Rechtsverhältnisse vor und nach dem sogenannten Beichs- 
deputationsbauptschlusH vom 25. Februar 1803 bis zur Einverleibung 
des betr. Landstrichs in das 1 fiOG neugeschaffene Großherzogtum 
Baden. Bis zu jenem Zeitpunkt teilten sich in die Landesbubeil 
die Kurfürsten von der Pfalz und von Mainz, der Fürstbischof von 
Würzburg, die Fürsten und Grafen von Löwen stein -Wertheim und 






I XudiHfiilen 



287 



I 



mehrere Mitglieder der unmittelbareu i'reien Reichsritterschaft in 
Franken KntitoDS Odenwald. An die Beschreibung der eiozelnen 
Territorien knüpft der VerfasBer eine treffende Sclulderung der innem 
rechtlichen Zuatsade, die nicht gerude zu Gunsten der einzelnen 
Landraherrn ausfallt, Krat mit der Neueinteilung durch den Reiclis- 
friedeuBBchlusa unterm 27. April 1803 und der Neubildung des 
Fürat«ntuniE Leiniogen trat eine Besserung ein vorzüglich durch das 
Bestrehen und die Mallragein des Fürsten Karl Friedrich "Wilhelm 
zur Kenntnis uud Hebung des Lands. 

Interessant sind die Mitteilungen über die verschiedenen Besitz- 
ergreifungen, inBbesondere huzüglicli des Uebiets der Keicheritter- 
achaft seitenB der Fürsten , so z. B. der Herrschaft Adel.sbeiin, zo 
deren Annexion seitens Württembergs und des Fürsten von Leiuingen 
innerhalb eines halben Jahrs nicht weniger als viermal der Versuch 
gemacht worden, bis sie endgiltig in badischen Besitz kam. 

Mit Interesse folgen wir auch den Ausführungen des 3. Kapitels 
über Kirche und Schule. 

Besonderen Wert legt der Verfasser in Kapitel 4 auf die 
Darstellung der wirtschaftlichen VerhSltniBse. Es würde zu weit 
führen, näher darauf einzugehen. Als Hauptnalu'uugs quellen galten 
von Alters her der Ackerbau, die Viehzucht und der Holzliandel. 
Gewerbe uud Industrie sind auch beute noch von neb eusücbl! eher 
Bedeutung; zu Begiun den 1!). Jahrhunderts waren sie es noch viel 
mehr. Die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage in dem gegebenen 
Zeitraum läast sich zusammen fassen in die Worte: 

„Heilte atluberall ein fröhliches Wachsen und Gedeihen, damals 
allenthalben ein besonders infolge der alle Augenblicke wecbaelndeu 
politischen Einrichtungen äulierst gedrückter und armseliger Zu- 

Daa Schlnsskapitel endlich bringt noch bemerkenswerte Mit- 
teilungen über Volkswol und Bildung. An der Haud der zeit- 
genössischen Berichte der Aemter und Gemeinden wird der Zustand 
der Sitten geschildert, der (irund ihres Verfalle und die Anwendung 
der geeigneten Mittel zu ihrer Hebung dargelegt, und da.s Verdienst 
einxelner Männer 'um dieselbe hervoi^boben. 

Mögen sich denn auch die Wünsche des ^'e^faaBe^s, durch diese 
aus begeisterter Haimatliebe entquollene Schilderung zum weiteren 
Wole seines Heimatlands beizutragen, und alle A^orurteile gegen das- 
selbe zu entkräften, iu reichlichstem Malle erfüllen. 

Freiburg i. Br. J, Karteis. 



I N'lK'llLI.'llt. 



Zeitschrift fiir liorlideiitst-Iip HuikIatIcu. HerniiBgegtiBt 

'.). Boilii? iiu»! Ph. Lt-Dz. 1. itaud («Hefte). Heidelbor^. 

W'iiiier, 19()0. IV un-l 384 Seiten. 8". Preis 12 M. 
Eine Mumlsrten Zeitschrift ist langst Bedürfnis. Keiut; der 
auf BefriwUgung dieseB Bedürrnissea gerichteten üutemelimimgeu 
ueaerpr Zeit hat bisher Gfnüge j(eleiBtet. Diibei wirkten versehif- 
dene UmstSnde mit. Zimäehst kniin nicht ?enug hervorgeliobeu 
werdeu, das» die Gemeinde derer, welche die Mundarten wirklicli 
lieben und hochschätzen, gegenüber der Bedeutung der Hondiu-teu 
immer mich viel zu kli'in ist. Femer waren die Zeitachril^ 
trriindDDgeu der Ietzt<>n Jahrzehnte meist wissen schai'Uich nicht i 
reichem!, iündlich stand kein kräftiger Verleger dahinter, 
dtts war wol bisher ein Uauptniangel. Denn eine kräftig geleiU 



Zeitschrift, die nicht 
der Rcunbshü verschwindet, miisi 
Werte cler Mimilarten nicht ntir jf 
(icmeinile um sich smnmelu, aoiidi 
und «([«gestidteu helfen. Hier uui 
liochdeutKche Mundarten" sehen w 
urteilenden neuen Ve rauch. Die 
tüchtiger Muudartenforacher mit 
IciBti-t alle wüiiBcheusvrerte G^wiihi 



ersten matten Anlauf wieder i 
bei dem unhestreitltar hol 
e längst vorhandene zer 
n auch dieee stetig vergröBt 
in der neuen .,/eil«cbrt(i 1 
' einen durchaus günstig zn 1 
glückliche Verbindnug zwh 
in etil hervorragenden Yerlq 
Ana allen ^fegenden dM ho<! 



deutschi'u Sprachgebiets sind die Mitarbeiter des ersten BamdB I 

s ammengetreten. Ihre Mitteilungen yerbreiten sich über e 
voüGrschfinungen und Fragen det) Lebens der Mundarten. Auf Einst 
lieiten einzugehen ist hier nicht der Ort, nußer etwa, dass den Heraus- 
gebern geraten werden muss, ihr nach den Verfassern idphabeti sehet, 
selbstiindigi' Aufsätze und Bes|ire('hungen niiiht scheidendes, 
unübersichtliches Inhaltsverzeichnis erheblich zu verbesaNn. 

Vielleicht hat man aus dieser Neugründung für die Alea 
gefürchtet, da von Jeher einHanptteil des Arbeitsgebiets deriet 
die oberdeutschen Mnndarten bildeten ; doch ich war stets nnbesal 
von der ersten Anregung zu der neuen Zeitschrift durch den Verleg 
an bis zur Oründung an einem denkwürdigen Tag zu Dberried, i 
bis zur Stunde, da es möglieb ist den Verlauf zu iilieraehen; nnd der 
Verlauf hat mir recht gegeben. Die freundschaftlichen Beziehungen. 
die Herau8gel)or und Verleger verknüpfen, können demnucb nnch in_ 
den wissenschaftlichen Bestrebungen beider Zt-it Schriften 
Schaden fernerhin Ausdrnok finde». 

Kreibmg i. B. V. Pfuff.| 






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Stanford, California 



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